NachfolgerPapst Benedikt XVI. neu  Oekumene

       Der HEILIGE VATER

   "Gloria olivae"

Von "De labore solis" zu "Gloria olivae"

 

Wahlspruch des Papstes:

COOPERATORES VERITATIS

Mitarbeiter der Wahrheit                                         Ansprachen auf dem Weltjugendtag

Der neue Papst und die  Ökumene      Papst Benedikt XVI. über den "Geist des Konzils" 

Der neue Papst und die Liturgiereform auf dem Konzil       

Der Papst aus dem Land Luthers

  Ökumene um die wahre Einheit der Christen       Der Papst antwortet auf Fragen zu konkreten Problemen unserer Zeit

Prophezeiung des hl. Malachias über die Reihenfolge der Päpste     Der neue Papst und das Konklave       Werdegang des neuen Papstes   

  Predigt von Kardinal Ratzinger bei der Eröffnungsmesse des Konklave erweist sich im Nachhinein als PROGRAMMREDE des nächsten Papstes

        Die erste Ansprache und Segen von Papst Benedikt XVI.  

Enzyklopedie: Liste aller Päpste          Enzyklopedie: Der Lebenslauf Papst Benedikts XVI. im Detail

Knüpft der neue Papst an seinen Namensvorgänger Benedikt XV.   an?           Kommt endlich die Klärung der Begriffe?

Wovor haben wir Angst? Anmerkung zu einer verfrühten  Papstkritk    

Vatikan: Neues Interview mit Kardinal Ratzinger  zu Buttiglione, Niederlande, EU-Verfassung

Kein großer Jubel im Kloster von Einsiedeln

 

 

 

 

SEHNLICHER WUNSCH DES PAPSTES: Ökumene mit der Orthodoxie!  Ansprache vom 29. Juni 2005

 

Der Hl. Vater, Benedikt XVI., führt konsequent weiter, was schon Johannes Paul II. wünschte: EINHEIT MIT DER ORTHODOXEN KIRCHE.  Auf eine Einheit mit den Kirchen des Protestantismus kann man vorerst verzichten,  müssen doch sie selbst unter sich endlich einmal im Klaren sein,

1) was sie ALLE verbindlich glauben

2) WER von Ihnen als Gesprächspartner auftreten kann mit der beigefügten Frage: Werden die angeschlossenen Gemeinden die Entscheidungen dann annehmen, da von den allermeisten "Kirchen" ja  keine AUTORITÄT - ausser der Bibel - anerkannt wird.  

3) Ist der Protestantismus bereit, für alle HUNDERTE VON "KIRCHEN" eine Autorität zu akzeptieren, mit der man über eine Einheit im Namen ALLER Übereinkünfte treffen kann?

3) Ist der Protestantismus bereit, bestimmte Aussagen der Bibel im Lichte der Apostel und der ersten christlichen Gemeinden zu interpretieren und  akzeptieren?

4) Ist der Protestantismus bereit, die verworfenen 7 Sakramente als gültige Heilszeichen zur Gnadenvermittlung wieder einzuführen?

 

--- All das müssen wir bei der Orthodoxen Kirche nicht mehr suchen . sie sind ALLE  vorhanden! DAS IST AUCH DER GRUND, wenn die Päpste über Ökumene reden, dass sie die Orthodoxe Kirche - und NIEMALS  - den Protestantismus  meinen! 

 

Hier die Ansprache des Hl. Vaters, Papst Benedikt XVI. am Fest der Apostel Petrus und Paulus 2005

Vatikan: Papst unterstreicht Willen zur Ökumene

Papst Benedikt XVI. hat heute noch einmal den Willen zur Ökumene unterstrichen. Es sei gemeinsame Intention auf orthodoxer wie katholischer Seite, zur vollen Gemeinschaft der Christen zu gelangen. Sicherlich, so der Papst in seiner Ansprache an die Delegation des ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel, sei der Weg dorthin nicht einfach, am Anfang sei er von Furcht und Zögern gekennzeichnet gewesen, aber mittlerweile sei er "immer ungezwungener und bewusster".
Es sei eine "glückliche Tradition", dass Vertreter des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel zum Peters- und Paulsfest jährlich nach Rom kämen, genauso wie die römische Kurie jedes Jahr beim Andreasfest in Konstantinopel vertreten sei, betonte Benedikt XVI. Das sei "Ausdruck des gemeinsamen Willens, die Werke des Fleisches zu bekämpfen, die uns zur Trennung führen wollen, und stattdessen gemäß dem Geist zu leben, der das Anwachsen der Liebe unter uns voranbringt": "Euer heutiger Besuch und jener, durch den die Kirche von Rom in wenigen Monaten den eurigen erwidern wird, bezeugen, dass in Jesus Christus der Glaube durch die Liebe wirkt", so Benedikt wörtlich. Ob der Papst an diesem Gegenbesuch durch die römische Kirche teilnehmen wird, ließ er indessen offen. Und weiter: "Es ist die Erfahrung des 'Dialogs der Wahrheit', den Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras auf dem Ölberg begonnen haben, eine Erfahrung, die sich als nicht vergeblich erwiesen hat. Zahlreich und bedeutungsvoll sind nämlich die bis heute erreichten Zeichen: Ich denke an die Zurücknahme der gegenseitigen Verurteilungen von 1054, an die Reden, Dokumente und die Treffen, die die Bischofssitze von Rom und Konstantinopel organisiert haben. Diese Zeichen haben den Weg der letzten Jahrzehnte gekennzeichnet." Ausdrücklich erinnerte der Paspt auch an die Umarmung seines Vorgängers Johannes Paul mit Patriarch Bartholomaios wenige Monate vor seinem Tod in der Petersbasilika. Dann fuhr er fort: "Ich möchte auch, liebe Brüder, meine Anerkennung für Seine Heiligkeit Bartholomaios zum Ausdruck bringen, der sich darum bemüht, die Arbeiten der Gemischten Katholisch-Orthodoxen Internationalen Kommission zu reaktivieren. Ich möchte ihn versichern, dass es mein fester Wille ist, dies zu unterstützen und dazu zu ermutigen." Der theologische Diskurs, so Benedikt, sei hier von entscheidender Bedeutung. Und zum Abschluss: "Wir wollen gemeinsam auf dem Weg der Gemeinschaft weitergehen und zusammen neue Schritte und Gesten vollbringen, die dazu führen, die bleibenden Missverständnisse und Teilungen zu überwinden, wobei wir im Kopf behalten, dass es nötig ist, um die Gemeinschaft und Einheit herzustellen, 'keine weitere Last aufzuerlegen als die notwendigen Dinge'."
(Radio Vatikabn 30. 6. 05 lw)


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"Gloria olivae"

     

JESUS, EWIGER HOHEPRIESTER - 

WIR DANKEN DIR FÜR DEN NEUEN HEILIGEN VATER

PAPST BENEDIKT XVI.

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Aus der Prophezeiung des hl. Malachias über die Reihenfolge der Päpste

Papst Johannes Paul II.: "De labore solis" - Die Mühsal der Sonne>>>>>

"Sonne" bedeutet Wärme und Leben und steht hier sinnbildlich für die Kirche. Es ist nicht anzunehmen, daß "sol" / Sonne in diesem Sinnspruch etwas anderes beinhaltet. Dies dürfte vor allem dann nicht der Fall sein, wenn die Gleichsetzung Sonne = Kirche auf den aus Polen stammenden Papst anwendbar ist. Und man wird dies uneingeschränkt bejahen müssen. Johannes Paul II. kommt aus Polen, einem Land des Ostblocks, wo die Kirche am Tag seiner Wahl zum Papst in der "Mühsal" lebte. 

In der Tat war ist der Spruch «De labore solis» für das Pontifikat Johannes Pauls II. in vielerlei Hinsicht kennzeichnend. 

Es ist kein freundliches Bild ("Mühsal") und dürfte den Anfang einer Zeit großer Bedrängnis für die Kirche ankündigen. Die Erfüllung der Bedrängnissen (der "Mühsal" für die Kirche) sollte sich demnach NICHT während seinem Pontifikat ereignen. 

Zeichen des "Anfangs der >Mühsal> der Kirche" haben sich, im Rückblick auf sein Pontifikat, tatsächlich eingestellt, und dies entgegen des unermüdlichen Einsatzes des Papstes, das Evangelium in der ganzen Welt zu verkündigen. Hierzu können unter anderen folgende Zerfallszeichen der Kirche im Kampf gegen des Atheismus (der Papst kommt aus einem atheistischen Land!!!) gezählt werden.  Dennoch konnte der Papst den Schwund des Glaubens in der kath. Kirche, ja sogar den massenhaften Glaubensabfall,  während seinem langen Pontifikat nicht stoppen! Insofern erfüllte sich die Prophezeiung, die angedeutet ist: Die Kirche ist in eine grosse "Mühsal"  geraten.   

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Ablehnung der Kirche als einzige wahre Kirche Jesu Christi 

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innerkirchlich katastrophale Glaubenslage

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Ungehorsam gegenüber dem Papst seitens der Priester, Bischöfe und Kardinälen

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Uminterpretation katholischer Dogmen

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langsame "Laisierung" bzw. "Protestantisierung" der kirchlichen Grundstrukturen

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antikirchliche, ja antichristliche Einstellung der Politik trotz der Anerkennung der "weltlichen Macht" des Papstes

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Einsickern kommunistischer und atheistischer Ideen in die Kirche

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der fast völlige öffentliche Stillstand der Marienverehrung trotz eines absolut "marianischen Papstes"

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eine völlig übertrieben Ökumene, welche die eigenen Positionen leichtfertig aufgibt, nicht selten von Bischöfen gefördert

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die stets steigende "Angst" der Bischöfe, sich vorbehaltlos hinter den Papst zu stellen

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die völlige Zerstörung der Ehe als Sakrament und der Familie

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die massenhaften Abtreibungen, die nicht mehr als "Mord im Mutterleib" angesehen, sondern als "Recht" angesehen werden

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 und vieles andere. 

Sie sind es, von denen eine "Mühsal", eine "Verfinsterung" der Sonne (=Kirche) ausging. 

Gegen all diese Erscheinungen hat Papst Johannes Paul II. ohne Unterlass gekämpft - jedoch nicht selten ohne Unterstützung durch die VON IHM selbst ernannten Bischöfen und Kardinälen.  Ist es da verwunderlich, wenn ihm die Prophezeiung den Sinnspruch: "De labore solis" zudachte?

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In Vergils Aeneis (I, 741.) tritt bei dem Gastmahl, das Dido, die Königin von Karthago, dem Aeneas und seiner Begleitung ausrichtet, der Sänger Jopas auf. Von ihm heißt es: «Hic canit errantem lunam solisque labores» «er besingt den umherirrenden Mond und  die Mühsal der Sonne». "Labor solis" kann auch die Bedeutung von Sonnenfinsternis haben. Da sie der Erde die Sonne - also Licht und Wärme -  entzieht und das gesamte Leben beeinträchtigt, galt eine Sonnenfinsternis im Altertum als ein Unheil verkündendes Ereignis. Die Bilder sind bei Vergil Zeichen für das drohende Verhängnis: die Flucht des Aeneas und den dadurch ausgelösten Selbstmord der Königin. Sie sind somit Unglück verheißende Allegorien. --- Kündigt die in der Malachiasprophetie von einer unter den Pontifikaten Johannes Pauls I. und Johannes Pauls II. auf die Kirche hereinbrechende Katastrophe an? 

Das Attentat auf Johannes Paul II. (13. Mai 1981) könnte - wenn die Menschheit einmal auf die Kirchengeschichte zurückblicken wird -  der Anfang gewesen sein. Halbmond und Sonne - sind sie nicht auch Kennzeichen der apokalyptischen Frau, welche als die sole amicta, luna sub pedibus -  mit der Sonne bekleidet, den Mond zu ihren Füßen in der Geheimen Offenbarung (Kap. 12) erscheint?

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Dem Nachfolger Johannes Pauls II. hat die Prophetie den Sinnspruch "Gloria olivae"  (Ruhm / oder: SIEG / des Ölbaums) zugedacht. 

Wie immer sein konkreter Bezug sein wird -  er wird sich zweifellos auch auf die Gottesmutter beziehen.

Der Ölbaum ist Symbol für sehr langes Leben - für "Durchhalten" und Standhaftigkeit gegen die Wechselhaftigkeit des Wetters während Jahrhunderten. Ölbäume erreichen ein Alter von bis zu zweitausend Jahren und bringen immerfort eine "gute Ernte". Der Zweig des Ölbaumes ist auch das Zeichen für *Sieg", "Frieden"

Der Olbaum ist im antiken Griechenland heilig, in der Bibel des Alten Testaments und im Christentum ein Symbol des Friedens und der Versöhnung. In der kirchlichen Literatur wird er auch als Sinnbild Mariens verwendet. Der Sinnspruch könnte sich jedoch auch auf eines oder alle jener Sakramente beziehen, welche mit geweihtem "Olivenöl" gespendet werden: Taufe, Firmung, Priesterweihe, Krankensalbung.

 

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Nach dem Sinnspruch Gloria olivae ist kein Sinnspruch für einen weiteren Papst mehr vorgesehen. Für den auf "Gloria olivae" folgenden Papst ist jedoch ein ganzer Satz vorgesehen, der zugleich als abschließender Satz der gesamten Weissagung gilt. Die Weissagung findet mit dem folgenden Satz ihr Ende: «In persecutione extrema S. R. Ecclesiae sedebit Petrus Romanus, qui pascet oves in multis tribulationibus, quibus transactis civitas septicollis diruetur et judex tremendus judicabit populum suum»  ("Während der äusserst scharfen Verfolgung der heiligen römischen Kirche wird Petrus, ein Römer, regieren. Er wird die Schafe unter vielen Bedrängnissen weiden. Dann wird die Sieben-Hügelstadt zerstört werden und der furchtbare Richter wird sein Volk richten).

lohn Henry Kardinal Newman zitiert diesen Schlußsatz der Malachiasprophetie 1838 in seinem Traktat über den Antichrist  und findet ihn in Übereinstimmung mit den Anschauungen des frühen Christentums.

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Kardinal Ratzinger heute um 10.00 Uhr bei "Missa pro eligendo papa" (Hl. Messe zur Wahl des Papstes)

Vatikan, 18.4.2005

Die Predigt im Wortlaut:

"In dieser Stunde großer Verantwortung wollen wir mit besonderer Aufmerksamkeit auf das hören, was der Herr uns mit seinen eigenen Worten sagt. Aus den drei Lesungen möchte ich nur ein paar Abschnitte herausgreifen, die uns in einem Moment wie diesem direkt angehen.

Die erste Lesung bietet ein prophetisches Bild der Figur des Messias – ein Bild, das seine ganze Bedeutung aus dem Moment erhält, in dem Jesus diesen Text in der Synagoge von Nazareth liest, wo er sagt: „Heute hat sich dieses Schriftwort erfüllt“ (Lk 4, 21). Im Zentrum des prophetischen Textes finden wir ein Wort, das – zumindest auf den ersten Blick – widersprüchlich erscheint. Der Messias sagt da, während er von sich spricht, er sei gesandt, um „ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen, einen Tag der Vergeltung unseres Gottes“ (Jes 61,2). Wir hören mit Freude die Ankündigung des Gnadenjahres: die göttliche Barmherzigkeit setzt dem Bösen eine Grenze – das hat uns der Heilige Vater gesagt. Jesus Christus ist die göttliche Barmherzigkeit in Person: Christus begegnen, heißt der Barmherzigkeit Gottes begegnen. Der Auftrag Christi ist durch die priesterliche Salbung zu unserem Auftrag geworden; wir sind dazu berufen, nicht nur mit Worten, sondern auch mit dem ganzen Leben und den wirksamen Zeichen der Sakramente das „Gnadenjahr des Herrn“ auszurufen. Aber was will Jesaja sagen, wenn er einen „Tag der Vergeltung unseres Gottes“ ankündigt? Jesus hat in Nazareth, als er diesen Prophetentext vorlas, diese Worte nicht verkündigt – er hörte damit auf, dass das Gnadenjahr des Herrn ausgerufen wird. Vielleicht ist das der Grund für den Skandal gewesen, der nach seiner Predigt ausbrach? Wir wissen es nicht. Auf jeden Fall hat der Herr seinen authentischen Kommentar zu diesen Worten gegeben – mit seinem Tod am Kreuz. „Er hat unsere Sünden mit seinem Leib auf das Holz des Kreuzes getragen…“ (1 Petr 2, 24), sagt der heilige Petrus. Und der heilige Paulus schreibt an die Galater: „Christus hat uns vom Fluch des Gesetzes freigekauft, indem er für uns zum Fluch geworden ist; denn es steht in der Schrift: Verflucht ist jeder, der am Pfahl hängt. Jesus Christus hat uns freigekauft, damit den Heiden durch ihn der Segen Abrahams zuteil wird und wir so aufgrund des Glaubens den verheißenen Geist empfangen“ (Gal 3, 13).

Die Barmherzigkeit Christi ist keine Gnade zu einem billigen Preis, sie legt nicht die Banalisierung des Bösen zugrunde. Christus trägt in seinem Leib und auf seiner Seele das ganze Gewicht des Bösen, seine ganze zerstörende Kraft. Er verbrennt und formt das Böse im Leid um, im Feuer seiner leidenden Liebe. Der Tag der Vergeltung und das Gnadenjahr fallen im Ostergeheimnis zusammen, im gestorbenen und auferstandenen Christus. Das ist die Vergeltung Gottes: Er selbst, in der Person des Sohnes, leidet für uns. Je mehr wir von der Barmherzigkeit des Herrn getroffen werden, desto mehr treten wir in die Solidarität mit seinem Leiden ein – wir werden bereit, in unserem Fleisch das zu ergänzen „was an den Leiden Christi noch fehlt“ (Kol 1, 24).

Gehen wir zur zweiten Lesung, zum Epheserbrief. Hier handelt es sich im Prinzip um drei Dinge: Zuallererst um die Dienste und Charismen in der Kirche als Gaben des auferstandenen und zum Himmel aufgefahrenen Herrn; dann um die Reifung des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes als Bedingung und Inhalt der Einheit im Leib Christi; und schließlich um die gemeinsame Teilnahme am Wachsen des Leibes Christi, das heißt der Verwandlung der Welt in der Gemeinschaft mit dem Herrn.

Bleiben wir nur bei zwei Punkten. Der erste ist der Weg in Richtung der „Reifung Christi“; so heißt es etwas vereinfachend im italienischen Text. Richtiger müssen wir gemäß dem griechischen Text vom „Maß der Fülle Christi“ sprechen, die zu erreichen wir berufen sind, um wirklich erwachsen im Glauben zu sein. Im Glauben sollten wir keine Kinder bleiben, in einem Status der Unmündigkeit. Und worin besteht das „unmündige Kinder sein“ im Glauben? Der heilige Paulus antwortet: „ein Spiel der Wellen, hin und her getrieben von jedem Widerstreit der Meinungen“ (Eph 4, 14). Eine sehr aktuelle Beschreibung!

Wie vielen Widerstreit der Wellen haben wir in den letzten Jahrzehnten kennen gelernt, wie viele ideologische Strömungen, wie viele Denkweisen… Das kleine Boot des Denkens vieler Christen ist nicht selten von diesen Wellen umher geworfen worden – von einem Extrem ins andere: Vom Marxismus zum Liberalismus, bis hin zum Libertinismus; vom Kollektivismus zum radikalen Individualismus; vom Atheismus hin zu einem vagen religiösen Mystizismus, vom Agnostizismus zum Synkretismus und so weiter. Jeden Tag entstehen neue Sekten und es realisiert sich das, was der heilige Paulus über den Betrug der Menschen sagt, über die Verschlagenheit, die in die Irre führt (vgl. Eph 4, 14). Einen klaren Glauben zu haben, gemäß dem Credo der Kirche, wird oft als Fundamentalismus hingestellt. Während der Relativismus, also das „hin und her getrieben Sein vom Widerstreit der Meinungen“ als die einzige Einstellung erscheint, die auf der Höhe der heutigen Zeit ist. Es konstituiert sich eine Diktatur des Relativismus, die nichts als definitiv anerkennt und die als letztes Maß nur das Ich und seine Bedürfnisse lässt.

Wir aber haben ein anderes Maß: Den Sohn Gottes, den wahren Menschen. Er ist das Maß des wahren Humanismus. „Reif“ ist nicht ein Glaube, der den Wellen der Mode und des letzten Schreis folgt; erwachsen und reif ist ein Glaube, der tief in der Freundschaft mit Christus verwurzelt ist. Es ist diese Freundschaft, die uns all dem gegenüber öffnet, was gut ist und uns das Kriterium liefert, zwischen Wahr und Falsch zu unterscheiden, zwischen Betrug und Wahrheit. Diesen erwachsenen Glauben müssen wir reifen lassen, zu diesem müssen wir die Herde Christi führen. Und es ist dieser Glaube – nur der Glaube –, der Einheit stiftet und sich in der Liebe verwirklicht.

Der heilige Paulus bietet uns dazu – im Unterschied zu den Wechselbädern jener, die wie unmündige Kinder ein Spiel der Wellen sind – ein schönes Wort: Die Wahrheit in der Liebe tun als Grundformel einer christlichen Existenz. In Christus fallen Wahrheit und Liebe zusammen. In dem Maße, in dem wir uns Christus nähern, vertiefen sich auch in unserem Leben Wahrheit und Liebe. Die Liebe ohne Wahrheit wäre blind; die Wahrheit ohne Liebe wäre wie „dröhnendes Erz“ (1 Kor 13, 1).

Kommen wir nun zum Evangelium, aus dessen Reichtum ich nur zwei kleine Beobachtungen herausnehmen möchte. Der Herr richtet an uns diese wunderbaren Worte: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte… vielmehr habe ich euch Freunde genannt“ (Joh 15, 15). Viele Male meinen wir – was auch wahr ist –, nur unnütze Knechte zu sein (vgl. Lk 17, 10). Und trotzdem nennt uns der Herr Freunde, macht er uns zu seinen Freunden, schenkt er uns seine Freundschaft. Der Herr definiert Freundschaft in zweifacher Weise. Es gibt keine Geheimnisse unter Freunden: Christus sagt uns alles, was er vom Vater hört; er schenkt uns sein volles Vertrauen und mit seinem Vertrauen auch seine Erkenntnis. Er offenbart uns sein Gesicht, sein Herz. Er zeigt uns seine Zärtlichkeit uns gegenüber, seine leidenschaftliche Liebe, die bis zur Torheit des Kreuzes geht. Er vertraut sich uns an, er gibt uns die Macht, mit seinem Ich zu sprechen: „das ist mein Leib…“, „ich spreche dich los…“. Er vertraut uns seinen Leib, die Kirche, an. Er vertraut unseren schwachen Geistern, unseren schwachen Händen, seine Wahrheit an – das Geheimnis des Gottes Vater, Sohn und Heiliger Geist; das Geheimnis des Gottes, der „die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn hingab“ (Joh 3, 16). Er hat uns zu seinen Freunden gemacht – und wie antworten wir?

Das zweite Element, mit dem Jesus die Freundschaft definiert, ist die Gemeinschaft der Willen. „Idem velle – idem nolle“ war auch für die Römer die Definition von Freundschaft. „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage“ (Joh 15, 14). Die Freundschaft mit Christus fällt mit dem zusammen, was die dritte Bitte des Vater unsers ausdrückt: „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“. In der Stunde des Getsemani hat Jesus unseren aufrührerischen menschlichen Willen in einen gleichförmigen Willen verwandelt, der mit dem göttlichen Willen vereint ist. Er hat das ganze Drama unserer Autonomie erlitten – und indem er unseren Willen in die Hände Gottes legt, schenkt er uns die wahre Freiheit: Freunde Jesu zu sein, Freunde Gottes zu werden. Je mehr wir Jesus lieben, je mehr wir ihn kennen, desto mehr wächst unsere wahre Freiheit, wächst unsere Freude darüber, erlöst zu sein. Danke, Jesus, für deine Freundschaft!

Das andere Element des Evangeliums, das ich kurz ansprechen wollte, ist die Rede Jesu übers Fruchtbringen: „ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt“ (Joh 15, 16). Hier erscheint die Dynamik der Existenz des Christen, des Apostels: Ich habe euch erwählt, damit ihr euch aufmacht… Wir müssen von einer heiligen Unruhe angerührt sein: der Unruhe, allen das Geschenk des Glaubens, der Freundschaft mit Christus, zu bringen. In Wahrheit ist uns die Liebe, die Freundschaft Gottes gegeben worden, damit sie auch die anderen erreiche. Wir haben den Glauben erhalten, um ihn anderen zu schenken – wir sind Priester, um anderen zu dienen. Und wir müssen eine Frucht bringen, die bleibt. Alle Menschen wollen Spuren hinterlassen, die bleibt. Aber was bleibt? Das Geld nicht. Auch die Gebäude bleiben nicht; die Bücher auch nicht. Nach einer gewissen Zeit, die mehr oder weniger lang ist, verschwinden all diese Dinge. Die einzige Sache, die in Ewigkeit bleibt, ist die menschliche Seele, der Mensch, der von Gott für die Ewigkeit geschaffen ist. Die Frucht, die bleibt, ist daher das, was wir in den menschlichen Seelen gesät haben – die Liebe, die Erkenntnis; die Handlung, die fähig ist, das Herz zu treffen; das Wort, das die Seele zur Freude am Herrn öffnet. Also machen wir uns auf und bitten wir den Herrn, dass er uns helfe, Frucht zu bringen, eine Frucht, die bleibt. Nur so wird die Erde umgewandelt aus einem Tal der Tränen in den Garten Gottes.

Kommen wir schließlich noch einmal zum Epheserbrief zurück. Der Brief sagt mit den Worten von Psalm 69: „er gab den Menschen Geschenke“ (Eph 4, 8). Der Sieger verteilt Geschenke. Und diese Geschenke sind Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer. Unser Dienst ist ein Geschenk Christi an die Menschen, um seinen Leib aufzubauen – eine neue Welt. Leben wir unser Leben so, als Geschenk Christi für die Menschen! Aber in dieser Stunde bitten wir den Herrn vor allem eindringlich, dass er uns nach dem großen Geschenk Papst Johannes Pauls II. uns wieder einen Hirten nach seinem Herzen schenke, einen Hirten, der zur Erkenntnis Christi führt, zu seiner Liebe, zur wahren Freude. Amen."                                         (Übersetzung von Ludwig Waldmüller, kath.net)

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Der neue Papst

Weißer Rauch und Glocken am Petersplatz

Vatikan, 19. April 2005
Habemus Papam. Um etwa 18.00 stieg am Petersplatz weißer Rauch auf. Einige Minuten später begannen die Glocken zu läuten. 

Die Tageszeitung "Il Messaggero" verbreitet erste Spekulationen über den Ablauf des jüngsten Konklaves. Danach habe im ersten Wahlgang am Montag Abend zunächst Kardinal Carlo Maria Martini (früher Mailand) einige Stimmen mehr auf sich vereinigt als Kardinal Joseph Ratzinger. Der Mailänder Erzbischof und vorher als Kronfavorit gehandelte Dionigi Tettamanzi habe dagegen nur sehr wenige Stimmen auf sich gezogen. Bis zum dritten Wahlgang sei Ratzingers Stimmenanteil gestiegen, Martini habe aber weiter eine so genannte "Sperrminorität" auf seiner Seite gehabt. Nach diesem dritten Wahlgang aber (am Dienstag Mittag) habe Martini "seine" Stimmen auf Ratzinger transferiert. Dieser habe daraufhin im vierten Wahlgang deutlich über hundert der 115 Stimmen bekommen. Vatikan-Spezialist Orazio Petrosillo erklärte gegenüber Radio Vatikan, viele Kardinäle habe die souveräne und gleichzeitig einfache Art, in der Ratzinger die so genannten Kardinals-Kongregationen geleitet habe, tief beeindruckt. Sie setzten auf inhaltliche Kontinuität mit dem alten Pontifikat, aber wünschten sich einen neuen, einfacheren Stil.  (messaggero 21.04.05)

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Die erste Ansprache und Segen

 

Papst Benedikt XVI.

Um 18.47 Uhr trat der frühere Joseph Ratzinger mit entspanntem Gesicht als Papst Benedict XVI. auf den Balkon des Petersdom. Seine ersten Worte als Papst.

 „Liebe Brüder und Schwestern, nach dem großartigen Papst Johannes Paul II. haben die Herren Kardinäle mich, einen einfachen, demütigen Arbeiter im Weinberg des Herrn zum Diener der Kirche gewählt. Mich tröstet, dass der Herr auch mit unzureichenden Mitteln regieren und arbeiten kann. Vor allem vertraue ich mich Eurem Gebet an. In der Freude des auferstandenen Herrn gehen wir voran. Der Herr wird uns helfen. Und Maria, seine Mutter, wird uns helfen. Vielen Dank.“

Der neue Papst erteilte unmittelbar nach seiner Ansprache den Segen „urbi et orbi“ - „der Welt und dem Erdkreis“. Das Volk jubelte dem 78-jährigen neuen Heiligen Vater unter Beifall und großer Begeisterung zu.

Mit der Wahl Joseph Ratzingers zum Papst endete die 17-tägige Zeit der Sedisvakanz. Das Konklave, das am Montag morgen begann, hat somit nur 26 Stunden gedauert.

Papst Benedict XVI, so der Name des neuen Papstes, ist der 265. Papst der Kirchengeschichte. Mit ihm sitzt seit 480 Jahren wieder ein Deutscher auf dem Stuhl Petri.

Ratzinger ist der erste Deutsche auf dem Stuhl Petri seit dem Jahr 1523.

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Kurze Lebensbeschreibung des neuen Papstes

Papst Benedikt XVI: Joseph Ratzinger

Joseph Ratzinger ist der 265. Papst in der Kirchengeschichte 

 Vorgänger: 

1914 - 1922:  Benedikt XV. /  1922 - 1939: Pius XI. / 1939 - 1958: Pius XII. / 1958 - 1963: Johannes XXIII. /  1963 - 1978:  Paul VI./  1978:  Johannes Paul I. / 1978 -  2005: Johannes Paul II.

Kardinal Joseph Ratzinger wurde von den Kardinälen der Weltkirche zum Papst gewählt. Er gibt sich den Namen Benedikt XVI. Ratzinger ist der 265. Papst der Kirchengeschichte. Erstmals seit fast 500 Jahren ist damit ein Deutscher zum Papst gewählt worden.

Kardialprotodiakon Kardinal Jorge Arturo Medina Estévez sprach am Dienstag, 19. April, um 18.43 Uhr folgende Worte von der Benediktionsaula des Petersdomes aus:

„Annuntio vobis gaudium magnum; habemus Papam: Eminentissimum ac Reverendissimum Dominum, Dominum Josephum Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem Ratzinger qui sibi nomen imposuit Benedictum XVI“.

Ratzinger war sichtlich tief bewegt, als er auf den Balkon trat und den Menschen zuwinkte. Um 18.48 Uhr spendete er ihnen nach einer kurzen Ansprache den Segen „Urbi et Orbi“. Während der Ansprache wurde er immer wieder von durch den Applaus der Menschen, die sich am Petersplatz versammelt hatten, unterbrochen.

Benedikt XVI. ‚Ich vertraue mich euren Gebeten an’

Ratzinger richtete folgende Worte an die Gläubigen. „Liebe Brüder und Schwestern, nach dem großen Papst Johannes Paul II. haben die Kardinäle mich gewählt, einen einfachen und demütigen Arbeiter im Weinberg des Herrn. Mich tröstet die Tatsache, dass der Herr auch mit ungenügenden Werkzeugen arbeiten und handeln kann und vertraue mich vor allem euren Gebeten an. In der Freude des Auferstandenen und im Vertrauen auf seine fortwährende Hilfe gehen wir weiter. Der Herr wird uns helfen, und Maria, seine heiligste Mutter, wird an unserer Seite sein. Danke.“

In diesen Minuten wurde auch ein neuer Sprechchor geboren: „Benedetto, Benedetto“, riefen die Menschen immer wieder.

Biographie

Joseph Kardinal Ratzinger wurde am 16. April 1927 in Marktl am Inn geboren. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie in Freising und München empfing er am 29. Juni 1951 in Freising die Priesterweihe. Danach arbeitete er als Aushilfspriester in München-Moosach (Pfarrei St. Martin) und als Kaplan in München-Bogenhausen (Pfarrei Hl. Blut).

Von 1952 bis 1954 war er Dozent im Erzbischöflichen Klerikalseminar Freising, danach Dozent für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Freising. 1957 habilitierte sich Joseph Ratzinger an der Universität München mit einer Untersuchung über Bonaventura im Fach Fundamentaltheologie. In den folgenden Jahren wirkte er als außerordentlicher Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Freising und als Ordinarius für Fundamentaltheologie an der Universität Bonn.

Von 1962 bis 1965 war er offizieller Konzilstheologe (Peritus) des Zweiten Vatikanums. An der Universität Münster wurde er 1963 Ordinarius für Dogmatik und Dogmengeschichte. Ab 1966 übte er dasselbe Amt an der Universität Tübingen aus, von 1969 bis 1977 schließlich an der Universität Regensburg. Dort wurde er 1976 Vizepräsident. Am 25. März 1977 wurde Joseph Ratzinger zum Erzbischof von München und Freising ernannt, die Weihe fand drei Tage danach statt.

Am 27. Juni 1977 wurde er von Paul VI. zum Kardinal erhoben. 1981 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre in Rom und zum Präsidenten der Päpstlichen Bibelkommission und der Internationalen Theologenkommission. Von 1986 bis 1992 leitete der Kardinal die Päpstliche Kommission zur Erstellung des "Katechismus der Katholischen Kirche".

1993 wurde er im Konsistorium des 5. April 1993 durch Papst Johannes Paul II. zum Kardinalbischof der suburbikarischen Diözese Velletri-Segni erhoben. 1998 bestätigte Johannes Paul II. seine Wahl zum Vizedekan des Kardinalskollegiums am 9. November 1998 durch Papst Johannes Paul II., im Jahr 2002 wurde er Dekan des Kardinalskollegiums.

Kardinal Ratzinger erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Er ist Mitglied im vatikanischen Staatssekretariat (II. Sektion: Beziehungen zu den Staaten), in der Kongregation für die Orientalischen Kirchen, der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, der Kongregation für die Bischöfe, der Kongregation für die Evangelisierung der Völker und der Kongregation für das katholische Bildungswesen.

Des Weiteren gehört er dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen an, dem Päpstlichen Rat für die Kultur, der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika sowie der Päpstliche Kommission "Ecclesia Dei". Im Jahr 2000 berief ihn Papst Johannes Paul II. als Ehrenmitglied in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften.

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Benedikt XV. 

Knüpft Papst Benedikt XVI. an die kirchliche Ordnung seines Namensvorgängers an?

 

Benedikt XV. (eigentlich Giacomo della Chiesa * 21. November 1854 in Genua; † 22. Januar 1922 in Rom) war Papst von 1914 bis 1922. Auf Grund seines engagierten Auftretens gegen den Ersten Weltkrieg wurde er als "Friedenspapst" bekannt.

Als Sohn einer Adelsfamilie geboren. Im Jahre 1875 erlangte er den Doktortitel der Rechtswissenschaften. Danach studierte er für das Priesteramt und besuchte die Schule der vatikanischen Diplomatie; den größten Teil seiner kirchlichen Laufbahn verbrachte er am Vatikan.

Kardinal Mariano Rampolla war sein Freund und Mentor, dem er zunächst in Madrid und ab 1887 an, als dieser zum Kardinalstaatssekretär an der Kurie berufen wurde, als Sekretär diente. Während dieser Zeit half Chiesa bei der Vermittlung zur Lösung eines Konfliktes zwischen Deutschland und Spanien um die Karolinen sowie bei der Organisation von Hilfsaktionen während einer Choleraepidemie. Als Rampolla mit der Wahl von Pius X. aus dem Amt schied und Kardinal Merry del Val ihm nachfolgte, behielt Chiesa zunächst seinen Posten.

Aufgrund seiner engen Beziehung zu Rampolla, dem Architekten der vergleichsweise offenen Außenpolitik Leos XIII und des Rivalen von Pius beim Konklave von 1903, fiel Chiesa jedoch bei den neuen, konservativ geprägten Kirchenführung in Ungnade. Er musste den diplomatischen Dienst und den Vatikan verlassen und wurde am 16. Dezember 1907 Erzbischof von Bologna.

Am 25. Mai 1914 wurde Chiesa zum Kardinal ernannt. Mit den neuen Würden ausgestattet, hielt er beim Ausbruch des 1. Weltkrieges, als das Papstamt durch den Tod Pius X. vakant war, eine Rede, in welcher er die Position und Aufgaben der Kirche angesichts der Weltlage beschrieb, die Notwendigkeit von Neutralität und den Willen zum Frieden betonte und die Milderung des verursachten Leidens beschwor. Wenige Wochen später, am 3. September 1914, wurde Chiesa zum Papst gewählt und nahm den Namen Benedikt XV. an.

Pontifikat

Sein Pontifikat Benedikts war geprägt durch den Krieg und dessen Auswirkungen. Benedikt XV., der persönlich eher auf Seiten Frankreichs stand, aber in seinen Positionen strikte Neutralität wahrte, organisierte humanitäre Hilfe und unternahm mehrere erfolglose Versuche zu Friedensverhandlungen. Besonders bekannt wurde sein Verhandlungsvorschlag zur Beendigung des Krieges von 1917, doch sah sich jede der Kriegsparteien als durch ihn benachteiligt an und der Plan wurde ausgeschlagen. Der Vatikan wurde auch von den Verhandlungen zum Waffenstillstand ausgeschlossen. Seine darauf folgende Enzyklika Pacem Dei munus war ein Plädoyer für die Versöhnung der Völker, und Benedikt wandte sich gegen die harten Maßnahmen der Sieger im Vertrag von Versailles. Während der Nachkriegszeit organisierte er die Kirchenverwaltung neu, um den Anforderungen der neuen internationalen Verhältnisse besser gerecht zu werden.

Innerkirchlich beendete Benedikt XV. die Exzesse des Antimodernismus, welcher die Ära Pius des X. geprägt hatten. In den Missionsgebieten der Dritten Welt förderte er die Ausbildung einheimischen Priesternachwuchses, der möglichst bald die europäischen Missionare ersetzen sollte. Er das neue kanonische Recht von 1917 und unternahm Versuche, die Beziehungen zur antiklerikal eingestellten Regierung Frankreichs zu verbessern, indem er die französische Nationalheldin Jeanne d'Arc heilig sprach. Die diplomatische Anerkennung des Heiligen Stuhls durch Frankreich sowie Großbritannien war jedoch sein einziger politischer Erfolg.

Benedikt XV. starb 1922 im Alter von 67 Jahren nach einer Lungenentzündung. Auch wenn er nicht zu den bekannteren Päpsten des 20. Jahrhunderts zählt, ist sein Einsatz für den Frieden in den Jahren 1914-1918 bemerkenswert, welcher im starken Gegensatz zur Haltung der meisten anderen Monarchen und Staatsführer seiner Zeit stand.

 

SCHRIFTEN

Apostolisches Rundschreiben Ad Beatissimi Apostolorum, 1. November 1914: Friede den Menschen auf Erden ist allein in der Liebe Jesu Christi. Erneute (nach dem hl. Papst Pius X.)  feierliche Verdammung des Modernismus.

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Kommt die Klärung der Begriffe?

 

Papst Benedikt XVI. ist von der überwältigenden Mehrheit der Kardinäle gewählt worden. Es gibt keinen Grund, diese Wahl mit Argumenten innerer oder äusserer Kirchenzerstörer zu interpretieren. Die südamerikanischen, die afrikanischen, die europäischen oder asiatischen Katholiken dürfen darauf hoffen, dass auch ihre Kardinäle mitgewählt und die Zukunft der Kirche mitbestimmt haben!

Man fordert andauernd "Demokratie" von der Kirche ein. Nun denn - hier geht es in Tat und Wahrheit um eine streng demokratische Mehrheitsentscheidung. Es ist erstaunlich, dass gerade jene, welche Demokratie für die Kirche einfordern, diese einzige "demokratische Chance der Kirche" jetzt recht offen ablehnen. Demgegenüber sollte ein Christi sich immer der Führung des Heiligen Geistes bewusst sein! Und wer an diese Führung durch den Heiligen Geist nicht mehr glaubt - wie will es ein solcher Christ plausibel machen, überhaupt noch an eine "Gründung der Kirche durch Jesus Christus" zu glauben? Wir Menschen sehen nur das Heute und das Gestern. Das Morgen ist unseren Augen verborgen. Nur Gott kennt es und leitet seine Kirche durch den Heiligen Geist schon heute so, dass sie morgen festen Bestand hat! Immerhin wird diese Papstwahl der Prüfstein sein für die Ehrlichkeit des bisherigen "demokratische Geschreis".

Was zählt, und was die Kirche mehr als alles andere braucht, ist die theologische Klärung der Begriffe. In diesem Begriffs-Babel, in welchen die Kirche langsam hineingeschlittert ist, braucht es eine klare Begriffsbestimmung, damit ein Wort des Glaubens für alle dasselbe bedeutet! Die Menschheit, besonders die Jugend, sucht nach einem Halt inmitten unserer materialistischen Konsumwelt. Wenn der neue Papst den Menschen diesen Halt geben wird können - und daran zweifelt kaum jemand - dann erst kann man über all die Themen reden, die so lautstark als "die brennenden Themen der Kirche von Heute" reklamiert werden. Waren nicht gerade diese "brennenden Themen" oft genug Anlass dafür, Glaubensaussagen zu relativieren oder ganz offen zu leugnen, nur um mit dem Verlangen der Welt "à jour" zu gehen?

Die Kirche denkt nicht in Jahrzehnten, sondern in Jahrhunderten; nicht in der Perspektive eines Menschenlebens, sondern in jener des ewigen Lebens! Diese Perspektive hat sich in letzter Zeit durch die Infiltration längst verurteilter modernistischer Anschauungen (die nicht selten im letzten Jahrhundert zur Leugnung wesentlicher Glaubenswahrheiten wie die Gottheit Jesu Christi oder der Realpräsenz Jesu in der hl. Eucharistie führten), leider ganz dem zeitlich begrenzten, irdischen Leben zugewandt und dadurch eigentlich zu einem "christlich sinnlosen" Weg wurde, weil Christentum das Jenseits und nicht das Diesseits immer und in erster Linie vor Augen hat - alles andere ist nur Ausfluss der Sorge um das ewige Seelenheil!

Hoffen und beten wir, dass Papst Benedikt XVI. - der zweifelsohne der grösste katholische Theologe unserer Zeit ist - die Kraft aufbringt, in die grosse Begriffsverwirrung unserer Zeit Ordnung zu bringen und so zur Glaubensreinheit und zur "grossen Reinigung" der Kirche führen wird. Kommt es endlich zur „Scheidung der Geister", so sollte man sich dessen bewusst sein, dass dies keine leichte Aufgabe, kein leicht zu gehender Weg weder für den Papst, noch für die Gläubigen sein wird.

Die Frage ist berechtigt

Wären jene, die sich auf "dringend zu erledigende Probleme der Kirche" berufen, nach Einführung aller ihrer Postulate tiefer im Glauben verwurzelt, kirchentreuer geworden? Würden sie die eucharistischen Anbetungen vermehren, wesentlich öfter zur hl. Beichte gehen, ihren Glauben auch im Alltag durch Nächstenliebe bezeugen unter Weglassung der heute schrecklich um sich greifenden "Selbstliebe" bzw. unter Vervielfachung der täglichen „77mal-siebenmaligen" Verzeihungsbereitschaft jenen gegenüber, die uns Last oder Leid auferlegt haben? Denn genau dahin müsste ein echt und ehrlich gelebter christlicher Glaube führen! Christentum wieder zur einzigen und wichtigsten Religion der bedingungslos angenommenen Umkehr – und nicht der Strafe und der Vergeltung – zu machen, ist in der Zeit wildwütender Vergeltungsattentate wohl nicht die leichteste, aber sicher eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche Christi!

Nicht primäre Fragen unserer "heutigen" Welt seien dies und schon lange nicht jedes einzelnen Christen? Schon gut! Aber was soll dann das Christentum überhaupt noch auf dieser Welt, wenn wir die Anbetung Gottes und sein höchstes Gebot der Gottes- und Nächstenliebe zugunsten einer menschlichen "Gerechtigkeit" ausblenden? Wenn wir "gerecht" statt barmherzig dem Nächsten gegenübertreten, bei Gott aber immer nur über den "Liebenden" und, im Gegensatz zum menschlichen Miteinander, nie über den "Gerechten" reden, da passt doch unser Verhältnis zu Gott und zu den Menschen überhaupt nicht mehr zusammen!

Das ist wohl die "dringendste" Aufgabe der Kirche "in der heutigen Welt": Barmherzigkeit, Liebe - die ohne Gott in keinerlei Redensart unvorstellbar ist, Verzeihung, Gegenseitigkeit statt Egoismus und Hoffnung, die nur in Gott ankert, den Menschen zurück zu geben, die ihnen von der Moderne genommen wurde!

Die Modernisten in und ausserhalb der Kirche haben etwas Wichtiges vergessen: Das Gebet! Sie bauen nur auf menschliche Strategie. Darum haben alle Christen jetzt vermehrt die Pflicht, den Heiligen Vater ganz besonders ins Gebet zu nehmen! Denn wenn wir beten, wirken wir mit dem Heiligen Geist zusammen! Die tägliche Empfehlung des Hl. Vaters im Rosenkranz (seit Fatima mit Sicherheit die wichtigste und sicherste Waffe für den Glauben und gegen Gottlosigkeit!) ist daher nicht Wunsch - sondern Pflicht!

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Wovor haben wir Angst?

Katholisch.

Joseph Kardinal Ratzinger wurde zum 265. Papst der Kirchengeschichte gewählt. Und jetzt wird wieder heiß diskutiert, frei nach dem Motto „Hauptsache dagegen" und „ich will aber auch etwas sagen!". Wovor haben wir Angst? Dass die Stimme, die „Nein" sagt zu Abtreibung und Verhütung und Frauenpriestertum (um bei den typischen Kritikpunkten zu bleiben, die aus dem Mund einer durch und durch sexualisierten Welt kommen), dass diese Stimme bei ihrem „Nein" bleibt? Wir tun und lassen doch sowieso, was wir wollen. 

Wovor haben wir also Angst? Droht die Stimme aus dem Vatikan unser verschüttetes Gewissen vielleicht zu sehr zu belästigen? Es geht uns doch nicht wirklich um die armen Aids-Kranken in Afrika oder um den einsamen Priester, der keinen Sex haben darf. Hinter den vielen Forderungen unserer diskussionslustigen Gesellschaft steckt, seien wir ehrlich, der heimliche und doch offensichtliche Wunsch, so weiterleben zu können wie bisher und vom neuen Papst wenigstens hier und da grünes Licht zu bekommen für die eigenen Gelüste. Nur: Die Nachfolge Christi besteht keineswegs darin, nach Frauenpriestertum, Kondomen und der Abschaffung des Zölibats zu schreien und dem Papst Vorschriften machen zu wollen. Nein. „Lasst die Toten ihre Toten begraben"! Ein radikaler Bruch im Leben des Einzelnen, ein gewaltiger Lichtstrahl im Dunkel der der Seele, das Ergriffenwerden vom Heiligen Geist wird uns in der Nachfolge Christi mit aller Kraft drängen, unser ganzes Leben in Demut auf Jesus Christus, den Erlöser der Menschheit, auszurichten und uns bedingungslos der Fürsprache der Gottesmutter und Jungfrau Maria anzuvertrauen! 

Wozu würde die Kirche nun in umstrittenen Fragen bei ihrer Position bleiben wollen, auch wenn sie dadurch aneckt? Ob man es glaubt oder nicht: Weil sie die Wahrheit vertritt und man diese nicht nach Belieben verändern kann. Es ist ihre Pflicht, die Wahrheit zu bewahren und – im positiven Sinne des Wortes – konservativ zu sein und zu bleiben. Die Kirche hat Regeln und Dogmen, an denen es nichts zu rütteln gibt. Sie wurden nicht festgelegt bzw. offenbart, um uns das Leben schwer zu machen oder um zu polarisieren, sondern um den Menschen auf dem Weg zum ewigen Leben beizustehen und ihnen Stütze und Leiter zu sein. Eine Gnade, die leider vielfach missverstanden und deshalb abgelehnt wird. Ein gründliches Studium des katholischen Glaubens könnte dem weit verbreiteten Unwissen in den meisten Fällen bereits wesentlich Abhilfe verschaffen. Denn wissen wir überhaupt, was katholisch sein bedeutet? Auch die Kirchenlandschaft Luxemburgs ist erschreckend „unkatholisch" geworden. Wovor haben wir Angst als Katholiken? Dass man uns nicht mehr liebt, dass man uns ausstößt, uns hasst, uns verfolgt wenn wir klar Stellung beziehen FÜR unsere Kirche und unseren Papst? Anstatt soviel zu diskutieren, täten wir oftmals besser daran, diese Zeit zum Beten zu nutzen, vielleicht für einen Rosenkranz oder ein Gebet zum Heiligen Geist, dass Er uns – so Gott will – ein klein wenig Erkenntnis schenken möge. 

Papst Benedikt XVI. wird die Kirche gewiss auf dem richtigen Weg weiterführen durch die dunklen Zeiten des Unglaubens und des Aberglaubens. Wir brauchen keine Angst zu haben, nein, freuen dürfen wir uns und jubeln über den Nachfolger des großen Johannes Paul II., den Gott der Kirche und der Menschheit nun geschenkt hat! Überzeugte katholische Positionen sind selten geworden, und wen wundert es, dass sie Widerspruch herv rrufen? Es liegt eben nicht in ihrer Natur, gefällig zu sein. Benedikt XVI. wird – Gott sei Dank – nicht bereit sein, das „Katholische" an unserem Glauben zu verwässern, zu verbiegen, zu vergewaltigen. Möge Gott unseren Heiligen Vater, den demütigen Arbeiter im Weinberg des Herrn, segnen, damit seine Arbeit reiche Frucht hervorbringen wird.

David Ianni / Luxemburg

 

 

 

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Vatikan: Neues Interview mit Kardinal Ratzinger  am Vortag seiner Papstwahl zu Buttiglione, Niederlande, EU-Verfassung

- Zeigt der Fall Buttiglione, dass die Mitarbeit von Christen in der EU nicht mehr gewollt ist?

"In der Tat - es ist ein Zeichen, daß zunächst die weltanschauliche Neutralität des staatlichen Bereichs sich in eine Art von ideologischer Dogmatik umzuwandeln im Begriff steht, Laizismus also nicht mehr die Gewähr vielfältiger Überzeugungen in Freiheit darstellt, sondern sich selbst als eine Ideologie etabliert, die vorschreibt, was man denken und sagen darf und eine öffentliche Präsenz des Christlichen, zum Beispiel, eben nicht mehr gewährleistet. Das ist, denke ich, schon ein Phänomen, das uns zu denken geben muß: dass das, was zunächst als Gewähr gemeinsamer Freiheit erschien, sich in eine Ideologie umformt, die zum Dogmatismus wird und die Religionsfreiheit zu gefährden beginnt."

- Stürzt im Moment in den Niederlanden ein multi-kulturelles Kartenhaus in sich zusammen?

"Dass natürlich die Multi-Kulturalität so einfach nicht geht, wie man es hinstellt; dass faktisch die Erfahrung der Fremdheit auch immer wieder Zusammenstöße schaffen wird; und dass sie also nicht auf der Basis der Gleichgültigkeit, sondern nur auf der Basis positiver Wertschätzung wachsen kann - das scheint mir schon offensichtlich zu sein."

- War es von der Kirche richtig, sich so auf die EU-Verfassung, auf Christentumsbezug und auf Erwähnung Gottes zu "kaprizieren"? Oder war das angesichts einer Verfassungstradition, die in Europa auch lange ohne Gottesbezüge herangewachsen war, nicht vielleicht doch der falsche Schauplatz für das Thema, dass das Christentum weiter seine Rolle spielen soll beim Aufbau Europas? Wie sehen Sie das im Rückblick?

"Zweierlei ist wichtig: Zum einen, dass man natürlich in den großen inhaltlichen Punkten die Präsenz unseres Rechts- und Moralbewußtseins gewährleistet - was zum Teil gelungen ist. Insofern ist natürlich der Inhalt, also die einzelnen Elemente der Europäischen Verfassung, ganz entscheidend. Wenn nur in der Präambel etwas stünde, was keine Entsprechung in den wesentlichen Rechtsvorstellungen fände, wäre es eine Leerformel, die nichts nützen würde.
Ich denke aber, dass man schon darum gerungen hat, in den konkreten Elementen der Europäischen Verfassung und ihrer Rechtsgestalt das christliche Rechtserbe zur Geltung zu bringen... mit unterschiedlichem Erfolg.
Trotzdem würde ich es nicht als unnütz oder gar verfehlt ansehen, dass in der Präambel selbst eine Identität definiert wird und dass Europa einfach sagt, was es ist, wo es herkommt, von wo es seine Maßstäbe nimmt. Ich würde sagen: Die Berufung auf Gott ist in der deutschen Verfassung ja da; sie ist in der amerikanischen Tradition, in der angelsächsischen Tradition... Ich würde auch sagen: Das Argument ist falsch, dass man damit andere Religionen schockiert. Im Gegenteil: Sie sind schockiert über unseren absoluten Säkularismus.
Deswegen meine ich, dass schon beides sich entsprechen muß - dass in der Präambel die geistigen Grundlagen benannt werden müssen und, und die sind nun einmal in dem biblischen Erbe gegeben, und dass andererseits natürlich das, was dann an Rechtsgestalt noch ausgeführt wird, diesem in der Präambel Gesagten entsprechen muss."

- Ist denn nicht das amerikanische Modell - Religion als Rechtsfertigungsfundus für das Handeln - erfolgversprechender gegenüber dem europäischen, das eine immer weitere Trennung und Differenzierung der Sphären bis hin zum drohenden Verschwinden des Christlichen will?

"Ja, ich denke schon, dass in vieler Hinsicht das amerikanische Modell besser ist. Europa war im Staatskirchentum festgefahren; die Leute, die nicht einer Staatskirche zugehören wollten, sind nach Amerika gegangen und haben also bewußt einen Staat geschaffen, der selber nicht eine Kirche vorschreibt, der aber nicht einfach als religiös neutral erfahren wurde, sondern als der Raum, in dem Religionen sich bewegen können und auch öffentliche Gestaltungsfreiheit haben, nicht bloß ins Private verwiesen sind. Insofern kann man ohne Zweifel von Amerika lernen. Dass wir das jetzt nicht so einfach auf uns übertragen können, ist mir klar, aber der Vorgang, dass der Staat Raum gibt für die Religion, sie aber nicht selbst vorgibt, aber doch wieder davon lebt, dass sie da ist und öffentliche Gestaltungskraft hat, ist sicher eine positive Form."

Die Fragen an Kardinal Ratzinger stellte Stefan Kempis im Studio von Radio Vatikan

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Papst Benedikt XVI. über den "Geist des Konzils"

 

Der neue Papst und das Zweite Vatikanische Konzil 

Theologische Überlegungen zum Deutschlandbesuch des Heiligen Vaters von David Berger.

Wie allgemein bekannt ist, gehörte Kardinal Ratzinger im letzten Konklave mit zu den wenigen Papstkandidaten, die das letzte Konzil selbst noch aktiv mitgestaltet haben: Ratzinger war, neben Hubert Luthe als Peritus des Kölner Kardinal Frings am Konzil beteiligt. Am Ende der ersten Sitzungsperiode wurde er zum offiziellen Konzilstheologen ernannt.
Deutlich wird in jenen frühen Jahren in den Äußerungen des jungen Theologen eine große Euphorie für das Konzil und die von diesem zu erwartenden Neuerungen: es sei „so viel Unmögliches möglich geworden, dass man sich von dem oft geradezu aufregenden Optimismus des Papstes getrost anstecken lassen und hoffnungsvoll sein darf“.

Wie dies bei einem Konzil üblich ist, entstanden im Prozess des Konzils Texte, die auf eine möglichst breite Zustimmung der Väter rechnen konnten. In den die postkonziliare Zeit prägenden Polarisierungen zwischen „Konservativen“ und „Progressisten“ führte dieses Grundcharakteristikum der Texte allerdings dazu, dass man auch diese in „beharrende“, noch von den Entwürfen der vorbereitenden Kommission herrührende, sowie „innovative“, in die Zukunft weisende Partien aufteilte, und so den Endtext dann nur noch als „faulen Kompromiss“ sehen konnte, in dem gegensätzliche Positionen unvermittelt nebeneinander, ja dialektisch gegeneinander stehen und der dazu dienen sollte, eine der beiden großen Gruppen über den Tisch zu ziehen. Verstärkt wurde diese Sichtweise noch von den vom „age of extremes“ (Eric J. Hobsbawm) geprägten Medien, die auf die Meinungsbildung auch bei den Konzilsteilnehmern einen bislang nicht gekannten Einfluss hatten.

Interessant ist dabei, dass Ratzinger noch 1965 zusammen mit Karl Rahner gerade auf diesen Kompromisscharakter setzte und darin die Möglichkeit sah, die Konzilstexte lediglich als einen „Anfang“ zu sehen, der ganz im Sinne der Konzilsmajorität weiterzuentwickeln sei.
Doch schon 1966 wird ein Umdenken sichtbar. In einem Vortrag auf dem Bamberger Katholikentag, der etwa Kardinal Döpfner seltsam überraschte, fragte er, welches die Situation der Kirche „unter uns nach dem Konzil und infolge des Konzils heute“ sei. Und er antwortete: „Sprechen wir es offen aus – es herrscht ein gewisses Unbehagen, eine Stimmung der Ernüchterung und Enttäuschung ... Die Gläubigen aber sind weniger eins als zuvor: Für die einen hat das Konzil noch zu wenig getan, ... ein Konglomerat vorsichtiger Kompromisse, ein Sieg diplomatischer Behutsamkeit über den Sturm des heiligen Geistes, der nicht komplizierte Synthesen, sondern Einfachheit des Evangeliums will; für die anderen aber ist es ein Ärgernis, Preisgabe der Kirche an den Ungeist einer Zeit, der Gottesfinsternis Folge ihrer wilden Verbohrtheit ins Irdische ist.“

Ab diesem Punkt verschloss Ratzinger nicht die Augen vor der „Zweigesichtigkeit“ der Texte, seine Konzilsinterpretation verstand er aber mehr und mehr als Gegengewicht gegen einen gefährlichen „Triumphalismus des Neuen über das Alte“. Die immer klarer werdende Sicht auf die Folgen der anfangs favorisierten Konzilsinterpretation, die Anpassung der Kirche an den Zeitgeist, die die Kirche zu einem Zerrbild ihrer selbst werden lässt und die im Namen des Konzilsgeistes auftritt, war es schließlich, die ihn dazu brachte sich gegen ein imaginäres Konzilsverständnis zu wenden: gegen die Theorie von dem Konzil als „Anfang eines Anfangs“ (Karl Rahner), von einem Ausgangspunkt, den man verrät, wenn man bei ihm stehen und ihm treu bleibt. 

Nur mehr der „Geist des Konzils“ hat nun Geltung

Beispielhaft für ein solch falsches Vorgehen sieht er ab jenem Zeitpunkt jene Konzilsinterpretation, die sich bestimmte Partien aus Gaudium et spes (besonders deren unglückliches Vorwort), aus Nostra aetate sowie aus Dignitatis humanae zusammenschneidet und dann als „eine Revision des Syllabus Pius’ IX, eine Art Gegensyllabus“ präsentiert: Bestimmte sedisvakantistisch inspirierte Veröffentlichungen haben hier, um Ratzinger nach seiner Wahl zum Papst zu diskreditieren, diesen Passus zitiert und dabei so getan, als ob dies - also genau das, was Ratzinger hier ablehnt - die Position Ratzingers sei!

Jener „Geist des Konzils“ war es, der die „Kirche des letzten Jahrzehnts verwüstete“, der aber nicht dazu führen darf, das Konzil abzulehnen. Vielmehr geht es um die Entdeckung des wahren Konzils, um Korrekturen durch Veränderung der Perspektive, der Interpretation des Konzils. Ganz deutlich hat eine solche Korrektur etwa mit der durch einen immer mehr um sich greifenden ekklesiologischen Relativismus motivierten Ergänzung von Lumen gentium Nummer 8 durch den Kommentar des damaligen Kardinals zur Erklärung Dominus Iesus stattgefunden.
Spricht diese Stelle von „Elementen der Heiligung und Wahrheit“ außerhalb der katholischen Kirche, die sozusagen auf deren Einheit hindrängen, so betont Ratzinger hier, dass man nicht vergessen dürfe, dass es in eben jenem Bereich auch zahlreiche „Irrtümer und Täuschungen“ gebe.

Eine solche Änderung der Perspektive wird zum Fundament für eine Verwirklichung des Konzils „in treuer Kontinuität mit der zweitausendjährigen Tradition der Kirche“ wie Papst Benedikt XVI. schön in seiner Predigt zur Missa Pro Ecclesia, die er mit den wahlberechtigten Kardinälen in der Sixtinischen Kapelle am 20. April zelebrierte, formuliert hat.

Was sich manche deutschen Universitätsprofessoren ausgedacht haben: der neue Papst könne in seinem neuen Amt wieder in alte Vorstellungen aus den 60er Jahren zurückfallen, entspricht wohl eher deren Wunschdenken und einer gewissen Weltfremdheit. Vielmehr ist zu erwarten, dass der Benedikt XVI. diesen klugen, von seinem Vorgänger bereits unterstützen Weg bezüglich der Konzilsinterpretation weitergehen wird: Die daraus resultierenden Konsequenzen werden manche erschrecken, jenen denen es um das Wohl der Kirche geht aber große Freude bereiten.

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Oekumene

Ökumene  um die wahre Einheit der Christen

Vortrag von P. Bernward Deneke
 bei der Hauptversammlung der „Pro Missa Tridentina“ in Köln am 2.5.2003

 Pater Bernward Deneke ist Priester der PRIESTERBRUDERSCHAFT ST. PETRUS

Der Text ist entnommen von der Homepage der Priesterbruderschaft: http://www.petrusbruderschaft.de/html/beitraege.html

 

Einleitung

Wer kennt sie nicht, die berühmten Schlüsselerlebnisse, die uns zum ersten Mal nachdrücklich und prägend auf einen Sachverhalt, eine Wahrheit oder auch einen Mißstand, aufmerksam machen? Ich erlaube mir, ein eigenes Schlüsselerlebnis in Sachen Ökumenismus an den Anfang meiner Ausführungen zu stellen:

Im Alter von etwa 13 Jahren gehörte ich einer christlichen Jugendgruppe an. Bis auf einen Jungen waren alle Mitglieder katholischen Bekenntnisses. Eines Tages regte der Student, der unsere Zusammenkünfte leitete, an, sich mit dem Thema „Katholisch  evangelisch“ zu befassen. Zwei Teilnehmer sollten sich bis zum nächsten Treffen mit einer der beiden Konfessionen beschäftigen, um sie dann dem Kreis vorzustellen. Es war naheliegend, daß der einzige evangelische Christ der Gruppe beauftragt wurde, über sein Bekenntnis zu sprechen. Die Ausführungen über die katholische Seite fielen mir zu.

Bei meinen Vorbereitungen nun wußte ich nicht recht, auf welches Buch ich mich stützen sollte. So griff ich  o sancta simplicitas!  einfach nach dem Werk, daß uns der Religionslehrer am Gymnasium in die Hand gelegt hatte. Die nächste Gruppenstunde kam, der evangelische Junge sprach über Luther und die Reformation, über die Bedeutung der Bibel und des Abendmahls im Protestantismus. Dann war die Rede an mir, und ich löste, ohne auch nur im geringsten damit gerechnet zu haben, mit meinen Darlegungen einen mittleren Skandal aus.

Woher ich denn solche Gedanken hätte, fragte mich der Leiter erregt. Als ich ihm die wahrheitsgemäße Antwort gab, ließ er sich zu der Aussage hinreißen, mein Religionslehrer sei offensichtlich nicht mehr katholisch; ich sollte ihm gegenüber größte Vorsicht walten lassen. Wortlos mag ich damals genickt haben. Doch es wollte mir nicht recht einleuchten, daß ausgerechnet der inzwischen verstorbene, herausragende Gelehrte und Lehrer Dr. Andreas Kühne vom Dilthey-Gymnasium in Wiesbaden außerhalb des rechten Glaubens stehen sollte.

Nun, was war das Anstoßerregende meiner Ausführungen gewesen? Das von mir verwendete Buch trug den Titel „Katholischer Katechismus der Bistümer Deutschlands“. Es handelte sich also um den sogenannten Grünen Katechismus, ein Werk aus vorkonziliarer Zeit. Und einige Kernsätze, die ich in dem Kreis vortrug, lauteten: „Christus hat nur eine einzige Kirche gegründet. (...) Darum gibt es nur eine wahre Kirche. Die wahre Kirche kann man an bestimmten Eigenschaften erkennen, die Christus ihr gegeben hat. (...) Nur die römisch-katholische Kirche hat diese vier Kennzeichen. (...) Die anderen christlichen Glaubensgemeinschaften haben diese vier Kennzeichen nicht. (...) Die Christen, die einer nichtkatholischen Glaubensgemeinschaft angehören, wissen zumeist nicht, daß die katholische Kirche ihre wahre Heimat ist. Sie haben nicht die volle Wahrheit und sind vielen Irrtümern ausgesetzt; auch müssen sie viele Gnaden entbehren. Aber Christus ist auch für sie gestorben, und die Kirche betet und opfert auch für sie. Darum können auch sie zur ewigen Seligkeit gelangen, wenn sie den Willen Gottes tun, so gut sie ihn erkennen.“

Diese Aussagen sind, auf dem Hintergrund der kirchlichen Tradition betrachtet und mit anderen Verlautbarungen über die getrennten Christen verglichen, durchaus moderat und wohlwollend gehalten. Aber die Theologie der Gegenwart hätte für sie vermutlich nur die Qualifikation als „sententiae oecumenicarum aurium offensae“ („Sätze, die ökumenische Ohren verletzen“) zu vergeben - wenn nicht gar das vernichtende Urteil zu fällen: „nicht mehr katholisch“. Einen solchen, härteren Standpunkt bezog unser Gruppenleiter. Obgleich kein Theologe, kannte er sich doch in den neueren Entwicklungen gut genug aus, um meinen Thesen die kirchenpolitisch korrekte Auffassung entgegenzuhalten: Man sei heute auch katholischerseits zu der Überzeugung gelangt, daß sich die verschiedenen Kirchen zueinander wie die Stücke eines runden Kuchens verhielten; sie verwiesen alle auf die gemeinsame Mitte, auf Jesus Christus, der sich von keiner Konfession vereinnahmen lasse. Dieses Modell habe das frühere einer katholischen Exklusivität („Nur bei uns ist die Wahrheit, nur mit der katholischen Kirche identifiziert sich Jesus, nur sie führt zum ewigen Heil...“) endgültig überwunden. Allenfalls noch ein paar Ewiggestrige hingen den alten Vorstellungen an.

Merkwürdigerweise schlug das Pendel meiner Sympathie insgeheim spontan in Richtung dieser Ewiggestrigen aus. Es fiel mir schwer nachzuvollziehen, daß ein Katechismus, einst vom gesamten Episkopat Deutschlands gutgeheißen, durch die Entwicklung einiger Jahrzehnte mit einem Mal wertlos, falsch, ja gefährlich geworden sein sollte. Gegenüber der früheren Auffassung erschien mir die neue als schwächlich, undeutlich, nichtssagend. Aber es sollten noch Jahre vergehen, bis ich Stimmen vernahm, die das zur Sprache brachten, was sich in mir instinktiv gegen diesen Trend aufgelehnt hatte. Erst später ging mir auch nach und nach auf, von welcher grundsätzlichen Bedeutung die Frage danach ist, wie sich die katholische Kirche zu den von ihr getrennten Christen verhalte. Die Konsequenzen, die sich aus den verschiedenen Möglichkeiten ergeben, sie zu beantworten, reichen weit, sehr weit.

Ich bin keineswegs der Erste, der sich mit dem Thema Ökumenismus beschäftigt. Im Gegenteil, es hat sich schon eine solche Flut von lobredenden bis kritischen und vernichtend urteilenden Publikationen über die katholische Landschaft ergossen, daß ich eigentlich wenig Antrieb verspüre, dem noch etwas hinzuzufügen. Die Sichtung und Auswertung kirchlicher Dokumente vor und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist nicht erst einmal vorgenommen worden. So sehe ich auch davon ab. Jeder kann sich ohne Schwierigkeiten die Enzyklika „Ut unum sint“ des derzeitigen Papstes, aber auch die Schreiben vorkonziliarer Päpste zu unserem Thema besorgen.

Und was die Kritik anbelangt: Ist nicht von sogenannter konservativer Seite bereits alles über die Gefahren des falschen Ökumenismus, die „Ökumenitis“ über den „Ökumenismus katholischer Vorleistungen“, den „Ökumenismus als Hebel zur Protestantisierung der katholischen Kirche“, über den Grundsatz „Keine Einheit ohne Wahrheit“ usw. geschrieben worden? Es wäre ein Leichtes, ein Florilegium aus den zahllosen wissenschaftlichen bis populären, sanften bis gehässigen, gemäßigten bis extremen Schriften zu dem Thema zusammenzustellen. Doch davon sehe ich ab.

Auch eine Kollektion neuerer und neuester ökumenistischer Mißbräuche erwarte man in diesem Vortrag nicht. Ich schließe mich zwar keineswegs den beschwichtigenden, verharmlosenden Tendenzen an, die uns so oft sagen, man sollte doch viel mehr nur das Positive ins Licht rücken und davon absehen, solche Skandälchen wieder und wieder aufzuwärmen und anzuprangern. Nein, Dokumentation muß sein. Aber es bedarf auch des gläubigen Nachsinnens über die Grundlagen der kirchlichen Einheit und des rechtverstandenen Ökumenismus.

Daher möchte ich mich im folgenden thesenartig unter einigen besonderen Gesichtspunkten mit dem komplexen Thema beschäftigen. Ich bin mir natürlich im klaren darüber, daß es eigentlich eingehender biblischer, fundamental- und kontroverstheologischer, dogmatischer und kirchengeschichtlicher Erörterung bedürfte, um ihm nur einigermaßen gerecht zu werden. Doch die Erfahrung lehrt uns auch, wie nützlich, ja notwendig Vereinfachung  wenn es sich nicht um verkürzende Simplifizierung handelt  sein kann. Die knappen, aber starken Sätze des Grünen Katechismus haben mir und anderen wohl mehr gedient als manche langatmigen, anmerkungsreichen Ausführungen, die es einfach nicht schaffen, die Sache auf den Punkt zu bringen.

Die im folgenden zu behandelnden Thesen bilden nur einen Ausschnitt aus der Thematik. Sie lauten:

 

1. These: „Ökumene“ ist ein wesentlicher Begriff unseres Glaubens

2. These: Der heutige Begriff von Ökumene setzt sich aber auffällig von dem der alten kirchlichen Tradition ab.

3. These: In der katholischen Kirche ist die eigentliche, ursprüngliche „Ökumene“ verwirklicht.

4. These: Die wahre ökumenische Einheit wurzelt im Geheimnis der göttlichen Dreieinigkeit.

5. These: Sie setzt die Einheit im Glauben voraus.

6. These: Der falsche Ökumenismus sucht Einheit auf Kosten von Wahrheit und außerhalb der von Gott gestifteten Ökumene, der katholischen Kirche.

7. These: Es gibt einen rechtverstandenen Ökumenismus, der aus lebendigem Glauben und dem Eifer für das Heil der Seelen hervorgeht.

8. These: Die Einheit der Katholiken ist die wichtigste Voraussetzung zur Förderung dieses echten Ökumenismus.

 

Und so beginne ich sogleich mit der

 

1. These: „Ökumene“ ist ein wesentlicher Begriff unseres Glaubens

Begriffe, die nicht mehr von ihrem Ursprung her verstanden werden, drohen zur nichtssagenden Phrase oder  schlimmer noch - zur verbalen Modelliermasse in den Händen von Ideologen zu werden. Deshalb hier zunächst die schlichte Frage: Was bedeutet denn „Ökumene“?

Es handelt sich dabei um ein der kirchlichen Tradition seit frühesten Zeiten wohlvertrautes Wort, überaus geschichtsträchtig und bedeutungsvoll. Auf vielfache Weise ist es mit dem Erbe des Altertums, mit der facettenreichen Entwicklung der Kirche und der Theologie verbunden. Schon im heidnischen Altertum begegnet uns das Wort „Ökumene“. Seit den ersten Jahrhunderten ist es im Sprachgebrauch der Kirche präsent. Besonders in den letzten hundert Jahren hat seine Bedeutung eine auffällige Entwicklung genommen. Das Endprodukt hat mit dem Ausgangspunkt zwar manches gemein - auch zwischen einem „ökumenischen Konzil“ und einem „ökumenischen Kirchentag“ gibt es noch Verbindendes -, doch die Akzentverschiebung ist dabei unübersehbar.

Ursprünglich bedeutet oikouméne, das passivische Partizip des griechischen Verbum oikeîn, so viel wie „bewohnt“ und bezieht sich im substantivischen Gebrauch auf die bewohnte, also die gesamte Erde. „Ökumenisch“ ist nicht ein Teil, der gegen einen anderen steht, sondern gerade das Ganze, das Übergeordnete und Umfassende.

Der christliche Sprachgebrauch knüpft an diese profane Bedeutung an und macht sich den Gedanken der „Ökumene“ als der Gesamtheit zu eigen. Er bezieht ihn aber nicht auf die Welt oder die Völkergemeinschaft, sondern auf die Kirche. Sie selbst, insofern sie von ihrem Gründer zu allen Völkern gesandt ist, verkörpert nun die Idee des „Ökumenischen“. Sie ist nicht Teil-, sondern Gesamt- und Weltkirche, von allen Enden der Erde zusammengerufen und in einem Leib vereinigt.

Das Adjektiv „ökumenisch“ besagt dementsprechend in der Frühzeit der Kirche und weit über sie hinaus: „zur Kirche als weltweiter und ganzer gehörend“ oder „die ganze Kirche betreffend bzw. vertretend“ sowie auch „allgemeine kirchliche Gültigkeit besitzend“. In diesem Sinne wird das Wort z.B. in Verbindung mit „Konzil“ benutzt: Ein Ökumenisches Konzil ist ein solches, bei dem die ganze Weltkirche - und nicht nur die eine oder andere Region  zusammentritt, um wiederum für die Gesamtkirche zu sprechen.

Der Begriff der „Ökumene“ tritt so in die Nähe zu dem des „Katholischen“ (d.h. das Ganze Betreffenden). Man könnte im nicaeno-konstantinopolitanischen Symbolon, dem sog. Großen Glaubensbekenntnis, auch durchaus sprechen: „(Credo... et) unam, sanctam, oecumenicam et apostolicam Ecclesiam“ („und die eine, heilige, ökumenische und apostolische Kirche“), hätte das Wort nicht durch den neuzeitlichen und modernen Bedeutungswandel eine ganz andere Wendung genommen, die seinen ungeschützten Gebrauch verunmöglicht.

Wie weit übrigens der Begriff des Ökumenischen in die eigentliche Theologie hineinragt, sei hier nur angedeutet. Es ist keineswegs Wortkünstelei, wenn man eine Verbindung zwischen Ökumene und „Ökonomie“ (im Sinne der „Heilsökonomie“, der göttlichen „Haushaltung“ im Werk der Erlösung und Neuschöpfung) herstellt. In der Ökumene wie in der so verstandenen Ökonomie geht es um das oikeîn, das Wohnen der göttlichen Herrlichkeit zunächst im Gottmenschen Jesus Christus, dann in Seinem Mystischen Leib, der Kirche, und in ihren Geheimnissen, den Sakramenten, sowie schließlich in uns als seinen Gliedern.

Gerne würde ich jetzt eine wahrhaft „ökumenische Ekklesiologie“ zu entwerfen versuchen. Sie hätte die Kirche als die Wohnung der göttlichen Fülle darzustellen und als Herberge derer, die durch die Einverleibung in Christus gleichfalls Gefäße Seiner Gegenwart geworden sind. Aber solches ist mir aufgrund der dahineilenden Zeit nicht vergönnt. Es dürfte schon durch die wenigen Andeutungen erkennbar geworden sein, wie zentral und wesentlich der ursprüngliche Begriff von „Ökumene“ für das Glaubens- und Kirchenverständnis ist.

 

 

2. These: Der heutige Begriff von Ökumene setzt sich auffällig von dem der altkirchlichen Tradition ab.

In der Neuzeit bewegte sich Gehalt des Wortes „Ökumene“ in ganz andere Gefilde als die eben skizzierten. Zunächst wurde die Bedeutung gleichsam von der Mitte an die Peripherie verlegt. So benutzte man „ökumenisch“ im Sinne von: „die weltweite missionarische Aufgabe der Kirche betreffend“. „Ökumenisch“ ist also nicht mehr so sehr das in sich ruhende Sein der Kirche, „ökumenisch“ ist vielmehr ihr Außeneinsatz. Zwar kann es nicht sinnvollerweise bezweifelt werden, daß die missionarische Aktivität sich aus dem Wesen der Kirche ergibt. Auch steht der Einsatz für die Bekehrung der Menschen besonders im Dienst der Ökumene, insofern nämlich die Wohnstätte Gottes auf Erden weiter ausgedehnt werden soll.

Dennoch zeichnet sich in der Gleichsetzung von „ökumenisch“ und „weltmissionarisch“ bereits eine Tendenz ab, die später bestimmend werden soll: die Tendenz, „Ökumene“ nicht mehr als bereits Gegebenes, sondern als erst noch zu Erreichendes zu betrachten. Aus der Gabe wird jetzt die Aufgabe.

Den wirklichen Bruch mit der ursprünglichen Bedeutung bringt jener Sprachgebrauch, der sich im 20. Jahrhundert in der westlichen (nicht der östlichen!) Theologie durchgesetzt und etabliert hat. Ihm gemäß ist unter „ökumenisch“ nun das zu verstehen, was „die Beziehungen zwischen getrennten Kirchen oder zwischen Christen verschiedener Konfessionen betrifft“. „Ökumene“ wird gleichbedeutend mit der Einheit der getrennten Christen, die in näherer oder fernerer Zukunft erreicht werden soll, also für etwas, das wohl im Wachsen, aber noch nicht abgeschlossen oder gar vollendet ist.

Der Gegensatz zum altkirchlichen, traditionellen Verständnis könnte kaum größer sein. Meinte ein Gläubiger des Altertums, wenn er von der oikuméne sprach, gerade jene eine und einzige, über das ganze Erdenrund sich erstreckende Kirche, zu der er nicht die verschiedenen häretischen und schismatischen Abspaltungen zählen konnte, so richtet der Christ der  Gegenwart, wenn von der „Ökumene“ die Rede ist, im Gegenteil seinen Blick auf die Trennung unter Christen und auf das, was sie jetzt schon einander näherbringt und in erhoffter Zukunft endgültig verbinden soll. So steht der heutige Ökumene-Begriff mit dem Ideal einer über die Spaltungen und Trennungen hinausragenden Kirche gegen den früheren Ökumene-Begriff, der sich auf die real existierende katholische Kirche bezog.

An das gegenwärtige Verständnis von „Ökumene“ schließt sich der Begriff des „Ökumenismus“ an. Auf dem Hintergrund der altkirchlichen Vorstellung von „Ökumene“ wäre er wenig sinnvoll, ist er doch erst dort gefragt, wo es eine vollständige und vollendete Einheit erst noch zu erreichen gilt. Den Ökumenismus möchte ich definieren als die Gesamtheit der Maßnahmen, durch welche die „Ökumene“ - im Sinne von „Kircheneinheit“  herbeigeführt werden soll. Er ist dementsprechend nicht eine in sich ruhende Angelegenheit. Er begründet vielmehr eine Bewegung, die sich in vielfachen Aktivitäten zeigt.

Das Zweite Vatikanische Konzil, das einerseits die Identität der von Christus gegründeten Kirche mit der römisch-katholischen lehrt (so ist das berühmt-berüchtigte „subsistit in“ der Kirchenkonstitution - LG Nr. 8 - eindeutig zu verstehen), andererseits aber das Anliegen der Wiedervereinigung mit den getrennten Christen sehr herauszustellen bemüht war, definiert sie folgendermaßen: „Unter der Ökumenischen Bewegung versteht man Tätigkeiten und Unternehmungen, die je nach den verschiedenartigen Bedürfnissen der Kirche und nach Möglichkeit der Zeitverhältnisse zur Förderung der Einheit der Christen ins Leben gerufen und auf dieses Ziel ausgerichtet sind.“ (UR Nr.4)

Zwar hört man in betont katholischen Milieus auch heute noch die im Brustton der Überzeugung vorgetragene Stellungnahme: „Ich weiß gar nicht, was dieser ganze ökumenische Trubel soll. Wir haben doch schon die wahre Ökumene, nämlich die katholische Kirche!“ Doch solche Äußerungen sind nicht repräsentativ. Sie sind nicht einmal besonders zu empfehlen. Denn wer sich gegen den allgemeinen Sprachgebrauch der Gegenwart stellt, indem er an einer schon seit längerer Zeit obsolet gewordenen Bedeutung festhält, der mag zwar für Momente Aufmerksamkeit erregen, auf längere Zeit aber entzieht er dem Gespräch und der Verständigung mit anderen weitgehend die Basis.

Dennoch scheint es mir gerade im Hinblick auf einen katholischen Ökumenismus, der diesen Namen verdient, richtig und wichtig, den ursprünglichen Sinn des Wortes im Gedächtnis zu behalten. Denn bei allen Bemühungen, die Einheit mit den durch Häresie und Schisma getrennten Christen wiederzuerlangen, muß als Leitgedanke die Überzeugung im Hintergrund stehen, das zu behandeln ist in der

 

3. These:In der katholischen Kirche ist die eigentliche, ursprüngliche „Ökumene“ verwirklicht.

Vor vielen Jahren vernahm ich von einem mir persönlich bekannten Theologieprofessor, die katholische Kirche habe eigentlich gar kein Recht, sich „katholisch“ zu nennen. Erst wenn sie sich mit Protestanten und Orthodoxen, ja sogar mit den sog. Mosaischen Religionen, also Judentum und Islam, zusammenschließe, treffe diese Bezeichnung zu.

Weniger radikal sind diejenigen Vertreter eines gegenwärtigen Ökumenismus, die ihren Blick nur auf die zerteilte Christenheit richten und dabei auf die Bitte Jesu im Hohepriesterlichen Gebet hinweisen: „Ich bitte aber nicht allein für diese, sondern auch für die, die durch mein Wort an mich glauben werden, daß alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir; daß sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast.“ (Joh 17, 20f.) Durchweg wird dieses Herrenwort im ökumenischen Kontext als ein Wunsch interpretiert, dessen Erfüllung noch aussteht. Der ökumenische Dialog zwischen Vertretern verschiedener kirchlicher Gemeinschaften, gemeinsames Gebet und Liturgiefeiern sollen die Christenheit dem Willen Jesu näherbringen.

Bemerkenswert ist dem gegenüber der Standpunkt, den Papst Pius XI. in seiner Enzyklika „Mortalium animos“ vom 6. Januar 1928 über die Förderung der wahren Einheit der Religion einnimmt. Bedenkt man die erbitterten Reaktionen und vernichtenden Urteile, mit denen das daran gemessen sehr zahme Dokument „Dominus Jesus“ vor nicht allzu langer Zeit versehen wurde, dann erkennt man, was sich seither innerkatholisch in Sachen „Ökumene“ verändert hat.

Pius XI. gibt in seinem Schreiben zunächst die Überzeugung der Ökumenisten der 20er Jahre, von ihm Panchristen genannt, wieder: „Ist es nicht billig, - so sagt man  ja, ist es nicht heilige Pflicht, daß alle, die den Namen Christi anrufen, von den gegenseitigen Verketzerungen ablassen und endlich einmal durch das Band gegenseitiger Liebe verbunden werden? Wie könnte denn jemand den Mut haben zu sagen, er liebe Christus, wenn er sich nicht nach besten Kräften für die Erfüllung des Wunsches Christi einsetzt, der da den Vater bat, daß seine Jünger eins seien? War es nicht auch der Wille desselben Christus, daß seine Jünger daran erkannt und dadurch von allen anderen unterschieden werden sollten, daß sie sich gegenseitig lieben: Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebt? Ja, so fügen sie hinzu, möchten doch alle Christen ‚eins’ sein! Um wieviel erfolgreicher würden sie dann an der Bekämpfung der schleichenden Pest der Gottlosigkeit arbeiten können, die jetzt täglich weiter um sich greift und im Begriff ist, das Evangelium vollständig um seine Kraft und Wirkung zu bringen.“

Wenig später jedoch gibt Pius XI. dazu eine bedeutsame Stellungnahme ab: „Die Vorkämpfer dieser Bemühungen führen unzählige Male das Wort Christi an: Damit alle eins sein und Es wird werden ein Hirt und eine Herde. Diese Worte führen sie aber immer so an, als ob darin ein Wunsch und ein Gebet Jesu Christi zum Ausdruck kämen, die noch der Erfüllung harren.“ Der Papst stimmt dieser Auffassung nicht bei und legt ausführlich dar, daß das Gebet Jesu seine volle Erhörung gefunden hat. In der katholischen Kirche sei die Einheit im wahren Glauben und in der Leitung vollständig verwirklicht: „Der mystische Leib Christi, das ist die Kirche, ist ja eine Einheit, zusammengefügt und zusammengehalten wie der physische Leib Christi, und so ist es unangebracht und töricht zu sagen, der mystische Leib könne aus getrennten und zerstreuten Gliedern bestehen. Wer mit dem mystischen Leib Christi nicht eng verbunden ist, der ist weder ein Glied desselben, noch hat er einen Zusammenhang mit Christus, dem Haupte.“

Wenn sich das so verhält, dann scheinen ökumenische Bemühungen im modernen Verständnis überflüssig zu sein. Und damit könnte das Thema schon für abgeschlossen gelten. Wir haben ja alles, brauchen nichts weiter. Mit den Worten eines Kirchenliedes aus dem späten 18. Jahrhundert gesagt, das heute als Inbegriff konfessioneller Arroganz gilt und das man bekanntlich nicht mehr singen darf:

„Wir sind im wahren Christentum, o Gott, wir danken dir.

 Dein Wort, dein Evangelium, an dieses glauben wir.

 Die Kirche, deren Haupt du bist,

 lehrt einig, heilig, wahr.

 Für diese Wahrheit gibt der Christ

 sein Blut und Leben dar.“

Daß die Konsequenz aus der Überzeugung, der einen und einzigen Kirche Jesu Christi anzugehören, nicht den Rückzug von jeder Ökumene im heutigen Sinne zu bedeuten hat, wird noch darzulegen sein. Für jetzt sei nur festgehalten, daß ein katholischer Ökumeniker in dieser Stunde der Kirche, inmitten des Relativismus und Indifferentismus, mehr denn je die Überzeugung braucht:

Die eigentliche Ökumene besteht schon. Am Kreuz des Herrn, dessen Balken in alle Dimensionen weisen, hat sie ihren Anfang genommen. Am Pfingsttag, bei der Herabkunft des Heiligen Geistes, als die Völkerscharen die Apostel jeweils in ihrer Sprache reden hörten, hat sie sich manifestiert. Die una, sancta, catholica et apostolica Ecclesia ist diese Ökumene.

Nur ein tiefes Verständnis der kirchlichen Einheit bewahrt uns davor, voreilige und oberflächliche Zusammenschlüsse der getrennten Christen zu ersehnen, zu erstreben und gutzuheißen. Deshalb sei in einer weiteren These näher auf diese Einheit der Kirche eingegangen.

 

4. These: Die wahre ökumenische Einheit wurzelt im Geheimnis der göttlichen Dreieinigkeit.

„Ut unum sint  Daß sie eins seien“: Wer in der kirchlichen Gegenwart auf dieses Herrenwort hinweist, trägt Eulen nach Athen. Die Passagen aus dem 17. Johanneskapitel, dem sog. Hohepriesterlichen Gebet Jesu, welche die Einheit betreffen, gehören heute zu den meistzitierten unter engagierten Christen aller Bekenntnisse. Ist es deshalb überflüssig, sie nochmals anzuführen? Vielleicht haben wir sie ja schon so oft gehört (und dabei, aufgrund des Kontextes, einen gewissen Widerwillen verspürt), daß sie uns viel zu gewohnt und bekannt erscheinen, um sie noch einer genaueren Würdigung zu unterziehen. Aber eine solche Haltung ist gegenüber dem Wort Gottes in jedem Fall unangemessen.

„Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien wie wir“, lautet die Bitte des Herrn für die Apostel, und wenig später heißt es: „Ich bitte aber nicht allein für diese, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, daß alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir; daß sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast. Und ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, damit sie eins seinen, wie wir eins sind. Ich in ihnen und du in mir, so mögen sie zur vollendeten Einheit gelangen, damit die Welt erkenne, daß du mich gesandt und daß ich sie geliebt habe, wie du mich geliebt hast.“ (Joh 17,11. 20-23)

Stoff für eine mehrstündige Exegesevorlesung! Wir verzichten auf Wort-, Kontext- und Strukturanalysen, wenden uns statt dessen einfach dem Inhalt zu. Die Einheit, die Jesus für die Seinen vom Vater erbittet, hat eine Qualität und Intensität, die in der gesamten Wirklichkeit der Welt und des menschlichen Lebens ihresgleichen sucht. Es ist eine Einheit von der Art der innertrinitarischen Einheit: „wie wir eins sind“, „wie du, Vater, in mir und ich in dir“. Der Glaube sagt uns, daß Vater und Sohn eins sind in der göttlichen Natur, eins in der Erkenntnis und in der Liebe, die sie im Heiligen Geist personhaft verbindet, gleichsam umschlingt.

Solche Einheit übersteigt jeden menschlichen Begriff. Sie überragt nicht nur die schlechte Einheit, die einen Club von Kriminellen zusammenschweißt, oder die kümmerliche äußerliche Einheit eines reinen Zweckverbandes, sondern auch die tief begründete Einheit einer noch so edlen menschlichen Vereinigung. Allenfalls in der sakramentalen Ehe finden wir eine Entsprechung, die aber wiederum mehr ist, als wir erdenken können, stellt sie uns doch das Geheimnis des Ein-Leib-Seins Jesu Christi mit Seiner Kirche vor Augen, wie der heilige Paulus es in der Magna Charta des Ehesakramentes, im 5. Kapitel des Epheserbriefes (22-33), darlegt.

Die Einheit der Jünger des Herrn ist gleichsam eine Verlängerung und Ausdehnung der innergöttlichen Einheit. Aus ihr stammt sie und in ihr hat sie ihren unzerstörbaren Bestand. Der heilige Kirchenvater Cyprian hat in erleuchteter Weise die Wahrheit der „von oben“ gewirkten Einheit im Bild des unzerrissenen Leibrocks Jesu Christi erkannt und gedeutet: Während der alttestamentliche Prophet Achias zu der Zeit, als die zwölf Stämme Israels auseinanderfielen, sein Gewand zerriß (vgl. 1 Kön 11, 31f. 36), blieb der „von oben herab nicht zusammengenähte“ Leibrock Christi unzerstört erhalten als Symbol jener „Einheit (...), die von oben, das heißt vom Himmel und vom Vater, herabkam und die vom Empfänger und Besitzer auf keinen Fall zerrissen werden konnte, sondern ein für allemal die ganze und volle Festigkeit unzertrennlich bewahrte“; weil Christi Volk nicht zerrissen werden könne, deswegen sei auch sein Leibrock nicht zerrissen worden: „Ungeteilt, engverbunden und in eins verwoben, weist er auf die innig verknüpfte Eintracht unseres Volkes hin.“ (De unitate Ecclesiae 7)

Auf die solcherweise verstandene kirchliche Einheit läßt sich das Wort des Glaubensbekenntnisses anwenden: genitum non factum; denn sie ist etwas aus Gott Gezeugtes und Geborenes, nicht gemacht, produziert, fabriziert aus menschlichem Vermögen. Sie steht in schärfstem Gegensatz zu allen Versuchen, die Menschheit von unten, von der Basis her eigenmächtig zu einen; zu den Versuchen, die seit dem Ruf von Babel nicht aufgehört haben: „Wohlan, laßt uns eine Stadt bauen und einen Turm, dessen Spitze bis zum Himmel reicht! Wir wollen uns einen Namen machen, damit wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen!“ (Gen 11,4)

Jesus erbittet die von oben stammende Einheit für seine Jünger, „damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast und daß ich sie geliebt habe, wie du mich geliebt hast“. Die Kirche, die von ihrem Herrn in der Weise gesandt wird, wie er selbst vom Vater gesandt ist (vgl. Joh 20,21), und die alle Völker „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19), also auf die vollendete Einheit der drei göttlichen Personen, taufen soll, muß selbst um ihrer Glaubwürdigkeit willen ein Abbild, sozusagen eine Ikone dieser göttlichen Einheit darstellen.

Aber worin besteht solche kirchliche Einheit konkret? Ist es nicht, wie uns oft versichert wird, letztlich nur die Liebe, die in solche Übereinstimmung mit Gott bringt? Dann lägen diejenigen Vertreter des Ökumenismus richtig, die sich bereits von jeder theologischen Auseinandersetzung verabschiedet haben, um nur ja der lieblosen Rechthaberei den Boden zu entziehen. Die zahllosen Versuche, Christen zum Miteinander-Liebsein zu ermuntern, ihnen bei entsprechenden Großveranstaltungen per Animation ein tiefes Gemeinschaftsgefühl einzuflößen und auf solche Weise Aufbrüche zur künftigen Liebeskirche versöhnter Widersprüche zu inszenieren, gäben uns Anlaß zu wahrer Hoffnung.

Wenn ich diese Sichtweise nicht teile, dann hat das seinen Grund in der

 

5. These: Die Einheit der Christen setzt die Einheit im Glauben voraus.

Gewiß würde der Standpunkt des Pilatus heute vieles vereinfachen. Man könnte angesichts der Lehrunterschiede beispielsweise zwischen Katholiken und Protestanten achselzuckend die stets so überlegen wirkende Frage stellen: „Was ist schon Wahrheit?“ und sich inzwischen der viel wichtigeren interkonfessionellen Praxis zuwenden. Aber weder die Heilige Schrift noch die Überlieferung des Christentums nennen uns in solchen Belangen Pilatus als Vorbild. Wir stellen im Gegenteil fest, daß man von Anfang an wert auf die Integrität des Evangeliums, auf die genaue Übereinstimmung des Glaubensbekenntnisses bis in alle Artikel und ihr Verständnis hinein legte.

Die gestrengen Worte, als deren Verfasser wir noch immer  trotz der vielbeschworenen Ergebnisse der neueren Forschung  den Liebesjünger Johannes betrachten dürfen, mögen illustrieren, wie es um die angeblich vom Streit um Lehrfragen so paradiesisch-unbelastete Zeit der Urkirche tatsächlich stand. Er schreibt: „Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre Christi verbleibt, hat Gott nicht. Wer in der Lehre verbleibt, der hat sowohl den Vater als auch den Sohn. Wenn einer zu euch kommt und diese Lehre nicht mit sich bringt, so nehmt ihn nicht ins Haus auf und begrüßt ihn nicht, denn wer ihn begrüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken.“ (2 Joh 9ff.)

Wir sind selbstverständlich weit davon entfernt, aus solchen Ermahnungen die falschen Konsequenzen zu ziehen und dem andersgläubigen Nachbarn weder den Gruß zu entbieten noch die helfende Hand zu reichen. In vielen Dingen des persönlichen wie des öffentlichen Lebens können und sollen wir als Menschen wie auch als Christen zusammenwirken. Aber vielleicht sollten wir doch bedenken, was sich gerade im Hinblick auf den Ökumenismus für naheliegende Folgerungen aus den Worten des 2. Johannesbriefs ergeben.

„Nehmt ihn nicht ins Haus auf und begrüßt ihn nicht“: Hat nicht der Kontakt mit Christen nichtkatholischen Bekenntnisses spätestens dort seine Grenze, wo es um die Aufnahme in jenes Haus geht, welches oikos toû theoû, Haus Gottes ist? Um in dieses einzutreten, ist tatsächlich seit eh und je die gläubige Zustimmung zum Ganzen des Glaubens verlangt. Und wenn uns sogar verboten wird, den Irrgläubigen zu grüßen, dann sollten wir nicht an ein „Guten Tag“ oder auch ein „Grüß Gott“ auf der Straße denken, sondern vielmehr an die Zeichen liturgischer Gemeinschaft. Communicatio in sacris, unerlaubte gottesdienstliche Gemeinschaft mit Nichtkatholiken, wird auch vom heutigen Kirchenrecht noch unter den Straftaten gegen die Religion und die Einheit der Kirche angeführt, wenngleich, wie wir alle wissen, der entsprechende Kanon selten bis nie zur Anwendung kommt.

Der Begründung dafür, daß die Einheit im vollen, unverkürzten Glauben Voraussetzung für die kirchliche Einheit ist, gibt uns wiederum der Apostel Johannes an, wenn er schreibt, daß derjenige, der „Gott nicht glaubt, ihn damit zum Lügner macht, da er dem Zeugnis, das Gott über seinen Sohn abgelegt hat, seinen Glauben versagt“ (1 Joh 5,10).

Der Akzent ist hier auf die Aussage vom „Zeugnis Gottes“ zu legen. Der Glaube entstammt ja nicht dem Empfinden und Meinen des Menschen, sondern ist eine Antwort auf den sich, seine Wahrheit, seinen Willen und seine Werke offenbarenden Gott. Man glaubt ihm um seiner Autorität willen, denn er kann weder sich noch uns täuschen. Wenn dem aber so ist, dann kann man die Offenbarung nicht selektiv, nach persönlichem Gutdünken und Für-richtig-Halten, sondern nur als Einheit und Gesamtheit annehmen oder ablehnen. Denn wer einen Teil bejaht, einen anderen verneint, der schwingt sich selbst zum Richter über Gott auf und erklärt ihn in den Punkten, denen er seine Zustimmung versagt, zum Lügner. Er gibt zu erkennen, daß er letztlich nicht dem glauben will, der mit seiner Autorität hinter diesem allem steht.

Freilich denken die meisten, die am Glaubensgut Abstriche machen, nicht so weit. Sie wollen nicht Gott selbst ihren Glauben verweigern, sondern zweifeln vielmehr daran, daß diese oder jene Lehre, die von der Kirche als zu glauben vorgelegt wird, tatsächlich von Gott stammt und nicht vielmehr in päpstlicher Vermessenheit und Machtbesessenheit, in kirchenpolitischen Interessen oder ganz einfach in zeitgebundenen, zum Dogma erhobenen Vorstellungen ihren Ursprung hat. Auch dann, wenn dieser Zweifel mit lauterer Absicht erhoben wird, ist er doch zumindest ein Kennzeichen dafür, daß die kirchliche Dimension des Glaubens fehlt, die Überzeugung nämlich, daß Gott selbst durch seine Kirche spricht. Katholisch ist eine solche Glaubenshaltung daher nicht mehr zu nennen.

Der eine Glaube ist also wesentliches Einheitsprinzip der Kirche. Das nicht nur insofern, als er Information über Wirklichkeiten bietet, die der Mensch mit natürlichem Verstand nicht zu erkennen vermag. Vielmehr wohnt dem Glauben auch eine einigende Kraft inne, die alle diejenigen, die ihn empfangen haben, in einer Weise verbindet, wie es sonst keine andere gemeinsame Überzeugung vermag. Die im vollen Sinne Glaubenden empfangen ja Anteil an der göttlichen Erkenntnis und Wahrheit selbst. Ihre geistigen Vermögen sind verwandelt und einander verähnlicht durch ein Licht, das alle menschlichen Vermögen übersteigt.

Es ist ein echtes Glück, sich in solcher Weise mit anderen in dem einen Glauben geeint zu wissen. Und zugleich empfinden es diejenigen, die bewußt in ihm leben, als eine schmerzliche Trennung, wenn einer nahestehenden Person  vielleicht dem Ehegatten oder einem guten Freund  diese höhere, durch Gottes Offenbarung eröffnete Welt verschlossen bleibt. Der aufrichtige Wunsch kann dann gar kein anderer sein, als daß auch der andere Mensch in sie hineinfinde.

Dem nun stehen die Umtriebe eines falschen Ökumenismus entgegen, die wir in der Gegenwart beobachten. Sie sind Gegenstand unserer

 

6. These: Der falsche Ökumenismus sucht Einheit auf Kosten von Wahrheit und außerhalb der von Gott gestifteten Ökumene, der katholischen Kirche.

Vor etwa sieben Jahren lud mich ein Pfarrer im Bodenseeraum zu einem Podiumsgespräch ein, das den Abschluß eines von ihm veranstalteten „Kleinen Kirchentages“ bildete. Als Diskussionsthema war das Kirchenverständnis genannt worden. Wie ich schon vorher erfuhr, sollten die Gesprächsteilnehmer ein Bild der christlichen Vielfalt bieten. So war es denn auch: An dem langen Tisch, dessen Platz am rechten Rand mir zugewiesen wurde, befanden sich außerdem ein Benediktinermönch, eine Vertreterin des Kirchenvolksbegehrens, ein altkatholischer Priester, der vor vielen Jahren wegen einer Frau seine Stelle als katholischer Gemeindepfarrer verlassen hatte, und eine evangelische Pastorin; die Gesprächsleitung oblag einem Hochschullehrer, der als engagierter Katholik eingeführt wurde.

Schon in den ersten Minuten bemerkte ich, daß ich mich auf einsamem Posten befand. Der Benediktiner enttäuschte nicht wenig. Als ihm, dem Mitglied eines altehrwürdigen Ordens, zuerst das Wort erteilt wurde, damit er sein Kirchenverständnis beschreibe, ging er sogleich auf die Brennpunkte von Kirche heute ein. Er tat es mit benediktinischer Maßhaltung, aber deutlich. Vorrangige Aufgabe sei jetzt die Integration von Randgruppen. Als solche nannte er namentlich die noch immer zurückgesetzten Frauen und die homosexuellen Paare. Mit keinem einzigen Wort erwähnte er etwa den Glauben als tragendes Fundament und Einheitsprinzip kirchlichen Lebens.

Sein erster Beitrag sollte sein letzter bleiben. Das Publikum, offensichtlich mit solchen Auskünften schon mehr als genug versorgt, war vielmehr daran interessiert, die Extrempositionen kennenzulernen und miteinander zu konfrontieren. Daher richteten sich die Fragen zumeist an die Dame vom Kirchenvolksbegehren und an meine Person. Mir fiel auf, daß der Gesprächsleiter, sehr beflissen, die trotz aller bunten Vielfalt bestehende Einheit aller Christen hervorzuheben, jeweils unruhig wurde und den Diskussionsverlauf in eine andere Richtung lenkte, sobald es um konkrete Lehrunterschiede zwischen den Bekenntnissen ging.

Als eine Frau mir die Frage stellte, ob es denn überhaupt noch Trennendes zwischen Katholiken und Protestanten gebe, übernahm der Hochschullehrer kurzerhand selbst die Beantwortung. Man sei sich inzwischen sehr nahe gekommen. Gewiß stünden noch geringfügige Unterschiede zwischen uns, so vor allem im Amtsverständnis, aber... In dieser Form wollte ich mir die Antwort auf die Frage nicht abnehmen lassen und wandte rasch ein, dem könne ich nicht zustimmen; es seien im Gegenteil Abweichungen in allen wichtigen Bereichen der Lehre vorhanden, weshalb der Protestantismus als solcher mit dem katholischen Glauben völlig unvereinbar sei. Der Diskussionsleiter wußte nur noch einen Ausweg: Sichtlich verstört wies er auf die vorgerückte Stunde hin, die es ratsam erscheinen lasse, das Gespräch jetzt abzubrechen. Sein versöhnliches Resümee wirkte wie ein Schlußakkord in strahlendem Dur, der einer komplizierten, spannungsreichen Komposition des 20. Jahrhunderts angeklebt wird.

Ein Bild des gegenwärtigen Ökumenismus, der sich in der Zelebration einer Einheit gefällt, die so nicht besteht. Der unvergessene Mgr. Prof. Dr. Johannes Bökmann brachte die Situation einmal mit der ihm eigenen Präzision auf den Punkt, als er mir in einem kurzen Gespräch am Rand einer Una-Voce-Tagung mit auf den Weg gab: Diese sogenannte Einheit beruht in Wirklichkeit auf einer bewußt hingenommenen Uneinigkeit in Glaubensfragen.

Selbstverständlich kann man sich immer auf das Niveau eines kleinsten gemeinsamen Nenners begeben. Zwischen den Vertretern aller nur denkbaren Richtungen kann man Gemeinsamkeiten finden. Auch zwischen Christentum und Nationalsozialismus haben anpassungsfähige Vertreter der Theologie ja zur passenden Stunde recht schnell Verbindendes ausgemacht, das als Fundament der Zusammenarbeit dienen sollte. Doch inzwischen müßte auch dem Letzten klar geworden sein, daß damals diejenigen einen besseren Dienst leisteten, die auf die unvereinbaren Unterschiede hinwiesen.

Das gilt (in freilich anderer Weise) auch vom Verhältnis des katholischen Glaubens zu den anderen christlichen Konfessionen. Sie sind gewiß keine menschenverachtenden, verbrecherischen Systeme. Wer aber die katholische Kirche als die eine von unserem Herrn und Meister gegründete erkannt hat, und wem daran gelegen ist, daß möglichst viele zur heilbringenden Erkenntnis der Wahrheit und zu einem Leben im Geheimnisvollen Leib Jesus Chrsiti gelangen, der kann einfach nicht darüber hinwegsehen und hinweggehen, daß sich die getrennten Christen auch dann, wenn sie es noch so gut meinen und uns möglicherweise durch ihr vorbildliches Leben geradezu beschämen, objektiv auf Irrwegen befinden.

Im Jahr 1949 sah sich das Heilige Offizium, Vorläufer der heutigen Glaubenskongregation, zu einer Instruktion über die Ökumenische Bewegung genötigt. Damals zeigten sich bereits die ersten Anzeichen eines falschen Ökumenismus. Dessen Vorläufer äußerten Auffassungen über die zu erstrebende Einheit, die von der Kirchenleitung so nicht hingenommen werden konnten. Deshalb rief die Instruktion folgende Grundsätze eines rechtverstandenen Ökumenismus ins Gedächtnis:

-Die katholische Kirche besitzt Christus in seiner Fülle und kann darin durch die anderen Konfessionen nicht vervollkommnet werden.

-Die Vereinigung ist nicht durch eine fortschreitende Angleichung der verschiedenen Glaubensbekenntnisse noch durch eine Anpassung der katholischen Lehre an eine andere zu betreiben.

-Die allein wahrheitsgemäße Einheit kann nur durch die Rückkehr („per reditum“) der getrennten Brüder zur wahren Kirche Gottes hergestellt werden.

-Die Getrennten, die sich mit der katholischen Kirche wiedervereinigen, verlieren nichts von der wahren Substanz ihres Bekenntnisses, vielmehr finden sie diese in einem vollen und vollendeten („completum atque absolutum“) Ausmaß unversehrt wieder.

So streng diese Grundsätze einerseits wirken, so offen zeigen sie sich doch für alle Bestrebungen, die im rechten Sinne der Einheit unter den Christen dienen wollen. Geradezu mild klingt der letzte Punkt, der daran erinnert, daß die Getrennten, wenn sie in die Kirche zurückkehren, nichts verlieren, sondern im Gegenteil in die Fülle eintreten, von der sie bisher nur einen Teil kannten.

Daraus wird deutlich, was nun zu behandeln ist als

 

7. These: Es gibt einen rechtverstandenen Ökumenismus, der aus lebendigem Glauben und dem Eifer für das Heil der Seelen hervorgeht.

Der glaubenstreue Katholik, der davon überzeugt ist, daß er unverdienterweise die Gnade des wahren Glaubens empfangen hat und in den Mystischen Leib Christi eingefügt wurde, kann nicht dabei stehenbleiben, den Unternehmungen des Ökumenismus um jeden Preis eine Absage zu erteilen. Über der großen Gabe, die ihm zuteil wurde, wird er nicht die damit verbundene Aufgabe vergessen, die sich im Wort des Herrn andeutet: „Noch andere Schafe habe ich, die nicht aus diesem Gehege sind; auch diese muß ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören, und es wird eine Herde sein und ein Hirt.“ (Joh 10,16)

Wie es grundfalsch ist, eine Ökumene der Christen außerhalb der von Gott schon vorgegebenen Ökumene der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche konstruieren zu wollen, so ist es ebenfalls verfehlt, das Anliegen einer Vereinigung mit den Getrennten aufzugeben. Das hieße letztlich sich von Gott abwenden, der ja nach Aussage des heiligen Paulus will, „daß alle Menschen gerettet werden und - so lautet der gern unterschlagene Schluß des Satzes: - zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4), und der sich dazu auch unser als Mittel bedienen will.

Das erste und wichtigste, was wir in diesem Anliegen tun können, ist das Gebet um die Einheit der Christen. In der kirchliche Liturgie hat dieses immer einen wichtigen Platz, insbesondere in den Großen Fürbitten am Karfreitag. Zu der Stunde, in der Jesus sein Leben für alle hingegeben und sein Blut als Lösepreis für ihre Erlösung vergossen hat, betete die Kirche in der überlieferten Liturgie mit den sehr deutlichen Worten für die nichtkatholischen Christen: „Lasset uns auch beten für die Irrgläubigen und Schismatiker: unser Gott und Herr möge sie allen Irrtümern entreißen und sie zur heiligen Mutter, der katholischen und apostolischen Kirche, zurückrufen. (...) Allmächtiger ewiger Gott, der du alle rettest und willst, daß niemand verlorengehe, schaue auf die Seelen, die durch teuflischen Trug verführt sind; laß die Herzen der Irrenden wieder zur Einsicht kommen, daß sie alle Verkehrtheit des Irrglaubens ablegen und zur Einheit deiner Wahrheit zurückkehren.“ Wir sind aufgerufen, uns solchem Beten vertrauensvoll anzuschließen.

Es soll hier keineswegs unerwähnt bleiben, daß wir durchaus auch mit den getrennten Christen beten können. Schon Papst Pius XII. erlaubte ausdrücklich das gemeinsame Beten des Vaterunser. Ein großer Schatz an göttlich inspirierten Gebeten und Texten der Tradition ist uns ja gemein. Und wer hätte etwas dagegen einzuwenden, wenn sich evangelische Christen unserem Lob der Gottesmutter anschließen, um dem Wort Mariens zu entsprechen: „Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter“ (Lk 1,48)?

Darüber hinaus gibt es im täglichen Leben viele Möglichkeiten, durch Vorbild, Wort und Tat der richtigverstandenen Einheit der Christen die Wege zu bereiten. Gewiß nicht in dem Umfang, wie es von den ökumenischen Großveranstaltungen der Gegenwart erstrebt, doch nie erreicht wird. Aber eine echte Einzelkonversion ist ohne Zweifel mehr wert als eine enthusiastisch gefeierte Pseudo-Ökumene der Menge, deren Glaubenssubstanz sich mehr und mehr dem Nullpunkt nähert.

Wir kommen zur letzten, der

 

8. These: Die Einheit der Katholiken ist die wichtigste Voraussetzung zur Förderung des echten Ökumenismus.

Überzeugte Katholiken des überlieferten Glaubens müssen es in unseren Tagen oft erleben, daß sie von anderen Katholiken ausgegrenzt werden. In Pfarreien, in denen die Ökumene floriert, ist für sie kein Platz. Sie stören, geben Anstoß. Priester, die treu den ganzen Glauben verkünden und eine würdige Liturgie feiern wollen, passen nicht ins gegenwärtige Pastoralkonzept und landen auf Abstellgleisen, müssen nicht selten sogar die Demütigung einer psychologischen Untersuchung über sich ergehen lassen.

Nicht selten ist in solchem Kontext die Frage nach der innerkirchlichen Ökumene gestellt worden: Wenn man die Einheit mit evangelischen Christen aller Couleur (die entschiedenen Evangelikalen einmal ausgenommen), darüber hinaus auch mit den Vertretern anderer Religionen betont, wie ist es dann möglich, daß man mit Anhängern des eigenen Glaubens derart umgeht? Sollte der Ökumenismus nicht gegenüber den Andersgläubigen im eigenen Haus beginnen?

Dazu ist zu sagen, daß es ja strenggenommen im eigenen Haus der Kirche keine Andersgläubigen geben kann. Verschiedene Positionen in Fragen, die nicht zur Substanz des Glaubens gehören, sind möglich. Wo es aber um das geoffenbarte Glaubensgut selbst geht, ist man entweder Katholik  oder man ist es nicht. Es entsteht der Eindruck, daß sich in der rabiaten Ablehnung, mit der glaubenstreuen und eifrigen Katholiken zuweilen von solchen ansonsten ökumenisch ausgerichteten Mitchristen begegnet wird, das Widerstreben gegen den Stachel des Gewissens äußert; jenes Stachels, der an die unangenehme Tatsache des echten katholischen Glaubens und seiner Konsequenzen erinnern will.

Ein Ökumenismus gegenüber Andersgläubigen im eigenen Haus kann also nicht verlangt sein, wohl aber das Bemühen um möglichst tiefe und umfassende Einheit der Katholiken im Glauben und in der christlichen Liebe. Dieses kommt auch gelegentlich in den Kreisen besonders auf Glaubenstreue ausgerichteter Katholiken zu kurz. Aus der streitenden droht eine in sich zerstrittene Kirche zu werden. Den Anlaß dazu bieten der Dissens in Einzelfragen von eher untergeordneter Bedeutung, die unterschiedliche Beurteilung aktueller Vorgänge, die abweichende Bewertung von Details der liturgischen Gestaltung, das Wiederaufleben von theologischen Schulstreitigkeiten, die Zustimmung oder Ablehnung gegenüber Wundern und Erscheinungen usw.

Solche Uneinigkeit führt nicht nur zu vielem Unerfreulichem, zu Spaltungen in Gruppen, Grüppchen und immer noch kleinere Segmente sowie zu oft erbitterten persönlichen Feindschaften. Sie bewirkt auch einen Attraktivitätsschwund der katholischen Kirche  und innerhalb ihrer der glaubensbewahrenden Richtung - für Außenstehende. Die Umkehrung des berühmten „Seht, wie sie einander lieben“ in sein Gegenteil dürfte noch nie die Konversionswilligkeit von Nichtkatholiken gefördert haben. Kraftvolle, von Liebe beseelte Einigkeit im Wesentlichen jedoch schenkt der Kirche eine Ausstrahlung, die selbst ihre entschiedenen Gegner oftmals bezeugt haben.

Deshalb läßt die Kirche in der Votivmesse für die Einheit der Kirche die wichtige Ermahnung des Apostels Paulus verlesen: „Brüder! Ich bitte euch, wandelt würdig der Berufung, die euch zuteil geworden, in aller Demut und Sanftmut. Seid geduldig, und ertraget einander in Liebe; seid eifrig bestrebt, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens: ein Leib, ein Geist, wie ihr ja auch in eurer Berufung zu einer Hoffnung berufen seid; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alles und in uns allen.“ (Eph 4,1ff.)

Und in der Gründonnerstagsliturgie, in der wir erst vor zwei Wochen die Einsetzung des Opfers Jesu Christi, des Sakramentes seiner Gegenwart und auch der tiefsten Einheit in seinem Leib vergegenwärtigt haben, erklingt während der Fußwaschung der berühmte Gesang „Ubi caritas et amor, Deus ibi est“ (Wo Eintracht und Liebe, da ist Gott), der nicht eine gefühlsduselige Atmosphäre der Mitmenschlichkeit verbreiten will, sondern das ausspricht, was gerade für uns in dieser Zeit des falschen Ökumenismus auf der einen, der heillosen Zersplitterung auf der anderen Seite so unbedingt notwendig ist:

„Simul ergo cum in unum congregamur:

Ne nos mente dividamur, caveamus.

Cessent iurgia maligna, cessent lites,

Et in medio nostri sit Christus Deus:

 

Da wir nun alle in eins versammelt sind,

hüten wir uns, getrennt zu werden im Geiste! Es fliehe der Streit, böser Hader möge entweichen,

Und in unserer Mitte wohne Christus, der Herr!“

 

 

Was sonst als dies wäre denn das Ziel jedes echten Ökumenismus: die oikuméne, in deren Mitte der Herr selbst wohnt?

 

1 Katholischer Katechismus der Bistümer Deutschlands (1956), Nr. 58: Die eine wahre Kirche, S. 105f.

2  Vgl. Dietrich von Hildebrand, Der verwüstete Weinberg, Regensburg 21973, 100ff.

3  Titel einer Schrift von Friedrich-Wilhelm Schilling von Canstatt, St. Ottilien 1988 (mit Vorwort von Leo Scheffczyk)

4 Georg May, in: UVK 5/1975

5 Heinz-Lothar Barth, Stuttgart 21999

6  Zu den Bedeutungen von „Ökumene“ vgl. Aloys Klein, Art. „Ökumene“, in: LThK3, Bd. 7, Freiburg u.a. 1998, (1017-1024) 1017

7 Zitate nach der deutschen Übertragung von Anton Rohrbasser (Hg.), Heilslehre der Kirche. Dokumente von Pius IX. bis Pius XII., Freiburg (Schweiz) 1953, S.399 (Nr. 672), S. 402 (Nr. 677) und S. 409 (Nr. 686)

8 Gebet- und Gesangbuch für das Erzbistum Köln, Köln 1949, Nr. 312

9 CIC 1983, can. 1365: Reus vetitae communicationis in sacris iusta poena puniatur. (Wer sich verbotener Gottesdienstgemeinschaft schuldig macht, soll mit einer gerechten Strafe belegt werden.)

10 Instructio de motione oecumenica vom 20. Dezember 1949, (AAS, 31. Januar 1950)

 

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Von "De labore solis"  zu "Gloria olivae"

Das Resultat des Konklaves - ein Wunder, an das zu glauben man fast nicht mehr wagte. 

 

Die Welt, die Gefahr lief, sich in der Horizontalen zu verlieren, hat mit der Wahl Kardinal Joseph RATZINGERS und dem daraus resultierenden Pontifikat von Papst BENEDIKT XVI. nun endlich den vertikalen Einschnitt erfahren, der nicht nur die Welt der Katholiken entscheidend bewegen und verändern wird. Man kann hier (wie bei wenigen weltlichen Lenkern und Impulsgebern der Weltgeschichte) von einer göttlichen Vorsehung ausgehen, denn das Notwendige hat sich hier vollzogen. Der Beste wurde erkoren, und abgeschieden von der Welt und ihrer horizontalen Einflußnahme in einer Weise gewählt, die jeden niederen Beweggrund ausschließt, sowohl aus den Köpfen der entscheidenden stimmberechtigten Kardinäle, als auch aus dem inneren der sixtinischen Kapelle. Einmal seit Ewigkeiten ward dem Horizont keine Stimme gegeben, sich durchzusetzen, einmal blieb das Propagandagebrüll der kritischen Stimmen und Unkenrufe außen vor. 

Die Wahl BENEDIKT des XVI. ist ein mehrfaches Wunder, und die Bewegung, die jetzt ihren Lauf nimmt, ist nicht zu hemmen. Die tiefste GEISTIGE Mitternacht der Menschheitsgeschichte ging einher mit der ungeistigen Waffengewalt so vieler Erniedrigungsmechanismen, die auf alles abzielte, was einmal hoch stand und unverrückbare Standpunkte zu verteidigen hatte. Im Kontext dieser Erniedrigung hätte ein weltlicher Rat keinem Deutschen je das höchste kirchliche Amt zugestanden, weil aus weltlicher Sicht unsere Schuld und Selbstgeißelung kein Ende haben soll.  In Bezug auf die laut gewordenen Hoffnungen war soviel ausgegoren verweltlicht-christliche Dummheit im Gequatsche der kritischen Katholiken zu hören, daß man sich fragen mußte, was diese denn überhaupt noch im Katholizismus suchen, und warum sie nicht lieber zu Greenpeace und Amnesty International wechseln. Beten solche Leute überhaupt noch die ALLMACHT in GOTT an? Oder gehören sie der Kategorie jener an, die mit Gott eher kumpelhaften Umgang pflegen im täglichen Selbstgespräch, das sie dann Zwiesprache nennen und nach Unglücksfällen laut: WO WAR GOTT? rufen. 

 

Was die von der Papstwahl "schockierten" Katholiken betrifft

muß die Frage erörtert werden, ob ihrer Schockiertheit nicht auch eine Portion Unglaube, wenigstens aber doch eine fette Portion Kleingläubigkeit zugrunde liegt. Da redet so ein Jugendlicher in die Kamera und faselt etwas von der dringenden Notwendigkeit eines fortschrittlichen Papstes, der endlich die erforderlichen Neuerungen einzuläuten hätte, derer die Kirche so dringend bedarf. Was er und die seines Geistes aber meinen, ist eben kein Papst, sondern ein Showmaster - eine kirchliche Variante von Thomas Gottschalk.  Motivierend, unterhaltsam, gläubig, aber weltlich. Wenn die von Weltoffenheit reden, meinen die unterm Strich nichts anderes, als die totale Weltlichkeit. Es genügt ihnen nicht, daß Gott in seinem Sohne Mensch geworden ist (worauf ja alles sich gründet) - sie wollen Gott Welt werden lassen, Glaube, Kirche, Liturgie verweltlicht sehen. Aber diese Welt mit ihren lockeren Weltlichkeiten hat ihren eigenen Stadthalter, und dessen Prinzip ist, seiner teuflischen Eigenart nach, mehr weltlicher als höllischer Natur. Und darum darf und muß die Kirche der Welt Einhalt gebieten - bis hierher und nicht weiter. Das zweite Vatikanische Konzil war ein weltlicher Einbruch ins Kirchenschiff, aber es gibt Grenzen. Und sowohl dieser weltliche Einbruch als auch die Verheißung, daß die Pforten der Hölle sie (die Kirche) nicht überkommen werden, sind Gesetz. Kirche, Welt und Hölle befinden sich von Anbeginn an auf Tuchfühlung und haben sich oft genug horizontal überschnitten, und zwar nicht nur im offensichtlichen Brennpunkt der Inquisition. Was die Kirche von nun an entbehren kann, darf und muß, das sind die eingangs  erwähnten Menschen "guten Willens", die besser in die Partei der Grünen passen, als in den stilvollen Rahmen einer Kirche, in welcher der Glaube künftig Berge versetzt. Eine Jugend aber, die vom Hardcore- Punk über die abschäumigste MTV- Hirnwäsche bis zum jüngsten Hiphop-Massaker alles an Weltlichkeit erlebt und erfahren hat, wird im erforderlichen Ausmaß, nicht durch die Weltoffenheit und Modernität einer Kirche gewonnen und überzeugt, durch überhaupt gar nichts, was ihr den Eindruck erweckt, im Strom der Zeitgeistigkeit irgendwo mitzuschwimmen. Nur als BASTION wird die Kirche auf ihren festen Standpunkten verharrend im Sturm der Zeit bestehen können und denen ein Licht sein, die nach ausgiebiger Irrfahrt als die verlorenen Söhne nach Hause finden. Was soll noch kommen, nach dem härtesten Hardcore, dem speedigsten Metal, den tiefsten Abstürzen, den verrücktesten Übertreibungen unserer Gegenwart, und wie sollte eine Kirche in solchem Tenor mitschwingen können. 

 

Jeder Versuch der Kirche, sich modern zu zeigen, war ein Akt der Lächerlichkeit. Die unseligen Gottesdienste der 70er Jahre, die in Rock- Band- Besetzung über die Bühne um den Altar herum gingen, waren trotz Rock'n'Roll- Equipment keine Ausgeburten der Hölle, sondern Totgeburten der Lächerlichkeit, nicht den Ansatz echter Religiosität fördernd. Hingegen konnte eine Fuge von BACH, über die dörfliche Kirchenorgel kommend, einem unglaublich religiöse Resonanzen erzeugen. Was BACH vom Rock unterscheidet - Johann Sebastian Bachs Musik ist göttlich, vertikal. Rockmusik ist weltlich, horizontal.  Alles im entsprechenden Rahmen!

Papst BENEDIKT XVI. ist kein Zeichen der Zeit, er ist ein Fingerzeig Gottes. Der vielleicht weiseste Mann, der je auf dem Stuhle Petri zu sitzen kam. Niemand, der durch Showeffekte zu bestechen versucht, kein Moderator, sondern eine kompetente Autorität, ein mit reichlich Feinheiten und höchst herzlicher Intelligenz gesegneter Gottesmann. Der verheißende Hirte zur finstersten und spannendsten Stunde. Jetzt mag kommen was will. Man muß ihn einmal reden und argumentieren hören, oder einmal in sein jüngstes Buch gelesen haben, um zu erkennen, wie sehr dieser geistliche Herrscher auch den weltlichen Autoritäten geistig weit überlegen ist. In gewisser Weise könnte man sagen, ist, während BENEDIKT XVI. den vatikanischen Thron bestiegen hat, Joseph RATZINGER geheimes weltliches Oberhaupt Deutschlands geworden. Man darf davon ausgehen, daß so, wie JOHANNES PAUL der II. die Politik Polens einmal maßgeblich beeinflußte, das Wort des neuen Pontifex in deutschen Angelegenheiten wesentlich mehr wiegt, als die Reden von SCHRÖDER und KÖHLER zusammen.

 

 

WIE GEHT ES WEITER, WO GEHT ES LANG?

 

Was nach dem Sturme geschieht...

Zunächst einmal setzt der Exodus der "Schockierten" aus der katholischen Kirche ein - am besten massenweise. Zeitgleich beginnt eine Annäherung vieler berufener Außenseiter und ehemaliger Outlaws an die katholische Kirche - Leute mit Grenzerfahrungen an den Weltenden der Modernität und des Relativismus, mit Erfahrungswerten bis zum Erbrechen. Das werden junge Leute mit Strahlkraft sein - keine seichten Liberalen. Und was diese Leute in der Kirche zu finden hoffen, hat nichts mit Liberalität, nichts mit Auflockerung und Laienpriestertum oder Fragen zur Homosexuellen-Ehe zu tun. Überhaupt geht es den aufgebrachten Marktschreiern des Progressismus bei den Fragen der Homosexualität und anderer kritischer Themen gar nie um ein religiöses Prinzip, sondern einzig und allein um Verweltlichung, um Einbruch in die letzte Bastion. Wenn diese Leute Einzug halten, wird Verwüstung zum Programm. Das II. Vatikanische Konzil war ihnen nicht genug - sie streben nach der totalen Verwüstung. Man muß sie nicht brutal vor den Kopf stoßen, man muß einfach nur auf keine ihrer dummen Fragen mehr eingehen. Das Problem der Laienpriesterschaft löst sich dann von selbst, wenn sich wieder echte Seelsorger und Charismaten zum Priestertum berufen fühlen:  Mystiker - keine Sozialpädagogen; Autoritäten - keine Diskussionsleiter; Persönlichkeiten statt Neurotiker. Zu viele Priester der jüngeren Kirchengeschichte gerieten nicht auf dem Wege der Unbedingtheit oder einer inneren Berufung in ihr Amt. Welche Leuchtkapazitäten sollen solche Zweifler denen gegenüber entwickeln, die nach Orientierung suchen. Man muß aufhören, die Frage nach dem Zölibat immer nur von unten her erörtern zu wollen. Der eheliche Verzicht und das Zölibat werfen einem christlichen Mystiker absolut keine Fragen auf. Man betrachte in solchen Zusammenhängen einmal das sexualfreie Leben hinduistischer Brahmanen, und ziehe auch einmal die Lehren der Sexualmagie zu Rate, in welchen offenbar wird, daß sexuelles Potential in geistige Energie transformiert werden kann. Der katholische Priester, der sich in mystischer Weise mit der Kirche vermählt sieht, vermag es, sein leidenschaftliches Potential in geistiges Feuer zu wandeln. Die mystische Ehe, die er willentlich und mit ganzem Herzen eingegangen ist, wirft ihm keine Fragen nach den Nöten des Zölibats und der Ehelosigkeit auf. Die Kirchengemeinde, der er als Vaterfigur vorsteht, bedarf dieses familiären Schutzes. Und darum ist ein evangelischer Pfarrer mit Frau und Kindern im Vergleich zum katholischen Würdenträger immer ein weltlicher Moderator. Die Doppelehe, die er führt, macht ihn der Gemeinde gleich. Und er selber versteht sich mehr als Vorsteher, denn als Autorität. Die Problematik des Priestermangels in der katholischen Kirche löst sich ganz einfach mit dem Ende aller weltlichen Experimente, mit dem Ende der Diskussionen um Standpunkte, zu welchen es nichts zu diskutieren gibt. Nur als Bastion, als Bollwerk wird die Kirche Bestand haben können. Wenn überall relativiert und geredet werden darf, wenn überall Meinungen und Diskussionen gefragt sind, muß ein Schiff aus dem Hafen hervorragen, von dem man allgemein weiß, daß es einen festen Kurs verfolgt. Unwetter drohen, alle Bindungen reißen, und ich betrachte die katholische Kirche gar nicht einmal in Hinblick auf ihren ewigen Bestand, sondern in dieser Form nur noch als die rettende Arche im Sturm der Zeit und ihrer Geschehnisse. Über Veränderungen muß weder heute noch später geredet werden, sie werden sich von selber ergeben, im Paradigmawechsel, der seine Schatten vorauswirft. Papst BENEDIKT der XVI. ist DER Hirte und Steuermann, der sein Schiff durch die aufziehenden Stürme lenkt - was nach dem Sturme geschieht, steht auf einem völlig anderen Blatt zu einem gänzlich neuen Kapitel Menschheitsgeschichte.


Die Prophetie des heiligen Malachias. Sonnenfinsternis...

Laut dem 1595 erschienenen Buche des Benediktiners Arnold de WION: "LIGNUM VITAE" (Holz des Lebens), in welchem nach prophetischer Sicht des heiligen Malachias die Päpste bis in unsere Zeit hinein mit charakteristischen lateinischen Symbolbegriffen verzeichnet sind, wird der letzte Papst in Folge der prophetischen Sichtweise mit "GLORIA OLIVAE" gekennzeichnet (Ruhm des Ölbaums). Der in der Reihenfolge des Propheten geschaute vorletzte, gerade verstorbene Papst (JOHANNES PAUL II.) wird mit "DE LABORE SOLIS" benannt (Von der Bedrängnis der Sonne, der Mühe der Sonne - Synonym für eine Sonnenfinsternis). Nun verhält es sich ja tatsächlich so, dass der Pole KAROL WOJTYLA exakt am Tage einer Sonnenfinsternis geboren wurde (18. Mai 1920).  Zur weiteren Unterstreichung des lateinischen Sinnspruchs stellen wir fest,  dass exakt am Tage der Beisetzung von Papst Johannes Paul II. wiederum eine Sonnenfinsternis verzeichnet wurde (8.April 2005, ringförmig - totale Sonnenfinsternis - Dauer der Totalität: 47 Sekunden, totale Phase über dem Pazifik).

 

 

Der wiederum vor diesem amtierende Papst JOHANNES PAUL I., der am 3.9.1978 inthronisiert wurde und am 29.9.1978 plötzlich verstarb, bekam in der Vorausschau des Sehers den Namen "DE MEDIETATE LUNAE" (Von der Hälfte des Mondes, vom halben Mond) zugeschrieben. Dazu darf bemerkt werden, daß es Halbmond war, als dieser gewählt wurde, und wiederum Halbmond, als er am 29.9.1978 verstarb. 

Freilich lassen die lateinischen Sinnsprüche in vielen Fällen reichlich Raum zur freien Interpretation, aber selbst im Falle des Vorgängers von JOHANNES PAUL I., Papst PAUL VI., der mit "FLOS FLORUM" (Blume der Blumen) bezeichnet wurde, wirkt die Bezeichnung stimmig, wenn man berücksichtigt, daß die LILIE sein Wappen-Zeichen war. Interessant ist aber auch, daß die Reihe der über hundert lateinischen Symbolnamen mit eben "GLORIA OLIVAE" endet. Mehr konnte oder wollte der Seher nicht sehen und notieren. Ob dies mit einem kommenden Paradigmawechsel (Umdeutung der Dogmen) zu tun hat oder mit so tief greifenden Ereignissen (Polsprung, Katastrophen, Drittes Weltgeschehen etc.), daß sowohl das Papsttum und jegliche Regierungsform erst mal vom Tisch sind, oder eben von da an ein ganz neues Kapitel Menschheitsgeschichte geschrieben wird, wer weiß...


 

Die PROPHEZEIUNG DES BLÜHENDEN MANDELBAUMES

 

Eine andere Prophetie in solchen Zusammenhängen stellt die "PROPHEZEIUNG DES BLÜHENDEN MANDELBAUMES" dar, welche einem polnischen Benediktinermönch Mitte des 19. Jahrhunderts zugeschrieben wird. Dieser notierte nach seiner Sicht und Eingebung zu den Jahreszahlen bis 2000 jeweils bezeichnende Stichworte. Beispiel: 1945 - "Tod des hakengekreuzten Löwen", womit klar ersichtlich sein dürfte, daß der Tod Adolf Hitlers gemeint ist. Oder 1953 - "Tod des Drachen", das Jahr, in welchem Stalin sich aus dem Erdkreis verabschiedete. 1985 wurde mit "STIMME DES ANTICHRIST" versehen, was Raum zu Spekulationen läßt. Die letzte Eintragung des Benediktiners bezeichnet das Jahr 2000 mit "TRIUMPH DES ÖLBAUMES", womit wir natürlich in Bezug geraten zur Malachias-Prophetie und dem "RUHM DES ÖLBAUMES". Was beiden Prophetien gemeinsam ist - es sind die letzten in der jeweiligen Folge und haben den ÖLBAUM in rühmlich triumphierender Weise zum Symbol. Den Zeitangaben sollten wir allgemein keine allzu große Bedeutung beimessen - diese sind in Bezug auf Prophetien immer etwas beweglich und nicht wirklich wesentlich. Beachtenswert finde ich den Benediktiner- Schwerpunkt: Zwei prophetische Benediktiner und ein Papst Namens BENEDIKT.

 

Der gemeinsame Nenner

Wenn wir die verschiedensten im Umlauf befindlichen Prophetien in Bezug auf das Papsttum in der (W)ENDZEIT und ein Drittes Weltgeschehen (Katastrophen, Kriege, Polverschiebung) Revue passieren lassen, dann ergibt das unterm Strich aller Stimmen und Gesichter schon einen Tenor, der es immer mal wieder verdient, mit der Stimmung, die so in der Luft liegt, verglichen zu werden. 

Daß jegliche herrschende politische Systematik mit ihrem Latein am Ende ist, wird alltäglich mehr denn je offenbar. Warum nicht die Möglichkeit in Betracht ziehen, daß uns ein plötzlicher Strich durch die horizontale Denkweise gezogen wird, im Rahmen eines göttlichen Plans - konsequent hart, aber heilsam, hübsch von oben nach unten. Ein Einschnitt, wie er ins apokalyptische Ende eines Kapitels paßt, das nicht mehr weiter laufen will. Wer die mannigfaltigen Prophetien, Gesichter, Visionen und Voraussagen unsere Zeit betreffend einmal eingehend studiert hat, und auch dort den Irrsinn, das Wunschdenken, den Phantasiereichtum und die Spekulationen vom harten Kern der Botschaften für sich zu trennen vermochte, der ahnt, daß etwas dran sein könnte. Die Tatsache, daß uns täglich Buntfernseher, fließend warmes Wasser und reichlich Portale zu prall gefüllten Einkaufsläden offen stehen, muß uns nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Krieg, den wir im Fernsehen zwischen den Mahlzeiten und Zeitvertreib an uns vorbeifließen lassen, real ist. Wessen Friedensbekundung ist heute noch echt? Ist die Sicherheit, von der unsere Politiker reden, wirklich unsere, oder ihre eigene Macht-Sicherheit?

 

ANDERE SEHER DIESER ZEITEN

 

Davon abgesehen ist immer wieder auch vom offenbaren Einsatz chemischer Kampfstoffe in einer Art dritten, kurzen aber heftigen Weltkrieg die Rede und vom silberhaarigen Papst, der aus Rom an den Rhein flüchtet.  Sehr häufig wurde in recht übereinstimmender Weise vorausgesagt, daß ein geflohener Papst in Köln oder Aachen einen neuen Kaiser krönen würde, den oft und gerne prophezeiten "ALLEINHERRSCHER", unter dessen Herrschaft die Ordnung wieder hergestellt würde. Welche Ordnung??? Die Ordnung, die nicht erst seit heute außer Kraft gesetzt und getreten scheint. 

 

 

Der bayrische Seher Alois IRLMAIER (verstorben 1959) 

schreibt: "Um Köln entbrennt die letze Schlacht. Nach dem Sieg wird ein Kaiser vom fliehenden Papst gekrönt, und dann kommt Friede (...) auch die uralte Krone im Süden kommt wieder zu Ehren." Das mag für echte Demokraten schlimmer erscheinen, als ein drohender Krieg, wenn von Kaiserkrönung und neuem Reich die Rede ist, aber so gestrig, wie es sich manche Nostaligisten wünschen oder die Progressiven befürchten, muß das alles ja nicht werden. Das wird sich gegebenenfalls in einem Rahmen ereignen, der schon auch seine Lehren aus der Vergangenheit gezogen hat. 

Führen wir ein eindeutig verständliches Zitat IRLMAIERS an, um seine Sichtweise glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Für die Zeit nach der Katastrophe schreibt er bereits 1947: "Die Gesetze, die den Kindern den Tod bringen (legalisierte Abtreibung), werden ungültig nach der Abräumung." (Abräumen - ein oft gebrauchter Begriff IRLMAIERS in Bezug auf die bevorstehenden Katastrophen.) Trotz vielerlei verblüffend treffsicherer Aussagen, die von Sehern über die Jahrhunderte hindurch auf unsere Zeit hin getätigt wurden, mag man seine Hand für keine Weltkriegskatastrophe ins Feuer legen, schon darum nicht, weil man sich solch ein Ausmaß absolut nicht wünschte. Es liegt im Bereich der Möglichkeiten, daß es so kommen könnte. Vielleicht genügt es einfach nur, wachsam zu sein und wesentlich zu bleiben, in relativer Gelassenheit sich die Dinge entwickeln lassen und gar nicht zu viele Zeichen deuten zu wollen, um klar zu sehen, von wo sich ein wirklicher Schatten voraus wirft, um dann entsprechend reagieren zu können.

Und wenn es ein KÖNIGTUM CHRISTI gibt, dann haben alle die Knie vor IHM zu beugen. Ein Miteinander der Religionen - und das wird Papst BENEDIKT zu gegebener Zeit noch verdeutlichen - ist nur nach hierarchischer Stufung möglich. SICH UNBELIEBT MACHEN, KANN BEFREIEND SEIN.

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Der Papst antwortet auf Fragen zu konkreten Problemen unserer Zeit

Vatikan. Er sei in den seltensten Fällen unfehlbar und vor allem kein Orakel, sagt Benedikt XVI. höchstpersönlich. Aktuelle Probleme unserer Zeit trage er ebenso mit wie alle, meinte der Papst bei einer Begegnung mit dem Klerus der Diözese Aosta am 25. Juli in der Pfarrkirche von Introd. Er beantwortete Fragen zu aktuellen Problemen der Kirche und Welt von heute, die von den Priestern selbst vorschlagen wurden. Der Vatikan veröffentlichte nun die Ansprache und die Antworten des Papstes auf aktuelle Fragen in deutscher Übersetzung.

Exzellenz, liebe Brüder!

Zunächst möchte ich meine Freude und Dankbarkeit ausdrücken für die Möglichkeit, euch zu begegnen. Als Papst besteht die Gefahr, daß man der alltäglichen Lebenswirklichkeit ein bißchen fern ist, besonders den Priestern, die gerade hier im Tal an vorderster Front in vielen Pfarreien tätig sind und die derzeit – wie Seine Exzellenz sagte – aufgrund des Mangels an Berufungen auch unter Bedingungen mit besonderer physischer Belastung leben. So ist es für mich eine Gnade, in dieser schönen Kirche mit den Priestern und dem Presbyterium dieses Tals zusammenzutreffen. Ich möchte euch danken, daß ihr gekommen seid, denn auch für euch ist Urlaubszeit.

Wenn ich euch versammelt und mich mit euch vereint sehe, wenn ich also den Priestern nahe bin, die Tag für Tag als Sämänner des Wortes für den Herrn arbeiten, dann ist das für mich ein Trost und eine Freude. In der vergangenen Woche haben wir zweimal oder – mir scheint – dreimal das Gleichnis vom Sämann gehört, das ja eine tröstliche Parabel in einer anderen Situation ist, die aber in gewissem Sinn unserer Situation ähnelt.

Die Arbeit des Herrn hatte mit großem Enthusiasmus begonnen. Man sah, daß die Kranken geheilt wurden und alle mit Freude das Wort hörten: »Das Reich Gottes ist nahe.« Die Veränderung der Welt und die Ankunft des Gottesreiches schienen tatsächlich bevorzustehen, so daß sich endlich die Traurigkeit des Gottesvolkes in Freude verwandeln konnte. Man erwartete einen Boten Gottes, der das Steuerrad der Geschichte in die Hand nehmen würde. Aber dann sah man, daß die Kranken zwar geheilt, die Dämonen ausgetrieben wurden und das Evangelium verkündet wurde, aber im übrigen blieb die Welt so, wie sie war. Nichts hatte sich geändert. Die Römer waren immer noch die Herrscher. Das Alltagsleben war schwierig, trotz dieser Zeichen und dieser schönen Worte. So erlosch der Enthusiasmus, und am Ende verließen auch die Jünger, wie wir aus dem 6. Kapitel von Johannes wissen, diesen Prediger, der predigte, aber die Welt nicht veränderte.

Worin besteht diese Botschaft? Was bringt dieser Prophet Gottes?, fragten sich am Ende alle. Der Herr spricht vom Mann, der auf dem Feld der Welt Samen ausstreut. Und der Same scheint wie sein Wort, wie diese Heilungen zu sein, etwas Winziges im Vergleich zur historischen und politischen Wirklichkeit. So klein und nebensächlich wie der Same ist auch das Wort.

Dennoch, sagt er, ist die Zukunft im Samen enthalten, denn der Same trägt das Brot von morgen, das Leben von morgen in sich. Der Same scheint ganz unbedeutend zu sein, und doch ist der Same Gegenwart und Zukunft, er ist die heute schon gegenwärtige Verheißung. Und so sagt er mit diesem Gleichnis: Wir befinden uns in der Zeit der Aussaat; das Wort Gottes scheint bloßes Wort, es scheint fast nichts zu sein. Aber habt Mut, dieses Wort birgt das Leben in sich! Und es trägt Frucht! Das Gleichnis sagt auch, daß ein großer Teil des Samens keine Frucht bringt, weil er auf den Weg, auf felsigen Boden usw. gefallen ist.

Aber der Teil, der auf guten Boden gefallen ist, bringt Frucht, teils dreißigfach, teils sechzigfach, teils hundertfach. Das gibt zu verstehen, daß wir Mut haben sollen, auch wenn das Wort Gottes, das Reich Gottes, keine geschichtlich-politische Bedeutung zu haben scheint. Am Palmsonntag hat Jesus schließlich alle diese Lehren über das Samenkorn des Wortes zusammengefaßt: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein, wenn es in die Erde fällt und stirbt, bringt es viele Frucht. Und so hat er zu verstehen gegeben, daß er selbst das Samenkorn ist, das in die Erde fällt und stirbt.

Mit der Kreuzigung scheint alles gescheitert, aber gerade so, indem es in die Erde fällt und stirbt, auf dem Weg des Kreuzes, bringt es Frucht zu jeder Zeit und zu allen Zeiten. Hier haben wir sowohl die christologische Zielsetzung, nach der Christus selbst das Samenkorn, das gegenwärtige Reich ist, als auch die eucharistische Dimension: Dieses Samenkorn fällt in die Erde, und so wächst das neue Brot, das Brot des künftigen Lebens, die heilige Eucharistie, die uns nährt und die uns für die göttlichen Geheimnisse, für das neue Leben öffnet.

Mir scheint, daß es in der Geschichte der Kirche, in unterschiedlichen Formen, immer diese Fragen gibt, die uns tatsächlich plagen: Was sollen wir tun? Die Leute scheinen uns nicht zu brauchen, alles, was wir tun, scheint nutzlos. Aber wir lernen aus dem Wort des Herrn, daß nur dieser Same die Erde immer wieder verändert und sie dem wahren Leben öffnet.

Ich möchte, soweit ich kann, kurz auf die Worte Seiner Exzellenz eingehen, aber ich möchte auch sagen, daß der Papst kein Orakel und – wie wir wissen – nur in den seltensten Fällen unfehlbar ist. Ich teile nämlich mit euch diese Fragen, diese Probleme. Ich leide auch. Aber wir wollen alle zusammen einerseits diese Probleme erleiden und auch, indem wir leiden, diese Probleme umwandeln, denn gerade das Leiden ist der Weg der Verwandlung, und ohne Leiden verändert sich nichts.

Das ist auch der Sinn des Gleichnisses vom Samenkorn, das in die Erde fällt: Nur in einem durchlittenen Umwandlungsprozeß erzielt man die Frucht, und es gibt eine Lösung. Wenn die scheinbare Unwirksamkeit unserer Verkündigung kein Leiden für uns wäre, dann wäre es ein Zeichen des Mangels an Glauben, an echtem Bemühen. Wir müssen uns diese Schwierigkeiten unserer Zeit zu Herzen nehmen und verwandeln, indem wir mit Christus leiden und so uns selbst verändern. Und in dem Maß, in dem wir selbst verändert sind, können wir auch die obengenannten Fragen beantworten, können wir auch die Gegenwart des Reiches Gottes sehen und es den anderen sichtbar machen.

Der erste Punkt betrifft ein Problem, das sich in der ganzen westlichen Welt einstellt: der Mangel an Berufungen. Ich habe in den vergangenen Wochen die Bischöfe von Sri Lanka und des südlichen Afrika zum »Ad-limina«-Besuch empfangen. Dort nehmen die Berufungen zu, ja, sie sind so zahlreich, daß die Seminare nicht ausreichen, um diese jungen Männer aufzunehmen, die Priester werden wollen.

Diese Freude bringt natürlich auch eine gewisse Bitterkeit mit sich, weil ein Teil von ihnen in der Hoffnung auf einen sozialen Aufstieg kommt. Wenn sie Priester werden, dann werden sie gleichsam Stammesoberhäupter und sind damit privilegiert, sie haben eine andere Lebensform usw. Unkraut und Weizen gehen also in diesem Wachstum der Berufungen zusammen, und die Bischöfe müssen sehr sorgsam unterscheiden und dürfen sich nicht einfach darüber freuen, daß sie so viele zukünftige Priester haben, sondern sie müssen schauen, wo tatsächlich wahre Berufungen vorhanden sind, das Unkraut vom guten Weizen unterscheiden.

Dennoch besteht ein gewisser Enthusiasmus des Glaubens, weil sie sich in einer bestimmten geschichtlichen Stunde befinden, das heißt in der Stunde, in der die traditionellen Religionen offensichtlich nicht mehr ausreichen. Und man erkennt, man sieht, daß diese traditionellen Religionen eine Verheißung in sich haben, aber auf etwas warten. Sie warten auf eine neue Antwort, die reinigt und, sagen wir, in sich all das Schöne aufnimmt und sie von solchen ungenügenden und negativen Aspekten befreit. In diesem Augenblick des Übergangs, wo ihre Kultur wirklich eine neue geschichtliche Stunde anstrebt, werden das Christentum und der Islam als mögliche geschichtliche Antworten angeboten.

In diesen Ländern gibt es also in gewissem Sinn einen Frühling des Glaubens, aber natürlich im Kontext der Konkurrenz zwischen diesen beiden Antworten, vor allem auch im Kontext des Leidens aufgrund der Sekten, die sich als die bessere, leichtere, bequemere christliche Antwort darstellen. Auch in einem verheißungsvollen Moment der Geschichte, des Frühlings, ist die Arbeit dessen, der mit Christus das Wort aussäen und – sagen wir – die Kirche erbauen muß, schwierig.

Anders ist die Situation in der westlichen Welt, die ihrer eigenen Kultur überdrüssig ist, in einer Welt, die an einem Punkt angelangt ist, wo offensichtlich kein Bedarf mehr an Gott und noch weniger an Christus besteht, und in der der Mensch sich scheinbar aus sich heraus schaffen kann. In dieser Atmosphäre eines in sich verschlossenen Rationalismus, der das Modell der Wissenschaften als einziges Modell der Erkenntnis ansieht, ist alles übrige subjektiv. Natürlich wird auch das christliche Leben eine subjektive und damit willkürliche Wahl und nicht mehr der Weg des Lebens. Und deshalb wird es natürlich schwierig zu glauben; und wenn es schon schwierig ist zu glauben, ist es um so schwieriger, dem Herrn sein Leben darzubringen, um sein Diener zu sein.

Das ist bestimmt ein Leiden, das sich – ich würde sagen – in unserer geschichtlichen Stunde eingestellt hat, in der man allgemein sieht, daß die sogenannten großen Kirchen zu sterben scheinen. So ist es vor allem in Australien, auch in Europa, nicht so sehr in den Vereinigten Staaten.

Hingegen wachsen die Sekten, die sich mit der Sicherheit eines Minimums an Glauben darstellen, und der Mensch sucht Sicherheiten. Und so befinden sich die großen Kirchen, vor allem die großen traditionellen protestantischen Kirchen wirklich in einer abgrundtiefen Krise. Die Sekten bekommen die Oberhand, weil sie mit wenigen einfachen Gewißheiten auftreten und sagen: Das genügt.

Um die katholische Kirche steht es nicht so schlecht wie um die großen historischen protestantischen Kirchen, aber sie teilt natürlich das Problem unseres geschichtlichen Augenblicks. Ich denke, daß es kein System für einen raschen Wandel gibt. Wir müssen weitergehen, durch diesen Durchgang, diesen Tunnel hindurchgehen, mit Geduld und in der Gewißheit, daß Christus die Antwort ist und daß am Ende sein Licht wieder erstrahlen wird.

Die erste Antwort ist also die Geduld in der Gewißheit, daß die Welt ohne Gott nicht leben kann, ohne den Gott der Offenbarung – und nicht ohne irgendeinen Gott: Wir sehen, wie gefährlich ein grausamer Gott, kein wahrer Gott sein kann –, den Gott, der in Jesus Christus sein Angesicht gezeigt hat. Dieses Antlitz, das für uns gelitten hat, dieses Antlitz der Liebe, die die Welt verändert, so wie es das Weizenkorn tut, wenn es in die Erde fällt.

Wir selbst müssen also diese tiefe innere Gewißheit haben, daß Christus die Antwort ist und daß die Welt ohne den konkreten Gott, den Gott mit dem Antlitz Christi, sich selbst zerstört, und daß es auch immer offensichtlicher wird, daß ein in sich verschlossener Rationalismus, der glaubt, daß der Mensch allein die wahre, bessere Welt bauen könne, nicht wahr ist. Im Gegenteil, wenn es nicht das Maß des wahren Gottes gibt, zerstört sich der Mensch selbst. Wir sehen das mit eigenen Augen.

Wir selbst müssen eine neue Sicherheit haben: Er ist die Wahrheit, und nur wenn wir seinen Spuren folgen, gehen wir in die rechte Richtung und müssen mit den anderen in diese Richtung gehen und sie führen.

Der erste Punkt meiner Antwort lautet: In diesem ganzen Leiden dürfen wir nicht nur nicht die Sicherheit verlieren, daß Christus wirklich das Antlitz Gottes ist, sondern wir müssen vielmehr diese Sicherheit und die Freude, ihn zu kennen und wirklich Verwalter der Zukunft der Welt, der Zukunft jedes Menschen zu sein, vertiefen. Und diese Sicherheit sollen wir in einer tiefen persönlichen Beziehung zum Herrn vertiefen. Denn die Sicherheit kann auch durch rationale Erwägungen wachsen. Wirklich, mir scheint eine vertiefte Reflexion sehr wichtig, die auch rational überzeugt, die aber durch eine täglich mit Christus gelebte persönliche Freundschaft personal, stark und anspruchsvoll wird.

Die Sicherheit erfordert also diese Personalisierung unseres Glaubens, unserer Freundschaft mit dem Herrn, und so entstehen auch neue Berufungen. Das sehen wir in der jungen Generation nach der großen Krise des 1968 ausgebrochenen Kulturkampfes, als die geschichtliche Ära des Christentums wirklich der Vergangenheit anzugehören schien. Wir sehen, daß die Verheißungen von ’68 sich nicht bewahrheitet haben, und so entsteht, sagen wir, wieder die Erkenntnis, daß es eine kompliziertere Methode gibt, weil sie diese Umkehr unseres Herzens erfordert, eine wahre Methode – und so wachsen auch neue Berufungen. Aber auch wir selbst müssen etwas Phantasie zeigen und den Jugendlichen helfen, daß sie diesen Weg auch in Zukunft finden. Das ist auch aus dem Gespräch mit den afrikanischen Bischöfen hervorgegangen. Trotz der vielen Priester sind viele von ihnen zu einer schrecklichen Einsamkeit verurteilt, und viele von ihnen werden moralisch nicht durchhalten.

Es ist wichtig, die Wirklichkeit des Presbyteriums, der Gemeinschaft der Priester um sich zu haben, die helfen und die in der Solidarität des gemeinsamen Glaubens zusammen auf dem Weg sind. Auch das scheint mir wichtig. Denn wenn die Jugendlichen nur isolierte, traurige, müde Priester sehen, dann denken sie: Wenn das meine Zukunft ist, dann übersteigt das meine Kräfte. Man muß wirklich diese gelebte Gemeinschaft schaffen, die den Jugendlichen zeigt: Ja, das kann auch für mich eine Zukunft sein, so kann man leben.

Ich habe zu lange geredet. Über den zweiten Punkt habe ich, so scheint mir, wenigstens ansatzweise schon etwas gesagt. Es ist wahr: Den Menschen, vor allem den Verantwortungsträgern in der Welt erscheint die Kirche als etwas Veraltetes und unsere Angebote als unnötig. Sie verhalten sich so, als könnten, ja wollten sie ohne unser Wort leben, und sie denken immer, daß sie uns nicht brauchen. Sie suchen unser Wort nicht.

Das stimmt, und wir leiden darunter, aber es gehört auch zu dieser geschichtlichen Situation, zu einer gewissen anthropologischen Sichtweise, wonach der Mensch die Dinge so tun muß, wie Karl Marx gesagt hat: Die Kirche hat 1800 Jahre gehabt, um zu zeigen, daß sie die Welt verändern kann, und sie hat nichts getan, jetzt tun wir es allein.

Das ist ein sehr verbreiteter Gedanke, der auch durch Philosophien unterstützt wird, und so versteht man den Eindruck vieler Leute, daß man ohne die Kirche leben könne, die etwas Veraltetes zu sein scheint. Aber es scheint auch immer klarer zu werden, daß nur die moralischen Werte und die anspruchsvollen Überzeugungen Möglichkeiten bieten, auch unter Opfern zu leben und die Welt aufzubauen. Man kann nicht, wie Karl Marx es vorgeschlagen hatte, mechanisch nach der Theorie des Kapitals und des Eigentums usw. aufbauen.

Wenn es keine moralischen Kräfte in den Herzen gibt und keine Bereitschaft, für diese Werte auch zu leiden, kann man keine bessere Welt aufbauen, im Gegenteil, die Welt wird jeden Tag schlechter, der Egoismus beherrscht und zerstört alles. Und wenn man das sieht, drängt sich von neuem die Frage auf: Woher kommen die Kräfte, die befähigen, auch für das Gute zu leiden, für das Gute, das vor allem mich schmerzt, das keinen unmittelbaren Nutzen bringt, wenn man dafür leidet? Wo sind die Ressourcen, die Quellen? Woher kommt die Kraft, diese Werte weiterzutragen?

Man sieht, daß die Moralität als solche nicht lebt, nicht wirksam ist, wenn sie nicht ein tieferes Fundament in Überzeugungen hat, die wirklich Sicherheit geben und auch die Kraft zu leiden geben, denn sie gehören gleichzeitig zu einer Liebe, einer Liebe, die im Leiden wächst und Lebenssubstanz ist. Denn am Ende läßt uns nur die Liebe leben, und die Liebe ist immer auch Leiden; sie reift im Leiden und gibt die Kraft, für das Gute zu leiden, ohne auf mich in meiner jetzigen Lage Rücksicht zu nehmen.

Mir scheint, daß dieses Bewußtsein wächst, denn man sieht schon die Auswirkungen eines Zustands, in dem die Kräfte nicht vorhanden sind, die von einer Liebe kommen, die Kern meines Lebens ist und die mir die Kraft gibt, den Kampf für das Gute fortzusetzen. Natürlich brauchen wir auch hier Geduld, aber auch eine aktive Geduld in dem Sinn, daß wir den Leuten verständlich machen: Ihr braucht dies.

Auch wenn sie sich nicht gleich bekehren, nähern sie sich wenigstens dem Kreis derer, die in der Kirche diese innere Kraft besitzen. Die Kirche hat immer diese innerlich starke Gruppe gekannt, die wirklich die Kraft des Glaubens trägt, und Personen, die sich gleichsam anschließen und sich mittragen lassen und so teilhaben.

Ich denke an das Gleichnis des Herrn vom Senfkorn, das so klein ist und dann ein so großer Baum wird, daß sogar die Vögel des Himmels in ihm wohnen. Und ich würde sagen, daß diese Vögel die Personen sein können, die sich noch nicht bekehren, sich aber doch auf dem Baum der Kirche niederlassen. Ich habe folgendes überlegt: In der Zeit der Aufklärung, in der Stunde, als der Glaube zwischen Katholiken und Protestanten gespalten war, dachte man, daß es notwendig sei, die gemeinsamen moralischen Werte zu bewahren, indem man ihnen eine ausreichende Grundlage gab. Man dachte: Wir müssen die moralischen Werte unabhängig machen von den religiösen Bekenntnissen, damit sie standhalten »etsi Deus non daretur«.

Wir befinden uns heute in der entgegengesetzten Lage, die Situation hat sich umgekehrt. Für die moralischen Werte gibt es keine offensichtliche Grundlage mehr. Sie werden nur offensichtlich, wenn Gott existiert. Ich habe deshalb vorgeschlagen, daß die Laien, die sogenannten Laien, darüber nachdenken sollten, ob für sie heute nicht das Gegenteil gilt: Wir müssen leben »quasi Deus daretur«, auch wenn wir nicht die Kraft zu glauben haben, müssen wir nach dieser Hypothese leben, sonst funktioniert die Welt nicht. Und das wäre, meiner Ansicht nach, ein erster Schritt, um dem Glauben näherzukommen. Und ich sehe in vielen Kontakten, daß der Dialog zumindest mit einem Teil des Laizismus wächst, Gott sei Dank.

Dritter Punkt: Die Lage der Priester, die weniger geworden sind und in manchmal drei, vier und bis zu fünf Pfarreien arbeiten müssen und erschöpft sind. Ich denke, daß der Bischof zusammen mit seinem Presbyterium nach den besten Mitteln der Abhilfe suchen müßte. Als ich Erzbischof von München war, hatte man dieses Modell der Wortgottesdienste ohne Priester geschaffen, um die Gemeinde in ihrer Kirche sozusagen präsent zu machen. Und sie sagten: Die Gemeinde bleibt bestehen, und wo es keinen Priester gibt, halten wir diesen Wortgottesdienst.

Die Franzosen haben die angemessene Bezeichnung für diese sonntäglichen Versammlungen »in Abwesenheit eines Priesters« gefunden, und nach einer längeren Zeit haben sie erkannt, daß das auch schiefgehen kann, weil man den Sinn für das Sakrament verliert; es entsteht eine Protestantisierung, und wenn es am Ende nur das göttliche Wort gibt, dann kann ich es auch bei mir zu Hause feiern.

Ich erinnere mich, als ich in Tübingen Professor war, an den großen Exegeten Kelemann – ich weiß nicht, ob euch der Name bekannt ist – ein Schüler von Bultmann, dem großen Theologen. Obwohl er überzeugter Protestant war, ging er nie in die Kirche. Er sagte: Ich kann die Heilige Schrift auch zu Hause meditieren.

Die Franzosen haben diese Formel der sonntäglichen Versammlungen »in Abwesenheit des Priesters« in die Formel »in Erwartung eines Priesters« umgewandelt. Das heißt, es muß ein Warten auf den Priester geben, und normalerweise, würde ich sagen, sollte der Wortgottesdienst am Sonntag eine Ausnahme sein, denn der Herr will leiblich kommen. Es kann deshalb nicht die Lösung sein.

Der Sonntag wurde geschaffen, weil der Herr auferstanden und zur Gemeinschaft der Apostel gekommen ist, um bei ihnen zu sein. Sie haben auch verstanden, daß der liturgische Tag nicht mehr der Sabbat, sondern der Sonntag ist, an dem der Herr immer wieder leiblich bei uns ist und uns mit seinem Leib nähren will, damit wir selbst sein Leib in der Welt werden. Auf welche Weise man möglichst vielen Personen guten Willens diese Möglichkeit bieten könnte, dafür wage ich jetzt nicht, ein Rezept zu geben. In München sagte ich immer – aber hier kenne ich die Lage nicht, die sicher verschieden ist –, daß unsere Bevölkerung unglaublich beweglich, flexibel ist. Die Jugendlichen fahren 50 und mehr Kilometer weit, um in eine Diskothek zu gehen, warum können sie nicht wenigstens zusammen in eine fünf Kilometer weit entfernte Kirche gehen? Aber das ist etwas ganz Konkretes, Praktisches, und ich wage nicht, dafür ein Rezept zu geben. Aber man muß versuchen, dem Volk das Gefühl zu vermitteln: Ich muß mit der Kirche verbunden bleiben, mit der lebendigen Kirche und mit dem Herrn verbunden bleiben!

Und so soll ich diesen Eindruck von Bedeutsamkeit weitergeben, und wenn ich es für wichtig halte, dann werden auch die Voraussetzungen für eine Lösung geschaffen. Aber in Wirklichkeit muß ich doch diese Frage offenlassen, Exzellenz.

An dieser Stelle haben einige Priester das Wort ergriffen. Auf die Fragen bezüglich der Jugenderziehung, der Rolle der katholischen Schule und des geweihten Lebens antwortete der Papst wie folgt:

Es sind sehr konkrete Fragen, auf die man nicht leicht ebenso konkrete Antworten geben kann.

Ich möchte vor allem danken, daß unsere Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit gelenkt wurde, die Jugendlichen zur Kirche hinzuführen; sie fühlen sich leicht von anderen Dingen angezogen, von einem Lebensstil, der ziemlich weit weg von unseren Überzeugungen ist. Die frühe Kirche wählte den Weg der Gemeinschaften des alternativen Lebens, ohne notwendige Brüche. Ich würde sagen, daß es wichtig ist, daß die Jugendlichen die Schönheit des Glaubens entdecken, und daß es schön ist, eine Orientierung zu haben, daß es schön ist, einen Gott zum Freund zu haben, der uns wirklich die wesentlichen Dinge des Lebens sagen kann.

Dieser geistige Faktor muß dann von einem affektiven und sozialen Faktor begleitet werden, das heißt von einer Sozialisierung im Glauben. Denn der Glaube kann sich nur verwirklichen, wenn er auch einen Leib hat, und das bezieht den Menschen in seinen Lebensvollzügen mit ein. Früher, als der Glaube für das Gemeinschaftsleben entscheidend war, mag es genügt haben, den Katechismus zu lehren, der auch heute wichtig ist.

Aber weil sich das soziale Leben vom Glauben entfernt hat, müssen wir – im Hinblick darauf, daß auch die Familien oft keine Sozialisierung des Glaubens anbieten – Methoden für eine Sozialisierung des Glaubens vorschlagen, damit der Glaube Gemeinschaft, Orte des Lebens bildet und durch eine Verbundenheit im Denken, Fühlen und in der Freundschaft überzeugt.

Ich meine, daß diese Ebenen zusammengehen müssen, denn der Mensch hat einen Körper, er ist ein soziales Wesen. In diesem Sinn ist es zum Beispiel schön, hier so viele Pfarrer zu sehen, die mit Jugendgruppen die Ferien verbringen. Auf diese Weise teilen die Jugendlichen die Freude über die Ferien und leben sie mit Gott und mit der Kirche in der Person des Pfarrers oder des Kaplans. Mir scheint, daß die Kirche von heute, auch in Italien, Alternativen und Möglichkeiten für eine Sozialisierung anbietet, wo die Jugendlichen gemeinsam mit Christus auf dem Weg sein und Kirche bilden können. Und deshalb müssen sie von intelligenten Antworten auf die Fragen unserer Zeit begleitet werden: Brauchen wir Gott noch? Ist es noch vernünftig, an Gott zu glauben? Ist Christus nur eine Figur der Religionsgeschichte, oder ist er wirklich das Antlitz Gottes, das wir alle brauchen? Können wir gut leben, ohne Christus zu kennen?

Man muß einsehen, daß, wenn man das Leben, die Zukunft aufbauen will, es auch Geduld und Leiden erfordert. Auch im Leben der Jugendlichen wird das Kreuz nicht fehlen, aber es ist nicht leicht, das verständlich zu machen. Der Bergsteiger weiß, daß er, wenn er einen schönen Aufstieg machen will, Opfer bringen und trainieren muß. So muß auch der junge Mensch erkennen, daß für den Aufstieg in das Leben, in die Zukunft das Einüben in ein inneres Leben notwendig ist.

Personalisierung und Sozialisierung sind also die beiden Wegweiser, die die konkreten Situationen der Herausforderungen von heute durchdringen müssen: die Herausforderungen der Liebe und der Gemeinschaft. Denn diese beiden Dimensionen erlauben es, sich der Zukunft zu öffnen und auch zu lehren, daß, wenn es manchmal schwierig ist, an Gott zu glauben, es dennoch meinem Wohl in der Zukunft dient.

Im Bezug auf die katholische Schule kann ich sagen, daß viele Bischöfe bei ihrem »Ad-limina«- Besuch mehrmals deren große Bedeutung unterstrichen haben. Die katholische Schule, zum Beispiel in Afrika, wird ein unerläßliches Mittel für die kulturelle Förderung, für die ersten Schritte der Alphabetisierung und für eine Erhöhung der kulturellen Ebene, auf der sich eine neue Kultur herausbildet. Dank dieser ist es möglich, auch den Anforderungen der Technik zu begegnen, die an eine nicht technisch orientierte Kultur gestellt werden, indem sie althergebrachte Formen des Stammeslebens mit ihren moralischen Inhalten zerstören.

Bei uns ist die Situation anders, aber was mir hier wichtig zu sein scheint, ist die Gesamtheit einer geistigen Bildung, die klar zu verstehen gibt, daß auch heute das Christentum nicht von der Wirklichkeit zu trennen ist.

Im ersten Teil sagten wir, daß auf den Spuren der Aufklärung und der »zweiten Aufklärung« von ’68 viele dachten, die geschichtliche Ära für die Kirche und den Glauben sei zu Ende und eine neue Ära habe begonnen, in der man diese Dinge wie die klassische Mythologie studieren könne. Hingegen ist es notwendig, verständlich zu machen, daß der Glaube immer aktuell und sehr vernünftig ist. Also eine geistige Bejahung, in der man auch die Schönheit und die organische Struktur des Glaubens erfaßt.

Das war eine der grundlegenden Absichten des Katechismus der Katholischen Kirche, der jetzt in einem Kompendium zusammengefaßt ist. Wir dürfen nicht denken, es sei wie mit einem Paket von Vorschriften, das wir wie einen schweren Rucksack auf dem Rücken während unseres Lebensweges mitschleppen müssen. Am Ende ist der Glaube einfach und reichhaltig: Wir glauben, daß es Gott gibt, daß Gott etwas mit unserer Lebenswirklichkeit zu tun hat. Aber welcher Gott? Ein Gott mit einem Angesicht, einem menschlichen Angesicht, ein Gott, der versöhnt, der den Haß überwindet und die Kraft zum Frieden gibt, den kein anderer geben kann. Man muß verständlich machen, daß das Christentum in Wirklichkeit sehr einfach und folglich sehr reichhaltig ist.

Die Schule ist eine kulturelle Einrichtung zur geistigen und beruflichen Bildung. Es ist also notwendig, die Einheitlichkeit, die Logik des Glaubens verständlich zu machen und damit die Grundbegriffe zu kennen, zu verstehen, was Eucharistie ist, was am Sonntag geschieht oder was die christliche Ehe bedeutet. Man muß auch verständlich machen, daß die religiöse Disziplin keine rein geistige und individualistische Ideologie ist, wie es vielleicht bei anderen Fächern der Fall ist: Ich weiß zum Beispiel, wie ich in Mathematik eine bestimmte Rechenaufgabe lösen muß. Auch andere Fächer haben am Ende eine praktische Ausrichtung, eine Ausrichtung zur Professionalität, zur Anwendung im Leben. So muß man verstehen, daß der Glaube hauptsächlich Gemeinschaft bildet, vereint.

Gerade dieser Wesenskern des Glaubens ist es, der uns von der Isolierung des Ichs befreit und uns zu einer großen Gemeinschaft vereint, einer vollständigen Gemeinschaft – in der Pfarrgemeinde, in der sonntäglichen Versammlung – und universalen Gemeinschaft, in der ich ein Verwandter aller Menschen in der Welt werde.

Man muß diese katholische Dimension der Gemeinschaft verstehen, die sich jeden Sonntag in der Pfarrei versammelt. Einerseits ist die Kenntnis des Glaubens ein Ziel, anderseits bedeutet in der Kirche sozialisieren oder »ekklesialisieren «, sich in die große Gemeinschaft der Kirche, den Ort des Lebens, einzugliedern, von dem ich weiß, daß ich auch in den kritischen Stunden meines Lebens – vor allem im Leiden und im Tod – nicht allein bin.

Seine Exzellenz sagte, daß viele Menschen uns scheinbar nicht brauchen, aber die Kranken und die Leidenden ja. Und das sollte man von Anfang an verstehen, daß man im Leben nicht mehr allein ist. Der Glaube rettet uns vor der Einsamkeit. Wir werden immer von einer Gemeinschaft getragen, aber zugleich muß jeder einzelne Träger der Gemeinschaft sein und von Anfang an auch die Verantwortung für die Kranken, die Isolierten, die Leidenden lehren, so daß das, was ich schenke, wieder zurückkommt. Man muß also im Menschen, in dem sich diese Bereitschaft zur Liebe und zum Sichschenken verbirgt, diese große Gabe wecken und so sicherstellen, daß ich auch Brüder und Schwestern haben werde, die mich in solchen schwierigen Situationen stützen, wo ich eine Gemeinschaft brauche, die mich nicht allein läßt.

Hinsichtlich der Bedeutung des Ordenslebens wissen wir, daß das monastische und kontemplative Leben angesichts dieser gestreßten Welt attraktiv ist, weil es wie eine Oase erscheint, in der man wirklich leben kann. Auch hier handelt es sich um eine romantische Vorstellung, so daß es notwendig ist, die Berufungen gut auszuwählen. Die geschichtliche Situation verleiht vor allem dem kontemplativen, nicht so sehr dem aktiven Ordensleben eine gewisse Anziehungskraft.

Das wird im männlichen Zweig besser deutlich, wo man Ordensmänner, auch Priester, antrifft, die im Bildungswesen, bei den Kranken usw. ein wichtiges Apostolat ausüben. Leider wird es bei den weiblichen Berufungen weniger sichtbar, wo die Professionalität scheinbar die Ordensberufung überflüssig macht. Es gibt diplomierte Krankenschwestern, es gibt diplomierte Lehrerinnen, so daß diese Tätigkeiten nicht mehr als Ordensberuf erscheinen, und es wird schwer sein, noch einmal anzufangen, wenn die Kette der Berufungen einmal unterbrochen ist. Liebe zur leidenden Person

Wir erkennen aber immer mehr, daß, um eine gute Krankenschwester zu sein, die Professionalität allein nicht ausreicht. Man braucht das Herz. Man braucht die Liebe zur leidenden Person. Das hat eine tiefe religiöse Dimension. So ist es auch im Lehrberuf. Wir haben jetzt neue Formen wie die Säkularinstitute, deren Gemeinschaften durch ihr Leben zeigen, daß es eine Lebensweise gibt, die gut ist für die Person, aber vor allem notwendig für die Gemeinschaft, für den Glauben und für die menschliche Gemeinschaft. Ich denke also, daß die Kirche, auch wenn sie die Formen ändert – ein Großteil unserer aktiven Frauengemeinschaften stammen aus dem 19. Jahrhundert mit den genauen sozialen Aufgaben der damaligen Zeit, und heute sind die Aufgaben verschieden –, uns zu verstehen gibt, daß der Dienst an den Leidenden und der Schutz des Lebens Berufungen sind, die eine tiefe religiöse Dimension haben, und daß es Lebensformen für solche Berufungen gibt. Es entwickeln sich neue Lebensformen, so daß zu hoffen ist, daß der Herr auch heute die notwendigen Berufungen für das Leben der Kirche und der Welt gewähren wird.

Ein anderer Priester schnitt das Thema der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen an. Hier die Antwort des Heiligen Vaters:

Wir alle wissen, daß das ein besonders schmerzliches Problem für die Personen ist, die in Situationen leben, in denen sie vom Empfang der eucharistischen Kommunion ausgeschlossen sind, und ein ebenso schmerzliches Problem für die Priester, die diesen Personen helfen wollen, die Kirche zu lieben, Christus zu lieben. Hier ergibt sich eine Schwierigkeit.

Keiner von uns besitzt ein Patentrezept, auch weil sich die Situationen immer unterscheiden. Besonders schmerzlich würde ich die Situation derer nennen, die kirchlich verheiratet, aber nicht wirklich gläubig waren und es aus Tradition taten, sich aber dann in einer neuen nichtgültigen Ehe bekehren, zum Glauben finden und sich vom Sakrament ausgeschlossen fühlen. Das ist wirklich ein großes Leid, und als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre lud ich verschiedene Bischofskonferenzen und Spezialisten ein, dieses Problem zu untersuchen: ein ohne Glauben gefeiertes Sakrament.

Ich wage nicht zu sagen, ob man hier tatsächlich ein Moment der Ungültigkeit finden kann, weil dem Sakrament eine grundlegende Dimension gefehlt hat. Ich persönlich dachte es, aber aus den Debatten, die wir hatten, verstand ich, daß es ein sehr schwieriges Problem ist und daß es noch vertieft werden muß. Weil aber diese Personen in einer leidvollen Situation sind, muß es vertieft werden.

Ich wage jetzt nicht, eine Antwort zu geben, auf jeden Fall scheinen mir zwei Aspekte sehr wichtig. Der erste: Obwohl sie die sakramentale Kommunion nicht empfangen können, sind sie doch nicht von der Liebe der Kirche und der Liebe Christi ausgeschlossen. Eine Eucharistie ohne gleichzeitige sakramentale Kommunion ist zwar nicht vollständig, es fehlt etwas Wesentliches. Aber es stimmt auch, daß die Teilnahme an der Eucharistie ohne eucharistische Kommunion ihren Wert hat, sie bedeutet immer, in das Geheimnis des Kreuzes und der Auferstehung Christi einbezogen zu sein. Sie ist immer Teilhabe am heiligen Sakrament in der spirituellen und pneumatischen Dimension; auch in der ekklesialen Dimension, wenn auch nicht direkt sakramentalen.

Und weil es das Sakrament des Leidens Christi ist, umfängt der leidende Christus diese Personen in besonderer Weise und kommuniziert mit ihnen in anderer Weise, und sie dürfen sich also vom gekreuzigten Herrn umfangen fühlen, der zu Boden fällt und stirbt und für sie, mit ihnen leidet. Es ist deshalb notwendig, verständlich zu machen, daß sie, obwohl leider eine grundlegende Dimension fehlt, nicht vom tiefen Geheimnis der Eucharistie, von der Liebe des hier gegenwärtigen Christus ausgeschlossen sind.

Das scheint mir wichtig, ebenso wichtig ist es, daß der Pfarrer und die Pfarrgemeinde diesen Personen zu verstehen geben, daß wir einerseits die Untrennbarkeit des Sakraments respektieren müssen und anderseits, daß wir diese Personen lieben, die auch für uns leiden. Und wir müssen auch mit ihnen leiden, weil sie ein wichtiges Zeugnis geben, weil wir wissen, daß man in dem Augenblick, wo man aus Liebe nachgibt, dem Sakrament Unrecht tut, und die Unauflöslichkeit erscheint immer weniger wahr.

Wir kennen das Problem nicht nur der protestantischen Gemeinschaften, sondern auch der orthodoxen Kirchen, die oft als Vorbild dargestellt werden, in dem man die Möglichkeit hat, wieder zu heiraten. Aber nur die erste Ehe ist sakramental; auch sie erkennen an, daß die weiteren Eheschließungen kein Sakrament sind, sondern verkürzte, eingeschränkte Ehen in einer Situation der Buße; die Personen dürfen zur Kommunion gehen, aber sie wissen, daß es »in economia« – wie sie sagen – aus Barmherzigkeit erlaubt ist, daß sich aber die Tatsache nicht ändert, daß ihre zweite Ehe kein Sakrament ist. Ein weiterer Punkt in den orientalischen Kirchen besteht darin, daß für diese Ehen mit großer Leichtigkeit die Möglichkeit der Ehescheidung gewährt wurde und daß damit das Prinzip der Unauflöslichkeit, der wahren Sakramentalität der Ehe schwer verletzt wird.

Auf der einen Seite gibt es das Wohl der Gemeinschaft und das Gut des Sakraments, das wir achten müssen, und auf der anderen Seite das Leiden der Personen, denen wir helfen sollen.

Der zweite Punkt, den wir lehren und durch unser Leben glaubwürdig machen müssen, ist, daß das Leiden in verschiedenen Formen zwangsläufig zu unserem Leben gehört. Es ist ein edles Leiden, würde ich sagen. Wiederum muß man verständlich machen, daß das Vergnügen nicht alles ist; daß das Christentum uns Freude schenkt, wie die Liebe Freude schenkt. Aber die Liebe ist auch immer Selbstverzicht. Der Herr selbst hat uns die Formel dafür gegeben, was die Liebe ist: Wer sich selbst verliert, findet sich; wer sich selbst gewinnt und bewahrt, verliert sich.

Es ist immer ein Exodus und deshalb auch ein Leiden. Die wahre Freude unterscheidet sich vom Vergnügen; die Freude wächst und reift immer im Leiden in Gemeinschaft mit dem Kreuz Christi. Nur hier entsteht die wahre Freude des Glaubens, von der auch diese Personen nicht ausgeschlossen sind, wenn sie lernen, ihr Leiden in Gemeinschaft mit dem Leiden Christi anzunehmen.

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Benedikt XVI. hat sich durchgesetzt: Der Papst aus dem Land Luthers wird die lateinische Messe wieder zulassen - Ein begleitender Brief an alle Bischöfe ist schon vorbereitet 

Von Paul Badde / Die Welt

Vatikan (www.kath.net / Welt / 28. März 2007, 08:09)


Die Wiederzulassung des alten lateinischen Ritus von 1570 durch Benedikt XVI. steht bevor. Für eine solche Wende lässt sich in der Geschichte der katholischen Welt kaum ein Beispiel finden. 

Der Schritt wird die Kirche verändern. Die souveräne Entscheidung hat der scheue Papst fast im Alleingang auf die Tagesordnung gesetzt, gegen enorme Widerstände. Auch darum haben viele nicht damit gerechnet, dass er diesem Konflikt nicht auswich, sondern unbeirrt nach seiner Auffassung zu entscheiden suchte - etliche Kardinäle eingeschlossen, die vor zwei Jahren mit Joseph Ratzinger noch einen Übergangspapst wählen wollten und zu wählen glaubten.

Erst recht haben viele Mitarbeiter und Würdenträger der römischen Kurie nicht damit gerechnet, dass der deutsche Papst ein solches Zeichen setzt. Der Katafalk etwa, auf dem der Leichnam Johannes Paul II. vom 4. bis zum 8. April 2005 aufgebahrt im Petersdom lag, ist auch zwei Jahre später noch nicht in den Keller verräumt. Stattdessen wurde die Totenbahre nur vorne rechts in der Basilika, in einem Seitenschiff beim Grabmal Clemens X., hinter der Orgel abgestellt.

Ineinander gestapelte Plastikstühle stehen daneben, mit denen die Sitzreihen des Petersdoms rasch aufgefüllt werden können, wenn zu viele Gäste kommen. Eine Plastikfolie deckt die Tuchbespannung des Katafalks ab, als warte er hinter der Orgel nur darauf, morgen wieder hervorgeholt zu werden, um auch dem deutschen Papst eine letzte Rast auf Erden bieten zu können. Die Totenbahre hinter der Orgel wartet natürlich nicht.

Jedoch worauf warten die, die sie versteckt in dieser barocken Rumpelkammer stehen ließen? Das ist eine Frage, die vielleicht nur wenige Eingeweihte irritiert. Mehr Unruhe hat unter anderen die Beobachtung bewirkt, dass im letzten Dezember von den Vatikan-Behörden die Camera Apostolica neu besetzt worden ist, deren Tätigkeit sich vor allem auf die Zeit zwischen dem Tod des Papstes und der Wahl seines Nachfolgers beschränkt. Was sollten die neuen Mitarbeiter dort eigentlich anstellen, außer in den stillen Räumen Däumchen drehen und die Telefone, auf denen sie keiner anruft, für internen Tratsch zu benutzen? Die selbstbewusste Kultur des italienischen "menefreghismo" kann mit vielen Beispielen legendär praktischer Wurstigkeit vielleicht am besten erklären, warum die Kräfte des Beharrens, die nichts geändert haben wollen, im Vatikan so ganz außerordentlich stark sind.

Denn was ist schon italienischer als der Vatikan? Ex-Staatsekretär Sodano weigert sich hier etwa beharrlich, seine Dienstwohnung zu räumen. Tarcisio Bertone, dem sie als Nachfolger im Amt zusteht, muss Tag für Tag mit einem Behelf vorlieb nehmen. Am Sonntag hoben in der Vesper von Sankt Peter drei Kanoniker von der Empore des Veronika-Pfeilers wieder blitzkurz den "Schleier der Veronika" in einem Silberrahmen hoch, von dem in Rom inzwischen jeder weiß, dass er das alte wahre Bild nicht zeigen kann. Es ist zu groß, es ist nicht durchsichtig, es entspricht in nichts den alten Kopien des "vera ikon". Diesem Stück Stoff hätte Dante keine einzige Zeile seiner "Göttlichen Komödie" gewidmet. Was soll's? Gegen uralte Traditionen haben kleine Evidenzen in der ewigen Stadt nur selten eine Chance. Man könnte solche Vorgänge als eine souveräne Verachtung der Wirklichkeit missdeuten.

Doch das stimmt nur bedingt. Es seien Zustände wie im alten Rom, heißt deshalb unter Fremden der Cantus Firmus vieler Klagen - und das stimmt natürlich in vieler Hinsicht. Denn die Kraft des alten Rom lag tatsächlich auch im zähen und puren Beharren. In diesem Milieu war schon Joseph Ratzinger ein Fremdkörper, der immer ein Bewahrer und Beweger war: ein wahrer Konservativer. Das ist er nun erst recht als Benedikt XVI. geworden. Der Papst aus dem Land Luthers widersetzt sich leidenschaftlich jedem bleiernen Beharren, das heute in Rom wie dem Rest der Weltkirche oft und paradoxerweise jedoch nicht konservativ ist, sondern ein Beharren auf dem liberalen Zeitgeist der letzten 40 Jahre.

Nicht also in überfälligen Personalentscheidungen, sondern in einer leidenschaftlichen Auseinandersetzung über den von Reformern verbannten alten Ritus der Tridentinischen Messe hat sich die Machtprobe zwischen ihm und einem großen ideologischen Flügel in der Kirche nun zugespitzt. Jetzt gibt Benedikt XVI. die ehrwürdig alte Liturgie, die Papst Paul VI. 1969 mit einem beispiellosen Federstrich abgeschafft und ersetzt hatte (nachdem sie sich in Jahrhunderten entwickelt hatte), wieder frei. Für diesen Schritt hat er sich weder von Eingaben französischer noch deutscher Kardinäle und Bischöfe beeindrucken lassen - und natürlich erst recht nicht von verschiedenen Debatten in den europäischen Feuilletons.

Er werde den Gebrauch der Alten Messe überall dort von der bisher notwendigen - und meist höchst restriktiv gehandhabten - Zustimmung der Ortsbischöfe lösen und befreien, wo zumindest 30 Gläubige darum bäten, hieß es schon im "Corriere della Sera". Es ist die souveräne Revision einer Kulturrevolution, die der Papst in nur zwei Amtsjahren unbeirrt betrieben hat. Wenn ihm nichts zustößt, kommt sein Erlass (motu proprio) über die Befreiung der Tridentinischen Liturgie so sicher wie das Amen in der Kirche sehr bald, wohl noch in der österlichen Zeit.

Ein begleitender Brief an alle Bischöfe ist schon vorbereitet. Die Sache ist entschieden. Es wird keine Systemwiederherstellung werden, wie man sie sich bei einem abgestürzten Computer vorstellen kann. Benedikt XVI. gibt der katholischen Liturgie nur ihr Urmeter zurück, an dem sich fortan auch der vielfach orientierungslos gewordene neue Ritus von 1969 wieder entscheidend neu ausrichten kann. Ein überraschend kosmisches Fingerhakeln hat die Entscheidung vorbereitet. Doch Fingerhakeln ist eine bayerische Spezialität.

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