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Fatima-Gebetstag am 2. Oktober 2005
Jahr der Vorbereitung der drei Seherkinder auf die Erscheinungen der Gottesmutter
I. Die Engelserscheinungen II. DIE DREI SEHERKINDER VON FATIMA
III. Die SELIGSPRECHUNG von Jacinta und Francisco
I. Engelserscheinungen
Die Engelserscheinungen von 1916
Die Steinhöhle, bei der sich ein übernatürliches Wesen zum ersten Mal den drei Kindern von Aljustrel zu erkennen gab, heißt Loca da Cabeço; der Berg, an dessen Abhang sie sich befindet, trägt den Namen Cabeço. Hierher kam Lucia mit den beiden anderen Kindern, Francisco und Jacinta, des öfteren wegen der saftigen Weiden für die Schafe und der kleinen Höhlen, die zum Rosenkranzbeten einluden. Zwischen den einzelnen Gebeten pflegten sie sich tolle Spiele auszudenken und sofort durchzuführen. So auch an diesem warmen Frühlingstag des Jahres 1916. Plötzlich, so erzählt Lucia in ihren Erinnerungen, näherte sich ein etwa 14-15 Jahre alter Jüngling. Er schien mehr in der Luft zu schweben als auf der Erde zu gehen; als Lucia auf ihn blickte, war es, als würde die Sonne durch ihn hindurchstrahlen, als wäre er aus Kristall. Der Jüngling war von großer Schönheit, und das Licht, das ihn umgab, war weißer als der Schnee. Lucia berichtet: "Als er bei uns ankam, sagte er:
» Habt keine Angst! Ich bin der Engel des Friedens! Betet mit mir!«
" Dann kniete er nieder, senkte sein Haupt bis zum Boden, forderte die Kinder auf, ihm die Worte nachzusprechen, und betete dreimal:
"Mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an, ich hoffe auf Dich und ich liebe Dich.
Ich bitte dich um Verzeihung für jene, die nicht glauben, Dich nicht anbeten, nicht hoffen und Dich nicht lieben."
Es war wohl gegen Ende Juli, als Lucia die Zeit der glühenden Mittagshitze beim Brunnen im elterlichen Bauernhof zusammen mit Francisco und Jacinta verbrachte. Mitten in ihr unbefangenes Spiel hinein trat plötzlich dieselbe Lichtgestalt wie damals am Cabeço; er sagte:
"Betet, betet viel! Die heiligsten Herzen Jesu und Mariens wollen euch Barmherzigkeit erweisen. Bringt ständig dem Allerhöchsten Gebete und Opfer dar."
Lucia fragte die Erscheinung: "Aber wie sollen wir Opfer bringen?" Der Engel antwortete ihr:
"Bringt alles, was ihr könnt, Gott als Opfer dar, als Akt der Wiedergutmachung für die Sünden, durch die Er verletzt wird, und als Bitte um die Bekehrung der Sünder. Gewinnt so für euer Vaterland den Frieden. Ich bin sein Schutzengel, der Engel Portugals. Vor allem nehmt an und tragt mit Ergebung die Leiden, die der Herr euch schicken wird."
Die drei Hirtenkinder nahmen die Botschaft ernst. Täglich knieten sie unzählige Male nieder, beugten die Stirn bis zur Erde und beteten das Gebet, das der Engel sie bei der Frühjahrserscheinung gelehrt hatte. Immer wieder gingen sie mit ihren Schafen in die Umgebung des Cabeço, denn hier fiel ihnen das Gebet am leichtesten. So auch an diesem Herbsttag mit klarem, blauen Himmel. "Sobald wir dort ankamen", erinnert sich Schwester Lucia später, "begannen wir auf den Knien, die Gesichter am Boden, das Gebet des Engels zu wiederholen. Da sahen wir über uns ein unbekanntes Licht erstrahlen. Wir richteten uns auf, um zu sehen, was geschah, und sahen den Engel. In der linken Hand hielt er einen Kelch, darüber schwebte eine Hostie, von der einige Blutstropfen in den Kelch fielen. Der Engel ließ den Kelch in der Luft schweben, kniete sich zu uns und ließ uns dreimal wiederholen:
Der Engel erscheint den Kindern an der "Loca da Cabeço"
"Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist!
Ich opfere Dir auf den kostbaren Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit
unseres Herrn Jesus Christus, gegenwärtig in allen Tabernakeln der Welt:
zur Sühne für die Schmähungen, Sakrilegien und Gleichgültigkeiten,
durch welche Er selbst beleidigt wird.
Durch die unendlichen Verdienste Seines heiligsten Herzens
und durch die des Unbefleckten Herzens Mariens
erflehe ich von Dir die Bekehrung der armen Sünder."
Zusammen mit dem oben angeführten Gebet: "Mein Gott, ich glaube an Dich..." gilt dieses Gebet als das "Gebet des Engels von Fatima". Danach erhob sich der Engel, schritt wieder zu Kelch und Hostie zurück, reichte Lucia die heilige Hostie und teilte anschließend das Blut Christi im Kelch zwischen Jacinta und Francisco auf. Dies scheint einerseits ein Hinweis zu sein auf die große Sehnsucht nach der hl. Eucharistie, welche die Kinder schon in diesem Alter in sich trugen, und andererseits auf die Gnadenfülle, welche der geistigen Vereinigung mit dem eucharistischen Christus, der sogenannten geistigen Kommunion, folgt. Daß es sehr fruchtbringend ist, die geistige Kommunion täglich öfter zu wiederholen, zeigte der Engel durch seine Worte an, die er bei der Austeilung der Kommunion sprach; er gab an, um was dabei gebetet werden soll:
"Empfangt den Leib und trinkt das Blut Christi, der durch die undankbaren Menschen so furchtbar beleidigt wird. Sühnt ihre Sünden und tröstet Euren Gott."
In Fatima wird später fortan ein großer Gedanke über allen Ereignissen stehen: die Sühne!
Danach kniete der Engel erneut neben den Kindern nieder und wiederholte das "Gebet des Engels von Fatima" dreimal, ehe er den Blicken der Kinder entschwand.
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II. DIE DREI SEHERKINDER VON FATIMA
Lucia FRANCISCO JACINTA Schwester Lucia über Jacinta Visionen über den Heiligen Vater
von Jacinta und Francisco RITUS DER SELIGSPRECHUNG am 13. Mai 2000 in Fatima
ANSPRACHE DES HEILIGEN VATERS bei der Seligsprechung der Seherkinder
Messtexte und Texte zum Stundengebet am Fest der beiden seligen Seherkinder am 20. Februar
WEITERE GESICHTE DER SEHERKINDER Grundsätzliches zur Untersuchung eines Wunders
Die Seligen Francisco und Jacinta Marto
"Selig sind jene, die das Wort Gottes hören und es befolgen"
Eine der größten Tragödien unserer Tage ist die Entfremdung des praktischen Lebens vieler Christen von dem Glauben, auf den sie getauft sind. Hans Urs von Balthasar hat diese Loslösung, die bereits im Mittelalter begann, sehr klar dargestellt, und appellierte an die neue Einigkeit. Die Taufe, das Christsein, ist heute für viele nur zu einer traditionellen Feier geworden, die im Leben keine Bedeutung mehr hat. Um diese Unkenntnis, deren Ursache im Unterlassen des Gebetes liegt, zu beheben, sind bereits auf vielen Gebieten Bewegungen und Versuche entstanden.
"Selig sind jene, die das Wort Gottes hören und es befolgen" (Lk 11,28). Mit diesen Worten hat der Herr seine persönliche Einstellung zu den Werten des christlichen Lebens zum Ausdruck gebracht. Die wahre Seligkeit, der höchste Wert der menschlichen Person besteht darin, sich das Wort Gottes zueigen zu machen und es auch in die Tat umzusetzen. Der religiöse Mensch nimmt nach Jesu Wort in der Wertordnung den erhabensten Platz ein. Es wird jedem, der über das Innenleben der zwei jüngsten Seligen nachdenkt, auf den ersten Blick sichtbar, was diese Kinder bewegte, erfasste, stets belebte und das Hauptmotiv ihres Lebens ausmachte: es war ihre bedingungslose Hingabe an die Appelle der Mutter Jesu. Schwester Lucia beschreibt nichts in ihren Erinnerungen mit solcher Emotion und Nachdrücklichkeit, so umfangreich und lebendig, wie gerade die Bemühungen der beiden Kinder, das zu tun, was ihnen der Engel und die Gottesmutter aufgetragen haben. Sie legt ständig vor, wie die Kleinen in einer Atmosphäre vom Gebet und Opfer gelebt haben. Ihre Gespräche und Handlungen hatten nur das Ziel, auf die Appelle des Himmels die beste Antwort zu finden. Dies stand einzig im Mittelpunkt ihrer Interessen; hier finden wir die Quelle, die ihr Heroismus bis zum letz- ten Augenblick ihres Lebens "zum Mehr" getrieben hatte.
Mit inniger Wonne schauen wir den kleinen Francisco beim Beten. Sein stilles Verharren greift in das Geheimnis seiner Seele: mit Jesus zu bleiben war seine tiefste Sehnsucht. Seine "Einsamkeit», bei Jesus hat sich in einen Umgang mit Gott verwandelt.
Und die kleine Jacinta! Sie flehte nicht um Verzeihung für sich selbst, viel mehr für die Sünder. Sie wiederholte bei den strengsten Bußübungen: "Liebe Senhora, jetzt kannst du viele Sünder bekehren, weil dieses Opfer sehr schwer war!" Beide liebten die Sünder, weil dies der Auftrag der himmlischen Mutter war und ihr Gesprächthema war nur der Wunsch der Erscheinung.
Wie beeindruckt uns das Vertrauen von Francisco und Jacinta, als sie sich dem Willen Gottes sogar im Angesicht des Todes hingegeben haben! Wer waren diese Kinder, die so unschuldig starben? Vor ihnen bleibt das menschliche Verstehen stumm. Ihre Spiritualität ist in unserer Welt wie eine Poesie von einem fremden Planet. Es ist trotzdem Wirklichkeit. Es ist echte Geschichte, was wir von ihrem Leben und von ihren Tugenden hören. Es gab wirklich diese Kinder, deren menschliches Erscheinen heute die wahre Heiligkeit vorzeigt.
Als ein Engel den drei Dorfkindern von Aljustrel am Loca da Cabeço erschien, war Lucia ungefähr neun Jahre alt.
Geboren wurde die heute noch im Karmel von Coimbra lebende Seherin Lucia in Aljustrel, einem Weiler, der zur Pfarrei Fatima gehörte, am 22. März 1907 als jüngstes Kind von sieben der Familie dos Santos. Bei den Erscheinungen nahm Lucia eine Vorrangstellung ein. Sie führte die Gespräche mit der Gottesmutter, stellte Fragen und erhielt Antworten; sie erhielt jene Botschaft, welche erst in Zukunft bekannt gemacht werden sollte; sie lebte und litt mit Francisco und Jacinta, die ihr junges Leben ganz der Gottesmutter widmeten, und ihr wurde gesagt, daß sie für längere Zeit auf Erden bleiben würde, um ihre Sendung, der Botschaft von Fatima zum Durchbruch zu verhelfen, zu erfüllen. Am 17. Juni 1921 trat Lucia in das Kolleg der Schwestern der hl. Dorothea von Porto/Portugal ein. Hier lernte sie lesen und schreiben. Sehr bald erwachte in ihr der Wunsch, in einen Karmel einzutreten. Doch aus Dankbarkeit ihren Erzieherinnen gegenüber machte sie zuerst ein Noviziat bei den Dorotheerinnen in Tuy/Spanien. Noch vor dem Noviziat in Tuy lebte sie als Postulantin in Pontevedra, ebenfalls in Spanien (Galizien), vom 25. Oktober 1925 bis zum 20. Juli 1926. Anschließend kehrte sie nach Tuy ins Kloster zurück, wo sie am 3. Oktober 1934, nach den üblichen vorausgehenden zeitlichen, die ewigen Gelübde ablegte. Wenige Tage danach schon wurde sie erneut nach Pontevedra versetzt, von wo sie 1937 ins Mutterhaus nach Tuy zurückkehrte. Hier blieb sie ununterbrochen bis Ende Mai 1946, als sie nach Portugal zurückging. Inzwischen erwachte der alte Wunsch nach völliger Einsamkeit und Zurückgezogenheit erneut in ihr. Papst Pius XII. erlaubte ihr schließlich den Übertritt zu den Karmelitinnen. Am 25. März 1948 klopfte sie an den Pforten des Klosters der unbeschuhten Karmelitinnen von Coimbra/Portugal an. Dort lebt sie bis zum heutigen Tag in Gebet und Busse.
Francisco Marto war der Vetter von Lucia. Er wurde am 11. Juni 1908 geboren. Zart wie er war, legte er schon früh eine erstaunliche Liebe zur Natur an den Tag.
Am liebsten hütete er seine Schafe zwischen abgelegenen Felsen, wo er sich verstecken oder beten konnte. Dort spielte er auf seiner Mundharmonika, sang selbsterdichtete Lieder dazu Seine kindliche Liebe zum göttlichen Heiland war so groß, daß er immer nur tun wollte, was den Herrn trösten könnte. So schreibt Lucia über Francisco: "Wenn ich ihn fragte: » Francisco, warum rufst du nicht mich und Jacinta, daß wir mit dir beten?« , antwortete er: » Ich bete lieber allein, um nachzudenken und unseren Herrn zu trösten, der so traurig ist!« "
Ein anderes Mal fragte Lucia: "Francisco, was tust du lieber: den Heiland trösten oder die Sünder bekehren, damit keine Seele mehr in die Hölle kommt?" Darauf Francisco: "Ich tröste lieber den Heiland. Hast du nicht gemerkt, wie Unsere Liebe Frau letzten Monat so traurig wurde, als sie sagte, daß die Menschen den Herrgott nicht mehr beleidigen sollen, der schon so sehr beleidigt wurde? Ich möchte den Heiland trösten und dann die Sünder bekehren, damit sie ihn nicht mehr beleidigen."
Francisco erkrankte schwer. Seine Biographen beschreiben, wie er sein Leiden in großer Geduld und Liebe zum Heiland ertrug. Am Abend vor seinem Tod besuchte ihn Lucia: "Francisco, auf Wiedersehen! Wenn du diese Nacht in den Himmel kommst, vergiß mich dort nicht, hörst du!" - "Ich werde dich nicht vergessen, sei beruhigt." Dann ergriff er ihre rechte Hand, drückte sie eine Zeitlang kräftig und schaute sie mit Tränen in den Augen an. "Dann auf Wiedersehen, Francisco! Bis im Himmel!" - "Auf Wiedersehen im Himmel!" Am selben Tag, dem 4. April 1919 um 22 Uhr, gab er, erst zehnjährig, seine Seele dem Schöpfer zurück.
Jacinta Marto war die jüngere Schwester Franciscos. Sie wurde am 11. März 1910 geboren. Wie Francisco wurde auch sie schon sehr früh von den Eltern im christlichen Glauben unterrichtet und in ihr insbesondere die Liebe zu Gott und der Eucharistie geweckt. Sie war von einem heldenhaften Geist der Buße und der Abtötung beseelt.
Von ihrem Bischof befragt, auf was diese Gesinnung bei Jacinta zurückzuführen sei, führte Schwester Lucia eine zweifache Antwort an; sie schreibt: "Die Vision der Hölle hatte Jacinta dermaßen mit Entsetzen erfüllt, daß alle Buß übungen und Abtötungen ihr wie nichts erschienen, wenn sie nur einige Seelen vor der Hölle bewahren konnte... Ich glaube, es war erstens eine besondere Gnade, die Gott ihr durch das Unbefleckte Herz Mariens verleihen wollte; zweitens der Gedanke an die Hölle und das Unglück der Seelen, die dort hinkommen." Dann fügte Schwester Lucia dem Schreiben an ihren Bischof eine schon pädagogisch anmutende Bemerkung hinzu: "Manche Leute, auch fromme, wollen Kindern nichts von der Hölle sagen, um sie nicht zu erschrecken. Gott dagegen zögerte nicht, sie den drei Kindern zu zeigen, von denen eines erst sieben Jahre alt war, und Er wußte sehr wohl, daß es dabei vor Entsetzen beinahe sterben würde, wenn ich so sagen darf."
Ein Jahr nach den Erscheinungen, im Oktober 1918, erkrankte Jacinta an Lungenentzündung; eine Zeit, nach der sich die feinfühlige, zarte Jacinta gesehnt hatte. Endlich durfte sie leiden, viel leiden! Eines Tages fragte Lucia die kleine leidende Jacinta: "Geht es dir besser?" Darauf Jacinta: "Du weißt, daß es mir nicht besser gehen wird! Ich habe große Schmerzen in der Brust. Aber ich sage nichts. Ich leide für die Bekehrung der Sünder." Ein anderes Mal ließ sie Lucia zu sich rufen: "Unsere Liebe Frau kam uns besuchen und sagte, daß sie Francisco sehr bald in den Himmel holen werde; und mich fragte sie, ob ich noch mehr Sünder bekehren möchte. Ich sagte ihr ja. Sie kündigte mir an, ich würde in ein Krankenhaus kommen und dort viel leiden. Ich würde für die Bekehrung der Sünder, als Sühne für die Sünden gegen das Unbefleckte Herz Mariens und aus Liebe zu Jesus leiden." Als ihr Bruder Francisco im Sterben lag, sagte sie: "Grüße unseren Herrn und Unsere Liebe Frau von mir und sage, daß ich alles erdulde, wenn sie es wünschen, um die Sünder zu bekehren und dem Unbefleckten Herzen Mariens Sühne zu leisten."
Jacinta wurde am 1. Juli 1919 in das Hospital des hl. Augustinus von Villa Nova de Ourem gebracht, wo sie bis zum 31. August blieb. Am 2. Februar 1920 wurde die kleine Büßerin ins Lissaboner Estefania-Krankenhaus eingeliefert, wo ihre Seele am 20. Februar 1920 um 22.30 Uhr im Herzen Mariens für ewig Aufnahme und Geborgenheit fand.
Schwester Lucia berichtet uns, wie sie ihre Cousine Jacinta nach den Erscheinungen erlebte:
"Was ich verspürte, war, was man gewöhnlich bei einer heiligen Person verspürt, die ganz mit Gott in Verbindung zu stehen scheint. Jacinta hatte stets eine ernste, bescheidene und liebenswürdige Haltung, die die Anwesenheit Gottes in all ihren Handlungen auszudrücken schien; eine solche Haltung ist Personen eigen, die schon fortgeschritten sind im Alter und auf dem Weg der Tugend. Niemals sah ich an ihr jene übertriebene Leichtfertigkeit oder Begeisterung, wie sie Kindern eigen sind. Sie war ein kleines Mädchen nur den Jahren nach. Im übrigen wußte sie schon die Tugend zu üben und Gott und der seligsten Jungfrau Maria ihre Liebe durch das Opfer zu zeigen. Es ist bewunderungswürdig, wie sie den Geist des Gebetes und des Opfers verstand, den uns die Muttergottes empfahl." Der Hochwürdige Dr. Manuel Nunes Formigaõ, der sie sehr genau kannte und sie oft befragte, schätzt sie folgendermaßen ein: "Die Erscheinungen U. L. Frau, vor allem die Schönheit Mariens, faszinierten die engelgleiche Jacinta. Und in diesem übernatürlichen Licht begann sich in dem Kind eine Entwicklung zu vollziehen... Und am Ende ihres so kurzen Lebens war Jacinta, eine reife Frucht, vollkommen losgelöst von den Dingen dieser Welt und gefesselt von den ewigen Gütern."
Dr. Carlos de Azevedo Mendes, damals ein junger Rechtsanwalt, aber später viele Jahre hindurch Bürgermeister von Torres Novas und Abgeordneter im Nationalrat, besuchte am 7. September 1917 Fatima und unterhielt sich mit den drei Hirtenkindern. In einem Privatbrief an seine Braut schreibt er über Jacinta: "Sehr klein, sehr schüchtern begann sie sich mir zu nähern. Ich saß auf einem Stuhl, um sie besser beurteilen zu können. Ich setzte sie auf eine Truhe, ich saß ihr gegenüber. Ich beobachtete sie dann, und dies war mir eine große Freude. Der Vikar hatte mir gesagt, dass sie ein Engel sei. Ich wollte mir auch eine Meinung bilden. Ich muss dir sagen, dass sie ein Engel ist, aber ein sehr, sehr lieblicher Engel." So wurde sie auch von den Personen beurteilt, die zu ihr Kontakt hatten. Vernehmen wir folgenden Bericht Lucias! "An einem Sonntag baten meine Freundinnen aus Moita nach der Messe meine Mutter, sie möge mir gestatten, den Tag mit ihnen zu verbringen. Nachdem die Erlaubnis erteilt war, baten sie mich, auch Jacinta und Francisco mitzunehmen.
Nun musste auch die Erlaubnis von deren Eltern ein- geholt werden; diese wurde gern gegeben. So gehen nun die drei Kinder voller Freude nach Moita, wo ihnen ein guter Imbiss angeboten wurde. Nach dem Essen wurde Jacinta schläfrig. Herr José Alves schickte eine seiner Nichten, damit sie der kleinen Jacinta ihr Bett zeige. Bald war sie in einen tiefen Schlaf versunken. Allmählich kamen die Leute des Dörfleins, um den Nachmittag mit uns zu verbringen, und von dem Verlangen beseelt, sie zu sehen, hielten sie Ausschau, ob sie schon wach sei. Sie waren erstaunt, sie in tiefem Schlaf vorzufinden: Ein Lächeln war auf ihren Lippen, ihr Antlitz war das eines Engels, die Hände waren gefaltet und zum Himmel erhoben.
Die Kammer füllte sich rasch mit Neugierigen. Alle wollten sie sehen, und es entstand ein großes Gedränge. Die Frau des Herrn José Alves und die Nichten riefen aus: Das muss ein Engel sein! Und ergriffen von einer gewissen Ehrfurcht, verharrten sie kniend vor dem Bett, bis ich gegen halb fünf Uhr sie rief; denn wir wollten gehen und in der Cova da Iria den Rosenkranz beten." Lächeln auf den Lippen, das Antlitz eines Engels, die Hände gefaltet; das ist das Bild Jacintas sogar im Schlafe. Sie wurde eine lebendige Antwort, eine edelmütige Erwiderung für alle Bitten, die an sie im Himmel gerichtet wurden. Ihre zarte und lebhafte Liebe zu Jesus und zur Jungfrau Maria verlieh ihr Flügel, um auf dem Weg der Heiligkeit zu fliegen. Ihre heroische Tugend nähert sich sehr der der großen Heiligen. Selten wird ein Kind zu einem solchen Grad der Liebe, der Selbstverleugnung, der Opferbereitschaft und des Eifers für die Seelen gelangt sein. Ja, sie war wirklich ein Engel auf Erden.
III. Die SELIGSPRECHUNG
SEHERKINDER VON FATIMA WURDEN
AM 13. MAI 2000
VOM HEILIGEN VATER, PAPST JOHANNES PAUL II.,
IN FATIMA SELIGGESPROCHEN
Die im portugiesischen Marienwallfahrtsort Fatima geborenen Seherkinder Francisco (1908-1919) und Jacinta (1910-1920) Marto werden bald als die zwei jüngsten Seligen der Katholischen Kirche verehrt werden dürfen. In Rom unterzeichnete Papst Johannes Paul II. am 28. Juni 1999 das Dekret zur Seligsprechung der im Alter von knapp 11 Jahren gestorbenen Geschwister und Seher-Kinder. Ihnen und ihrer heute 93jährigen Cousine, Schwester Lucia, die heute im Karmelitinnenkloster von Coimbra lebt, erschien die Gottesmutter 1917 sechsmal. Nach der Seligsprechung werden sie die ersten Kinder sein, denen als Nicht-Märtyrer diese Ehre zuteil wird.
Der Seligsprechungsprozess der Kinder begann schon 1979. Geleitet wurde das Verfahren von dem aus Ungarn stammenden Priester Pater Louis Kondor. Nach der üblichen Praxis der Kirche war die Seligsprechung von Kindern unter 17 Jahren, die nicht den Märtyrertod erlitten hatten, untersagt. Dieses Hindernis wurde von der Kirche 1981 beseitigt.
Am 13. Mai 1991, dem 10. Jahrestag des Attentats in Rom, kam Papst Johannes Paul II. zum zweiten Mal als Pilger nach Fatima. An diesem Tag verkündete er den "heroischen Tugendgrad" der beiden Seherkinder. Ausschlaggebend dafür war die plötzliche Genesung der seit 22 Jahren gelähmt und bettlägerig gewesenen Frau Maria Emilia dos Santos aus Leiria. 17 Jahre lang habe sie zu den Kindern gebetet und schließlich 1987 eine Novene (Neun-Tage-Andacht) gehalten. Zum Abschluss der Novene war die Lähmung plötzlich verschwunden und sie konnte wieder aus eigener Kraft zuerst sitzen, dann sogar gehen. Nach eigenem Zeugnis hat sie sich sogar nach Rom zu ärztlichen Untersuchungen fliegen lassen. Weder zuvor in Portugal noch in Rom fand das untersuchende Ärzteteam eine natürliche Erklärung für ihre Genesung.
Wie der Vatikan verlauten ließ, waren nicht die Erscheinungen der Gottesmutter ausschlaggebend für die Seligsprechung der Kinder, vielmehr wurde ein beispielhaftes Verhalten gewürdigt, welches man bei Kindern in diesem Alter, ohne die notwendigen Gnadengaben, nicht unbedingt voraussetzen kann. So waren die Kinder auch angesichts eines durch die Gegner ihnen angedrohten qualvollen Todes und in Abwesenheit ihrer Eltern nicht bereit, über die ihnen von der Gottesmutter anvertrauten Geheimnisse zu sprechen; in kindlicher Offenheit waren sie eher bereit zu sterben, als der Gottesmutter die Treue zu brechen. Den Tod nicht scheuend, nahmen sie die Todesdrohungen und den möglichen Tod als Beweis ihrer Treue zur Gottesmutter an. Nicht zuletzt sei hier erwähnt, dass der Heilige Vater das Attentat vom 13. Mai 1981 auf dem St. Petersplatz und seine schnelle Heilung als ein Hinweis des Himmels betrachtete, war er doch schon am 13. Mai 1982 nach Fatima gepilgert, um "der Gottesmutter für die Errettung zu danken". Damals wurde die aus seinem Leib heraus- operierte Kugel an der Krone der Muttergottes-Statue in Fatima befestigt, die heute auf dem in Marmor gefassten Baumstumpf jener Steineiche steht, wo Maria 1917 den Kindern erschien.
Francisco und Jacinta haben ihre Krankheiten bis zum Tode in bewundernswerter Weise ertragen. Damit wollten sie Sühne leisten für jene, die Gott aus ihrem Leben ausschließen, um auch für sie die Gnade der Bekehrung zu erflehen. Francisco lag schon im Sterben, als seine Schwester Jacinta ihn besuchte. Da sagte sie zu ihrem Bruder: "Grüße unseren Herrn und Unsere Liebe Frau auch in meinem Namen und sage ihnen, dass ich gerne noch lange leiden möchte, wenn sie es wünschen, um die Sünder zu bekehren und dem Unbefleckten Herzen Mariens Sühne zu leisten!"
Wir können mit Recht stolz auf diese beiden Kinder sein und Großmut von ihnen lernen! Gott aber sind wir dankbar für diese beiden aus Liebe zu Gott brennenden Kinderherzen. Mögen sie Vorbild und Ansporn auch für unsere Kinder sein!
Selige Francisco und Jacinta,
bittet für unsere Kinder und Jugend !
WEITERE GESICHTE DER SEHERKINDER
Jacintas kindlich reine Seele wurde oft in der Liebe zum göttlichen Heiland entrückt. Oft drückte sie ein Herz-Jesu-Bildchen an sich und sagte: «Ich küsse ihm das Herz, denn das habe ich am liebsten.» Als Lucia ihr ein Bildchen mit dem Kelch und einer Hostie zum Krankenbett brachte, nahm sie es, küßte es und sagte freudestrahlend: «Es ist der verborgene Heiland! Ich habe ihn so gern, ich möchte ihn so sehr in der Kirche empfangen! Kommuniziert man auch im Himmel? Wenn man dort kommuniziert, gehe ich jeden Tag zur Kommunion. Wenn der Engel doch zum Krankenhaus käme, um mir wieder die hl. Kommunion zu bringen!» Wenn Lucia sie zuweilen auf dem Heimweg von der Kirche besuchte, fragte sie neugierig: «Hast du kommuniziert?» Wenn Lucia die Frage bejahte, bat sie sofort: «Komm hierher, ganz in meine Nähe, denn du hast den verborgenen Heiland in deinem Herzen!» Lucia selbst schreibt in einem Brief an ihren Bischof, der sie darüber befragte, warum sie nicht schon lange alles niedergeschrieben habe, was die Gottesmutter ihr in den Visionen gesagt habe, sie sei davon überzeugt, von Gott nicht als Prophetin, sondern als Trägerin von Geheimnissen berufen zu sein, da ihr, im Vergleich zu Jacinta, die Gabe der inneren Anschauung fehle. Sie schreibt: «Gott begleitet gewöhnlich Seine Offenbarungen mit einer eingehenden inneren Erkenntnis dessen, was sie bedeuten. Ich wage jedoch darüber nicht zu sprechen, denn ich fürchte, einer Täuschung durch meine Einbildungskraft zu erliegen. Jacinta schien diese Erkenntnis in einem ziemlich hohen Grad zu besitzen.» Als Nachweis für Lucias Beurteilung stehe hier eine Aussage von Jacinta, die sie kurz vor ihrem Abtransport ins Krankenhaus machte. Obwohl es allein Lucia war, die bei den Erscheinungen mit der Gottesmutter redete (Jacinta hörte zwar alles, wurde aber weder angesprochen noch sprach sie je etwas, Francisco sah zwar die Erscheinung, hörte aber weder die Stimme Lucias noch die der Gottesmutter), war es Jacinta, die den Sinn der Ankündigung der Gottesmutter vom Juni über die Andacht der Verehrung des Unbefleckten Herzens tief im Inneren erfaßte. Sie sagte: «Es dauert nicht mehr lange, bis ich in den Himmel gehe. Du bleibst hier, um den Menschen zu sagen, daß Gott die Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens in der Welt begründen will. Wenn die Zeit gekommen ist, darüber zu sprechen, dann verbirg dich nicht. Sag es allen, daß Gott uns die Gnaden durch das Unbefleckte Herz Mariens schenkt, daß die Menschen sie durch dieses erbitten müssen, daß das Herz Jesu will, daß mit ihm auch das Herz Unserer himmlischen Mutter verehrt wird. Man soll den Frieden von Unserer himmlischen Mutter erbitten, da Gott ihn ihr anvertraut hat. Könnte ich doch jedem Herzen die Flamme mitteilen, die nür in der Brust brennt und mich das Herz Jesu und Mariens so lieben läßt.»
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Visionen über den Heiligen Vater
An einem warmen Sommertag verbrachten die drei Kinder die Mittagsruhe am Brunnen im Garten von Lucia. Während sich Francisco mit dem Suchen von wildem Honig in den Ginsterbüschen beschäftigte, saß Jacinta regungslos auf den Steinen des Brunnens. Plötzlich rief sie: «Habt ihr den Heiligen Vater gesehen?» «Nein», antwortete Lucia. Jacinta berichtete daraufhin: «Ich weiß nicht, wie es kam. Ich sah den Heiligen Vater; in einem sehr großen Haus kniete er vor seinem Tisch, verbarg das Gesicht in den Händen und weinte. Draussen standen viele Leute, und einige warfen Steine nach ihm, andere beschimpften ihn und riefen häßliche Worte. Der arme Heilige Vater! Wir müssen sehr viel für ihn beten!» Diese Vision weist auf zeitlich weit vorausliegende Begebenheiten hin. Es scheint ein Hinweis auf die Weltweihe an das Unbefleckte Herz Mariens durch Papst Pius XII. in der Basilika von St. Peter am 8. Dezember 1943 zu sein; in verschiedenen Gegenden Europas wütete gleichzeitig die Verfolgung der Kirche und die Ablehnung des Papstes! Andererseits kann es sich kaum um Papst Benedikt XV. (1914-1922) handeln, unter dessen Herrschaft das Jahr 1917, den kriegerischen Auseinandersetzungen entsprechend, relativ ruhig verlief. In der Tat hat man Pius XII. (1939-1958) den Beinamen «Papst des Unbefleckten Herzens Mariens» gegeben. Freilich kann auch unsere Zeit, in welcher der Papst auf vielfache Weise abgelehnt wird, in dieser Vision angedeutet sein.
Ein anderes Mal, als die Kinder beim Felsen von Cabeço spielten, erhob sich Jacinta und fragte Lucia: «Siehst du nicht die vielen Straßen und die Wege und Felder voller Menschen, die vor Hunger weinen, weil sie nichts zu essen haben; und den Heiligen Vater in einer Kirche vor dem Unbefleckten Herzen Mariens im Gebet? Und so viele Leute, die mit ihm beten?»
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ANSPRACHE DES HEILIGEN VATERS,
PAPST JOHANNES PAUL II.
NACH DER SELIGSPRECHUNG
DER SEHERKINDER
FRANCISCO UND JACINTA IN FATIMA
AM 13. MAI 2000
bersetzung der "Traduzione non ufficiale" (nicht offizielle italienische Übersetzung) aus dem SALA STAMPA DELLA SANTA SEDE (Pressesaal des Heiligen Stuhls). Man kann davon ausgehen, dass der italienische Text sehr zuverlässig ist; erfahrungsgemäß wird vom Portugiesischen ins Italienische Wort für Wort übersetzt. Der Papst hat die ganze Predigt abgelesen, sodass anzunehmen ist, dass er den vorgelegten Text auch wörtlich verwendet hat. (Übersetzung: Kaplan Matthias Rey)
1. Ich preise dich, o Vater, (...) weil du all diese Sachen den Weisen und den Intelligenten verborgen, den Kleinen aber offenbart hast" (Mt 11,25).
Mit diesen Worten, liebe Brüder und Schwestern, lobt Jesus den himmlischen Vater für seine Pläne; er weiß, dass niemand zu ihm kommen kam wenn ihn nicht der Vater zieht (vgl. Joh 6,44). Deshalb lobt er diesen Plan und fügt schlussendlich hinzu: "Ja, o Vater, denn so hat es dir gefallen" (Mt 11, 26). Dir hat es gefallen, das Reich den Kleinen zu öffnen. Nach dem göttlichen Plan ist "eine Dame mit der Sonne bekleidet" (Apk 12,1) vom Himmel auf diese Erde gekommen, um die vom Vater privilegierten Kleinen aufsuchen. Sie spricht zu ihnen mit mütterlicher Stimme und mütterlichem Herzen. Sie lädt sie ein, sich als Opfer für die Wiedergutmachung darzubieten, und verspricht ihnen dabei, sie sicher bis zu Gott hin zu führen. Und siehe, sie sehen von den mütterlichen Händen ein Licht ausgehen, weiches ihr Innerstes durchdringt, sodass sie sieh in Gott eingetaucht fühlen, wie wem sich eine Person - so erklären sie selber - im Spiegel betrachtet. Etwas später bemerkte Francisco, einer der drei Privilegierten: "Wir brannten in jenem Licht, das Gott ist, und es verbrannte uns nicht. Wie ist Gott! Man kann es nicht sagen. Doch das, ja, das können wir sagen, dass wir es nie sagen können. "Gott: ein Licht, das brennt, jedoch nicht verbrennt. Dieselbe Wahrnehmung hatte Moses, als er Gott im brennenden Dornbusch sah, dabei sprach Gott zu ihm, dass er besorgt sei wegen der Versklavung seines Volkes, und er entschloss sich, es durch ihn zu befreien. "Ich werde mit dir sein" (vgl. Ex 3, 2-12). Jene, die diese Gegenwart Gottes aufnehmen, werden zur Wohnung und folglich zum "brennenden Dombusch" des Allerhöchsten.
2. Was den seligen Francisco am meisten verwundert hat und was ihn durchdrang, war Gott in diesem immensen Licht, das sie alle drei in ihrem Innersten erreicht hat. Jedoch hat sich Gott nur ihm als "sehr traurig" zu erkennen gegeben, wie er selber sagte.
Francisco
Eines nachts hörte ihn sein Vater schluchzen, und er fragte ihn, warum er weine; der Sohn antwortete: "Ich dachte an Jesus, der wegen der Sünden, die gegen ihn gemacht werden, sehr traurig ist". Jetzt bewegt Francisco nur ein Wunsch, nämlich - so ausdrucksvoll, wie es Kinder in ihrer Art tun - "Jesus, trösten und ihn glücklich machen". In seinem Leben geschieht eine Verwandlung, man könnte sagen, eine radikale Verwandlung, eine für Kinder in diesem Alter sicher ungewöhnliche Verwandlung. Er verpflichtet sich einem intensiven geistlichen Leben, mit einem so beharrlichen und leidenschaftlichen Gebet, dass er eine wahrhafte Form der mystischen Vereinigung mit dem Herrn erreicht. Genau das treibt ihn zu einer wachsenden Reinigung des Geistes, und zwar durch viele Entsagungen gegenüber dem, was ihm gefällt und sogar bis in die unschuldigen Spiele der Kinder. Francisco ertrug die großen Leiden, die durch die Krankheit verursacht wurden, an welcher er schließlich starb, ohne jegliche Klage. Alles erschien ihm wenig, um Jesus zu trösten; er starb mit einem Lächeln auf den Lippen. In diesem Kleinen war der Wunsch groß, die Beleidigungen der Sünder wieder gut zu machen. Dazu brachte er die Anstrengung, gut zu sein, dar; die Opfer, das Gebet, Auch Jacinta, seine fast zwei Jahre jüngere Schwester, lebte beseelt von denselben Gefühlen.
3. "Alsdann erschien ein anderes Zeichen am Himmel: ein gewaltiger Drache" (Apk 12,3) Diese Worte, die wir in der ersten Lesung der Messe gehört haben, führen uns zu den Gedanken an den großen Kampf zwischen Gut und Böse, und erinnern uns daran, dass der Mensch, wenn er Gott auf die Sehe schiebt, das Glück nicht erreichen kann, sondern in der Selbstzerstörung endet. Wie viele Opfer im Laufe des letzten Jahrhunderts, des zweiten Jahrtausends! Die Gedanken gehen zu den Grausamkeiten der zwei "großen Kriege" und aller andern Kriege in vielen Teilen der Welt, zu den Konzentrations- und Vernichtungslagern, zu den Gulags, zu den ethnischen Säuberungen und den Verfolgungen, zum Terrorismus, zu den Geißelnahmen, zur Droge, zu den Attentaten gegen das ungeborene Leben und gegen die Familie. Gott will, dass niemand verloren geht; darum hat er vor 2000 Jahren seinen Sohn auf die Erde gesandt, um "zu suchen und zu retten, was verloren war" (Lk 19,10), Er hat uns mit seinem Tod am Kreuz. gerettet. Niemand verachte dieses Kreuz! Jesus ist gestorben und auferstanden, um "der Erstgeborene vieler Brüder" zu sein. (Röm 8,29).
In ihrer mütterlichen Fürsorge ist die Heiligste Jungfrau hierher nach Fatima gekommen, um die Menschheit zu bitten, "Gott, unsern Herrn nicht mehr zu beleidigen, der schon so viel beleidigt wurde" Es ist der mütterliche Schmerz, der sie verpflichtet, zu sprechen; das Schicksal ihrer Kinder steht auf dem Spiel. Darum bittet sie die Hirtenkinder: "Betet, betet viel und bringt Opfer für die Sünder; viele enden in der Hölle, weil niemand da ist, der für sie betet und sich für sie opfert".
4. Die kleine Jacinta hat diesen Kummer der Madonna geteilt und erlebt und hat sich heroisch als Opfer für die Sünder dargeboten. Eines Tages, als sie und Francisco bereits durch die Krankheit gezeichnet und ans Bett gezwungen waren, kam die Jungfrau Maria, sie im Haus zu besuchen, wie Jacinta erzählt: "Die Madonna ist gekommen um uns zu sehen, und sie hat gesagt, dass sie sehr bald Francisco holen werde, um ihn in den Himmel zu bringen. Mich hat sie gefragt, ob ich noch mehr Sünder bekehren wolle. Ich habe ihr Ja gesagt". Und, als der Augenblick des Weggangs von Francisco kam, hat ihm die Kleine ans Herz gelegt: ."Bringe unserem Herrn und der Madonna viele Grüße von mir und sag ihnen, dass ich bereit hin, alles zu ertragen, was sie wollen, um die Sünder zu bekehren".
Jacinta war von der Höllenvision, geschehen in der Erscheinung im Monat Juli, derart getroffen, dass ihr alle Abtötungen und Bußübungen als Kleinigkeit erschienen, um die Sünder zu retten. Jacinta könnte bestens mit dem heiligen Paulus ausrufen: "Ich freue mich, für euch zu leiden, so ergänze ich in mir, was an den Leiden Christi fehlt, zum Nutzen seines Leibes, der die Kirche ist" (Kol 1,24). Letzten Sonntag haben wir beim Kolosseum in Rom der sehr vielen Zeugen des Glaubens des 20. Jahrhunderts gedacht, und haben durch die ausgeprägten Zeugnisse, die sie uns hinterlassen haben, die Leiden in Erinnerung gerufen, die sie ertragen haben. Eine Wolke unzähliger mutiger Glaubenszeugen hat uns ein wertvolles Erbe hinterlassen, welches im dritten Jahrtausend lebendig bleiben muss. Hier in Fatima, wo diese Zeiten der Drangsal vorhergesagt worden sind und die Madonna um Gebet und Busse gebeten hat, um sie zu verkürzen, möchte ich heute dem Himmel danken für die Kraft des Zeugnisses, welche sich in allen diesen Menschenleben gezeigt hat. Und ich wünsche einmal mehr, die Güte des Herrn mir gegenüber zu feiern, als ich während des Anschlags an jenem 13. Mai 1981 vor dem Tode gerettet wurde. Ich drücke meine Anerkennung auch der seligen Jacinta gegenüber aus für die Opfer und Gebete, die sie für den Heiligen Vater gemacht hat, den sie so sehr leiden sah.
5. "Ich preise dich, o Vater, weil du all diese Sachen den Kleinen offenbart hast". Das Lob Jesu nimmt heute die feierliche Form der Seligsprechung der Hirtenkinder Francisco und Jacinta an. Die Kirche will mit diesem Ritus diese zwei Flämmchen, welche Gott entzündet hat, um die Menschheit während ihrer dunklen und unruhigen Stunden zu erhellen, auf den Leuchter stellen. Mögen also diese Lichter auf dem Weg dieser immensen Menge von Pilgern und aller andern, die uns durch Radio und Fernseher begleiten, leuchten, "Seien Francisco und Jacinta ein freundschaftliches Licht, dar ganz Portugal erhellt und, in spezieller Weise, diese Diözese von Leiria-Fatima..
Ich danke Monsignore Serafim, Bischof dieser bedeutenden Ortskirche, für seine Willkommens-Worte, und mit großer Freude grüße ich den ganzen portugiesischen Episkopat und die betreffenden kirchlichen Gemeinschaften, die ich von Herzen liebe und ich fordere sie auf, ihre Heiligen nachzuahmen. Ein brüderlicher Gruß den anwesenden Kardinälen und Bischöfen, speziell jenen Hirten von Gemeinschaften der Länder mit portugiesischer Sprache: die Jungfrau Maria erwirke dem angolanischen Volk die Versöhnung, sie bringe Trost den Hochwassergeschädigten in Mozambique, sie wache über den Wegen von Timor Lorosae, Guinea Bisau, Capo Verde, São Tomé und Principe; sie behüte ihre Söhne und Töchter von Brasilien in der Einheit des Glaubens. Mein ehrerbietiger Gruß geht an den Premier-Minister und an die Autoritäten, welche an dieser Feier teilnehmen wollten. Ich profitiere von der Gelegenheit, dem Regierungsoberhaupt meine Anerkennung auszudrücken für alle, die mitgearbeitet haben, meine Pilgerreise zu ermöglichen. Eine herzliche Umarmung und einen speziellen Segen der Pfarrei und der Stadt Fatima, welche sich heute über ihre Kinder, die zur Ehre der Altäre erhoben sind, freuen.
6. Mein letztes Wort gilt den Kindern: Liebe Buben und Mädchen, ich sehe viele von euch mit jenen Kleidern gekleidet, die denen von Francisco und Jacinta gleichen, Sie stehen euch sehr gut! Das Unglück ist nur, dass ihr diese Kleider heute Abend oder vielleicht morgen wieder abzieht und... die Hirtenkinder verschwinden. Meint ihr nicht, dass sie nicht verschwinden sollten?! Die Madonna braucht euch alle, um Jesus zu trösten, der traurig ist wegen der Kränkungen, die ihm gemacht werden; er braucht eure Gebete und eure Opfer für die Sünder.
Bittet eure Eltern und eure Lehrer, euch bei der "Schule der Madonna" einzuschreiben, damit sie euch lehre, so zu werden, wie die Hirtenkinder, die danach strebten, das zu machen, was sie von ihnen erbat. Ich sage euch, dass man "größere Fortschritte macht in kurzer Zeit, wenn man sich Maria unterordnet und von ihr abhängig ist, als während langen Jahren persönlichen Bemühens, bei dem man sich nur auf sich selber stützt" (Hl. Ludwig Maria Grignon de Montfort, Traktat über die wahre Verehrung der allerseligsten Jungfrau, Nr. 155), Genau so sind die Hirtenkinder schnell heilig geworden. Als eine Frau, welche Jacinta in Lissabon aufgenommen hatte, all die sehr schönen und weisen Ratschläge hörte, die die Kleine gab, fragte sie sie, wer sie denn all das gelehrt habe. "Es war die Madonna" antwortete sie. Jacinta und Francisco haben in kurzer Zeit den Gipfel der Vollkommenheit erreicht, indem sie sich mit ganzer Hingabe von einer so guten Meisterin führen ließen.
7. "Ich preise dich, o Vater, (... ) weil du all diese Sachen den Weisen und den Intelligenten verborgen, den Kleinen aber offenbart hast."
Ich preise dich, o Vater, für all deine Kleinen, angefangen von der Jungfrau Maria, deine demütige Magd, bis zu den Hirtenkindern Francisco und Jacinta.
Die Botschaft ihres Lebens bleibe immer lebendig und erleuchte den Weg der Menschheit!
Amen
Zum Kapitel
DIE SELIGEN HIRTENKINDER VON FATIMA
FRANCISCO UND JACINTHA -
Texte zum hl. Messopfer zu Ehren der sel. Francisco und Jacinta
Francisco Marto (11.3.1908 - 4.4.1919) und Jacinta Marto (11.6.1910 - 20.2.1920) wurden in Aljustrei, Pfarrei Fatima, Diözese Leiria-Fatima geboren. Sie lernten schon in der Familie die christliche Lehre kennen. Sie haben im Jahre 1916, mit ihrer Cousine Lucia zusammen, dreimal einen Engel und 1917 sechsmal die heiligste Jungfrau gesehen. Sie forderten die Kinder auf, zu beten und Opfer zu bringen, um Gott und Mariens Unbeflecktem Herzen für die Beleidigungen Sühne zu leisten und für die Bekehrung der Sünder mitzuwirken. Von der Zeit ab hatten sie nur ein Anliegen: diese Wünsche des Engels und Mariens zu erfüllen. Sie kamen dadurch stets auf dem Wege der Vollkommenheit voran. Die Worte des Engels "Tröstet euren Gott", machten vor allem auf Francisco einen ausserordentlich tiefen Eindruck. Sein Lebensideal war, Gott Freude und Trost zu bereiten. Jacintas Leben war ein unermüdliches Beten und hochher- ziges Opfern, um die Sünder zu bekehren und dem Unbefleckten Herzen Mariens Sühne zu leisten. In ihrer letzten Krankheit gestand sie ihrer Cousine: "Ich leide, opfere aber alles für die Sünder auf und dem Unbefleckten Herzen Mariens zur Sühne". Kurz vor ihrem Tode erklärte sie: "Ich werde im Himmel Jesus und das Unbefleckte Herz Mariens sehr lieben".
Papst Johannes Paul II. hat sie in Fatima am 13. Mai 2000 in das Verzeichnis der Seligen aufgenommen.
ERÖFFNUNGSVERS (Mt 18,13)
Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.
TAGESGEBET
O Gott, du liebst die Unschuld und du erhörst die Niedrigen. Gib, dass wir dir nach dem Beispiel der Seligen Francisco und Jacinta mit reinem Herzen dienen und so würdig werden, das Himmelreich zu erlangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen.
LESUNG: 1 Sam 3,1.3-10;
ZWISCHENGESANG: Magnificat Lk 46-48.49.50
R. Der Herr erhöht die Niedrigen (Lk 52b)
ALLELUJA
(Ps 119,130) Die Klarheit deiner Worte erleuchtet, Unwissende vermag sie zu lehren.
EVANGELIUM: Mt 18,1-5
GABENGEBET
O Herr, schau auf die Gaben und Gebete deiner Diener. Vergib voll Erbarmen unsere Schuld und bekehre die Sünder zu dir. Darum bitten wir durch Christus unsern Herrn, der mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit.
KOMMUNIONVERS
(Mt 11,25) Sei gepriesen, Vater, Herr des Himmels und der Erde, du hast die Geheimnisse des Reiches den Unmündigen geoffenbart.
SCHLUSSGEBET
O Herr, das Sakrament, das wir empfangen haben, möge in uns jene Liebe entzünden, mit der deine Seligen Francisco und Jacinta dir voll Eifer anhingen und um das Heil aller besorgt waren. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebete zum Stundengebet am Fest der Seligen (20. Februar)
II. LESUNG. Aus der Homilie des Papstes bei der Seligsprechung
"Ich preise dich, Vater, weil du all das den Weisen und den Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast" (Mt 11,25). Mit diesen Worten, liebe Brüder und Schwestern, lobt Jesus den Vater im Himmel für seine Pläne; er weiß, dass niemand zu ihm kommen kann, wenn ihn nicht der Vater zu ihm hinführt (vgl. Joh 6,44); und daher lobt er diesen Plan und stimmt ihm in Kindeshaltung zu: "Ja, Vater, so hat es dir gefallen» (Mt 11,26). Es hat dir gefallen, das Himmelreich den Unmündigen zu öffnen. Nach dem göttlichen Plan ist "eine Frau, mit der Sonne bekleidet» (Offb 12,1), vom Himmel auf diese Erde herabgekommen, um die vom Vater bevorzugten Unmündigen aufzusuchen. Sie spricht mit der Stimme und dem Herzen einer Mutter zu ihnen: Sie lädt sie ein, sich als Sühneopfer darzubringen, und erklärt sich bereit, sie sicher vor Gott zu führen. Und siehe, sie sehen ein Licht von ihren Mutterhänden ausgehen, das sie bis ins Innerste durchdringt, so dass sie sich in Gott eingetaucht fühlen - wie wenn jemand sich im Spiegel betrachtet, so beschreiben sie es. Später erklärte Francisco, einer der drei Bevorzugten: "Wir brannten in jenem Licht, das Gott ist, aber wir verbrannten nicht". Wie ist Gott? Das kann man nicht sagen. Ja, das ist etwas, das wir Menschen nicht sagen können! Gott: ein Licht, das brennt, aber nicht verbrennt. Dieselbe Wahrnehmung hatte Mose, als er Gott im brennenden Dornbusch sah. Was den sel. Francisco am meisten wunderte und ganz in Anspruch nahm, war Gott in jenem immensen Licht, das sie alle drei bis in ihr Innerstes durchdrungen hatte. In seinem Leben bringt er eine Wandlung zuwege, die man als radikal bezeichnen könnte, eine Wandlung, wie sie für Kinder seines Alters sicher nicht alltäglich ist. Er gibt sich einem intensiven geistlichen Leben hin, das sich in eifrigem und inbrünstigem Gebet niederschlägt, so dass er zu einer wahren Form mystischer Vereinigung mit dem Herrn gelangt. Und gerade das bringt ihn zu einer fortschreitenden Läuterung des Geistes durch vielerlei Verzicht auf Angenehmes, selbst unschuldige Kinderspiele. Francisco ertrug die großen Leiden, welche die Krankheit verursachten, die zu seinem Tod führte, ohne jede Klage. Groß war in dem kleinen Jungen der Wunsch, Sühne zu leisten für die Beleidigungen der Sünder; und so strengte er sich an, und opferte Verzicht und Gebete auf. Und Jacinta, seine fast zwei Jahre jüngere Schwester, lebte von denselben Gefühlen getragen. In ihrer mütterlichen Fürsorge ist die heiligste Jungfrau hierher, nach Fatima, gekommen, um die Menschen aufzufordern, dass sie Gott, unseren Herrn, nicht mehr beleidigen, der schon so viel beleidigt wird. Deshalb sagte sie zu den Hirtenkindern: "Betet, betet viel, und bringt Opfer für die Sünder; denn viele Seelen kommen in die Hölle, weil niemand da ist der sich für sie opfert und für sie betet". Die kleine Jacinta fühlte und lebte diese Sorge der Muttergottes als ihre eigene, und sie brachte sich heldenmütig als Opfer für die Sünder dar. Eines Tages - sie und Francisco waren bereits erkrankt und gezwungen, im Bett zu liegen - kam die Jungfrau Maria, sie zu Hause zu besuchen, wie Jacinta berichtet: "Die Muttergottes kam uns besuchen und sagte, dass sie sehr bald Francisco mit sich in den Himmel nehmen werde. Und mich fragte sie, ob ich noch mehr Sünder bekehren wollte. Ich sagte ihr: Ja!" Und als für Francisco der Augenblick des Ab- schiednehmens gekommen ist, trägt Jacinta ihm auf: "Bringe unserem Herrn und unserer Herrin viele Grüsse von mir, und sage ihnen, dass ich alles leide, was sie verlangen, um die Sünder zu bekehren". Die Schau der Hölle bei der Erscheinung vom 13. Juli hatte in Jacinta einen solchen Eindruck hinterlassen, dass keine Abtötung und Busse zuviel war, um die Sünder zu retten.
RESPONSORIUM Kol 1,24;2 Kor 4, 1 0
V. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt.
BENEDICTUS-ANTIFON
Es erschien am Himmel ein grosses Zeichen: eine Frau umkleidet mit der Sonne.
MAGNIFICAT-ANTIFON
Ich preise dich, Herr des Himmels und der Erde, weil du den Kleinen die Geheimnisse deines Reiches geoffenbart hast.
(Leicht gekürzt aus: Mitteilungsblatt über die Hirtenkinder, 39. Jahrgang, von P. Luis Kondor, Fatima)
Grundsätzliches zur Untersuchung eines Wunders
Am 20. Februar 2001 wurde zum ersten Mal das liturgische Fest der Seligen Francisco und Jacinta gefeiert. Die Texte von der Messe und vom Stundengebet, die wir hier beifügen, wurden den Pfarreien und allen Ordensgemeinschaften Portugals zugeschickt, um sich geistig besser mit Fatima vereinen zu können. An diesem Festtag kamen in Prozession die Bewohner der Heimatpfarrei der Seherkinder, darunter ihre Verwandten und etwa 1.200 Kinder, vom Taufbrunnen der Pfarrkirche zur Erscheinungskapelle in die Cova da Iria, in der unter Leitung von Bischof Serafim zu Ehren der Seligen eine Konzelebration stattfand. Obwohl der 20. Februar nur in Fatima selbst als Fest und ausserhalb Fatimas nur als Gedenktag gefeiert wird, haben bereits mehrere Orte im In- und Ausland angefangen, zu ihren Ehren Kirchen und Altäre zu errichten. Dadurch offenbaren die Gläubigen ihren Wunsch, dieses Fest auf die ganze Kirche zu erweitern, was eigentlich erst nach der Heiligsprechung geschieht. Was noch zur Heiligsprechung von Francisco und Jacinta fehlt, ist ein wissenschaftlich bewiesenes Wunder, das auf ihre Fürbitte nach der Seligsprechung geschehen ist. Es hat bereits Papst Innozenz IV. (1243-1254) so bestimmt: dass zur Heiligsprechung eines Dieners Gottes nicht nur das heiligmäßige Leben bewiesen werden soll, sondern auch Wunder, die auf ihre Fürsprache geschahen. Dies soll zur Bestätigung des Himmels dienen, dass im menschlichen Untersuchungsprozess über die Heiligkeit kein Irrtum unterlaufen ist. Seit dem Heiligen Jahr 1975 wird sowohl für die Selig- wie auch für die Heiligsprechung je ein wissenschaftlich bewiesenes Wunder gefordet, nur bei der Seligsprechung eines Martyrers dispensiert die Kirche heute von dem Beweis des Wunders.
Was ist eigentlich das Wunder? Die meisten Theologen sagen, dass das Wunder ein seltenes religiöses Geschehen ist, das Gottes besonderes und freies Eingreifen beansprucht und gleichzeitig für den Menschen Zeichen oder Offenbarung der göttlichen Botschaft ist, um ihn zu seiner Bekehrung zu bewegen.» Somit überschreitet das Wunder die Naturgesetze und läßt keine Möglichkeit zu, es durch einen normalen Prozess zu beweisen. Die Theologen unterscheiden, nach der Lehre des Hi. Thomas, drei verschiedene Arten von Wundern: 1. das die Naturkräfte "quoad substantiam" (in ihrer Wesentlichkeit) übertrifft, und deswegen die Natur ein solches Geschehen nicht hervorbringen kann, z.B. dass zwei Körper gleichzeitig am selben Platz stehen, oder ein Körper verklärt sei. 2. das die Naturkräfte nicht im Geschehen selbst, sondern im Subjekt übertrifft, an dem es geschieht: so z.B. die Auferstehung eines Toten oder der Zuwachs eines Beines oder anderen Körperteiles, das bereits amputiert wurde. Die Natur ist zwar fähig, Leben zu erzeugen, doch keineswegs beim Toten; ein Glied kann zwar wachsen, nicht aber dann, wenn es amputiert wurde. 3. endlich, wenn das Geschehen die Naturkräfte "quoad modum" (in der Art des Geschehens) übertrifft, z.B. die plötzliche Hei- lung ohne Medikamente und Behandlungen aus einer schweren Krankheit; die Befreiung von einer schweren Verkümmerung; oder wenn sich eine Wunde plötzlich heilt. Die Natur kann zwar die Verkümmerung eines Gliedes korrigieren und eine Wunde heilen, das geschieht aber nie plötzlich.
Bereits im Jahre 1917 haben viele Menschen ihre Anliegen den kleinen Seherkindern anvertraut und von Gebetserhörungen gesprochen, die ihrer Fürbitte zugeschrieben wurden. Oft ging es nur um Einbildungen, manchmal aber um erlangte Gnaden, die nur selten als Wunder angesehen werden könnten. Es werden heute bei der Leitung der Heiligsprechungsprozesse etwa eintausend Gebetserhörungen registriert, die jährlich auf die Fürsprache der Seligen Francisco und Jacinta gemeldet werden. Die Erfahrung zeigt, dass nur der eine oder der andere Fall von hundert Fällen ein Wunder sein könnte. Auch die ernsteren müssen noch besser untersucht werden, bevor man sie einem strengen kanonischen Prozess unterzieht, um so spätere schwere Enttäuschungen zu ersparen, denn auch solche sind oft natürlich zu erklären. Man verwendet für eine Heiligsprechung zur Zeit kein Wunder moralischer Art (wie z.B. die Bekehrung eines großen Sünders, die Versöhnung einer gespalteten Familie, die Befreiung von Drogen- und Alkoholsucht usw.), deswegen richtet man die Aufmerksamkeit auf Wunder physikalischer Art, - wie Heilungen von unheilbaren Krankheiten -, die eben auf die Fürbitte der Seherkinder geschehen.
Bevor man bei solchen Heilungen, die Wunder sein könnten, einen kanonischen Prozess einleitet, muß folgendes besorgt werden: 1. Es müssen beschrieben werden: die Krankheit mit ihren Symptomen, von Beginn bis zur Heilung, wie sie sich eben entwickelt hatte; die Diagnose des Arztes und, soweit es möglich ist, die Behandlung der Krankheit, ihre Erfolge und Prognosen; ein eingehender Bericht davon, wie die Heilung erfolgte, und ob Francisco und Jacinta in der Tat um Hilfe angerufen wurden; ob die Heilung plötzlich und in welcher Phase der Behandlung geschah. 2. Sollten Gründe dafür sprechen, dass es sich um ein Wunder handeln könnte, müssen auch alle diesbezüglichen Dokumente eingesammelt werden: die Kopie des klinischen Prozesses mit dem ärztlichen Bericht über die Krankheit; die Befunde von der Behandlung, von der Entwicklung der Krankheit und ihre Prognose; alle ergänzenden Mittel für die Diagnose (Iaboratorische Analysen, Radiografien, TAC, Ekografien, Biopsien und andere) und, wenn möglich, die dazu gehörigen Berichte; ärztliche Kontrolle nach der Heilung, ärztliche Aussage über die Möglichkeit von Wunder. Es werden eben alle Dokumente benötigt, die den Fall besser klären könnten. Sie werden bei den verschiedenen Instanzen beantragt, sie sind ja ver- pflichtet, solche Unterlagen 5 Jahre - und später auf Mikrofilmen dauernd - zu bewahren. 3. Der Postulator wird angesichts der Dokumente einen sachverständigen Arzt zu Hilfe rufen, der sich über den Fall äußern soll. Wenn die Möglichkeit eines Wunders feststeht, wird er die Dokumente an den Postulator in Rom weiterleiten, der dann, nach Beratung mit einem Sachverständigen, entscheidet, ob der kanonische Prozess eröffnet wird. Die Seligen Francisco und Jacinta sind bereits in der ganzen Welt bekannt und werden um Hilfe angerufen. Ihre Freunde wünschen nun, dass sie bald heiliggesprochen werden und Ihre Verehrung für die Universalkirche bestätigt werde.
Wie können Sie nun helfen, damit die Heiligsprechung bald geschehen kann?
Die Antwort ist einfach: sie mögen in ihrer Krankheit, in schwerer Krankheit ihrer Freunde, mit unerschütterlichem Glauben und großem Vertrauen, - wie einst die geheilte Maria Emilia tat - mit Novenen, anderen Gebeten und Opfern die beiden Seligen um Hilfe bestürmen. Alle werden durch die Worte Jesu dazu ermuntert: "Alles, worum ihr betet und bittet - glaubt nur, daß ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil." (Mk 11, 24) Francisco und Jacinta sind bereits bestätigte Fürbitter am Throne Gottes. Auch im Fatimaheiligtum, wo sich ihre Gräber befinden, wird für die Anliegen, die den Seligen Hirtenkindern anempfohlen werden, im ganzen Jahr 2001 täglich um 11.00 Uhr die hl. Messe gefeiert. Gerne legen wir den Freunden der Hirtenkinder Gebetsbilder für die Heiligsprechung von Francisco und Jacinta bei, um sich mit uns in ihren Anliegen besser verbunden zu wissen.
DER SEHERKINDER FRANCISCO UND JACINTA
AM 13. MAI 2000 IN FATIMA
DURCH PAPST JOHANNES PAUL II.
Der Bischof von Leiria-Fatima, begleitet von den Postulatoren, begibt sich zum Hl. Vater und bittet ihn, die Diener Gottes FRANCISCO MARTO und JACINTA MARTO seligzusprechen.:
Heiliger Vater! der Bischof von Leiria-Fatima bittet demütig Eure Heiligkeit, die Diener Gottes FRANCISCO MARTO und JACINTA MARTO in das Verzeichnis der Seligen aufnehmen zu wollen.
FRANCISCO MARTO (11.3.1908 - 4.4.1919) und JACINTA MARTO (11.6.1910 - 20.2.1020) wurden in Aljustrel, Pfarrei Fatima, Diözese Leiria-Fatima geboren. Sie lernten schon in der Familie Jesus und Maria kennen und lieben. Sie haben im Jahre 1916, mit ihrer Cousine zusammen, dreimal einen Engel und 1917 sechsmal die heiligste Jungfrau gesehen. Diese forderten die Kinder auf, zu beten und Opfer zu bringen, um Gott und Mariens Unbeflecktem Herzen für die Beleidigungen Sühne zu leisten und für die Bekehrung der Sünder mitzuwirken.
Von der Zeit ab hatten sie nur ein Anliegen: diese Wünsche des Engels und Mariens zu erfüllen. Sie kamen dadurch stets auf dem Weg der Vollkommenheit vorwärts.
Die Worte des Engels: "Tröstet euren Gott" machten vor allem auf Francisco einen ausserordentlich tiefen Eindruck. Sein Lebensideal war: Gott Freude und Trost zu bereiten.
Jacintas Leben war ein unermüdliches Beten und hochherziges Opfern, um die Sünder zu bekehren und dem Unbefleckten Herzen Mariens Sühne zu leisten. In ihrer letzten Krankheit gestand sie ihrer Cousine: "Ich leide, opfere aber alles für die Sünder auf und dem Unbeflekcten Herzen Mariens zur Sühne." Kurz vor ihrem Tode erklärte sie: "Ich werde im Himmel Jesus und das Unbefleckte Herz Mariens sehr lieben."
Nach dieser kurzen Biographie der Diener Gottes stehen alle auf, während der Hl. Vater sitzend vornimmt
DIE FEIERLICHE SELIGSPRECHUNG
Nachdem Wir das Gutachten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechung eingeholt haben, erfüllen Wir gerne die Bitte unseres Mitbruders Serafim de Sousa Ferreira e Silva, Bischof von Leiria-Fatima, vieler anderer Mitbrüder im Bischofsamt sowie zahlreicher Christgläubiger und gestatten kraft Unserer Apostolischen Autorität, dass die ehrwürdigen Diener Gottes FRANCISCO MARTO und JACINTA MARTO künftig SELIGE genannt werden.
Ihr Gedächtnis kann an den Orten und gemäss den Vorschriften, die rechtlich festgelegt sind, alljährlich am 20. Februar begangen werden.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Volk: Amen
Der Bischof von Leiria-Fatima dankt dem Heiligen Vater:
Heiliger Vater! Als Bischof von Leiria-Fatima, und im Namen des ganzen Volkes Gottes danke ich Ihnen von Herzen, dass Sie heute die Diener Gottes FRANCISCO MARTO und JACINTA MARTO seliggesprochen haben.
Es folgt der Friedensgruss des Heiligen Vaters mit dem Bischof und den Postulatoren
.Fatima-Gebetstag am 2. Oktober 2005
Das Fatima Weltapostolat ruft in 110 Ländern auf zum Gebetssturm für die ungeborenen Kinder dieser Welt und weiht die Statue „Maria, Mutter des Lebens“ der Muttergottes.
Der Präsident des Internationalen Fatima-Weltapostolates, Américo Pablo López Ortiz, lädt zu einem Gebetstag für das Leben am 2. Oktober ein. 100 Millionen Gebete sollen der Muttergottes dargebracht werden für den Schutz des Lebens, vor allem der Ungeborenen. Wir dokumentieren den Rundbrief, der an die 110 nationalen Apostolate ging, die dem internationalen Fatima-Apostolat angeschlossen sind. „Als Unsere Liebe Frau vor 88 Jahren Fatima besuchte, sagte sie, dass eine bessere Welt, eine Welt ohne Krieg, ohne Krankheiten, ohne Genozide, eine Welt in der alle Kinder Gottes die Möglichkeit haben, Ihn kennen zu lernen, Ihn zu lieben und Seine Arbeit zu tun, nur mit dem Gebet möglich ist… mit viel Gebet. Das ist einer der wichtigsten Gründe für die Entstehung des Fatima-Weltapostolates. Wir wissen, wie wichtig die Botschaft der Jungfrau und Gottesmutter Maria für die Rettung der Erde und die Rettung der Seelen ist. Männer und Frauen, die den Abbruch einer Schwangerschaft befürworten, beleidigen die Gottesgebärerin Maria und beleidigen Gott. Dieselben Menschen, die bei einer Frau mit einem ungewollten Kind sagen, dass es ‚nur ein Fötus’ sei, freuen sich über das Baby, wenn es eine ‚gewollte’ Schwangerschaft ist. Sie und ich wissen, dass es egal ist, ob man es einen Fötus oder ein Baby nennt: Falls niemand sein Leben beendet, wird es geboren, um zu lernen, wie man Gottes Werk tut. Es ist wichtig, dass wir die Gebote befolgen, es ist wichtig, Gottes Werk zu tun, es ist wichtig, dass wir daran arbeiten, die Gesetze, die die Abtreibung bewilligen, zu ändern. Die Sünde liegt jedoch nicht in dem, was die Gesetze sagen; sie liegt in der Entscheidung der Menschen. Wir glauben daran, dass wir gerufen wurden, um Menschen zu helfen, sich für Gottes Weg zu entscheiden… Gebete helfen den Menschen, Gott zu wählen. Der Krieg gegen die Ungeborenen wird nicht zu einem weltweiten Frieden führen können. Im Gegenteil! Er verhindert diesen. Dieser Tatsache stellen wir unsererseits das Gebet entgegen. Um eine Welt herzustellen, in der Geborene und Ungeborene von der Empfängnis bis hin zum natürlichen Tod willkommen sind und geliebt werden, ist das Gebet, und ganz besonders der Rosenkranz wichtig. Marias Fürbitten, ihre Liebe und Beispiel können die Herzen ändern. Millionen von Mitgliedern des Fatima-Weltapostolates haben das Versprechen abgegeben, jeden Tag den Rosenkranz zu beten. Am 2. Oktober fängt eine Bewegung an, die noch viel mehr Gebete für die Unantastbarkeit des Lebens aufbringen will. Die Mitglieder verbinden sich mit denen, die hart dafür arbeiten, die Heiligkeit des Lebens zu bewahren, an einem Tag weltweiten Gebets, und der Himmel wird über 100.000.000 Gebete in Empfang nehmen. Ähnliche Ereignisse werden am 2. Oktober überall auf der Welt in den Mitgliedsstaaten des Fatima-Weltapostolates stattfinden. Mit Ihrer Unterstützung wird dies das größte Gebetsereignis werden, das die Welt überhaupt gesehen hat. Zusammen bringen wir die ganze Kraft der Versprechen von GNADE und BARMHERZIGKEIT Unserer Lieben Frau von Fatima in den Kampf für das Leben ein. Kommen auch Sie zu unserem Gebetsanlass, bei dem wir der Botschaft Unsrer Lieben Frau folgen. Regen Sie Ihre Familie, Freunde und Gebetsgruppen dazu an, den Rosenkranz mit uns oder an irgend einem Ort am Sonntag, dem 2. Oktober, zu beten im Kampf für die Unantastbarkeit des Lebens. Möge der Herr die harte Arbeit, die sie für die Jungfrau von Fatima und die Heiligkeit des Lebens tun, segnen.“ |