Was ist die Botschaft von Fatima?

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Die Botschaft von Fatima bezieht sich auf die Marienerscheinungen, die 1917 den drei Hirtenkindern Lucia dos Santos, Francisco und Jacinta Marto in Fatima, Portugal, zuteilwurden. Zwischen Mai und Oktober 1917 erschien ihnen Maria insgesamt sechsmal. Die Botschaft gliedert sich traditionell in mehrere zentrale Elemente:

Der Aufruf zu Umkehr, Gebet, Opfer und Busse

Maria rief eindringlich zu Gebet – besonders zum täglichen Rosenkranz – sowie zu Opfer, Busse und Wiedergutmachung für die Sünden der Menschheit auf. Sie warnte vor den Folgen eines Lebens ohne Gott und mahnte zur Umkehr.

Die Weihe Russlands und der Welt

Ein zentrales Anliegen war die Weihe Russlands an ihr Unbeflecktes Herz. Sollte diese Weihe nicht erfolgen, so die Warnung, werde Russland seine Irrtümer in der Welt verbreiten, was Kriege und Verfolgungen der Kirche zur Folge haben würde. Papst Pius XII. und später Papst Johannes Paul II. haben Weihehandlungen für Russland und die Welt vorgenommen.

Die drei Geheimnisse von Fatima

Am 13. Juli 1917 vertraute Maria den Kindern drei Geheimnisse an:

  • Das erste Geheimnis war eine Vision der Hölle.
  • Das zweite Geheimnis betraf die Ankündigung des Zweiten Weltkriegs sowie die Bitte um die Weihe Russlands.
  • Das dritte Geheimnis, lange unter Verschluss gehalten, wurde erst im Jahr 2000 von der Kirche veröffentlicht. Es wird meist mit dem Attentat auf Papst Johannes Paul II. 1981 in Verbindung gebracht und schildert bildhaft die Verfolgung der Kirche und eines „Bischofs in Weiss“.

Die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens durch die Begehung der Feier der Ersten Samstage

Maria bat um die Einführung der sogenannten „Ersten Samstage“ bei uns auch bekannt als „Herz-Mariä-Sühnesamstage“. Es ist die Praxis, an fünf aufeinanderfolgenden ersten Samstagen zu beichten, die Kommunion zu empfangen, den Rosenkranz zu beten und fünfzehn Minuten über die Geheimnisse des Rosenkranzes zu meditieren, in der Absicht, damit Wiedergutmachung zu leisten für die fünf Arten von Beleidigungen, die gegen ihr Unbeflecktes Herz begangen werden.

Die fünf Arten von Beleidigungen gegen das Unbefleckte Herz Mariens sind

  • Die Lästerungen gegen ihre Unbefleckte Empfängnis – also die Ablehnung des Dogmas, dass Maria von Anfang an ohne Erbsünde bewahrt blieb.
  • Die Lästerungen gegen ihre Jungfräulichkeit – die Bestreitung der immerwährenden Jungfräulichkeit Mariens.
  • Die Lästerungen gegen ihre Gottesmutterschaft, verbunden mit der Ablehnung, sie als Mutter aller Menschen anzuerkennen.
  • Die Beleidigungen jener, die öffentlich versuchen, den Herzen der Kinder Gleichgültigkeit, Verachtung oder sogar Hass gegenüber dieser unbefleckten Mutter einzuflössen.
  • Die Beleidigungen jener, die sie direkt in ihren heiligen Bildern verunehren.

Warum fünf Erste Samstage?

Der Überlieferung nach erklärte Jesus dies Lucia, als deren Beichtvater fragte, warum gerade fünf und nicht etwa sieben Samstage (in Erinnerung an die sieben Schmerzen Mariens) gefordert würden. Diese Erscheinung fand in Zusammenhang mit der bereits am 10. Dezember 1925 in Pontevedra erhaltenen Botschaft statt, in der Maria selbst – begleitet vom Jesuskind – bereits um Wiedergutmachung für diese fünf Arten der Kränkungen ihres von Dornen umgebenen Herzens gebeten hatte.

Verbindung zum Skapulier – Weihe an das Herz Mariens

Maria zeigte sich bei der letzten Erscheinung am 13. Oktober 1917 – begleitet vom sogenannten „Sonnenwunder“, das von tausenden Anwesenden bezeugt wurde – auch als Unsere Liebe Frau vom Berge Karmel mit dem Braunen Skapulier. Eines der drei Seherkinder, Schwester Lucia, berichtete später von Marias Wunsch, dass alle Gläubigen dieses Skapulier tragen sollten.

Anerkennung der Botschaft von Fatima

Die röm.-kath. Kirche hat die Erscheinungen von Fatima 1930 offiziell als glaubwürdig anerkannt, und mehrere Päpste haben die dortige Botschaft aufgegriffen und gefördert. Lucia dos Santos, die einzige der drei Hirtenkinder, die das Erwachsenenalter erreichte, trat später in den Karmelitinnenorden ein und verstarb 2005.

Zur Einordnung

Wie bei den Fatima-Botschaften insgesamt handelt es sich um eine kirchlich anerkannte Privatoffenbarung. Die röm.-kath. Kirche verpflichtet die Gläubigen nicht zum Glauben an solche Privatoffenbarungen, erlaubt und fördert aber – wie im Fall von Fatima geschehen – ihre fromme Verehrung, sofern sie nicht dem Glaubensgut der röm.-kath. Kirche widerspricht. Die Botschaften von Fatima und die Umsetzung davon, gehören zur anerkannten Marianischen-Spiritualität der röm.-kath. Kirche. In allen Erscheinungen Mariens geht es nicht um Maria selbst, sondern es geht dabei immer um Jesus Christus, Gottes Sohn. In Ihrer Botschaft von Fatima weist Maria in ihren Erscheinungen die Menschheit darauf hin: „Tut was ER (Jesus) euch sagt.“

Auslegung

Wenn von DER Botschaft von Fatima die Rede ist, dann mag dies leicht irritieren, denn sind nicht die Muttergottes und der Engel des Frieden mehrfach erschienen und haben dabei viele Dinge gesagt und den drei Hirtenkindern manches gezeigt?

Wenn nun aber von der Botschaft von Fatima die Rede sein soll und nicht vielen Botschaften, dann ist es notwendig einer solchen Synthese einige Gedanken voranzustellen, die den Kontext der Erscheinungen und das dabei gesagte und gesehene beleuchten sollen.

Beginnen wir mit einem Zitat aus dem «Kommentar zum dritten Geheimnis von Fatima» herausgegeben 1993 von der damaligen Kongregation für die Glaubenslehre und ihrem Präfekten Joseph Kardinal Ratzinger, dem Späteren Papst Benedikt XVI.:

Die «innere Schau» nicht Fantasie, sondern eine wirkliche und eigentliche Weise der Wahrnehmung, sagten wir. Aber sie bringt auch Einschränkungen mit sich. Schon bei der äußeren Schau ist immer auch der subjektive Faktor beteiligt: Wir sehen nie das reine Objekt, sondern es kommt zu uns durch den Filter unserer Sinne, die einen Übersetzungsvorgang zu leisten haben. Das ist bei der Schau von innen noch deutlicher, vor allem dann, wenn es sich um Wirklichkeiten handelt, die an sich unseren Horizont überschreiten. Das Subjekt, der Schauende, wird noch stärker in Anspruch genommen. Er sieht mit seinen Möglichkeiten, mit den für ihn zugänglichen Weisen des Vorstellens und Erkennens. In der inneren Schau liegt noch weit mehr als in der äußeren ein Übersetzungsvorgang vor, so dass das Subjekt an der Bildwerdung dessen, was sich zeigt, wesentlich mitbeteiligt ist. Das Bild kann nur nach seinen Maßen und seinen Möglichkeiten ankommen. Deswegen sind solche Schauungen nie die reine «Fotografie» des Jenseits, sondern sie tragen auch die Möglichkeiten und Grenzen des wahrnehmenden Subjekts an sich.

Wenn wir uns nun vor Augen führen, dass die Schauenden und Hörenden dieser Erscheinung drei Hirtenkinder im Portugal des Jahres 1917 sind, dann haben wir es mit sehr spezifischen «Möglichkeiten, mit den für ihn zugänglichen Weisen des Vorstellens und Erkennens» zu tun, denen ein sehr nuancierter sog. Übersetzungsvorgang zugrunde liegt, der wiederum die Beteiligung des Seherkinder und deren «Massen und Möglichkeiten» als eine wichtige Komponente beim Verstehen dieser Erscheinungen ausweist.

Das längliche Portugal des frühen 20. Jahrhunderts war geprägt vom 1. Weltkrieg der gerade in vollem Gange war und wo auch portugiesische Männer kämpften und ihr Leben verloren. Gleichzeitig befand sich eine militant atheistische Ideologie auf dem Vormarsch, die bereits zur russischen Revolution geführt hat und auch in Portugal, wie auch in Spanien Fuss zu fassen begann.

In einer solchen Gesellschaft waren gläubige Christen einer Verfolgung ausgesetzt und vor allem Frauen waren die leidtragenden, da sie oftmals in einem Haushalt den Glaubensschatz hüteten.

In einem solchen Milieu, das durch eine gewisse Bildungsferne und gleichzeitig durch sehr schwierige Zeiten voller Angst und Armut gekennzeichnet war entsteht zwangsläufig ein dezidiertes Welt- und Menschenbild welches auch bei den drei Seherkindern in gerade eine kindlichen Weise vorhanden gewesen sein dürfte. Duch den Filter dieses Welt- und Menschenbildes hindurch sind dann die Nachrichten der Erscheinung überliefert.

Was nun aber können wir in einem gewissen allgemeineren Sinn unter DER Botschaft von Fatima heute verstehen, wenn wir versuchen hinter diesen Filter, oder Spiegel zu blicken, durch den diese Erscheinungen uns überliefert sind.

Auf hier können wir wiederum aus dem bereits zitierten Text ein weiteres Zitat nehmen, das uns vielleicht eine Ahnung zu vermitteln vermag, worum es bei dieser Botschaft gehen könnte:

Mein Unbeflecktes Herz wird siegen” Was heißt das? Das für Gott geöffnete, durch das Hinschauen auf Gott rein gewordene Herz ist stärker als Gewehre und Waffen aller Art. Das «Fiat» Mariens, das Wort ihres Herzens, hat die Weltgeschichte gewendet, weil es den Retter eingelassen hat in diese Welt, weil im Raum dieses Ja Gott Mensch werden konnte und es nun ewig bleibt. Das Böse hat Macht in der Welt, wir sehen es und erfahren es immer wieder; es hat Macht, weil unsere Freiheit sich immer wieder von Gott abdrängen lässt. Aber seit Gott selbst ein menschliches Herz hat und so die Freiheit des Menschen ins Gute hinein, auf Gott zu, gewendet hat, hat die Freiheit zum Bösen nicht mehr das letzte Wort. Seitdem gilt: «In der Welt werdet ihr Drangsal haben, aber seid nur getrost, ich habe die Welt überwunden.» (Joh 16,33). Dieser Verheißung uns anzuvertrauen, lädt uns die Botschaft von Fatima ein.

Die Botschaft von Fatima liesse sich also zusammenfassend wie folgt formulieren:

Der Sieg des Unbefleckten Herzens liegt beim «Fiat» Mariens, wodurch Gott Mensch werden konnte. Indem Gott nun ein menschliches Herz hat, hat er die Freiheit des Menschen endgültig ins Gute gewendet und der Freiheit zum Bösen das letzte Wort abgesprochen.

In diesem Sinne kann uns DIE Botschaft von Fatima mit ihren Erscheinungen gerade heute in einer Zeit, die geprägt ist von grosser sozialer Ungerechtigkeit, der Gefahr von Krieg und dem erneuten Aufkommen von menschenverachtenden Ideologien, helfen, wieder neu Hoffnung zu schöpfen und mit erneuertem Mut in der Welt das Evangelium in Tat und Wort zu leben und zu verkünden.

Verfasser: Claude Del Don