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Exorzismus. Ein Interview mit einem Exorzisten
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Exorzismusgebete (nur für Priester!)
in Deutsch und Lateinisch
Aus dem Dokument der Glaubenskongregation
(Brief an die Bischöfe vom 29.9.1985)
Eure Exzellenz,
Seit einigen Jahren vermehren sich in bestimmten kirchlichen Kreisen Gebetsversammlungen zu dem Zweck, die Befreiung von bösartigen Einflüssen zu erlangen, wobei es sich nicht um echte und eigentliche Exorzismen handelt. Diese Versammlungen finden unter der Leitung von Laien statt, aber oft in Anwesenheit eines Priesters. Da nun bei der Kongregation für die Glaubenslehre angefragt wurde, was von dieser Tatsache zu halten ist, erachtet es diese Behörde für notwendig, alle Ordinarien über die folgenden Antworten in Kenntnis zu setzen.
1. Der Kanon 1172 des Kanonischen Rechts (CIC) bestimmt, dass niemand rechtmäßig Exorzismen über Besessene sprechen darf, wenn er nicht die besondere und ausdrückliche Vollmacht des zuständigen Ortsbischofs hat (§1), und bestimmt, dass der zuständige Ortsbischof die Vollmacht nur einem Priester geben darf, der über Frömmigkeit, Wissen, Klugheit und Unbescholtenheit der Lebensführung verfügt (§2). Daher sind die Bischöfe aufgefordert, sich streng an diese Vorschriften zu halten.
2. Als Folge dieser Vorschriften dürfen die Gläubigen den Exorzismus gegen Satan und die rebellierenden Engel nicht benützen, der von dem Exorzismus abgeleitet wurde, der durch Verfügung Papst Leo XIII. öffentliches Recht wurde; und noch weniger dürfen sie den vollständigen Text dieses Exorzismus verwenden. Die Bischöfe sollen den Gläubigen im Bedarfsfall von dieser Vorschrift unterrichten.
3. Schließlich werden die Bischöfe aus den gleichen Gründen gebeten, darüber zu wachen, dass niemand ohne die entsprechende Vollmacht Versammlungen leitet, in denen Befreiungsgebete benützt werden, in deren Verlauf die Dämonen direkt angesprochen werden und man sich bemüht, ihre Namen zu erfahren - auch in Fällen, bei denen es sich nicht um echte und eigentliche teuflische Besessenheit handelt, aber dennoch ein teuflischer Einfluss vorzuliegen scheint.
Wenn auch an diese Vorschriften erinnert wird, so dürfen die Gläubigen in keiner Weise vom Beten abgehalten werden, um vom Bösen befreit zu werden, wie es Jesus uns gelehrt hat (vgl. Mt 6,13). Darüber hinaus können sich die Oberhirten der ihnen gebotenen Gelegenheit bedienen, um an die Lehren der Kirche in Bezug auf die eigentlichen Funktionen der Sakramente, auf die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria, der Engel und der Heiligen, aber auch den geistigen Kampf der Christen gegen die bösen Geister zu erinnern.
Joseph Kardinal Ratzinger, Präfekt
Monsignore Bovone, Sekretär
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Codex Iuris Canonici (CIC) / Das Gesetzbuch der Kath. Kirche hierzu:
Can. 1172§1. Niemand kann rechtmäßig Exorzismen über Besessene aussprechen, wenn er nicht vom Diözesanbischof eine besondere und ausdrückliche Erlaubnis erhalten hat.
Gerade im Bereich der Befreiungsgebete ist höchste Vorsicht und Klugheit geboten.
Es ist allen Laien ausdrücklich empfohlen, keine Gebet zu sprechen, in denen die Dämonen direkt angesprochen werden. In diesem Dialog haben schon viele Gläubige empfindlichen Schaden erlitten. Viel besser ist das Gebet zu Gott selbst, mit der Bitte dass Er uns von allem Bösen erlösen wolle, wie es ja auch der Bitte im Vater unser entspricht. Priester hingegen sollten ihre Vollmacht gerade in diesem schwierigen Bereich viel bewusster einsetzen* und das Gebet Papst Leo XIII. für die Bedrängten öffentlich oder privat beten
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1. Benedictio crucis / Segnung eines Kreuzes
2. Exorcismus minor
(Leonis Papae XIII. ad usum sacerdotii solummodo) / Exorzismusgebet von Papst Leo XIII.3. Acclamatio ad Dei Genetricem Virginem / Anrufung der Gottesmutter Maria
+ + +
1. Segnung eines Kreuzes
V. Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn
A. Der Himmel und Erde erschaffen hat.
V. Herr, erhöre mein Gebet
V. Und lasse mein Rufen zu Dir kommen.
Lasset uns beten.
Wir bitten Dich, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott, seg+ne dieses Zeichen des Kreuzes, auf dass es ein wirksames Heilmittel für das Menschengeschlecht sei: es verleihe Festigkeit des Glaubens, Fortschritt in guten Werken; es sei Erlösung der Seelen, Trost, Schirm und Schutz gegen die tödlichen Pfeile der Feinde. Durch Christus unseren Herrn.
Amen.
Seg+ne, Herr Jesus Christus, dieses Kreuz, durch das Du die Welt aus der Macht der bösen Geister errettet hast. Du hast durch Dein Leiden den Verführer der Sünde überwunden, der frohlockt hat über das Vergehen des ersten Menschen, der sich zum Ungehorsam gegen Dich am Baumstamm des Paradieses verleiten liess.
Wir bitten Dich, seg+ne diesen neuen Baumstamm, den Du auf Golgotha zu unserem Heile aufgestellt hast.
So werde gesegnet und geheiligt dieses Zeichen des Kreuzes
(hier besprengt der Priester das Kreuz mit Weihwasser dreimal)
Im Namen des Vaters + und des Sohnes + und des Heiligen Geistes,
auf dass alle, welche um des Herren und Seines bitteren Leidens willen vor diesem Kreuze beten und sich verneigen, beständigen Schutz, Gesundheit des Leibes und das Heil der Seele erlangen.
Durch denselben Christus unseren Herrn.
Amen.
2. Gebet zum heiligen Erzengel Michael / Exorzismusgebet von Papst Leo XIII.
(Gebet nur vom Priester zu beten! Auch bei eucharistischen Anbetungen als Segen über das Volk geeignet)
Im Namen des Vaters + und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Glorreicher Fürst der himmlischen Heerschar, heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampf gegen die Fürsten und Mächte, gegen die Häupter dieser Welt der Finsternis, gegen die Geister der Bosheit in den Lüften. Komm den Menschen zu Hilfe, die Gott nach Seinem Bild und Gleichnis erschaffen und um hohen Preis aus der Tyrannei des Teufels erkauft hat.
Dich verehrt die heilige Kirche als ihren Schutzpatron. Dir hat der Herr die Seelen der Erlösten anvertraut, damit du sie in die himmlische Seligkeit einführest. Bitte daher den Gott des Friedens, Er möge den Satan unter unseren Füßen zertreten, damit er nicht weiter die Menschen gefangenhalten und der Kirche schaden kann.
Bringe du dem Allerhöchsten unsere Gebete dar, damit die Erbarmungen des Herrn uns bald zuteil werden. Ergreife den Drachen, die alte Schlange, den teuflischen Satan, und stürze ihn gefesselt hinab in den Abgrund, damit er nie mehr die Völker verführe!
Im Namen Jesu Christi, unseres Herrn und Gottes, durch die Fürsprache der unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter Maria, des heiligen Erzengels Michael, der heiligen Apostel Petrus und Paulus und aller Heiligen, ausgestattet mit der heiligen priesterlichen Vollmacht, gehen wir voll Zuversicht daran, die Angriffe des teuflischen Truges zurückzuschlagen.
Gott stehe auf! Zerstieben sollen Seine Feinde!
Vor Seinem Anblick sollen fliehen, die Ihn hassen!
Wie Rauch vergeht, so sollen sie vergehen. Wie Wachs vor dem Feuer zerfließt, so sollen die Sünder hinschwinden vor Gottes Angesicht.
V. Seht das Kreuz des Herrn! Flieht ihr feindlichen Mächte!
(Priester nimmt ein Kreuz mit Korpus in die Hand mit dem Korpus in Richtung des zu segnenden Gegenstandes. Beim + segnet der Priester mit dem Kreuz in Form eines Kreuzzeichens)
A. Gesiegt hat der Löwe aus dem Stamme Juda, das Reis Davids.
V. Deine Barmherzigkeit komme über uns, o Herr
A. Die wir unsere Hoffnung auf Dich setzen.
Wir beschwören dich, wer du auch sein magst:
unreiner Geist, satanische Macht, Ansturm des höllischen Feindes, teuflische Kriegsschar oder Rotte! Im Namen und in der Kraft unseres Herrn Jesus X Christus sei herausgerissen und vertrieben aus der Kirche Gottes, aus den Seelen, die nach Gottes Ebenbild geschaffen und mit dem kostbaren Blut des Gotteslammes erkauft sind X . Wage es nicht mehr, heimtückische Schlange, das Menschengeschlecht zu täuschen, die Kirche Gottes zu verfolgen und die Auserwählten Gottes wie Weizen zu schütteln und zu sieben X . Es bezwinge dich Gott der Allerhöchste X , dem du in deiner großen Hoffart immer noch gleichgestellt sein willst. Sein Wille ist, daß alle Menschen selig werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.
Es bezwinge dich Gott der Vater X . Es bezwinge dich Gott der Sohn X . Es bezwinge dich Gott der Heilige Geist X . Es bezwinge dich Christus, das fleischgewordene ewige Gotteswort X . Er hat sich zum Heile unseres Geschlechts, das durch deinen Neid verloren war, erniedrigt und ist gehorsam geworden bis zum Tode. Er hat Seine Kirche auf den festen Fels gebaut und die Verheißung gegeben, daß die Pforten der Hölle sie niemals überwältigen werden. Denn Er selber bleibt bei ihr alle Tage bis ans Ende der Welt.
Es bezwinge dich das heilige Geheimnis des Kreuzes X und die Kraft aller Sakramente des christlichen Glaubens X . Es bezwinge dich die hehre Jungfrau und Gottesgebärerin Maria X , die dein stolzes Haupt seit dem ersten Augenblick ihrer unbefleckten Empfängnis mit ihrer Demut zertreten hat. Es bezwinge dich der Glaube der heiligen Apostel Petrus und Paulus und der übrigen Apostel X . Es bezwinge dich das Blut der Märtyrer und die fromme Fürsprache aller Heiligen X .
Ja, wir beschwören dich, verfluchter Drache, samt der ganzen teuflischen Schar bei dem lebendigen X Gott, bei dem wahren X Gott, bei dem heiligen X Gott, bei Gott, der so sehr die Welt geliebt hat, daß er seinen eingeborenen Sohn dahingab, auf daß jeder, der an Ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern das ewige Leben habe.
Höre auf, die menschlichen Geschöpfe zu täuschen und ihnen das Gift der ewigen Verdammnis einzuschenken! Laß ab, der Kirche zu schaden und ihrer Freiheit Fesseln anzulegen!
Weiche, Satan, du Erfinder und Meister allen Betruges, du Feind des Heiles der Menschen! Räume den Platz für Christus, an Dem du nichts von deinen Werken gefunden hast! Räume den Platz der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche, die sich Christus mit Seinem Blut erworben hat!
Beuge dich unter die mächtige Hand Gottes! Zittere und fliehe, da wir den heiligen und furchtbaren Namen Jesu anrufen, vor dem die Hölle erbebt, dem die Kräfte des Himmels, die Mächte und Herrschaften unterworfen sind und den die Cherubim und Seraphim mit unermüdlicher Stimme preisen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Gott der Heerscharen!
V. Herr, erhöre mein Gebet!
A. Und laß mein Rufen zu Dir kommen!
V. Der Herr sei mit euch!
Und mit deinem Geiste!
Lasset uns beten!
Gott des Himmels, Gott der Erde, Gott der Engel, Gott der Erzengel, Gott der Patriarchen, Gott der Propheten, Gott der Apostel, Gott der Märtyrer, Gott der Bekenner, Gott der Jungfrauen, Gott, der Du die Macht hast, nach dem Tode Leben und nach der Arbeit Ruhe zu geben, weil außer Dir kein Gott ist und weil es keinen geben kann außer Dir, dem Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge, und dessen Reich kein Ende haben wird:
demütig flehen wir Deine glorreiche Majestät an, Du wollest Dich herablassen, uns von jeder Gewalt, Fessel, Täuschung und Bosheit der höllischen Geister machtvoll zu befreien und uns unversehrt. zu bewahren. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen.
(Priester legt das Kreuz weg)
V. Von den Nachstellungen des Teufels:
A. befreie uns, o Herr!
V. Daß Du Deiner Kirche Sicherheit und Freiheit in Deinem Dienste gewähren wollest:
A. wir bitten Dich, erhöre uns!
V. Daß Du die Feinde der heiligen Kirche demütigen wollest:
A. wir bitten Dich, erhöre uns!
(Der Priester besprengt den Ort, Gegenstand oder die Personen mit Weihwasser)
Gemeinsam:
Heiliger Erzengel Michael, beschütze uns im Kampfe! Gegen die Bosheit und Arglist des Teufels sei unser Schutz. "Gott gebiete ihm"!, so bitten wir felhentlich. Du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen, stürze den Satan und die anderen bösen Geister, die zum Verderben der Seelen die Welt durchschweifen, in der Kraft Gottes hinab in die Hölle. Amen.
Heiligstes Herz Jesu – erbarme Dich unser
(dreimal)
3. Anrufung der hl. Gottesmutter Maria
(Als Gebet auch für Laien geeignet. Evtl. gemeinsam mit dem Priester. Auch allein zu beten:)
Unbefleckt Empfangene, jungfräuliche Mutter des Erlösers, Königin des Himmels, höchste Herrin der Engel! Du hast von Gott die Macht und Sendung erhalten, den Kopf des Satans zu zertreten. Wir bitten dich demütig, sende deine heiligen Legionen, damit sie unter deinem Befehl und durch deine Macht die höllischen Geister verfolgen, überall bekämpfen, ihre Verwegenheit zuschanden machen und sie in den Abgrund zurückstoßen. Erhabenste Gottesmutter, schicke dein unüberwindliches Kriegsheer auch in den Kampf gegen die Sendlinge der Hölle unter den Menschen; zerstöre die Pläne der Gottlosen und beschäme alle, die Übles wollen. Erwirke ihnen, so bitten wir, die Gnade der Einsicht und der Bekehrung, auf daß sie dem Dreieinigen Gott und dir die Ehre geben. Verhilf überall der Wahrheit und dem Rechte zum Siege.
Mächtige Schutzfrau, durch deine flammenden Geister behüte ferner auf der ganzen Erde deine Heiligtümer und Gnadenstätten. Bewache durch sie die Gotteshäuser, alle heiligen Orte, Gegenstände und Personen, namentlich das Allerheiligste Altarsakrament. Verhindere, daß sie verunehrt, entweiht, beraubt, zerstört oder geschändet werden. Verhindere es, unsere Liebe Frau!
Himmlische Mutter, beschütze endlich auch unser Eigentum, unsere Wohnungen und Familien vor allen Nachstellungen der sichtbaren und unsichtbaren Feinde. Laß deine heiligen Engel darin walten und Ergebung, Frieden und die Freude des Heiligen Geistes in ihnen herrschen.
Wer ist wie Gott!
Heilige Engel und Erzengel, verteidigt uns! Beschützt uns!
Du aber, o Maria, unsere gütige und innig geliebte Mutter, du wirst bei allen Nachstellungen des bösen Feindes stets unsere Hoffnung und Zuflucht bleiben, im Leben und im Sterben. Amen.
1. Benedictio crucis
2. Exorcismus minor (Leonis Papae XIII.
ad usum sacerdotii solummodo)
+ + +
1. Benedictio cruis
Adjutorium nostrum in nomine Domini.
Qui fecit coelum et terram.
Domine, exaudi orationem meam.
Et clamor meus ad te veniat.
Dominus vobiscum.
Et cum spiritu tuo.
Oremus.
Rogamus te, Domine sancte, Pater omnipotens, aeterne Deus: ut digneris bene+dicere hoc signum crucis, ut sit remedium salutare generi humano; sit soliditas fidei, profectus bonorum operum, redemptio animarum; sit solamen, et protectio, ac tutela contra saeva jacula inimicorum. Per Christum, Dominum nostrum. Amen.
Bene+dic, Domine Jesu Christe, hanc crucem, per quam eripuisti mundum a potestate daemonum, et superasti passione tua suggestorem peccati, qui gaudebat in praevaricatione primi hominis per ligni vetiti sumptionem.
Benedicatur et sanctificetur hoc signum crucis
(Sacerdos aspergat crucem aqua benedicta)
in nomine Patris + et Filii + et Spiritus + Sancti;
ut orantes, inclinantesque se propter Dominum suique passionem ante istam crucem, inveniant tutelam ac corporis sanitatem et animae salutem. Per Christum, Dominum nostrum. Amen.
2. Ad S. Michaelem Archangelum Precatio / Exorzismus Leonis Papae XIII.
(Solum ad usum sacerotii)
In nomine Patris X , et Filii, et Spiritus Sancti. Amen.
Princeps gloriosissime coelestis miIitiae, sancte Michael Archangele, defende nos in proelio adversus principes et potestates, adversus mundi rectores tenebrarum harum, contra spiritualia nequitiae, in coelestibus. Veni in auxilium hominum; quos Deus ad imaginem similitudinis suae fecit, et a tyrannide diaboli emit pretio magno.
Te custodem et patronum sancta veneratur Ecclesia; tibi tradidit Dominus animas redemptorum in superna felicitate locandas. Deprecare Deum pacis, ut conterat satanam sub pedibus nostris, ne ultra valeat captivos tenere homines, et Ecclesiae nocere. Offer nostras preces in conspectu Altissimi, ut cito anticipent nos misericordiae Domini, et apprehendas draconem, serpentem antiquum, qui est diabolus et satanas, et ligatum mittas in abyssum, ut non seducat amplius gentes!
In nomine Jesu Christi, Dei et Domini nostri, intercedente immaculata Virgine Dei Genetrice Maria, beato Michaele Archangelo, beatis Apostolis Petro et Paulo et omnibus Sanctis, et sacra ministerii nostri auctoritate confisi, ad infestationes diabolicae fraudis repellendas securi aggredimur.
Exsurgat Deus, et dissipentur inimici ejus!
Et fugiant qui oderunt eum, a facie ejus!
Sicut deficit fumus, deffciant: sicut fluit cera a facie ignis, sic pereant peccatores a facie Dei,
V. Ecce Crucem Domini, fugite, partes adversae.
(Sacerdos accipit crucifixum in manibus suis, signatque ad X signaculum crucis)
R. Vicit Leo de tribu Juda, radix David.
V. Fiat misericordia tua, Domine, super nos.
R. Quemadmodum speravimus in te.
Exorcizamus te, omnis immunde spiritus:
omnis satanica potestas, omnis incursio infernalis adversarii, omnis legio, omnis congregatio et secta diabolica, in nomine et virtute Domini nostri Jesu X Christi, eradicare et effugare a Dei Ecclesia, ab animabus ad imaginem Dei conditis ac pretioso divini Agni sanguine redemptis X . Non ultra audeas, serpens callidissime, decipere humanum genus, Dei Ecclesiam persequi, ac Dei electos excutere et cribrare sicut triticum X . Imperat tibi Deus altissimus X , cui in magna tua superbia te similem haberi adhuc praesumis; qui omnes homines vult salvos fieri, et ad agnitionem veritatis venire.
Imperat tibi Deus Pater X ; imperat tibi Deus Fiilius X ; imperat tibi Deus Spiritus Sanctus X . Imperat tibi Christus, aeternum Dei Verbum caro factum X , qui pro salute generis nostri tua invidia perditi, humiliavit semetipsum factus oboediens usque ad mortem; qui Ecclesiam suam aedificavit supra firmam petram et portas inferi adversus eam numquam esse praevalituras edixit, cum ea ipse permansurus omnibus diebus usque ad consummationem saeculi.
Imperat tibi sacramentum Crucis X , omniumque christianae fidei Mysteriorum virtus X . Imperat tibi excelsa Dei Genetrix Virgo Maria X , quae superbissimum caput tuum a prima instanti immaculatae Conceptionis in sua humilitate contrivit. Imperat tibi fides sanctorum Apostolorum Petri et Pauli ceterorumque Apostolorum X . Imperat tibi Martyrum sanguis, ac pia Sanctorum et Sanctarum omnium intercessio X .
Ergo, draco maledicte et omnis legio diabolica, adjuramus te per Deum X vivum, per Deum X verum, per Deum X sanctum, per Deum, qui sic dilexit mundum, ut Filium suum unigenitum daret, ut omnis, qui credit in eum, non pereat, sed habeat vitam aeternam:
cessa decipere humanas creaturas, eisque aeternae perditionis venenum propinare: desine Ecclesiae nocere et ejus libertati laqueos injicere!
Vade, satana, inventor et magister omnis fallaciae, hostis humanae salutis. Da locum Christo, in qua nihil invenisti de operibus tuis: da locum Ecclesiae uni, sanctae, catholicae et apostolicae, quam Christus ipse acquisivit Sanguine suo.
Humiliare sub potenti manu Dei: contremisce et effuge, invocato a nobis sancto et terribili Nomine Jesu, quem inferi tremunt, cui Virtutes coelorum et Potestates et Dominationes subjectae sunt; quem Cherubim et Seraphim indefessis vocibus laudant, dicentes: Sanctus, Sanctus, Sanctus Dominus Deus Sabaoth.
V. Domine, exaudi orationem meam.
R. Et clamor meus ad te veniat.
V. Dominus vobiscum.
R. Et cum spiritu tuo.
Oremus.
Deus creali, Deus terrre, Deus Angelorum, Deus Archangelorum, Deus Patriarcharum, Deus Prophetarum, Deus Apostolorum, Deus Martyrum, Deus Confessorum, Deus Virginum, Deus qui potestatem habes donare vitam post mortem, requiem post laborem: quia non est Deus praeter te, nec esse potest nisi tu, Creator omnium visibilium et invisibilium, cujus regni non erit finis: humiliter majestati gloriae tuae supplicamus, ut ab omni infernalium spirituum potestate, laqueo, deceptione et nequitia nos potenter liberare, et incolumes custodire digneris. Per Christum, Dominum nostrum. Amen.
(Sacerdos deponit crucifixum)
V. Ab insidiis diaboli,
R. libera nos, Domine.
V. Ut Ecclesiam tuam secura tibi facias libertate servire,
R. te rogamus, audi nos.
V. Ut inimicos sanctae Ecclesiae humiliare digneris,
R. te rogamus, audi nos.
(Et aspergatur locus, res sive populum aqua benedicta)
Sacerdos similter cum populo:
Sancte Michael Achangele, defende nos in proelio; contra nequitiam et insidias diaboli esto praesidium. Imperet illi Deus, supplices deprecamur! Tuque, princeps militiae caelestis, satanam aliosque spiritus malignos, qui ad perditionem animarum pervagantur in mundo, divina virtute in infernum detrude. Amen.
Cor Iesu sanctissimum – miserere nobis (ter)
(Et dicitur aut cantatur "Salve Regina")
23. Juni: Weltgebetstag für die Heiligung der Priester
Kardinal Darío Castrillón Hoyos erinnerte daran, dass die Menschen „im Priester das Antlitz Christi schauen“.
Rom (www.kath.net, 20-6-2006 / zenit)
Der Weltgebetstag für die Heiligung der Priester wird am 23. Juni gefeiert, dem Hochfest des Allerheiligsten Herzens Jesu. Das Motto lautet: „Ich habe euch Freunde genannt“ (Joh 15,15). Dieser besondere Tag im Jahr, der von Papst Johannes Paul II. eingeführt wurde und dem intensiven Gebet für die Priester gewidmet ist, erinnert die Mitglieder des Klerus daran, dass die Menschen „im Priester das Antlitz Christi schauen“ möchten, erläuterte Kardinal Darío Castrillón Hoyos, Präfekt der Kongregation für den Klerus, in seinem Brief zum Weltgebetstag 2004.
In diesem Jahr lädt das genannte vatikanische Dikasterium dazu ein, die Predigt von Papst Benedikt XVI. während der Chrisam-Messe des diesjährigen Gründonnerstags zu betrachten.
Predigt des Hl. Vaters bei der CHRISAM-MESSE 2006 Predigt des Hl. Vaters bei der ABENDMAHLSMESSE am Gründonnerstag 2006 |
„Der Kern des Priestertums ist es, Freunde Jesu Christi zu sein“, hatte der Heilige Vater damals hervorgehoben. „Nur so können wir wirklich 'in persona Christi' sprechen, auch wenn unsere innere Ferne von Christus die Gültigkeit des Sakraments nicht in Frage stellen kann. Freund Jesu zu sein, Priester zu sein, heißt, ein Mann des Gebets zu sein.“
Die Menschen bedürften der Priester, weil die Welt Gott brauche – und zwar „nicht irgendeinen Gott, sondern den Gott Jesu Christi, den Gott, der Fleisch und Blut geworden ist, der uns geliebt hat bis zum Tod, der für uns auferstanden ist und in sich selbst einen Raum für den Menschen geschaffen hat. Dieser Gott muss in uns leben, und wir in ihm. Das ist unsere priesterliche Berufung: Nur so kann unser Handeln als Priester Früchte tragen.“
Die Verehrung des Allerheiligsten Herzens Jesu findet ihren Ursprung in den Erscheinungen Jesu, die die heilige französische Ordensfrau Marguerite Marie Alacoque (1647-1690) in Paray le Monial, einer kleinen Ortschaft in der Bourgogne (Frankreich), gehabt hat. In diesen Erscheinungen hinterließ Jesus der Ordensfrau die Botschaft seiner unendlichen Liebe für jede Frau und jeden Mann.
Papst Benedikt XVI. ermutigte Ende Mai zur Herz-Jesu-Verehrung. In einem Schreiben an Pater Peter-Hans Kolvenbach, den Generaloberen des Jesuitenordens, bezog sich der Heilige Vater auf die Enzyklika „Haurietis aquas“ („In Freude werdet ihr Wasser schöpfen aus den Quellen des Erlösers“) über die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu von Papst Pius XII. (15. Mai 1956) und bekräftigte: „In der Nähe des Herzens Christi lernt das menschliche Herz den wahren und einzigen Sinn des Lebens und seiner Bestimmung kennen, den Wert eines echt christlichen Lebens verstehen, wegzukommen von gewissen Verirrungen des Herzens sowie die Liebe eines Kindes zu Gott und die Nächstenliebe miteinander zu verbinden.“
CHRISAM-MESSE IM PETERSDOM
PREDIGT VON BENEDIKT XVI.
Gründonnerstag, 13. April 2006
Liebe Brüder im Bischofs- und Priesteramt,
liebe Brüder und Schwestern!
Der Gründonnerstag ist der Tag, an dem der Herr den Zwölf die priesterliche Aufgabe übertragen hat, im Brot und im Wein das Sakrament seines Leibes und seines Blutes zu feiern bis zu seiner Wiederkunft. An die Stelle des Osterlammes und aller Opfer des Alten Bundes tritt das Geschenk seines Leibes und seines Blutes, das Geschenk seiner selbst. So basiert der neue Kult auf der Tatsache, daß vor allem Gott uns ein Geschenk macht und wir, erfüllt von diesem Geschenk, die Seinen werden: Die Schöpfung kehrt zum Schöpfer zurück. So ist auch das Priestertum zu etwas Neuem geworden: Es ist nicht mehr eine Frage der Abstammung, sondern Stehen im Geheimnis Jesu Christi. Er ist immer derjenige, der schenkt und uns zu sich hinaufzieht. Nur er kann sagen: »Das ist mein Leib – das ist mein Blut«. Das Geheimnis des Priestertums der Kirche liegt in der Tatsache, daß wir, armselige menschliche Wesen, kraft des Sakraments mit seinem Ich sprechen können: »in persona Christi«. Er will durch uns »sein« Priestertum ausüben. Dieses bewegenden Geheimnisses, das uns in jeder Feier des Sakraments neu berührt, gedenken wir in besonderer Weise am Gründonnerstag. Damit das Alltägliche nicht das zerstört, was groß und geheimnisvoll ist, brauchen wir ein solches besonderes Gedenken, brauchen wir die Rückkehr zu jener Stunde, in der er uns seine Hände aufgelegt und uns zu Teilhabern dieses Geheimnisses gemacht hat.
Denken wir deshalb erneut über jene Zeichen nach, in denen uns das Sakrament geschenkt worden ist. Im Mittelpunkt steht die uralte Geste der Handauflegung, mit der er von mir Besitz ergriffen und zu mir gesagt hat: »Du gehörst mir«. Damit hat er aber auch gesagt: »Du stehst unter dem Schutz meiner Hände. Du stehst unter dem Schutz meines Herzens. Du bist behütet in meinen schützenden Händen, und gerade so befindest du dich in der Weite meiner Liebe. Bleib in meinen Händen und gib mir die deinen«.
Erinnern wir uns auch daran, daß unsere Hände mit dem Öl gesalbt worden sind, das Zeichen des Heiligen Geistes und seiner Kraft ist. Warum gerade die Hände? Die Hand des Menschen ist das Werkzeug seines Handelns, das Symbol seiner Fähigkeit, der Welt zu begegnen, sie eben »in die Hand zu nehmen«. Der Herr hat uns die Hände aufgelegt und will jetzt unsere Hände, damit sie in der Welt seine Hände werden. Er will, daß sie nicht mehr Werkzeuge seien, um die Dinge, die Menschen, die Welt für uns zu ergreifen, sie uns anzueignen, sondern er will, daß sie statt dessen seine göttliche Berührung übertragen und sich in den Dienst seiner Liebe stellen. Er will, daß sie Werkzeuge des Dienens seien und damit Ausdruck der Sendung der ganzen Person, die sich zum Bürgen für ihn macht und ihn zu den Menschen bringt. Wenn die Hände des Menschen symbolisch für seine Fähigkeiten und generell für die Technik als Verfügungsmacht über die Welt stehen, dann müssen die gesalbten Hände ein Zeichen seiner Fähigkeit zum Schenken sein, ein Zeichen der Kreativität bei der Gestaltung der Welt durch die Liebe – und dazu bedürfen wir zweifellos des Heiligen Geistes. Im Alten Testament ist die Salbung Zeichen der Aufnahme in den Dienst: Der König, der Prophet, der Priester tut und schenkt mehr als das, was von ihm selbst stammt. In gewissem Sinne wird er seiner selbst enteignet für einen Dienst, in dem er sich jemandem zur Verfügung stellt, der größer ist als er selbst. Wenn Jesus sich heute im Evangelium als der Gesalbte Gottes zeigt, als der Christus, dann bedeutet das, daß er im Auftrag des Vaters und in der Einheit mit dem Heiligen Geist handelt und daß er so der Welt ein neues Königtum schenkt, ein neues Priestertum, eine neue Weise, Prophet zu sein, ein Prophet, der nicht sich selbst sucht, sondern für den lebt, auf den hin die Welt erschaffen wurde. Stellen wir ihm heute unsere Hände erneut zur Verfügung und bitten wir ihn, uns immer wieder neu an der Hand zu nehmen und uns zu führen.
In der sakramentalen Geste der Handauflegung durch den Bischof ist es der Herr selbst gewesen, der uns die Hände aufgelegt hat. Dieses sakramentale Zeichen faßt einen ganzen Lebensweg zusammen. Wie die ersten Jünger sind wir einst dem Herrn begegnet und haben sein Wort gehört: »Folge mir nach!« Vielleicht sind wir am Anfang etwas unsicher gefolgt, haben uns nach rückwärts gewandt und uns gefragt, ob dies wirklich unser Weg ist. Und irgendwo auf dem Weg haben wir vielleicht die Erfahrung des Petrus nach dem wunderbaren Fischfang gemacht, das heißt, wir waren erschrocken über seine Größe, über die Größe der Aufgabe und die Unzulänglichkeit unserer armen Person, so daß wir uns zurückziehen wollten: »Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder« (Lk 5,8). Dann aber hat er uns mit großer Güte an der Hand genommen, hat uns zu sich gezogen und gesagt: »Hab keine Angst! Ich bin bei dir. Ich verlasse dich nicht, verlaß du mich nicht!« Und mehr als einmal ist vielleicht jedem von uns dasselbe widerfahren wie Petrus, als er auf dem Wasser dem Herrn entgegenging und plötzlich merkte, daß das Wasser ihn nicht trug und er unterzugehen drohte. Und wie Petrus haben wir geschrieen: »Herr, rette mich!« (Mt 14,30). Wie konnten wir, als wir das Toben der Naturgewalten sahen, über die brausenden und schäumenden Wasser des letzten Jahrhunderts und des letzten Jahrtausends gehen? Da aber haben wir auf ihn geschaut … und er hat uns an der Hand genommen und uns ein neues »spezifisches Gewicht « gegeben: die Leichtigkeit, die vom Glauben herrührt und die uns nach oben zieht. Und dann reicht er uns die Hand, die hält und trägt. Er hält uns. Richten wir immer wieder unseren Blick auf ihn und strecken wir die Hände nach ihm aus. Lassen wir seine Hand uns ergreifen, dann werden wir nicht untergehen, sondern dem Leben dienen, das stärker ist als der Tod, und der Liebe, die stärker ist als der Haß. Der Glaube an Jesus, den Sohn des lebendigen Gottes, ist das Mittel, durch das wir immer wieder von neuem die Hand Jesu ergreifen und durch das er unsere Hände ergreift und uns führt. Eines meiner Lieblingsgebete ist die Bitte, die uns die Liturgie vor der Kommunion auf die Lippen legt: »Laß nicht zu, daß ich je von dir getrennt werde«. Wir bitten darum, niemals von der Gemeinschaft mit seinem Leib, mit Christus selbst, getrennt zu werden; wir bitten darum, niemals vom eucharistischen Geheimnis getrennt zu werden. Wir bitten darum, daß er unsere Hand niemals losläßt …
Der Herr hat seine Hand auf uns gelegt. Die Bedeutung dieser Geste hat er mit den folgenden Worten zum Ausdruck gebracht: »Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe« (Joh 15,15). Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde: In diesen Worten könnte man sogar die Einsetzung des Priestertums erkennen. Der Herr macht uns zu seinen Freunden: Er vertraut uns alles an; er vertraut uns sich selbst an, so daß wir mit seinem Ich sprechen können – »in persona Christi capitis«. Welch ein Vertrauen! Er hat sich wirklich in unsere Hände gegeben. Alle Zeichen, die die Priesterweihe ausmachen, sind im Grunde Ausdrucksformen jenes Wortes: die Handauflegung, die Übergabe des Buches – seines Wortes, das er uns anvertraut, die Übergabe des Kelches, mit dem er uns sein tiefstes und persönlichstes Geheimnis übergibt. Zu all dem gehört auch die Vollmacht zur Lossprechung: Er läßt uns auch an seiner Kenntnis des Elends der Sünde und der ganzen Finsternis der Welt teilhaben und gibt uns den Schlüssel in die Hand, um das Tor zum Haus des Vaters wieder zu öffnen. Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde. Das ist die tiefe Bedeutung des Priesterseins: Freund Jesu Christi zu werden. Um diese Freundschaft müssen wir uns jeden Tag neu bemühen. Freundschaft heißt Gemeinsamkeit im Denken und Wollen. In dieser Gemeinschaft des Denkens mit Jesus müssen wir uns üben, sagt uns der hl. Paulus im Brief an die Philipper (vgl. 2,2–5). Und diese Gemeinschaft des Denkens ist nicht nur Sache des Intellekts, sondern sie ist Gemeinsamkeit der Empfindungen und des Wollens und somit auch des Handelns. Das heißt, daß wir Jesus auf immer persönlichere Weise kennenlernen müssen, indem wir auf ihn hören, mit ihm zusammen leben, uns bei ihm aufhalten. Auf ihn hören – in der »lectio divina«, also indem wir die Heilige Schrift nicht auf akademische, sondern auf geistliche Weise lesen; so lernen wir, Jesus zu begegnen, der anwesend ist und zu uns spricht. Wir müssen vor ihm und mit ihm seine Worte und sein Handeln durchdenken und Überlegungen dazu anstellen. Das Lesen der Heiligen Schrift ist Gebet, es muß Gebet sein – es muß aus dem Gebet hervorgehen und zum Gebet hinführen. Die Evangelisten sagen uns, daß der Herr sich wiederholt – ganze Nächte hindurch – »auf den Berg« zurückzog, um alleine zu beten. Diesen »Berg« brauchen auch wir: Er ist die innere Höhe, die wir ersteigen müssen, der Berg des Gebets. Nur so entwickelt sich die Freundschaft. Nur so können wir unseren priesterlichen Dienst verrichten, nur so können wir den Menschen Christus und sein Evangelium bringen. Der bloße Aktivismus kann sogar heroisch sein. Aber das äußere Handeln bleibt letztendlich fruchtlos und verliert an Wirksamkeit, wenn es nicht aus der tiefen, innigen Gemeinschaft mit Christus hervorgeht. Die Zeit, die wir dafür aufwenden, ist wirklich eine Zeit pastoraler Tätigkeit, echter pastoraler Tätigkeit. Der Priester muß vor allem ein Mann des Gebets sein. Die Welt verliert in ihrem hektischen Aktivismus oft die Orientierung. Ihr Handeln und ihre Fähigkeiten werden zerstörerisch, wenn die Kräfte des Gebets nachlassen, aus denen die Wasser des Lebens entspringen, die imstande sind, das trockene Erdreich zu befruchten.
Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde. Der Kern des Priestertums ist es, Freunde Jesu Christi zu sein. Nur so können wir wirklich »in persona Christi« sprechen, auch wenn unsere innere Ferne von Christus die Gültigkeit des Sakraments nicht in Frage stellen kann. Freund Jesu zu sein, Priester zu sein, heißt, ein Mann des Gebets zu sein. So erkennen wir ihn und treten aus der Unwissenheit bloßer Knechte heraus. So lernen wir, mit ihm und für ihn zu leben, zu leiden und zu handeln. Die Freundschaft mit Jesus ist immer gleichbedeutend mit der Freundschaft mit den Seinen. Wir können nur in der Gemeinschaft mit dem ganzen Christus Freunde Christi sein, in der Gemeinschaft mit dem Haupt und mit dem Leib, im üppigen Weinstock der von ihrem Herrn beseelten Kirche. Nur in ihr ist die Heilige Schrift dank dem Herrn lebendiges und zeitgemäßes Wort. Ohne das lebendige Subjekt der Kirche, das die Zeiten umfaßt, zersplittert die Bibel in Schriften, die oft keine Einheit bilden, und wird so zu einem Buch der Vergangenheit. Sie hat in der Gegenwart nur dort Aussagekraft, wo es die »Anwesenheit« gibt – dort, wo Christus immer unser Zeitgenosse bleibt: im Leib seiner Kirche.
Priester sein bedeutet, Freund Jesu Christi werden, und das immer mehr mit unserer ganzen Existenz. Die Welt braucht Gott – nicht irgendeinen Gott, sondern den Gott Jesu Christi, den Gott, der Fleisch und Blut geworden ist, der uns geliebt hat bis zum Tod für uns, der auferstanden ist und in sich selbst einen Raum für den Menschen geschaffen hat. Dieser Gott muß in uns leben und wir in ihm. Das ist unsere priesterliche Berufung: Nur so kann unser Handeln als Priester Früchte tragen. Ich möchte diese Predigt mit einem Wort von Andrea Santoro abschließen, jenem Priester der Diözese Rom, der in Trapezunt ermordet wurde, während er betete; Kardinal Cé hat es uns während unserer geistlichen Exerzitien übermittelt. Das Wort lautet: »Ich bin hier, um inmitten dieser Menschen zu wohnen und Jesus die Möglichkeit zu geben, dies zu tun, indem ich ihm mein Fleisch gebe … Man wird nur dann heilsfähig, wenn man das eigene Fleisch darbietet. Das Böse der Welt muß getragen und der Schmerz muß geteilt werden, indem man ihn tief im eigenen Fleisch aufnimmt, wie Jesus es getan hat«. Jesus hat unser Fleisch angenommen. Geben wir ihm das unsere, auf diese Weise kann er in die Welt kommen und sie verändern. Amen!
PREDIGT VON BENEDIKT XVI.
Basilika St. Johann im Lateran
Gründonnerstag, 13. April 2006
Liebe Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt,
liebe Brüder und Schwestern!
»Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung« (Joh 13,1): Gott liebt sein Geschöpf, den Menschen; er liebt ihn auch in seinem Gefallensein und überläßt ihn nicht sich selbst. Er liebt bis zur Vollendung. Er geht mit seiner Liebe bis zur Vollendung, bis zum äußersten: Er steigt aus seiner Herrlichkeit herab. Er legt das Gewand seiner göttlichen Herrlichkeit ab und legt das Gewand des Sklaven an. Er steigt herab bis in die äußerste Tiefe unseres Gefallenseins. Er kniet vor uns nieder und verrichtet an uns einen Sklavendienst; er wäscht unsere schmutzigen Füße, damit wir zum Mahl Gottes zugelassen werden können, damit wir würdig werden, an seinem Tisch Platz zu nehmen – etwas, was wir aus uns heraus niemals tun können oder dürften.
Gott ist kein Gott, der fern ist, zu fern und zu groß, um auch für unsere Kleinigkeiten Sorge zu tragen. Eben weil er groß ist, kann er sich auch um die kleinen Dinge kümmern. Eben weil er groß ist, ist die Seele des Menschen, desselben Menschen, der für die ewige Liebe geschaffen ist, nicht klein, sondern groß und seiner Liebe würdig. Die Heiligkeit Gottes ist nicht nur eine brennende Kraft, vor der wir erschreckt zurückweichen müssen; sie ist eine Kraft der Liebe und daher eine reinigende und heilende Kraft.
Gott steigt herab und wird zum Sklaven, er wäscht uns die Füße, damit wir an seinem Tisch sitzen können. Darin findet das ganze Geheimnis Jesu Christi seinen Ausdruck. Darin wird sichtbar, was Erlösung bedeutet. Das Bad, in dem er uns wäscht, ist seine Liebe, die bereit ist, den Tod auf sich zu nehmen. Nur die Liebe hat jene reinigende Kraft, die uns unsere Unreinheit nimmt und uns zur Höhe Gottes erhebt. Das Bad, das uns reinigt, ist er selbst, der sich uns vollkommen hingibt – bis in die Tiefen seines Leidens und seines Todes hinein. Immer ist er diese Liebe, die uns wäscht; in den Sakramenten der Reinigung – in der Taufe und im Bußsakrament – kniet er immer vor unseren Füßen und leistet uns den Sklavendienst, den Dienst der Reinigung, macht er uns gottfähig. Seine Liebe ist unerschöpflich, sie reicht wirklich bis zur Vollendung.
»Auch ihr seid rein, aber nicht alle«, sagt der Herr (Joh 13,10). In diesem Satz wird das große Geschenk der Reinigung offenbar, das er uns macht, weil er den Wunsch hat, mit uns zusammen am Tisch zu sitzen, unsere Speise zu werden. »Aber nicht alle« – es gibt das dunkle Geheimnis der Ablehnung, das in der Geschichte des Judas gegenwärtig wird und das uns gerade am Gründonnerstag, an dem Tag, an dem Jesus sich hingibt, zum Nachdenken bringen muß. Die Liebe des Herrn kennt keine Grenzen, aber der Mensch kann ihr eine Grenze setzen.
»Auch ihr seid rein, aber nicht alle«: Was ist es, das den Menschen unrein macht? Es ist die Ablehnung der Liebe, nicht lieben zu wollen, nicht zu lieben. Es ist der Hochmut, der glaubt, keine Reinigung nötig zu haben, und der sich der rettenden Güte Gottes verschließt. Es ist der Hochmut, der nicht bekennen und nicht zugeben will, daß wir der Reinigung bedürfen. In Judas sehen wir die Beschaffenheit dieser Ablehnung noch deutlicher. Er beurteilt Jesus nach den Kategorien der Macht und des Erfolgs: Für ihn sind nur Macht und Erfolg Wirklichkeit, die Liebe zählt nicht. Er ist habgierig: Geld ist wichtiger als die Gemeinschaft mit Jesus, wichtiger als Gott und seine Liebe. Und so wird er auch zum Lügner, der ein doppeltes Spiel spielt und mit der Wahrheit bricht; er wird zu einem Menschen, der in der Lüge lebt und so den Sinn für die oberste Wahrheit, für Gott, verliert. Auf diese Weise verhärtet er, wird unfähig zur Bekehrung, zur vertrauensvollen Rückkehr des verlorenen Sohnes, und wirft das zerstörte Leben weg.
»Auch ihr seid rein, aber nicht alle.« Der Herr warnt uns heute vor jener auf uns selbst beschränkten Unabhängigkeit, die seiner unbegrenzten Liebe eine Grenze setzt. Er lädt uns ein, seine Demut nachzuahmen, ihr Vertrauen zu schenken, uns von ihr »anstecken« zu lassen. Er lädt uns ein – so verloren wir uns auch vorkommen mögen –, nach Hause zurückzukehren und seiner reinigenden Güte zu erlauben, uns aufzurichten und uns eintreten zu lassen in die Mahlgemeinschaft mit ihm, mit Gott selbst.
Fügen wir ein letztes Wort aus diesem unerschöpflichen Abschnitt des Evangeliums hinzu: »Ich habe euch ein Beispiel gegeben …« (Joh 13,15); »dann müßt auch ihr einander die Füße waschen« (Joh 13,14). Worin besteht dieses »uns einander die Füße waschen«? Was bedeutet es konkret? Es ist so: Jedes gute Werk, das wir für andere Menschen tun – besonders für die Leidenden und für diejenigen, die geringgeachtet werden – ist ein Dienst der Fußwaschung. Dazu ruft uns der Herr: herabzusteigen, Demut und Mut zur Güte zu lernen sowie die Bereitschaft, die Ablehnung zu akzeptieren und trotzdem der Güte zu vertrauen und in ihr zu beharren. Aber es gibt noch eine tiefere Dimension. Der Herr nimmt unsere Unreinheit durch die reinigende Kraft seiner Güte weg. Uns einander die Füße zu waschen bedeutet vor allem, einander unermüdlich zu vergeben, immer wieder zusammen einen neuen Anfang zu machen, so unnütz es auch erscheinen mag. Es bedeutet, einander zu reinigen, indem wir uns gegenseitig tragen und es zulassen, daß die anderen uns tragen; einander zu reinigen, indem wir uns gegenseitig die heiligende Kraft des Wortes Gottes schenken und uns in das Sakrament der göttlichen Liebe einführen.
Der Herr reinigt uns, und daher wagen wir, an seinen Tisch zu treten. Bitten wir ihn, uns allen die Gnade zu schenken, eines Tages für immer Gäste beim ewigen Hochzeitsmahl zu sein. Amen!
Die Hölle ist der Zustand des ewigen Nichtliebens
Interview mit P. Pedro Barrajón, Leiter des Exorzismus-Kurses an der Universität „Regina Apostolorum", Rom.
Pater Pedro Barrajón L.C. wurde 1957 in Ciudad Real in Spanien geboren. Seit seinem Studium, zwei Lizenziaten und einem Doktorat an der römischen Gregoriana-Universität lehrt er heute als Professor der Anthropologie am päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum" Theologie und Philosophie. Nach zahlreichen Anfragen leitet er in diesem Wintersemester dort für das Institut „Sacerdos" am Rand Roms zum zweiten Mal einen viel beachteten Kurs zu verschiedenen Aspekten des Phänomens so genannter Besessenheit. Der Titel des Kurses lautet „Exorzismus und Gebete um Befreiung".
FRAGE Kurz nach seiner Wahl begrüßte Benedikt XVI. eine große Gruppe von Exorzisten. War das ein Signal? |
Professor Pedro Barrajón: Nein, es war nur ein routinemäßiges Treffen der Exorzisten Italiens. Die Lehre der katholischen Kirche zum Bösen ist seit Jahrhunderten unverändert.
Was lehrt sie? |
Barrajón: Sie basiert in erster Linie auf der Bibel, nach der Gott alle Wesen geschaffen hat: die Menschen ebenso wie die reinen Geister, also auch die Engel und Dämonen.
Gott hat die Dämonen geschaffen? |
Barrajón: Er hat alles geschaffen. Nach christlicher Tradition sind Dämonen und Teufel gefallene Engel. Es sind Engel, die gegen Gott revoltiert haben und weiter rebellieren seit Beginn der Schöpfung. Sie wurden Teufel. Sie waren Engel. Und sie sind immer noch rein geistige Wesen. Es sind böse Engel.
Wie konnte Gott das Böse dann überhaupt je zulassen? |
Barrajón: Unserer Freiheit zuliebe! Das Böse ist notwendig an das Geschenk der Freiheit geknüpft. Gott hat den Menschen frei geschaffen. In der Abwägung zwischen der Zulassung des Bösen und der Gabe der Freiheit hat er sich für die Freiheit entschieden. Ohne die Möglichkeit der freien Wahl zum Guten oder Bösen gibt es keine Freiheit. Das heißt: Gott schätzt die Freiheit höher als all unsere Sünden. Tiere sind nie böse – sie sind aber auch nie frei. Mit der Freiheit hat Gott uns über die Tiere erhoben.
Wie müssen wir uns die reinen Geister vorstellen? |
Barrajón: Sie haben Willen. Sie haben Intelligenz. Aber sie haben keine Sinne. Sie haben keinen Körper. Körper sind allein Attribute des Menschen und der Tiere.
Nach dem Glauben der Christen ist Gott Person. Ist das Böse und der Teufel auch Person? |
Barrajón: Der Schweizer Theologe Karl Barth sagte, der Dämon ist eine unpersönliche Person. Denn was ist eine Person? Es ist ein Wesen mit einer spirituellen Natur, mit Intelligenz und Willen, in der die Intelligenz die Wahrheit sucht und der Wille das Gute. Der Dämon hat Intelligenz und Willen, doch sein Wille sucht das Böse und seine Intelligenz das Unwahre. In diesem Sinn sagte Karl Barth, der Teufel sei eine persönliche Nichtperson, er sei "das Nichtige".
Hat er ein Gesicht? |
Barrajón: Nein. Aber Gott kann zulassen, dass Engel wie Dämonen physische Erscheinungsweisen annehmen. So können Engel den Menschen erscheinen, um ihnen Botschaften zu überbringen. Und so kann Gott auch zulassen, dass Dämonen physische Qualitäten annehmen und in der Weise von Menschen oder Tieren erscheinen – das betrifft aber nicht ihr Wesen. Sie können diese Formen nur annehmen. Sie haben sie nicht.
Haben sie Geruch? |
Barrajón: Von einigen Heiligen wird berichtet, dass sie den Teufel riechen konnten – wie die große Teresa von Avila. Der Satan stank für sie.
Nach Schwefel? |
Barrajón: Manche Heilige sagen das so. Es ist wohl vor allem nur widerlicher Gestank.
Was ist die Heimat der Dämonen? Die Hölle? |
Barrajón: Ja. Die Hölle wurde für sie geschaffen, nicht für die Menschen.
Auch die Hölle wurde geschaffen? |
Barrajón: Ja. Die Engel wurden ja geschaffen, folglich auch gefallene Engel, folglich auch die Hölle. Es ist keine Selbstschöpfung. Die Hölle ist auch kein Platz, es ist ein Zustand. Es ist der Zustand, in dem die Dämonen zu sich selbst finden: in ihrem Hass gegen Gott. Es ist der Zustand der Negation der Liebe. Gott ist die Liebe. Hölle ist die Gegenliebe – es ist der Hass. Hölle ist eine Vorstellung vom Zustand dieses Geistes. Hölle ist der Zustand des ewigen Nichtliebens. Es ist auch das ewige Nicht-Annehmen der Liebe Gottes.
Gibt es objektive Kriterien zur Erkenntnis, dass ein Dämon von jemandem Besitz ergriffen hat? |
Barrajón: Der neue Ritus des Exorzismus fasst die Kriterien für den Fall der Besessenheit sehr klar zusammen. Das Deutlichste ist für mich als Priester die tiefe Aversion gegen heilige Objekte, wie das Kreuz, der Rosenkranz oder Kreuzzeichen. Auch die Aversion gegen das Wort Gottes, bei deren Lektüre solche Personen ganz nervös werden. Weniger wichtige Kennzeichen sind übernatürliche Fähigkeiten, die diese Personen plötzlich entwickeln können. Dass sie Fremdsprachen sprechen, die sie nie gelernt haben. Dass sie sogar levitieren: dass sie schweben und die Schwerkraft überwinden können. Manchmal werden sie unerklärlich stark und gewalttätig. Es ist jedoch nicht so einfach, Fälle von Besessenheit genau zu bestimmen. Ich lade die Personen immer zuerst ein, einen Nervenarzt oder Psychiater aufzusuchen, bevor ich mich weiter mit ihrem Fall befassen will. Wenn ich von diesen Fachleuten den Hinweis bekomme, dass sie nicht weiter wissen, kann ich mit einer spirituellen Behandlung beginnen. Grob lässt sich sagen, dass unter zehn Personen, die um einen Exorzismus nachfragen, ein Fall wirklicher Besessenheit dabei ist.
Gibt es Gründe für Besessenheit? |
Barrajón: Wir kennen sie nicht. Wir können auch nicht sagen, warum ein Mensch Krebs bekommt und der andere nicht. Wir haben auch keine Erklärung dafür. Wir wissen nur, dass Gottes Macht und Liebe größer ist – bei unseren physischen wie spirituellen Krankheiten. So muss die Besessenheit gesehen werden.
Wie verläuft ein Exorzismus? |
Barrajón: Die Kirche verlangt von dem Priester, der eine solche "Austreibung" durchführt, zuerst die moralische Gewissheit, dass es sich um Besessenheit handelt. Absolute Sicherheit gibt es ja nicht. Darum ist es für einen Exorzisten höchst bedeutsam, dass er ein Mann des Gebets und des Fastens ist.
Und dann? |
Barrajón: Der Exorzismus ist ein großes offizielles Gebet, in der die Kraft der Kirche gegenwärtig ist. Das ist der Kern. Manchmal wird Weihwasser dazu benutzt oder Weihrauch, und immer ein Kruzifix in den Händen des Priesters. Mehrere Personen sollen außer dem Priester dabei sein für den Fall, dass der Besessene gewalttätig wird. Die Menschen verändern sich nämlich in der Teufelsaustreibung. Sie bleiben dabei nicht mehr die gleichen. In diesem Ritus gibt sich der Dämon zu erkennen angesichts der Gegenwart Gottes und mehrerer Menschen, die gemeinsam beten. Oft wird er gewalttätig, weil er weiß, dass er in gewisser Weise schon überwunden ist. Die Stimme eines Besessenen ändert sich dabei normalerweise und wird sehr unangenehm.
Auch erschreckend? |
Barrajón: Überhaupt nicht. Mir tut in solchen Momenten immer nur der Mensch leid, der besessen ist. Denn er leidet – und du siehst, dass er leidet. Doch zur gleichen Zeit bist du froh, weil du weißt, dass der Exorzismus ihn von dieser Pein befreien wird. Jeder Exorzismus beginnt mit einer Anrufung des dreifaltigen Gottes: des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Daran schließt sich eine Lektüre von Abschnitten aus der Bibel an, bevor eine Art Dialog zwischen dem Exorzisten und der besessenen Person beginnt, worin der Exorzist nach dem Namen des Dämonen fragt. Das ist immer ein schwieriger Moment. Das Böse will sich nie offenbaren. Oft lügt er.
Warum will er seinen Namen nicht preisgeben? |
Barrajón: Der Name enthüllt sein Wesen. Der Name ist nicht "Schall und Rauch", wie Franz Rosenzweig einmal sagte, im Gegenteil sei "der Name Wort und Feuer". Der Name Jesus bedeutet: "Gott rettet". Isaak, Jakob, all diese Namen haben eine besondere Bedeutung. Und immer enthüllt er das Wesen der Person. Wenn ich meinen Namen nenne, sage ich auch: Ich bin hier. Kein Dämon will jemals seinen Namen nennen.
Und wenn er ihn genannt hat? |
Barrajón: Am Ende sagt der Priester zu dem Dämon: Geh weg! Verschwinde! Meistens antwortet der Dämon dann zuerst: Nein. Ich will nicht. Er rebelliert und revoltiert. Manchmal sagt er: Du hast keine Macht über mich. Du bist ein Nichts für mich. Nach und nach lässt dann sein Widerstand nach. Meistens geschieht dies nach Anrufungen der Gottesmutter, die dafür sehr wichtig ist. Kein Dämon wagt jemals, sie in einem Exorzismus zu beleidigen. Nie.
Hat er vor Maria mehr Respekt als vor Gott selbst? |
Barrajón: Offensichtlich. Sonst werden alle beleidigt: die Priester, alle, die zugegen sind, die Bischöfe, der Papst, sogar Jesus Christus, doch nie die Jungfrau Maria. Es ist ein Mysterium.
Und dann? |
Barrajón: Nun, ein Exorzismus kann bis zu einer Stunde dauern – und schließt mit Gebeten ab. Es empfiehlt sich, ihn nicht zu lange dauern zu lassen, weil dieser Kampf für alle Anwesenden sehr schwer und anstrengend ist – und für die Person selbst. Nach dem Exorzismus fühlen alle eine große Erleichterung, als könnten sie neu atmen. Doch in vielen Fällen wird auch ein neuer Exorzismus notwendig. Ich kenne Fälle, wo Personen erst nach mehreren Exorzismen völlig frei wurden und ein neues Leben beginnen konnten. Oft sagen sie, dass es für sie wie eine Neu-Geburt sei.
Nun gibt es doch so viel Böses in der Welt. Sehen Sie sich all die Kriege an, all die Massaker, die Tyrannen und Mörder. Ist es da nicht eigenartig, dass der Teufel auch noch mit einzelnen armen Teufeln sein Spiel treibt und sich ihrer bemächtigt. Hat er nichts Besseres zu tun: Schlimmeres? Ist er nicht schon beschäftigt genug? |
Barrajón: Das ist wirklich ein Geheimnis. Fälle von Besessenheit scheinen mir wie die böse Kehrseite ebenfalls unerklärlicher Wunder, die wir auch beobachten können. Der Teufel ist überall gegenwärtig, wo Böses innerhalb der normalen Naturgesetze geschieht. In jedem, der sagt: ich akzeptiere die Liebe nicht, die Liebe zu meinen Brüdern und Schwestern, die Liebe zu Gott: also an sehr vielen Orten, in allen Massakern, in jedem Mord, in physischen Katastrophen, in jedem Konzentrationslager, in jedem Bösen. Manchmal manifestiert er sich merkwürdigerweise aber auch in Fällen von Besessenheit. Sehr viel gefährlicher ist er aber, wo er sich nicht zu erkennen gibt und nicht mit einem Exorzismus vertreiben lässt. Keine Frage. Da ist er sehr viel gefährlicher.