Geheimnisse

 

Das Geheimnis von Fatima vor seiner Veröffentlichung

 

Die Erfüllung

Ich habe schon eine Anzahl von Pilgergruppen nach Fatima begleiten dürfen. Bei Gesprächen über die Aussagen der Botschaft hatte ich nicht selten das Gefühl, daß so mancher fragen wollte: Ist das alles? Nun, wer in der Botschaft von Fatima Sensationen sucht, kann leicht enttäuscht werden. Die Schlichtheit, mit der die Gottesmutter zu den drei Hirtenkindem redete, kann kaum überboten wer- den. Es scheint, als hätte Fatima eigentlich keine wichtigere Botschaft anzubieten als die von der Gottesmutter bei jeder Erscheinung wiederholte Bitte:

«Betet täglich den Rosenkranz!»

Zudem muß erwähnt werden, daß Lucia nichts von den Visionen preisgab, außer auf massiven Druck ihres Bischofs bei verschiedenen Gelegenheiten. Aber auch dann – so erwähnt sie selber in ihren Erinnerungen – gab sie nur gerade soviel von ihren Zwiegesprächen mit der Gottesmutter preis, wie viel zur größeren Ehre Gottes und für die Bekehrung der Sünder zu wissen notwendig war. So wird später auch die Begründung dafür lauten, daß sie mit der Nichtveröffentlichung des dritten Teils des Geheimnisses von Fatima zur 1917 angegebenen Zeit (1960!)  einverstanden ist. Und dennoch ist das ganze Geschehen von Fatima eine große Katechese des Glaubens.

Ein Engel erscheint.

Die Engellehre wird heutzutage allenthalben unterdrückt, wenn nicht geleugnet. Wird nicht selten genug den Kindern die große Hilfe eines Schutzengels vorenthalten, indem man über ihn mit unseren Kindern nicht oder doch zu selten spricht? Jedoch, kann man die Existenz der Engel tatsächlich leugnen, ohne die Verkündigung an Maria oder an den Priester Zacharias zu einer Fabel zu degradieren?

Den Rosenkranz betete man schon seit Jahrhunderten.

Hat Gott, der Herr, diesem Gebet, das uns zur Meditation über drei wichtige Phasen des Lebens Jesu auf Erden, die freudenreiche, die schmerzhafte und die glorreiche, anregt, soviel geistige Macht verliehen, daß seine Unterlassung fast einer Sünde gleichkommt, obwohl sie selbstverständlich, keine ist? Die Menschheit steht im Umbruch. Daher ist die Frage berechtigt: Wird sie den Umbruch mit oder ohne Gott wählen; denn schaffen wird sie ihn! Freilich ist es zur Genüge bekannt, daß menschliche Gesellschaften, die ohne Gott aufgebaut wurden, ausnahmslos immer in eine Katastrophe, in unsagbares Leid und Verelendung, führten. Wenn man weiß, daß die Botschaft der Höllenvision eine Tatsache werden könnte («ganze Völker werden vernichtet werden») und auf der anderen Seite uns der Himmel als Hilfe den Rosenkranz anbietet, um den Umbruch mit Gott zu schaffen, dann ist es unsere heilige Pflicht, diesen in die Hand zu nehmen und ihn jedem in die Hand zu geben, der ihn noch nicht kennt, ungehindert jeglicher konfessioneller Schranken!

Die Höllenvision.

Sie kann geleugnet werden – die Hölle. Doch die Frage nach der Sünde bleibt. Wer die Sünde leugnet, muß konsequenterweise auch Hölle und Teufel leugnen, da sinnlos geworden. Der nächste Schritt ist voraussehbar. Falls Jesus Christus uns nicht von der Sünde erlösen konnte (da es diese ja nicht gibt), muß er nicht zwangsläufig die Zweite Göttliche Person, Gottes Sohn, wahrer Mensch und wahrer Gott, sein! Aber was soll dann der christliche Glaube überhaupt noch? Seine Daseinsberechtigung entbehrt jeder Grundlage. Die Tragik der Hölle, des Teufels, ist es, die Menschwerdung Gottes nicht einsehen, nicht erfassen zu können bzw. wollen. Für die «Mächte der Hölle» (Mt 16,19) ist es unverständlich und unmöglich, daß Gott die der Natur Luzifers weit «unterlegene» menschliche Natur angenommen hat. Natürlich wird es für die Menschen dann schlimm, wenn christliche Theologie unter dem Mantel der Wissenschaft dasselbe sagt und infolgedessen die Gottheit Christi leugnet.

Maria erscheint in einem Lichtkranz,

heller als die Sonne (vgl. Offb 12,1). Es mutet fast apokalyptisch an, wenn man aus den ersten Sätzen des Alten Testaments eine Brücke zu Fatima baut:

„Sie wird dir den Kopf zertreten!“

Die Vernichtung der höllischen Macht durch eine Jungfrau, die ganz und gar Mensch ist, an der aber die Hölle wegen ihrer Unbefleckten Empfängnis keinen Anteil hatte, ist das größte und unüberwindliche Hindernis, das dem stolzen «Non serviam – Ich diene Gott nicht!» Luzifers entgegenstellt wurde. Gott ist getreu! Muß man da nicht hellhörig werden, wenn gerade in unserer Zeit, für die die Gottesmutter in Fatima uns als «Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz» geschenkt wurde, Mariens Name in vieler Munde verstummt? Schließlich sei ein Weiteres über die einfachen Botschaften von Fatima gesagt. Fatima war, nebst der Bekräftigung biblischer Lehren, nur die Ankündigung eines Auftrags, den Schwester Lucia später in mehreren Erscheinungen von der Gottesmutter erhalten hatte. «Fatima» kann nicht nur auf das Geschehen der sechs Erscheinungen in der Cova da Iria reduziert werden; vielmehr muß der zweite Teil, die Erfüllung der in Fatima gemachten Versprechen, als wesentlicher Bestandteil dieser Botschaften angesehen werden. Erst Botschaft und Erfüllung bilden ein einheitliches Ganzes unter der Bezeichnung des Geschehens von Fatima.

Was sagt Sr. Lucia über «Das Geheimnis von Fatima»?

Es wurde schon viel Spekulatives über die sogenannten „drei Geheimnisse“ von Fatima geschrieben, von welchen das «Dritte Geheimnis» noch nicht veröffentlicht wurde; es liegt im Vatikan auf. Gleich zu Beginn muß hier eine Korrektur erfolgen, insofern es sich nicht um drei Geheimnisse, sondern nur um eines handelt, das sich allerdings aus drei Bestandteilen zusammensetzt. Lucia zögerte sehr lange, und nur auf starken Druck seitens des Bischofs war sie bereit, 1941 einzelne Teile daraus mitzuteilen. Sie war davon überzeugt, daß Gott ihr zur rechten Zeit selbst befehlen werde, das preiszugeben, was zu Seiner Ehre und zur Errettung der Seelen diene. Während sie im Auftrag des Bischofs die Zeit für gekommen sah, „zwei Fragen zu beantwortend, die das Geheimnis betreffen“, blieb sie dabei, daß ein weiterer Punkt noch im Verborgenen bleiben müsse. In der Tat schrieb Schwester Lucia am 2. Dezember 1940 einen Brief an Papst Pius XII., der noch nicht das Geheimnis enthielt, sondern sich lediglich «auf die Offenbarung des Geheimnisses» bezog. Erst Ende 1943 wurde der dritte Teil des Geheimnisses niedergeschrieben und im Vatikanischen Geheimarchiv hinterlegt.

Der erste Teil des Geheimnisses

ist die Vision der Hölle. Wir beschrieben sie oben am 13. Juli. Die Kinder, obwohl sehr erschöpft und zu Tode erschreckt, behielten diese Vision in ihrem Herzen. Nur ab und zu sprachen sie, wenn sie von niemandem gehört werden konnten, untereinander darüber. Das Gespräch wurde sehr oft unterbrochen durch Jacintas Mitleid erregende Aussagen über jene Seelen, die in die Hölle kommen. Diesen schloß sie üblicherweise gleich das Gebet an.

«O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden. Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle. Führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.»

In der Höllenvision sind verschiedene Aussagen, was die Zukunft betrifft, gemacht. So die Möglichkeit eines zweiten, noch schlimmeren Krieges, als es der erste Weltkrieg war. Ferner die Ankündigung, wiederzukommen und zweierlei zu verlangen: die Weihe Rußlands an ihr Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats.

«Wenn man auf meine Worte hört, wird Rußland sich bekehren und es wird Friede sein, wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören; die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden.»

Nimmt man diese Sätze einzeln, so fällt auf, daß die Gottesmutter den Sieg des Glaubens über den Atheismus (was wohl unter «Rußland» zu verstehen ist) an die Weihe Rußlands durch die Kirche bindet. Dem fügt sie noch ein Gnadenmittel hinzu: die Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats. Doch Gott zwingt nicht – er will uns gewinnen! Deshalb fügt die Gottesmutter hinzu: «wenn nicht … » Nun, der Staatsatheismus Rußlands ist seit einiger Zeit nur noch Geschichte. Eine tiefere Betrachtungsweise jedoch sagt uns, daß dies notwendigerweise so kommen mußte für den Fall, daß der Ruf der Gottesmutter zu Buße, Sühne, Rosenkranzgebet und Umkehr nicht gehört und befolgt wird. Hätte sich Rußland bekehrt im Sinne des Wunsches der Gottesmutter, wäre eine scheinbare Selbstauflösung des Kommunismus nicht notwendig gewesen; die Gnade hätte die Menschen umwandeln können. Ich sagte «scheinbare», denn tatsächlich sind weder der Kommunismus noch seine Ideale überwunden. Unter den verschiedensten neuen, noch nicht gebrandmarkten Namen tauchen dieselben Ideale heute weltweit auf; ja selbst im christlichen Abendland, das sich zunehmend seiner Gottlosigkeit rühmt («säkularisierte Gesellschaft»), dringen die von jener atheistischen Ideologie verbreiteten Auffassungen in Leben und Umwelt, nicht selten auch in die Kirche, ein und führen so, ungestört durch eine sichtbare, für ihre Verbreitung eher hinderliche Weltmacht, ihr schreckliches, seelenzersetzendes Werk fort. Nur durch eine «scheinbare» Auflösung der konzentrierten und faßbaren atheistischen Gewalt, durch das Sprengen der engen nationalen Grenzen eines Gemeinwesens konnten die atheistischen Irrlehren „Rußlands“ der ganzen Welt aufgetischt werden. « … wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die ganze Welt verbreiten … »  Diese Entwicklung kann eindeutig und klar in unserer heutigen Gesellschaft beobachtet werden. Außerordentlich wichtig scheint mir dabei die richtige Interpretation des Wortes «Rußland» zu sein! Mit Sicherheit geht es 1917 nicht um «Rußland» als Staat, der sich die ganze Welt etwa militärisch unterwerfen wird, sondern um die in «Rußland» entstandenen und entwickelten atheistischen Ideale und Wertvorstellungen, die ohne Buße und Sühne die Grenzen dieses einen Landes (der ehemaligen Sowjetunion) sprengen werden, um sich ungehindert auf der ganzen Welt verbreiten zu können. Wir sind in unseren Tagen also nicht Zeugen der Auflösung des Staatsatheismus («Rußland»), sondern der weltweiten hemmungslosen Verbreitung der von ihm verkündeten Irrlehren! Dies wurde in Fatima vorausgesagt für den Fall der Nichtbeachtung der Wünsche der Gottesmutter.  Seit Fatima wird keiner mehr sagen können, er habe «es nicht gewußt … », wie dies am Ende des 2. Weltkrieges der Fall war…  Bleibt uns nur zu hoffen, daß die anschließende Prophezeiung der Gottesmutter, wonach diese Irrlehren « … Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören … » werden, durch das Gebet des Rosenkranzes, durch Umkehr, Buße und Sühne abgemildert oder gar abgewendet werden kann. Bedingungslos hingegen steht der Abschlußsatz der Höllenvision: „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren!“ Er gibt uns Mut, den von der Gottesmutter eindeutig angekündigten Ereignissen hoffnungsvoll in die Augen zu schauen.

Der zweite Teil des Geheimnisses

von Fatima hat seinen Ursprung ebenfalls in den abschließenden Aussagen der Höllenvision und bezieht sich auf die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens. Lucia selbst spricht der Verehrung des Unbefleckten Herzens große Gnadenwirkkraft zu, die jedem zuteil wird, der sich um das richtige Verständnis dieser Verehrung bemüht. In einem Jahrhundert, in dem die Menschen, gehetzt durch Technik und Computer, innerlich kalt und herzlos werden, in der viele Ehen zerrüttet sind und das millionenfache Weinen von Waisenkindern den Tagesablauf der Welt bestimmt, schenkt uns Maria die Wärme ihres Mutterherzens. Lucia schreibt, daß ihr die Einsicht in die Notwendigkeit dieser Verehrung durch Maria selbst gegeben wurde. Im Brief über den zweiten Teil des Geheimnisses schreibt sie an ihren Bischof, die Gottesmutter habe sie am 13. Juni wissen lassen, „sie werde mich nicht verlassen, und ihr Unbeflecktes Herz werde meine Zuflucht sein und der Weg, der mich zu Gott führen soll. Bei diesen Worten öffnete sie ihre Hände; helle Strahlen kamen daraus hervor, die sie uns in die Brust dringen ließ. Es scheint mir, daß das Licht an diesem Tag hauptsächlich den Zweck hatte, uns die Erkenntnis und die besondere Liebe zum Unbefleckten Herzen Mariens einzugießen, so wie das in den beiden anderen Fällen hinsichtlich Gottes und des Geheimnisses der Allerheiligsten Dreifaltigkeit geschah, wie mir scheint.“ Daß es sich hier offenbar um eine «eingegossene Gabe» handelt, was man nur durch eine hohe mystische Gnade erklären kann, liegt auf der Hand. Mit dem «Weg, der zu Gott führen soll», mit der Verehrung des Unbefleckten Herzens als wesentlicher Teil des Fatima-Geheimnisses, werden wir uns in der Folge noch beschäftigen müssen. (Siehe den Abschnitt: DIE SÜHNESAMSTAGE)

Den dritten Teil des Geheimnisses

schrieb Schwester Lucia erst Ende 1943 nieder. Ab 1960 hätten die Päpste die Möglichkeit gehabt, diesen Brief, der im Archiv der Kongregation für die Glaubenslehre aufbewahrt wird, zu veröffentlichen. Dies ist bisher noch nicht geschehen. Auf meine persönliche mündliche Anfrage an Bischof Alberto Cosma do Amaral von Leiria-Fatima (1992), warum dieser Brief noch nicht veröffentlicht wurde, erhielt ich die Antwort, daß es dem Heiligen Vater überlassen bleibe, den Zeitpunkt zu bestimmen. Im übrigen, so der Bischof, wäre es unklug, diesen Brief zu veröffentlichen, da sehr konkrete Dinge über die Zukunft der Menschheit und insbesondere der Kirche drinnen stünden. Würde der Hl. Vater ihn jetzt veröffentlichen, dann wäre er eine Zeitlang, wie alles andere, eine Sensation, um nachher vergessen zu werden. Dies käme dem ernsten Inhalt des Briefes und auch dem Wohl der Menschheit nicht zugute. Auch sei, so der Bischof, das im Brief Geschriebene von äußeren Umständen und Entwicklungen in der Kirche abhängig. Der Brief würde nicht verstanden werden, wenn man ihn vor dem Eintreten dieser Entwicklungen veröffentlichte; er würde im entscheidenden Augenblick dann nicht mehr beachtet werden und so wirkungslos bleiben. Schließlich machte der Bischof noch den Hinweis auf die Katechese der Botschaft, auf die im Anschluß an die Fatima- Ereignisse entstandene Sühneandacht zu Ehren des Unbefleckten Herzens Mariens sowie auf Aussagen des Neuen Testaments von den Evangelien bis zur Offenbarung des Johannes. Wir erinnern hier an die am Anfang der Botschaften schon zitierte Aussage von Papst Johannes Paul 11. in Fulda.

Als PAPST JOHANNES PAUL II. im November 1980 bei seinem Deutschlandbesuch in Fulda von Journalisten nach dem sogenannten „Dritten Geheimnis von Fatima“ gefragt wurde, antwortete er kurz: Ihr kennt den Inhalt aus der Bibel. Lebt ihn! Für ihn, der keinen Rundbrief schreibt und keine Ansprache hält ohne irgendeinen direkten Bezug zur Mutter Jesu herzustellen, und der kein Land besucht, ohne den dortigen Marienwallfahrtsort zu besuchen, scheint es sonnenklar zu sein, daß es in Fatirna keine Botschaft gab, die nicht schon in der Bibel nachzulesen wäre. Der Heilige Vater wird ein knappes halbes Jahr nach seiner Aussage in Fulda  einem tödlichen Attentat entgehen. Am 13. Mai 1982 wird er in Fatirna der Gottesmutter Dank sagen für die wunderbare Errettung. Der sich vorher schon so sehr Maria übergab, daß er in sein Wappen die Worte „Totus Tuus – Ganz Dein!“ aufnahm, eilte, aus der Gefahr errettet, nach Fatima, um dieselben Worte zu bestätigen und zu erfüllen.

Es war SEIN WEG nach Fatima!

DER VERÖFFENTLICHTE TEXT IM WORTLAUT:

Veröffentlichung des 3. Teils des „Geheimnisses von Fatima“ und offizielle Erklärung des Geheimnisses

Rom, 26. Juni 2000, Pressekonferenz mit Joseph Kardinal Ratzinger, Kongregation für die Glaubenslehre

 

Die Botschaft von Fatima

 

EINFÜHRUNG

Am Übergang vom zweiten zum dritten Jahrtausend hat Papst Johannes Paul II. entschieden, den Wortlaut des dritten Teils des „Geheimnisses von Fatima“ zu veröffentlichen. Nach den aufregenden und grausamen Ereignissen des zwanzigsten Jahrhunderts, das zu den kritischsten der Menschheitsgeschichte zählt und im blutigen Attentat gegen den „milden Christus auf Erden“ gipfelte, wird nunmehr über einer Wirklichkeit ein Vorhang aufgetan, der Geschichte macht und diese Wirklichkeit auf tiefsinnige Weise in einem geistlichen Horizont deutet, für den die heutige Geisteshaltung, die oft das Wasserzeichen des Rationalismus trägt, keinen Sinn hat. Erscheinungen und übernatürliche Zeichen unterbrechen die Geschichte. Sie treten auf lebendige Weise in die menschlichen Fährnisse ein und begleiten den Weg der Welt, wobei sie Gläubige und Ungläubige überraschen. Diese Kundgaben, die dem Inhalt des Glaubens nicht widersprechen können, müssen auf den zentralen Gegenstand der Verkündigung Christi zulaufen: die Liebe des Vaters, der die Menschen zur Umkehr bewegt und die Gnade schenkt, sich in kindlicher Ergebenheit ihm zu überlassen. Das ist auch die Botschaft von Fatima, die mit ihrem bekümmerten Ruf zu Umkehr und Buße tatsächlich zum Herzen des Menschen vordringt. Fatima ist unter den modernen Erscheinungen zweifellos die prophetischste. Der erste und der zweite Teil des „Geheimnisses“, die der Reihe nach zur Vervollständigung der Dokumentation veröffentlicht werden, beziehen sich vor allem auf die schreckliche Vision von der Hölle, die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens, den Zweiten Weltkrieg und sodann auf die Vorhersage der ungeheuren Schäden, die das vom christlichen Glauben abgefallene und dafür dem kommunistischen Totalitarismus verfallene Rußland der Menschheit zufügen würde. Keiner hätte sich das alles im Jahre 1917 vorstellen können: Die drei Hirtenkinder von Fatima schauen, hören und bewahren es im Gedächtnis auf, und Lucia, die Zeugin, die überlebt hat, schreibt es nieder in dem Augenblick, als sie vom Bischof von Leiria den Auftrag und von Unserer Lieben Frau die Erlaubnis erhält.

Im Hinblick auf die Beschreibung der beiden ersten Teile des „Geheimnisses“, das übrigens schon veröffentlicht und daher bekannt ist, wurde der Text gewählt, den Schwester Lucia in der dritten Erinnerung am 31. August 1941 niedergeschrieben hat; in der vierten Erinnerung vom 8. Dezember 1941 werden dann einige Bemerkungen angefügt.

Der dritte Teil des „Geheimnisses“ wurde „auf Anweisung Seiner Exzellenz, des Hochwürdigsten Herrn Bischofs von Leiria, und der Allerheiligsten Mutter …“ am 3. Januar 1944 niedergeschrieben. Es gibt nur eine einzige Handschrift, die hier fotostatisch wiedergegeben wird. Der versiegelte Umschlag wurde zunächst vom Bischof von Leiria aufbewahrt. Um das „Geheimnis“ besser zu schützen, wurde der Umschlag am 4. April 1957 dem Geheimarchiv des Heiligen Offiziums übergeben. Schwester Lucia wurde davon vom Bischof von Leiria in Kenntnis gesetzt. Archivnotizen zufolge hat am 17. August 1959, mit Einverständnis seiner Eminenz des Hochwürdigsten Herrn Kardinal Alfredo Ottaviani, der Kommissar des Heiligen Offiziums Pater Pierre Paul Philippe O.P. den Umschlag, der den dritten Teil des „Geheimnisses von Fatima“ enthält, Papst Johannes XXIII. überbracht. Seine Heiligkeit sagte „nach einigem Zögern“: „Laßt uns warten. Ich werde beten. Ich werde wissen lassen, was ich entschieden habe“.(1) Tatsächlich hat Papst Johannes XXIII. entschieden, den versiegelten Umschlag an das Heilige Offizium zurückzuschicken und den dritten Teil des „Geheimnisses“ nicht zu offenbaren. Paul VI. hat den Inhalt gemeinsam mit dem Substituten Seiner Exzellenz Msgr. Angelo Dell’Acqua am 27. März 1965 gelesen und den Umschlag an das Archiv des Heiligen Offiziums mit der Entscheidung zurückgesandt, den Text nicht zu veröffentlichen. Johannes Paul II. hat seinerseits den Umschlag mit dem dritten Teil des „Geheimnisses“ nach dem Attentat vom 13. Mai 1981 erbeten. Seine Eminenz der Kardinalpräfekt der Kongregation Franjo Seper übergab am 18. Juli 1981 an Seine Exzellenz Msgr. Eduardo Martinez Somalo, den Substituten des Staatssekretariats, zwei Umschläge: – einen weißen mit dem Originaltext von Schwester Lucia auf portugiesisch; – einen weiteren orangefarbenen mit der Übersetzung des „Geheimnisses“ auf italienisch. Am darauffolgenden 11. August hat Msgr. Martinez die beiden Umschläge dem Archiv des Heiligen Offiziums zurückgegeben.(2) Wie bekannt ist, hat Papst Johannes Paul II. sofort daran gedacht, die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen. Er selbst hat ein Gebet verfaßt für diesen von ihm so genannten „Vertrauensakt“, der in der Basilika Santa Maria Maggiore am 7. Juni, dem Hohen Pfingstfest 1981, gefeiert werden sollte. Diesen Tag hatte man gewählt, um 1600 Jahre nach dem ersten Konzil von Konstantinopel und 1550 Jahre nach dem Konzil von Ephesus zu gedenken. Da der Papst gezwungenermaßen abwesend war, wurde seine aufgezeichnete Ansprache übertragen. Wir geben den Text wieder, der sich genau auf den Vertrauensakt bezieht:

„O Mutter der Menschen und der Völker, Du kennst all ihre Leiden und Hoffnungen,

Du fühlst mit mütterlicher Anteilnahme alles Kämpfen zwischen Gut und Böse, zwischen dem Licht und der Dunkelheit,

von der die Welt befallen ist –  erhöre unseren Ruf, den wir im Heiligen Geist unmittelbar an Dein Herz richten.

Umfange mit der Liebe der Mutter und der Magd des Herrn jene, die diese liebende Zuneigung am meisten ersehnen,

und zugleich auch diejenigen, auf deren Vertrauen Du besonders wartest!

Nimm die ganze Menschheitsfamilie, die wir mit liebender Hingabe Dir, o Mutter, anvertrauen, unter Deinen mütterlichen Schutz.

Mögen allen Menschen Zeiten des Friedens und der Freiheit, Zeiten der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Hoffnung beschieden sein!“(3)

Doch der Heilige Vater wollte noch vollkommener auf die Bitten „Unserer Lieben Frau“ antworten. So hat er während des Heiligen Jahres der Erlösung den Vertrauensakt vom 7. Juni 1981 entfaltet und in Fatima am 13. Mai 1982 wiederholt. Eingedenk des „Fiat“, das Maria im Augenblick der Verkündigung gesprochen hat, vertraut der Papst am 25. März 1984 auf dem Petersplatz in geistlicher Einheit mit den zuvor „zusammengerufenen“ Bischöfen der Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens die Menschen und Völker an. Er tut dies mit Anspielungen, die an die von Kummer gezeichneten und im Jahre 1981 gesprochenen Worte erinnern:

„Darum, o Mutter der Menschen und Völker, die du alle ihre Leiden und Hoffnungen kennst und mit mütterlichem Herzen an allen Kämpfen zwischen Gut und Böse,

zwischen Licht und Finsternis Anteil nimmst,  die unsere heutige Welt erschüttern,

höre unser Rufen, das wir unter dem Antrieb des Heiligen Geistes direkt an dein Herz richten;

umfange mit deiner Liebe als Mutter und Magd des Herrn diese unsere Welt,

die wir dir anvertrauen und weihen,  erfüllt von der Sorge um das irdische und ewige Heil der Menschen und Völker.

In besonderer Weise überantworten und weihen wir dir jene Menschen und Nationen,

die dieser Überantwortung und Weihe besonders bedürfen.

Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesmutter!

Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten!“

Dann fährt der Papst mit stärkerem Nachdruck fort und mit konkreten Anspielungen, als wolle er gleichsam kommentieren, in welch trauriger Weise sich die Botschaft von Fatima bewahrheitet hat:

„Vor dir, o Mutter Christi, vor deinem Unbefleckten Herzen, möchten wir uns heute zusammen mit der ganzen Kirche

mit jener Weihe vereinen, durch die dein Sohn aus Liebe zu uns sich selber dem Vater geweiht hat,

indem er sprach: Ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind (Joh 17,19).

Wir wollen uns in dieser Weihe für die Welt und für die Menschen mit unserem Erlöser verbinden;

in seinem göttlichen Herzen findet eine solche Weihe die Kraft, Verzeihung zu erlangen und Sühne zu leisten.

Die Kraft dieser Weihe dauert durch alle Zeiten und umfängt alle Menschen, Völker, Nationen;

sie überwindet alles Böse, welches der Fürst der Finsternis im Herzen des Menschen und in seiner Geschichte

zu wecken vermag und in unseren Zeiten auch tatsächlich geweckt hat.

Wie tief empfinden wir das Bedürfnis nach dieser Weihe für die Menschheit und für die Welt,

für unsere heutige Welt: der Weihe, die wir in Einheit mit Christus vollziehen.

Das Erlösungswerk Christi muß ja durch die Kirche an die Welt vermittelt werden.

Das zeigt das gegenwärtige Jahr der Erlösung, das außerordentliche Jubiläum der ganzen Kirche.

Sei in diesem Heiligen Jahr gepriesen über alle Geschöpfe, du Magd des Herrn,

die du dem göttlichen Ruf in vollkommenster Weise gefolgt bist.

Sei gegrüßt, die du mit der erlösenden Weihe deines Sohnes auf das engste verbunden bist!

Mutter der Kirche!

Erleuchte das Volk Gottes auf den Wegen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe!

Erleuchte besonders die Völker, deren Weihe und Überantwortung du von uns erwartest.

Hilf uns, die Weihe Christi für die gesamte Menschheitsfamilie der heutigen Welt

in ganzer Wahrheit zu leben!

Wenn wir dir, o Mutter, die Welt, alle Menschen und Völker anvertrauen,

so vertrauen wir dir dabei auch diese Weihe der Welt an und legen sie in dein mütterliches Herz.

O Unbeflecktes Herz,

hilf uns, die Gefahr des Bösen zu überwinden, das so leicht in den Herzen der heutigen Menschen Wurzel faßt

und dessen unermeßliche Auswirkungen über dem heutigen Leben lasten und den Weg in die Zukunft zu versperren scheinen.

Von Hunger und Krieg: befreie uns!

Von Atomkrieg, unkontrollierter Selbstzerstörung und jeder Art des Krieges: befreie uns!

Von den Sünden gegen das Leben des Menschen von seinen Anfängen an: befreie uns!

Vom Haß und von der Mißachtung der Würde der Kinder Gottes:  befreie uns!

Von jeder Ungerechtigkeit im sozialen, nationalen und internationalen Leben: befreie uns!

Von leichtfertiger Übertretung der Gebote Gottes: befreie uns!

Vom Versuch, in den Herzen der Menschen sogar die Wahrheit von Gott zu ersticken: befreie uns!

Vom Verlust des Bewußtseins von Gut und Böse: befreie uns!

Von den Sünden gegen den Heiligen Geist:  befreie uns, befreie uns!

Höre, Mutter Christi, diesen Hilfeschrei, in welchem das Leid aller Menschen zu dir ruft, das Leid ganzer Völker!

Hilf uns mit der Kraft des Heiligen Geistes,  alle Sünde zu besiegen:

die Sünde des Menschen und die ‚Sünde der Welt‘, die Sünde in jeglicher Form.

Noch einmal zeige sich in der Geschichte der Welt  die unermeßliche Heilskraft der Erlösung: die Macht der

erbarmenden Liebe!

Möge sie dem Bösen Einhalt gebieten!

Möge sie die Gewissen wandeln!

In deinem Unbefleckten Herzen offenbare sich allen das Licht der Hoffnung!“.(4)

Schwester Lucia bestätigte persönlich, daß dieser feierliche und universale Weiheakt dem entsprach, was Unsere Liebe Frau wollte („Sim, està feita, tal como Nossa Senhora a pediu, desde o dia 25 de Março de 1984“: „Ja, es ist so geschehen, wie es Unsere Liebe Frau am 25. März 1984 erbeten hatte“: Brief vom 8.November 1989). Jede Diskussion und jegliches weiteres Bittgesuch haben daher kein Fundament.

In der dargebotenen Dokumentation werden den Handschriften von Schwester Lucia vier weitere Texte beigefügt:

der Brief des Heiligen Vaters an Schwester Lucia vom 19. April 2000;
eine Beschreibung des Gesprächs mit Schwester Lucia vom 27. April 2000;
die Mitteilung, die Seine Eminenz Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano im Auftrag des Heiligen Vaters am 13. Mai des Jahres in Fatima verlesen hat;
der theologische Kommentar Seiner Eminenz des Präfekten der Glaubenskongregation Joseph Kardinal Ratzinger.
Einen Hinweis für die Deutung des dritten Teils des „Geheimnisses“ hatte schon Schwester Lucia gegeben, als sie am 12. Mai 1982 in einem Brief an den Heiligen Vater schrieb: „Der dritte Teil des Geheimnisses bezieht sich auf die Worte Unserer Lieben Frau: „Wenn nicht, dann wird es [Rußland] seine Irrlehren über die Welt verbreiten,

wird Kriege und Verfolgungen der Kirche heraufbeschwören, die Guten werden gemartert werden und der Heilige Vater wird viel zu leiden haben. Verschiedene Nationen werden vernichtet werden“ (13. Juli 1917).

Der dritte Teil des Geheimnisses ist eine symbolische Offenbarung, die sich auf diesen Teil der Botschaft bezieht und von der Tatsache abhängig ist, ob wir das annehmen oder nicht, was die Botschaft von uns verlangt: „Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Rußland sich bekehren, und es wird Friede sein; wenn nicht, dann wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, usw“.

Von dem Augenblick an, da wir dem Ruf der Botschaft nicht Rechnung trugen, stellen wir fest, daß die Botschaft sich bewahrheitet hat, daß Rußland die Welt mit seinen Irrlehren eingenommen hat. Und wenn wir die vollständige Erfüllung des Endes dieser Prophezeiung noch nicht feststellen, dann sehen wir, daß wir allmählich mit weiten Schritten darauf zusteuern. Wenn wir nicht den Weg der Sünde, des Hasses, der Rache, der Ungerechtigkeit, der Verletzung der menschlichen Person, des unmoralischen Verhaltens und der Gewalt usw. verlassen. Und sagen wir nicht, daß Gott es ist, der uns so straft; im Gegenteil: Es sind die Menschen, die sich selbst die Strafe bereiten. Gott gibt uns das in seiner Fürsorge kund und ruft auf den guten Weg. Dabei achtet er die Freiheit, die er uns gegeben hat. Deshalb sind die Menschen verantwortlich“.(5)

Die Entscheidung des Heiligen Vaters Papst Johannes Paul II., den dritten Teil des „Geheimnisses“ von Fatima zu veröffentlichen, beschließt einen Zeitabschnitt, der davon gezeichnet ist, daß sich menschliches Wollen auf tragische Weise mit Gewalt und Bosheit verbinden kann. Gleichzeitig ist diese Zeit aber auch durchdrungen von der barmherzigen Liebe Gottes und von der Sorge, mit der die Mutter Jesu und die Mutter der Kirche wacht.

Das Wirken Gottes, des Herrn der Geschichte, und die Mitverantwortung des Menschen in seiner dramatischen und fruchtbaren Freiheit sind die beiden Stützen, auf denen die Geschichte der Menschheit gebaut ist. Die Madonna, die in Fatima erschienen ist, ruft uns diese vergessenen Werte ins Gedächtnis. Sie erinnert uns, daß die Zukunft des Menschen in Gott liegt. Dabei kommt uns eine aktive und verantwortungsvolle Rolle zu.

+ TARCISIO BERTONE, SDB
Emeritierter Erzbischof von Vercelli
Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre

Das „Geheimnis“ von Fatima

Erster und zweiter Teil des „Geheimnisses“, wie es Schwester Lucia in der „dritten Erinnerung“ am 31. August 1941 aufgezeichnet und für den Bischof von Leiria-Fatima bestimmt hat

Wir bringen im Folgenden die offiziellen deutschen Übersetzungen des Vatikans

 

„Ich werde daher etwas über das Geheimnis sagen und die erste Frage beantworten müssen. Welches ist das Geheimnis? Ich glaube, ich kann es sagen, da ich doch die Erlaubnis vom Himmel dazu habe. Die Vertreter Gottes auf Erden haben mich verschiedentlich und in mehreren Briefen dazu ermächtigt. Ich glaube, daß Eure Exzellenz einen davon aufbewahrt. Er stammt von P. Jose Bernardo Gonçalves, und er trug mir darin auf, an den Heiligen Vater zu schreiben. Ein Punkt in diesem Schreiben bezieht sich auf die Offenbarung des Geheimnisses. Etwas habe ich bereits gesagt. Aber um dieses Schreiben, das kurz sein sollte, nicht zu lang werden zu lassen, habe ich mich auf das Nötigste beschränkt und überließ es Gott, mir eine günstigere Gelegenheit dafür zu geben.

Im zweiten Schreiben habe ich bereits den Zweifel geschildert, der mich vom 13. Juni bis 13. Juli quälte und der bei dieser Erscheinung völlig verschwand. Nun gut!

Das Geheimnis besteht aus drei verschiedenen Teilen, von denen ich zwei jetzt offenbaren will.

Der erste Teil des Geheimnisses

Der erste Teil war die Vision der Hölle. Unsere Liebe Frau zeigte uns ein großes Feuermeer, das in der Tiefe der Erde zu sein schien. Eingetaucht in dieses Feuer sahen wir die Teufel und die Seelen, als seien es durchsichtige schwarze oder braune, glühende Kohlen in menschlicher Gestalt. Sie trieben im Feuer dahin, emporgeworfen von den Flammen, die aus ihnen selber zusammen mit Rauchwolken hervorbrachen. Sie fielen nach allen Richtungen, wie Funken bei gewaltigen Bränden, ohne Schwere und Gleichgewicht, unter Schmerzensgeheul und Verzweiflungsschreie, die einen vor Entsetzen erbeben und erstarren ließen. Die Teufel waren gezeichnet durch eine schreckliche und grauenvolle Gestalt von scheußlichen, unbekannten Tieren, aber auch sie waren durchsichtig und schwarz.

Der zweite Teil des Geheimnisses

Diese Vision dauerte nur einen Augenblick. Dank sei unserer himmlische Mutter, die uns vorher versprochen hatte, uns in den Himmel zu führen (in der ersten Erscheinung). Wäre das nicht so gewesen, dann glaube ich, wären wir vor Schrecken und Entsetzen gestorben. Wir erhoben den Blick zu Unserer Lieben Frau, die voll Güte und Traurigkeit sprach: – Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, will Gott in der Welt die Andacht zu meinem Unbefleckten Herzen begründen. Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden, und es wird Friede sein. Der Krieg wird ein Ende nehmen. Wenn man aber nicht aufhört, Gott zu beleidigen, wird unter dem Pontifikat von Papst Pius XII. ein anderer, schlimmerer beginnen. Wenn ihr eine Nacht von einem unbekannten Licht erhellt seht, dann wißt, daß dies das große Zeichen ist, daß Gott euch gibt, daß Er die Welt für ihre Missetaten durch Krieg, Hungersnot, Verfolgungen der Kirche und des Heiligen Vaters bestrafen wird. Um das zu verhüten, werde ich kommen, um die Weihe Rußlands an mein unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats zu verlangen. Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Rußland sich bekehren und es wird Friede sein. Wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören. Die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden, am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird mir Rußland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt werden.“ (7)

Der dritte Teil des „Geheimnisses“

(Übersetzung)

„J.M.J. Der dritte Teil des Geheimnisses, das am 13. Juli 1917 in der Cova da Iria, Fatima, offenbart wurde. Ich schreibe aus Gehorsam gegenüber Euch, meinem Gott, der es mir aufträgt, durch seine Exzellenz, den Hochwürdigsten Herrn Bischof von Leiria, und durch Eure und meine allerheiligste Mutter.

Nach den zwei Teilen, die ich schon dargestellt habe, haben wir links von Unserer Lieben Frau etwas oberhalb einen Engel gesehen, der ein Feuerschwert in der linken Hand hielt; es sprühte Funken, und Flammen gingen von ihm aus, als sollten sie die Welt anzünden; doch die Flammen verlöschten, als sie mit dem Glanz in Berührung kamen, den Unsere Liebe Frau von ihrer rechten Hand auf ihn ausströmte: den Engel, der mit der rechten Hand auf die Erde zeigte und mit lauter Stimme rief: Buße, Buße, Buße!

Und wir sahen

  • in einem ungeheuren Licht, das Gott ist, „etwas, das aussieht wie Personen in einem Spiegel, wenn sie davor vorübergehen“
  • einen in Weiß gekleideten Bischof; „wir hatten die Ahnung, daß es der Heilige Vater war“. Verschiedene andere Bischöfe, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen die einen steilen Berg hinaufsteigen, auf dessen Gipfel sich ein großes Kreuz befand aus rohen Stämmen wie aus Korkeiche mit Rinde.

Der Engel mit dem Flammenschwert. Das „Dritte Geheimnis von Fatima“

Bevor er dort ankam, ging der Heilige Vater durch eine große Stadt, die halb zerstört war und halb zitternd mit wankendem Schritt, von Schmerz und Sorge gedrückt, betete er für die Seelen der Leichen, denen er auf seinem Weg begegnete. Am Berg angekommen, kniete er zu Füßen des großen Kreuzes nieder. Da wurde er von einer Gruppe von Soldaten getötet, die mit Feuerwaffen und Pfeilen auf ihn schossen. Genauso starben nach und nach die Bischöfe, Priester, Ordensleute und verschiedene weltliche Personen, Männer und Frauen unterschiedlicher Klassen und Positionen. Unter den beiden Armen des Kreuzes waren zwei Engel, ein jeder hatte eine Gießkanne aus Kristall in der Hand. Darin sammelten sie das Blut der Märtyrer auf und tränkten damit die Seelen, die sich Gott näherten. Tuy, 3. Januar 1944″.

Schreiben von Johannes Paul II. an Schwester Lucia

(Übersetzung)

Ehrwürdige Schwester Maria Lucia
Konvent von Coimbra

Im Jubel der österlichen Festtage grüße ich Sie mit dem Wunsch, den der Auferstandene an seine Jünger gerichtet hat: „Der Friede sei mit dir!“ Ich freue mich, Sie am ersehnten Tag der Seligsprechung von Francisco und Jacinta treffen zu können, die – so Gott will – am kommenden 13. Mai stattfinden wird. Da jedoch an diesem Tag keine Zeit sein wird zu einem Gespräch, sondern nur für einen kurzen Gruß, habe ich eigens Seine Exzellenz Msgr. Tarcisio Bertone, Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre, beauftragt, Sie aufzusuchen und mit Ihnen zu sprechen. Diese Kongregation arbeitet engstens mit dem Papst zusammen, um den wahren katholischen Glauben zu schützen, und hat, wie Sie wissen, seit 1957 Ihren handschriftlichen Brief aufbewahrt, der den dritten Teil des Geheimnisses enthält, das am 13. Juli 1917 in der Cova da Iria, Fatima, offenbart wurde. Msgr. Bertone, der von Seiner Exzellenz Msgr. Serafim de Sousa Ferreira e Silva, dem Bischof von Leiria, begleitet wird, kommt in meinem Namen, um einige Fragen zu stellen zur Deutung des „dritten Teils des Geheimnisses“.

Ehrwürdige Schwester Maria Lucia, sprechen Sie auch offen und ehrlich mit Msgr. Bertone, der mir Ihre Antworten persönlich berichten wird.

Ich bete innig zur Mutter des Auferstandenen für Sie, für die Gemeinschaft von Coimbra und für die ganze Kirche. Maria, die Mutter der Menschheit auf dem Pilgerweg, halte uns stets eng an Jesus, ihren geliebten Sohn und unseren Bruder, den Herrn des Lebens und der Herrlichkeit.

Mit einem besonderen Apostolischen Segen.

JOHANNES PAUL II.
Aus dem Vatikan, am 19. April 2000.

Gespräch mit Schwester Maria Lucia de Jesus vom Unbefleckten Herzen

 

Das Treffen von Schwester Lucia mit Seiner Exzellenz Msgr. Tarcisio Bertone, dem Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre und Beauftragten des Heiligen Vaters, und Seiner Exzellenz Msgr. Serafim de Sousa Ferreira e Silva, dem Bischof von Leiria-Fatima, fand am vergangenen 27. April im Karmel der heiligen Teresa von Coimbra statt. Schwester Lucia war geistig wach und gelassen. Sie freute sich sehr, daß der Heilige Vater Fatima besuchen würde, um die von ihr lang ersehnte Seligsprechung von Francisco und Jacinta vorzunehmen. Der Bischof von Leiria-Fatima las den vom Heiligen Vater unterschriebenen Brief vor, der die Gründe des Besuchs erläuterte. Schwester Lucia fühlte sich dadurch geehrt und las selbst den Brief noch einmal, indem sie ihn in ihren Händen betrachtete. Sie erklärte sich bereit, auf alle Fragen frei zu antworten. An dieser Stelle legt ihr Seine Exzellenz Msgr. Tarcisio Bertone die beiden Umschläge vor: den äußeren und denjenigen, der den Brief enthält mit dem dritten Teil des „Geheimnisses“ von Fatima. Als sie ihn mit den Fingern berührt, sagt sie sofort: „Es ist mein Papier“. Und als sie ihn dann liest: „Es ist meine Schrift“.

Mit Hilfe des Bischofs von Leiria-Fatima wird der Originaltext, der auf portugiesisch abgefaßt ist, gelesen und gedeutet. Schwester Lucia teilt die Interpretation, nach der der dritte Teil des „Geheimnisses“ in einer prophetischen Schau besteht, die man mit jenen der heiligen Geschichte vergleichen kann. Sie betont ihre Überzeugung, daß sich die Vision von Fatima vor allem auf den Kampf des atheistischen Kommunismus gegen die Kirche und die Christen bezieht, und beschreibt das ungeheure Leid der Opfer des Glaubens im zwanzigsten Jahrhundert.

Auf die Frage: „Ist die Hauptperson der Vision der Papst?“, antwortet Schwester Lucia sofort mit Ja und erinnert daran, daß die drei Hirtenkinder sehr betrübt waren über das Leiden des Papstes und daß Jacinta wiederholte: “ Coitadinho do Santo Padre, tenho muita pena dos pecadores! “ („Armer Heiliger Vater, ich muß viel leiden für die Sünder!“). Schwester Lucia fährt fort: „Wir wußten den Namen des Papstes nicht; die Dame hat uns den Namen des Papstes nicht gesagt; wir wußten nicht, ob es Benedikt XV. war oder Pius XII. oder Paul VI. oder Johannes Paul II., aber es war der Papst, der litt und auch uns leiden ließ“. Was den Abschnitt anbelangt, der vom weißgekleideten Bischof handelt, d.h. vom Papst – wie die Hirtenkinder die „Vision“ sofort wahrnahmen -, der tödlich getroffen zu Boden fällt, so teilt Schwester Lucia voll die Feststellung des Papstes: „Es war eine mütterliche Hand, die die Flugbahn der Kugel leitete und der Papst, der mit dem Tode rang, blieb auf der Schwelle des Todes stehen“ (JOHANNES PAUL II., Meditation mit den italienischen Bischöfen aus dem Poliklinikum Gemelli, 13. Mai 1994).

Bevor Schwester Lucia den versiegelten Umschlag, der den dritten Teil des „Geheimnisses“ enthält, dem damaligen Bischof von Leiria-Fatima übergab, hatte sie auf den äußeren Umschlag geschrieben, daß dieser erst nach 1960 entweder vom Patriarchen von Lissabon oder vom Bischof von Leiria geöffnet werden dürfe. Daher stellt Seine Exzellenz Msgr. Bertone die Frage: „Warum gibt es den Termin 1960? Hat die Madonna dieses Datum angegeben?“ Schwester Lucia antwortet: „Es war nicht die Dame, sondern ich habe 1960 als Datum gesetzt, weil man es – wie ich spürte – vor 1960 nicht verstehen würde. Man würde es nur danach verstehen. Jetzt kann man es besser verstehen. Ich habe das geschrieben, was ich gesehen habe. Mir steht die Deutung nicht zu, sondern dem Papst“.

Schließlich kommt die Sprache auf die nicht veröffentliche Handschrift, die Schwester Lucia als Antwort auf viele Briefe von Marienverehrern und Pilgern vorbereitet hat. Das Werk trägt den Titel „Os apelos da Mensagen de Fatima“; es faßt Gedanken und Überlegungen zusammen, die in katechetischer und paränetischer Weise ihre Gefühle sowie ihre klare und einfache Spiritualität zum Ausdruck bringen. Auf die Frage, ob sie sich freue, wenn es veröffentlicht würde, gab sie die Antwort: „Wenn der Heilige Vater einverstanden ist, freue ich mich. Andernfalls gehorche ich dem, was der Heilige Vater entscheidet“.

Schwester Lucia möchte den Text der kirchlichen Autorität zur Approbation vorlegen und hegt die Hoffnung, mit ihrer Schrift einen Beitrag dafür zu leisten, die Männer und Frauen guten Willens auf den Weg zu geleiten, der zu Gott hinführt, dem letzten Ziel aller menschlichen Erwartung. Das Gespräch endet mit dem Austausch von Rosenkränzen:

Schwester Lucia erhält einen Rosenkranz als Geschenk vom Heiligen Vater; sie übergibt ihrerseits einige Rosenkränze, die sie selbst angefertigt hat. Der im Namen des Heiligen Vaters erteilte Segen beschließt die Begegnung.

Vom Jahrhundert der Sünde zum Jahrhundert der Sühne!

„Sühne für jene, die Maria direkt in ihren heiligen Bildern verunehren“

Am Ende der Erscheinung vom 13. Juli 1917 sprach die Gottesmutter:

„Ich werde wiederkommen, um die Weihe Rußlands an mein Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen zu erbitten.“

Dieses Versprechen wurde zu einer Zeit eingelöst, als die junge Postulantin Lucia für kurze Zeit von Tuy nach Pontevedra versetzt wurde. „Am 10. Dezember (1925) erschien mir die Heiligste Jungfrau in Pontevedra“, schreibt Schwester Lucia zurückblickend. Die Erscheinung war in der Zelle der Postulantin, die heute zu einer kleinen Hauskapelle umgebaut ist (unser Bild bnebenan), in einer leuchtenden Wolke; an der Seite der Gottesmutter war das Jesuskind zu sehen.

Die Gottesmutter legte ihre Hand auf die Schulter von Sr. Lucia  und zeigte ein von Dornen umgebenes Herz, das sie in der rechten Hand hatte. Das Kind sagte: „Habe Mitleid mit dem Herzen deiner Heiligsten Mutter, umgeben von Dornen, mit denen die undankbaren Menschen es ständig durchbohren, ohne daß jemand einen Sühneakt machen würde, um sie herauszuziehen.“

Darauf sagte die Heiligste Jungfrau: „Meine Tochter, schau mein Herz, umgeben von Dornen, mit denen die undankbaren Menschen durch ihre Lästerungen und Undankbarkeiten es ständig durchbohren. Suche wenigstens du mich zu trösten und teile mit, daß ich verspreche, all jenen in der Todesstunde mit allen Gnaden, die für das Heil dieser Seelen notwendig sind, beizustehen, die fünf Monate lang jeweils am ersten Samstag beichten, die heilige Kommunion empfangen, einen Rosenkranz beten und mir während 15 Minuten durch Betrachtung der 15 Rosenkranzgeheimnisse Gesellschaft leisten in der Absicht, mir dadurch Sühne zu leisten.“ …

„Meine Tochter, der Grund ist einfach: Es geht um die fünf Arten von Beleidigungen und Lästerungen, die gegen das Unbefleckte Herz Mariens begangen werden:

a) die Lästerungen gegen die Unbefleckte Empfängnis,

b) gegen ihre Jungfräulichkeit,

c) gegen ihre Gottesmutterschaft, zugleich mit der Ablehnung, sie als Mutter der Menschen anzuerkennen;

d) jene, die öffentlich versuchen, den Kinderherzen die Gleichgültigkeit, die Verachtung und sogar den Haß gegen diese unbefleckte Mutter einzuflößen;

e) jene, die sie direkt in ihren heiligen Bildern verunehren.“

Über die fünf Sühnesamstage

von Fatima berichteten wir schon in einer vorhergehenden Ausgabe. Machen wir uns heute Gedanken über eine scheinbar schlichte und harmlose Aussage. Wir sind aufgefordert, Sühne zu leisten für jene, die Maria in ihren Bildern verunehren. Was ist darunter zu verstehen?

Natürlich darf man davon ausgehen, dass es eine Gott wohlgefällige Andacht ist, das Bildnis seiner heiligsten Mutter, der auserlesenen Braut des Heiligen Geistes, in Ehren zu halten. Doch um diese natürliche Haltung einer Mutter gegenüber zu fordern braucht es keine Botschaft des Himmels. Die Ehre der Eltern hat Gott schon im 4. Gebot verankert: „Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass es dir wohlergehe und du lange lebest auf Erden!“ (5 Mos 5,16). Vielmehr ist zu vermuten, dass es hier um das Bild Jesu geht, das er in seinem Herzen von seiner Mutter trug beziehungsweise um das Bild, das Maria von Jesus in ihrem Herzen bewahrte. Es gilt also tiefer einzudringen in diesen fünften Grund, die Sühnesamstage ernst zu nehmen. Um die beiden Herzensbilder verständlicher zu machen, benützen wir zwei Berichte aus der Hl. Schrift. Sie zeigen exemplarisch an, was unter dem „Bild Mariens“ zu verstehen ist.

Einst gab es in Kanaa

eine Hochzeit, zu der auch Maria aus Nazareth und ihr Sohn geladen waren. Vorerst Gäste wie alle anderen. Plötzlich war kein Wein mehr da. Das könnte für das junge Paar peinlich werden. Maria aus Nazareth zeigt grosses Mitgefühl für die Not des Brautpaares. Für sie tut es nichts zur Sache, dass vielleicht der eine oder andere schon zu viel getrunken hat. Mit feinem Gespür nimmt sie die Not wahr. Nur sie allein kennt ihren Sohn. Nur sie allein weiss, dass der Gottessohn zugegen ist. Vor dreissig Jahren sagte sie zur Menschwerdung des Gottessohnes: „Fiat – Mir geschehe nach deinem Wort; ich selbst bin ja nur die Magd Gottes.“ Sie ist auch hier auf der Hochzeit nur die Magd ihres göttlichen Sohnes. Die Aussage ist eher eine Bitte an Ihn: „Sie haben keinen Wein mehr!“ (Joh 2,3)

In diesem Augenblick geschieht etwas ungeheuerlich Grosses! Jesus offenbart jenes Bild, das er in seinem Herzen von seiner Mutter trug. Er liebt seine Mutter über alles. Er weiss, wenn er erfüllt, was in der Bitte ausgedrückt wurde, gibt es für ihn kein Zurück mehr. Die Blicke Mariens und Jesu kreuzen sich. Sie reden Bände. Die Antwort Jesu wird kein Mensch je in seiner ganzen Fülle erfassen können! „Mutter! Sag mir, dass meine Zeit noch nicht gekommen ist! Mutter, wenn ich tue, was du verlangst, dann darf ich nicht mehr mit dir nach Nazareth in die Geborgenheit deines trauten Heimes zurück – dann beginnt mein Weg nach Jerusalem; er wird auf Golgotha enden! Mutter! Sag mir, dass meine Zeit noch nicht gekommen ist!“ Doch Maria ist und bleibt die Magd des Herrn. Nur des Herren Wille zählt. Noch kreuzen sich die Blicke. „Geh, mein Sohn! Du wirst das Volk lehren, du wirst es zum Vater führen! Geh, mein Sohn! Beginne deinen Weg nach Kalvaria! Die Menschheit wartet auf dich! Sie sehnt sich nach dir, nach der Erlösung, nach der Hinführung ins Reich deines Vaters!“

Das stumme Gespräch ist beendet. Die Mutter hat entschieden und der Sohn fügt sich. Jetzt kann sie – ohne weitere Worte an Jesus zu richten – zu den Dienern sagen: „Was er euch sagt, das tut!“ Das Wunder ist schon längst geschehen. Was nun folgt, ist der blosse Beweis der Hinwendug Gottes zur Not des Menschen; erster zaghafter Beweis jener Aufgabe, welche Maria inskünftig in diesem Leben und im Jenseits zufällt: Eintreten für die Menschen, Fürsprecherin sein! Jesus wird das Wasser nicht berühren, gleich den Augen des Blindgeborenen; er wird die sonst immer vor einem Wunder übliche Frage „Glaubst du…“ auch nicht stellen. Mariens Glaube bürgt für die Tat. „Füllt die Krüge mit Wasser und bringt es dem Speisemeister!“ (Joh 2,7-8)

Keiner kennt das Herz seiner Mutter besser als er! Nicht das Wunder von Kanaa in Galiläa ist in diesem biblischen Bericht das Wichtige – nein! Hier geht es um mehr! Hier wird jene unglaubliche Macht gelüftet, mit der die Allerheiligste Dreifaltigkeit Maria ausgestattet hat. Sie – und kein anderer – bestimmt die Stunde, wann das Werk der Erlösung seinen Lauf nimmt. Damals mit dem „Fiat“ und hier mit dem Anstoss an den Gottessohn: Gehe und offenbare Deinen Auftrag, die Menschheit zu erlösen! Im durch Maria festgelegten Zeitpunkt und angestossen von ihr, beginnt Jesus sein öffentliches Wirken. Er geht nicht mehr zurück nach Nazareth, sondern beginnt mit dem erhabenen Bild seiner Mutter im Herzen den Weg nach Jerusalem, nach Golgotha! Ginge es bei diesen biblischen Bericht „nur“ um das Wunder, wäre dieser Moment aus dem Leben Jesu, angesichts der viel grösseren Wunder, die er vollbrachte, nie aufnotiert worden. Nein, hier geht es um den deutlichen Hinweis, wie eng verknüpft aber auch mitentscheidend Marias Rolle im Heilsplan Gottes ist!

Die vierte Station des Kreuzwegs

Die vierte Station des Kreuzwegs trägt dieselben Züge wie die Hochzeit zu Kanaa, wenn es um das Verhältnis zwischen Jesus und seiner Mutter geht. Und dennoch gibt es einen grossen Unterschied. Hier wird uns das Bild Mariens offenbart, das sie von Ihrem Sohne Jesus in sich trug.

Mariens Unruhe treibt sie nach Jerusalem. Aber es scheint zu spät zu sein. Schon hat die Welt ihr Urteil über Gott gesprochen. Damals wie heute gibt es Menschen, die mit Mariens Hinweis: „Was er euch sagt das tut“ (Joh 2,5) nicht viel anfangen können. So klingt es heute: Ich kann einfach nicht glauben; ich will nicht glauben; ich „suche“ Gott; Naturkräfte ja – aber Gott..? Wenn schon Gott – aber warum dann Kirche…? Und so klang es damals: „Ans Kreuz mit ihm!“

Maria sieht ihren Sohn: das Gesicht blutüberströmt, staubig verklebt, die Dornen der Krone ziehen Blutstriemen quer übers Gesicht. Das Kreuz ist gross und schwer – eben erhebt er sich vom ersten Fall. Maria steht vor ihrem Sohn Auge in Auge. „Ist das der Weg, auf den ich ihn damals in Kanaa geschickt habe?“ Es ist nicht das Bild, das Maria von ihrem Sohne im Herzen trägt! Ihre Blicke kreuzen sich wie damals und sprechen Bände. „Ja, Mutter, das ist der Weg, den ich gehen will! Was du siehst, ist nicht Mein Angesicht! Du siehst in meinem Angesicht die gesamte Menschheit. Du siehst ihre Seelen, zermartert und zerfetzt durch die Sünde, untergegangen im Staub der Versuchungen dieser Welt, blutend aus allen Wunden, die nach Linderung schreien, durch ihre eigenen Vergehen mit schier untragbaren Kreuzen beladen! Siehe, Mutter, das ist die Menschheit, die ich Dir in einigen Stunden vom Kreuze herab anvertrauen werde. Siehe deine Söhne; siehe deine Töchter; siehe die unschuldig Gemarterten; siehe die blutigen Hände der Mächtigen und die von Geisselhieben zerfurchten Rücken jener, die mir folgen werden; siehe die Ungeborenen, in den Staub der Erde zurückgekehrten noch ehe sie zum Leben geboren wurden; siehe das Antlitz der erbarmungswürdigen Menschheit…. Ja, Mutter, das ist der Weg, den ich gehen will!“

Das „Fiat – ich bin ja nur eine Magd des Herrn!“ weitet sich in diesem Augenblick auf die ganze Menschheit aus. Nur weil Jesus dieses erneute „Fiat“ seiner Mutter sah und angenommen hat, kann er vom Kreuze herab sie, die reinste, die unbefleckte Jungfrau, zur Mutter aller Menschen bestimmen! Im Antlitz ihre Sohnes liebt sie fortan jene Menschheit, denen „der Wein ausgegangen ist“, deren Glaube geschwunden ist. Und sie wird sich, wie einst in Kanaa, mit grosser Sorge ihr zuwenden. Sie wird zu den Menschen sprechen, ob in La Salette oder Lourdes, ob in Fatima oder an jedem Wallfahrtsort der Welt! Sie wird zu Einsicht, Busse, Umkehr und Sühne aufrufen. Und sie wird dabei immer nur das eine, wahre Bild Jesu in ihrem Herzen tragen, das auch die 4. Station nicht auslöschen konnte. In diesem Antlitz hat sie uns auch ins Herz geschlossen und sie kann nichts anderen wollen, als dass alle Menschen in ihrem Herzen mit dem Bild Ihres Jesus sich begegnen.

Das also ist das Bild

Das also ist das Bild von dem in Pontevedra gesprochen wird. Es ist, als würde Jesus uns sagen: Macht mit mir was ihr wollt, ihr Menschen! Geisselt mich, krönt mich erneut mit Dornen, legt alle eure schweren Lasten auf meine Schulter, kreuzigt mich sooft ihr wollt, denn ich bin euer Erlöser! Meine Barmherzigkeit wird immer siegen! Ich werde euch in meinem unendlichen Erbarmen verzeihen bis ich wiederkomme in Herrlichkeit! Aber bitte lasst das Bild meiner Mutter – eurer Mutter – unangetastet! Liebt es und pflegt es, beleidigt es nicht weiter! Tut Sühne für die Beleidigungen gegen ihr unbeflecktes Herz! Legt das Bild, das ich von ihr in meinem Herzen trage, in die Herzen eurer Kinder! Gebt eure Kinder nicht der Sünde und dem Staub der Erde preis!

Als die Gottesmutter in Fatima erschien

begann das blutigste Jahrhundert der Sünde und des Hasses, das die Menschheit je kannte. Maria steht in Fatima im Geiste erneut vor der 4. Station; sie sieht die Menschheit und will ihr helfen! Sie ruft zur Umkehr, zur Sühne, zur Busse. Wurde ihre zarte, liebende, mütterliche Stimme gehört? Wäre dem so, wir würden nicht über ein grausames Jahrhundert sprechen!

Was ist zu tun?

Die Antwort ist einfacher, als man denkt: Kehren wir um; wenden wir uns erneut Gott zu; geben wir unseren Kindern einen unverfälschten Glauben weiter; beschützen wir sie vor dem Glaubensabfall; beginnen wir bei uns selbst!

Lasst uns mit Maria von einem Jahrhundert der Sünde – das wir verabschiedet haben – in ein Jahrhundert der Sühne schreiten!

13. Oktober: Fatimatag

FATIMA – PROPHETISCHE WORTE AN DIE MENSCHHEIT

Ich habe schon eine Anzahl von Pilgergruppen nach Fatima begleiten dürfen. Bei Gesprächen über die Aussagen der Botschaft hatte ich nicht selten das Gefühl, daß so mancher fragen wollte: Ist das alles?

Nun, wer in der Botschaft von Fatima Sensationen sucht, kann leicht enttäuscht werden. Die Schlichtheit, mit der die Gottesmutter zu den drei Hirtenkindern redete, kann kaum überboten werden. Es scheint, als hätte Fatima eigentlich keine wichtigere Botschaft anzubieten als die von der Gottesmutter bei jeder Erscheinung wiederholten Bitte:

«Betet täglich den Rosenkranz!»

Zudem muß erwähnt werden, daß Lucia nichts von den Visionen preisgab, außer auf massiven Druck ihres Bischofs bei verschiedenen Gelegenheiten. Aber auch dann – so erwähnt sie selber in ihren Erinnerungen – gab sie nur gerade soviel von ihren Zwiegesprächen mit der Gottesmutter preis, wie viel zur größeren Ehre Gottes und für die Bekehrung der Sünder zu wissen notwendig war.

1. Fatima: Eine große Katechese des Glaubens

1.1. Ein Engel erscheint

Die Engellehre wird heutzutage allenthalben unterdrückt, wenn nicht geleugnet. Wird nicht selten genug den Kindern die große Hilfe eines Schutzengels vorenthalten, indem man über ihn mit unseren Kindern nicht oder doch zu selten spricht? Jedoch, kann man die Existenz der Engel tatsächlich leugnen, ohne die Verkündigung an Maria oder an den Priester Zacharias zu einer Fabel zu degradieren?

1.2. Den Rosenkranz betete man schon seit Jahrhunderten

Warum hat Gott, der Herr, diesem Gebet, das uns zur Meditation über vier wichtige Phasen des Lebens Jesu auf Erden, soviel geistige Macht verliehen, daß seine Unterlassung fast einer Sünde gleichkommt, obwohl sie selbstverständlich, keine ist? Die Menschheit steht im Umbruch. Daher ist die Frage berechtigt: Wird sie den Umbruch mit oder ohne Gott wählen? Freilich ist es zur Genüge bekannt, daß menschliche Gesellschaften, die ohne Gott aufgebaut wurden, ausnahmslos immer in eine Katastrophe, in unsagbares Leid und Verelendung, führten. Wenn man weiß, daß die Botschaft der Höllenvision eine Tatsache werden könnte («ganze Völker werden vernichtet werden») und auf der anderen Seite uns der Himmel als Hilfe den Rosenkranz anbietet, um den Umbruch mit Gott zu schaffen, dann ist es unsere heilige Pflicht, diesen in die Hand zu nehmen und ihn jedem in die Hand zu geben, der ihn noch nicht kennt, ungehindert jeglicher konfessioneller Schranken!

1.3. Die Höllenvision

Sie kann geleugnet werden – die Hölle. Doch die Frage nach der Sünde bleibt. Wer die Sünde leugnet, muß konsequenterweise auch Hölle und Teufel leugnen, da sinnlos geworden. Der nächste Schritt ist voraussehbar. Falls Jesus Christus uns nicht von der Sünde erlösen konnte (wenn es diese ja nicht gibt!), muß er nicht zwangsläufig die Zweite Göttliche Person, Gottes Sohn, wahrer Mensch und wahrer Gott, sein! Aber was soll dann der christliche Glaube überhaupt noch? Seine Daseinsberechtigung entbehrt jeder Grundlage. Die Tragik Satans ist es, die Menschwerdung Gottes nicht einsehen, nicht annehmen zu wollen, nicht erfassen zu können. Für die «Mächte der Hölle» (Mt 16,19) ist es unverständlich und unmöglich, daß Gott die der Natur Luzifers weit «unterlegene» menschliche Natur, und nicht sie der Engel, angenommen hat. Natürlich wird es für die Menschen dann schlimm, wenn christliche Theologie unter dem Mantel der Wissenschaft dasselbe sagt und infolgedessen die Gottheit Christi leugnet.

1.4. Maria erscheint in einem Lichtkranz,

heller als die Sonne (vgl. Offb 12,1). Es mutet fast apokalyptisch an, wenn man aus den ersten Sätzen des Alten Testaments eine Brücke zu Fatima baut:

„Sie wird dir den Kopf zertreten!“

Die Vernichtung der höllischen Macht durch eine Jungfrau, die ganz und gar Mensch ist, an der aber die Hölle wegen ihrer Unbefleckten Empfängnis keinen Anteil hatte, ist das größte und unüberwindliche Hindernis, das dem stolzen «Non serviam – Ich diene Gott nicht!» Luzifers entgegengestellt wurde. Gott ist getreu! Muß man da nicht hellhörig werden, wenn gerade in unserer Zeit, für die die Gottesmutter in Fatima uns als «Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz» geschenkt wurde, Mariens Name in vieler Munde verstummt? Schließlich sei ein Weiteres über die einfachen Botschaften von Fatima gesagt. Fatima war, nebst der Bekräftigung biblischer Lehren, nur die Ankündigung eines Auftrags, den Schwester Lucia später in mehreren Erscheinungen von der Gottesmutter erhalten hatte. «Fatima» kann nicht nur auf das Geschehen der sechs Erscheinungen in der Cova da Iria reduziert werden; vielmehr muß der zweite Teil, die Erfüllung der in Fatima gemachten Versprechen, als wesentlicher Bestandteil dieser Botschaften angesehen werden. Erst Botschaft und Erfüllung bilden ein einheitliches Ganzes unter der Bezeichnung des Geschehens von Fatima.

2. Fatima: Eine prophetische Botschaft des Himmels

2.1. Fatima ist eine prophetische Botschaft

Der Heilige Vater hat die Botschaft von Fatima ausdrücklich als „Prophetie“ bezeichnet. Hier eine kurze – wenn auch nicht vollständige – Deutung des Wortes „Prophetie“.

Schon im Alten Testament sandte Gott den Menschen, dem auserwählten Volke Israel, den Nachfahren der Patriarchenväter Abraham, Isaak und Jakob, Propheten. Sie waren Menschen, von Gott auserkoren, um jenem Volke, aus dem der Messias stammen sollte, seine Botschaft zu übermitteln. Propheten waren denn auch vom alten Bundesvolk als der „Lebensnerv“, als die „Gewissheit“, dass Gott zu ihm hält, angesehen worden. Gab es einmal eine lange Zeit ohne Propheten, wehklagte man: „Es gibt kein Zeichen mehr dafür, dass Du noch bei uns bist. Kein Prophet spricht mehr; niemand von uns weiss, wie lange das noch dauert. Gott, wie lange darf der Feind Dich verhöhnen? Hört das nie auf, dass er Deinen Namen beschimpft? … Hör doch, Herr, wie sie toben; immer lauter wird ihr Geschrei“ (Ps 74, 9-10,23).

Propheten sandte Gott immer in grosser Glaubensnot; wenn die Gefahr gross war, dass das Volk des kommenden Erlösers vom Wege Gottes abirrt und sich dem Heidentum zuwendet – aber auch in den Bedrängnissen des irdischen Fortbestandes des auserwählten Volkes.

2.2. Die doppelte Aufgabe der Propheten

Zuerst einmal mussten die Propheten dem Volk das selbstverschuldete Unrecht, seine Abwege, seine Gottlosigkeit vor Augen halten. Das Volk musste zur Einsicht gebracht werden, dass der eingeschlagene Weg ein Irrweg ist. Das war wohl ihre schwierigste Aufgabe, denn nicht selten standen an der Spitze des Irrweges der König selbst [die Staatsmacht], die Priesterschaft und die Führer des Volkes. Das Wort der Propheten klang hart und unnachgiebig. So wurden sie nicht selten ein Opfer ihres Auftrags – um anschliessend dennoch Recht zu erhalten. Über jene Generationen sagt Jesus: „Weh euch, Gesetzeslehrer und Pharisäer. Ihr Scheinheiligen! Ihr baut den Propheten wunderbare Grabmäler und schmückt die Gräber der Gesetzestreuen … Damit gebt ihr zu, dass ihr die Nachkommen dieser Prophetenmörder seid. Macht nur das Mass eurer Väter voll!“ (Mt 23,29-32).

Wollte das Volk sich der Botschaft des Propheten nicht beugen durch Umkehr und Busse, gab Gott den Auftrag, das Ende ihres bösen Treibens (wenn das „Mass voll ist“…) in einer Schau der Zukunft ihnen vor Augen zu führen. Das Ende des Unglaubens, der Gottferne, führt immer und unausweichlich in eine menschliche Katastrophe. Nicht als ob Gott diese Katastrophe verhängen würde in Form einer Bestrafung, sondern vielmehr weil die gottgegebene Ordnung, einmal zerstört, sich selbst gegen ihre Zerstörer erhebt!

2.3. Prophetie als Drohbotschaft?

Ja und Nein! Die Prophetie stellte sie in Aussicht, aber nicht um mit unausweichlicher Konsequenz ein Strafgericht anzudrohen, sondern, um mit den letzten menschenmöglichen Mitteln zu Umkehr und Busse zu bewegen!

Eine Prophetie wird also immer den „hier und jetzt“ lebenden Menschen gegeben, damit diese sich erneut Gott zuwenden und zur Einsicht ihrer Gottferne gelangen. Trifft dies ein, so kann unmöglich die Katastrophe am Ende stehen, sondern immer die wiederhergestellte göttliche Ordnung! Natürlich muss – auch wenn es uns nicht gefällt, dies wahrzunehmen – die Katastrophe, das Aufbäumen der von Gott uns gesetzten Ordnung, in Kauf genommen werden für den Fall, dass die Umkehr ausbleibt! So „straft“ nicht Gott – das wird ER nie tun! -, sondern wir selbst besorgen durch die Gottferne die eigene Bestrafung! Schliesslich muss noch erwähnt werden, dass der grosse Feind der Erlösung und des Seelenheils, der Satan, seine Macht ganz besonders in der Zerstörung zeigt: in der Zerstörung des Seelenheils des Menschen („Gottferne“) durch das Einschenken des Giftes des Unglaubens genau so, wie in der Zerstörung der vom Schöpfer gewollten Ordnung menschlicher Kultur und Werte!

2.4. Fatima – eine Prophetie für die Menschen von heute

Die Botschaft von Fatima ist eine Prophetie. Sie ist dem Menschen von heute, „hier und jetzt“, gegeben. 1917 wurde sie der Menschheit durch die Gottesmutter übermittelt. Lucia schrieb sie ab und übergab sie dem Hl. Vater. Es lag in seinen Händen zu entscheiden, wann diese Prophetie „aktuell“ ist; wann die Menschheit in Gefahr gerät, in das Heidentum zurückzufallen, in die Gefahr der Gottferne sich zu begeben. Am 13. Mai 2000 hielt der Hl. Vater die Zeit für gekommen, den Menschen diese Prophetie bekannt zu geben. Wohl wird – so Kardinal Ratzinger in einer Ansprache – keine Katastrophe „vorhergesagt“, aber das Wesentliche der Prophetie enthält auch diese Botschaft: Der Aufruf zur Umkehr und Busse! Doch das ist – wer Fatima kennt – nichts Neues. Diese Botschaft zieht sich wie ein roter Faden durch alle Erscheinungen in Fatima 1917. Ist die Botschaft von Fatima aber ein Prophetie – und der Hl. Vater hat sie als solche bezeichnet -, dann wird sie sich mit imperativem Ton an die heutige Menschheit wenden; eine Menschheit, die im Begriffe ist, Jesus Christus nicht mehr als den Sohn Gottes, als wahren Gott und wahren Menschen anzuerkennen, eine Menschheit, die sich auf den Weg des Neuheidentums aufgemacht hat!

Ebenso wird die Magnifikat-Prophetie Mariens missachtet: „Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter!“ Unsere heutige Welt ist kaum noch gewillt, auf Maria, die reine, keusche, unbefleckte Magd Gottes zu schauen und sie als Vorbild der Frau zu nehmen! Sind wir heute zu einem „Geschlecht“ geworden, das Maria nicht mehr „selig preisen“ will?

Nun, Prophetien haben es an sich, verworfen oder angenommen zu werden. Wie tröstlich lautet schliesslich die unwiderrufliche Aussage Mariens in Fatima 1917: „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren!“ Denn in der göttlichen Ordnung kann am Ende nie die Katastrophe, sondern nur die liebende Umarmung des Schöpfergottes stehen.

3. Die nichterfüllte Bitte von Fatima

Am 13. Juli 1917 spricht die Gottesmutter eindeutig vom Ende des staatsgetragenen Atheismus, auch wenn dieser für eine längere Zeit seine Herrschaft über Völker und Kontinente ausbreiten wird. Und sie legt es in unsere Hände, an der Befreiung aus dem diktatorischen Joch des Atheismus mitzuwirken. Haben wir – hat der vom Atheismus verschont gebliebene Teil der Welt diese Bitte gehört, ernst genommen?

3.1. Wenn man auf meine Worte hört

«Wenn man auf meine Worte hört, wird Rußland sich bekehren und es wird Friede sein, wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören; die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden.» Nimmt man diese Sätze einzeln, so fällt auf, daß die Gottesmutter den Sieg des Glaubens über den Atheismus (was wohl unter «Rußland» zu verstehen ist) an die Weihe Rußlands durch die Kirche bindet. Dem fügt sie noch ein Gnadenmittel hinzu: Die Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats.

Doch Gott zwingt nicht – er will uns gewinnen! Deshalb fügt die Gottesmutter hinzu: «Wenn nicht … » Nun, der Staatsatheismus Rußlands ist seit einiger Zeit nur noch Geschichte. Hätte sich Rußland bekehrt im Sinne des Wunsches der Gottesmutter, wäre eine „scheinbare Selbstauflösung des Kommunismus“ nicht notwendig gewesen; die Gnade hätte die Menschen umwandeln können. Ich sagte «scheinbare», denn tatsächlich sind weder der Kommunismus weltweit, noch viel weniger seine Ideale überwunden. Unter den verschiedensten neuen, noch nicht gebrandmarkten Namen tauchen dieselben Vorstellungen heute weltweit auf; ja selbst im christlichen Abendland, das sich zunehmend seiner Gottlosigkeit rühmt («säkularisierte Gesellschaft»), dringen die von jener atheistischen Ideologie verbreiteten Auffassungen in Leben und Umwelt ein und führen so, ungestört durch eine sichtbare, für ihre Verbreitung eher hinderliche Weltmacht, ihr schreckliches, seelenzersetzendes Werk fort. Nur eine «scheinbare» Auflösung der konzentrierten und faßbaren atheistischen Gewalt durch das Sprengen der engen nationalen Grenzen eines Gemeinwesens konnte die atheistischen Irrlehren «Rußlands der ganzen Welt» auftischen: «Wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die ganze Welt verbreiten … » Und genau das ist eingetroffen! Wir sind in unseren Tagen also nicht Zeugen der Auflösung des Staatsatheismus («Rußland»), sondern der weltweiten hemmungslosen Verbreitung der von dort ausgegangenen und entwickelten Irreführungen! Dies wurde in Fatima vorausgesagt für den Fall der Nichtbeachtung der Wünsche der Gottesmutter.

Bleibt uns nur zu hoffen, daß die anschließende Prophezeiung der Gottesmutter, wonach diese Irrlehren «Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören» werden, durch das Gebet des Rosenkranzes, durch Umkehr, Buße und Sühne abgemildert oder gar abgewendet werden kann. Bedingungslos hingegen steht das Versprechen Mariens: „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren.“

4 Der tiefste Inhalt der Prophetie

Die Veröffentlichung des 3. Geheimnisses hat weltweit ein riesiges Echo ausgelöst. Es steht eigentlich im Kontrast zur Tatsache, dass „Fatima“ in unserer Zeit – und speziell im Westen – nur wenigen Leuten bekannt war (sogar katholische Priester gehören dazu!).

Fast scheint es, die Veröffentlichung dieses „Geheimnisses“ wäre besser gar nie erfolgt. Unzählige – selbst tief überzeugte Katholiken – erwarteten von diesem 3. Teil des Fatima-Geheimnisses in einer unstillbaren „Neugierde“ mögliche Aufschlüsse über die Zukunft von Kirche und Welt. Und nun sind diese Vermutungen und auch Spekulationen wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen. Die Neugier wurde nicht befriedigt! Nach der Veröffentlichung des 3. Geheimnisses stellen sich – so könnte man argumentieren – mehr Fragen als je zuvor! Doch betrachten wir „Fatima“ der Reihe nach.

4.1. Fatima in der geschichtlichen Perspektive der Menschheit

Im Westen. Im Fatimajahr 1917 greift Amerika in den Krieg ein. Damit weitet sich zum ersten Mal ein Krieg zum Weltkrieg aus. Die Welt hat nicht auf Fatima gesetzt, auch nicht auf das Christentum, sondern auf den brutalen Machtkampf. Schon Nietzsche hatte das Christentum als „Mitleidsreligion“ verspottet und das Recht der Starken proklamiert. Hitler hat folgerichtig die biologische Stärke als die Kraft bezeichnet, auf die es ankäme: „Es wird zu einem Kampf kommen, und wir werden dafür sorgen, daß die anderen unter die Räder kommen“ (Hitler, Mein Kampf). Diktatoren vergessen allerdings etwas Wichtiges, nämlich, daß die Räder die Tendenz haben, sich zu drehen…

Im Osten beginnt 1917 die Russische Revolution. Was Maria damals vorausgesagt hat, ist inzwischen Wirklichkeit geworden: „Wenn man meine Bitten nicht erfüllt, wird Rußland seine Irrtümer in der ganzen Welt verbreiten. Kriege, Revolutionen und Verfolgungen der Kirche hervorrufen…“ 70 Jahre danach schlummerte in unsagbarem Leiden fast die Hälfte der Welt, die kommunistisch geworden ist. Der Kommunismus hat über 100 Millionen Menschen das Leben gekostet.

Das zeigt die ganze Tragweite dessen, was in Russland – ebenfalls 1917 – begonnen hat. Es geht hier nicht um eine fromme Geschichte, sondern um das Schicksal der Welt. Das, was Maria sagt, ist sehr einfach, wenn man es richtig versteht. Das erste Wort in Fatima heißt Himmel: „Ich komme vom Himmel!“ Wenn die Menschen aber nicht mehr an den Himmel glauben – und wer nimmt heute noch den Himmel ernst, wer redet überhaupt noch davon? – dann glaubt man das, was die anderen sagen: die Kommunisten, Atheisten und Materialisten. Sie sagen: Ihr vertröstet auf den Himmel, das ist Opium, Rauschgift. Wir hingegen, wir sind die Tüchtigen. Den lieben Gott brauchen wir nicht, im Gegenteil, der ist uns im Wege. Religion muß man abschaffen. Das Paradies bauen wir selber auf: Ein Arbeiterparadies.

Aber das ist nicht nur der Irrtum der Kommunisten. Der Mensch ist für das absolute Glück geschaffen. Für das, was wir „Gott“ und „Himmel“ nennen. Darum kann der Mensch nicht darauf verzichten, das Glück zu suchen. Die Frage ist nur, wie und wo er es sucht: Nach eigenen kurzsichtigen Gedanken und Plänen, indem er eigenmächtig handelt oder nach den Plänen der falschen Propheten – oder ob er versucht, den Plan Gottes zu erkennen und danach zu handeln.

Das ist der Brennpunkt der Auseinandersetzung, der in Fatima 1917 begonnen hat, dessen anderer Pol die sowjetische Machtergreifung im selben Jahr in Russland war.

4.2. Ernüchternde Fragen

Vielleicht sind viele, welche in der Botschaft von Fatima eher eine Sensation als den Aufruf zur Umkehr suchen, über den Inhalt des 3. Geheimnisses etwas verwundert oder gar enttäuscht. Es wurde darüber jahrzehntelang so viel geschrieben und auch ebenso viel spekuliert, dass nun – nach Bekanntgabe – tatsächlich ein Gefühl der Ernüchterung eintreten könnte. Das wäre aber bestimmt nicht die richtige Reaktion – obschon man sie gleich nach der Veröffentlichung von allen Seiten immer wieder zu hören bekomme.

Warum wird – so fragte man sich – von einem „Geheimnis“ gesprochen? Warum wird es erst jetzt veröffentlicht und nicht schon 1960? Was soll man konkret daraus ableiten?

Ich will versuchen, auf diese Frage schlüssige Antworten zu geben, im Bewusstsein, dass es sich auch meinerseits nur um Interpretationen handelt.

Für die Seherin Lucia, der ja dieses dreiteilige Geheimnis 1917 anvertraut wurde, handelt es sich ganz klar um Geheimnisse, da ja deren Eintreffen aus ihrer damaligen Sicht

a) in der Zukunft liegen und

b) in Abhängigkeit von gewissen Dingen gesehen werden müssen.

Wir sollten uns den Wortlaut des ganzen dreiteiligen Geheimnisses vorerst nochmals in Erinnerung rufen. (Ich hoffe, dass der Wortlaut bekannt ist, darum bringe ich hier nicht den Text des 3. Geheimnisses noch einmal)

Im zweiten Teil des „Geheimnisses“ (das ja 2000 schon lange keines mehr war) gibt es nach wie vor Stellen, die noch nicht alle als „in Erfüllung gegangen“ bezeichnet werden können.

Hat sich etwa Russland wirklich bekehrt? Mit Sicherheit nicht. Schauen wir uns aber den ganzen Satz aus dem 2. Teil des Geheimnisses an: „Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren und es wird Friede sein“ bzw. „der Heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt“.

4.3. Weihe und Bekehrung „Russlands“

Die Weihe durch den Heiligen Vater wurde nach Aussagen von Lucia zwar am 25. März 1984 in Rom gültig vollzogen (endlich, muss man sagen!), aber die Bekehrung Russlands lässt noch immer auf sich warten – das zeigt sich auch an der Tatsache, dass Papst Johannes Paul II. die Reise nach Russland leider noch immer verwehrt bleibt!

Würde der 2. Teil des Geheimnisses nur der Vergangenheit angehören, wäre die Veröffentlichung des 3. Teiles gar nicht mehr nötig geworden, da ja dann „der Welt eine Zeit des Friedens“ geschenkt worden wäre.

Es ist für mich deshalb offensichtlich, dass der 3. Teil des Geheimnisses unsere Gegenwart und Zukunft betrifft. Dies wird auch der Grund dafür sein, dass der Papst den Zeitpunkt für die Veröffentlichung (erst 2000) als gekommen sah. Bestimmt teilt er die Meinung von Kardinal Ratzinger, das Schlüsselwort des 3. Geheimnisses laute mit den Worten des Engels: Busse, Busse, Busse! Dieser eindringliche Ruf zur Busse erfolgt im übrigen nicht nur in diesem Geheimnis, sondern an vielen andern gegenwärtigen Erscheinungsorten der Erde. Fatima ist aber von der Kirche offiziell anerkannt, und nicht umsonst wird in der Einführung des Dokumentes der Kongregation für die Glaubenslehre festgehalten, Fatima sei unter den modernen Erscheinungen zweifellos die prophetischste. Dass der Aufruf zur Busse ausgerechnet im Heiligen Jahr 2000 durch die „Botschaft von Fatima“ der ganzen Welt kund getan wird, zeigt wie hochaktuell die Angelegenheit für den Papst ist.

Die Frage, weshalb mit der Veröffentlichung so lange zugewartet wurde, hängt wohl damit zusammen, dass der Papst nach den unglaublichen Umwälzungen im Ostblock (ab 1989, im Anschluss an das Marianische Jahr 1987/1988!) erst einmal abwarten wollte, ob als Folge davon auch die Bekehrung Russlands erfolgen würde. Wäre sie eingetreten, dann würde uns ja nach der Verheissung der Gottesmutter eine Zeit des Friedens geschenkt. Nun scheint dieser Friede aber noch in weiter Ferne. Die Konflikte haben leider nicht abgenommen und der grösste Krieg, den die Menschheit je geführt hat, ist jener gegen das ungeborene Leben. Das ist – dessen bin ich sicher – der Hauptgrund dafür, dass der Welt der so sehnlich erwünschte Frieden (noch) nicht „geschenkt“ worden ist!

4.4. Den Triumph des Herzen Mariens betend erflehen!

Es stehen also sowohl der Triumph des Unbefleckten Herzens wie auch die verheissene Zeit des Friedens nach wie vor aus. Und um diesen Triumph zu erreichen, braucht es nach wie vor viele Gebete und Opfer. Im 2. Teil wurde die Drohung ausgesprochen, wenn Gott weiterhin beleidigt werde, folge ein schlimmerer Krieg (als der 1. Weltkrieg).

Fragen wir uns: Wird denn Gott heute weniger beleidigt als in den Jahren vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges? Die meisten werden – bei nüchterner Betrachtung – bestimmt mit mir übereinstimmen, dass dem leider überhaupt nicht so ist: Der Zustand unserer Welt und unserer Kirche ist in jeder Beziehung besorgniserregend. Gerade deshalb gewinnt die Veröffentlichung des dritten Teils des Geheimnisses eine zusätzliche Bedeutung. „Das Aussehen von Himmel und Erde könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten?“ (Lk 12, 56), sagt Jesus.

Wäre das dritte Geheimnis in früheren Jahren (etwa 1960, wie vorgesehen) veröffentlicht worden, hätte es auch nicht schlagartig – mittels elektronischer Medien wie Internet, Mondovision, etc. – der ganzen Welt zur gleichen Stunde übermittelt werden können und wäre längst vergessen. Die Welt kann ab dem 26. Juni 2000 nicht mehr sagen, sie hätte nichts gewusst! Die Zeit zu Umkehr und Busse drängt offensichtlich sehr.

Mit der Fixierung alleine auf den 3. Teil des Geheimnisses besteht die grosse Gefahr, dass die Haupt-Botschaften der sechs Erscheinungen ins Abseits gerückt werden. Die wesentlichsten Aussagen bestehen nämlich nicht in Form dieser drei Geheimnisse, sondern in den Ereignissen während der Jahre 1916 (Engelerscheinungen) und 1917 (Muttergottes-Erscheinungen in den Monaten Mai bis Oktober). Und alle damals gegebenen Botschaften bleiben auch für unsere gegenwärtige Zeit hoch aktuell! Es ist anzunehmen, dass die meisten Kommentatoren, die sich zur Veröffentlichung des 3. Teils in Rom einfanden, alle Botschaften von Fatima noch nie in ihrem Leben gelesen haben, sich aber trotzdem eigenwillige Interpretationen erlauben, die niemals im Sinne der Botschaften von Fatima stehen.

4.5. Der Gottesmutter helfen, Seelen zu retten!

Gemäss Darlegungen von Joseph Kardinal Ratzinger war das Schlüsselwort des ersten und zweiten Geheimnisses „die Seelen zu retten“ (durch Opfer und Gebete anderer). Auf diese Geheimnisse wird im Dokument der Glaubenskongregation bewusst nicht eingegangen, da darüber schon eine immense Literatur vorhanden ist. Immerhin wird – wohl nicht zufällig – auf die Höllenvision der Seherkinder verwiesen und damit erneut auch von der obersten Kirchenführung die Existenz der Hölle und des Teufels unterstrichen!

Das Schlüsselwort des dritten Geheimnisses ist also der dreimalige Ruf des Engels mit dem Flammenschwert: „Busse, Busse, Busse“.

Und eines ist sicher: Die Muttergottes hat selbstverständlich vorausgesehen, wann das dritte Geheimnis veröffentlicht werden würde. Sie wusste, dass dies (erst) im Jahr 2000, im Heiligen Jahr, im Jahr der Seligsprechung der beiden Seherkinder Francisco und Jacinta, erfolgen würde. Und gerade deshalb kann und darf dieses Geheimnis nicht auf die Vergangenheit, sondern muss auf die Gegenwart und Zukunft bezogen werden! Die Botschaft und das eben erwähnte Schlüsselwort richten sich an unsere heutige Welt!

Im Zusammenhang mit dem erwähnten Schlüsselwort folgen nun wichtige Zitate aus den Ausführungen von Kardinal Ratzinger:

„Wir werden an den Anfang des Evangeliums erinnert: „Tut Busse und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15).

Die Zeichen der Zeit verstehen heisst: Die Dringlichkeit von Busse – Umkehr – Glaube begreifen. Das ist die richtige Antwort auf den historischen Augenblick, der von grossen Gefahren umstellt ist……“

In diesen Zusammenhang müssen nach Interpretation von Kardinal Ratzinger (der Engel mit dem Flammenschwert zur Linken der Muttergottes) viele Fragen in Bezug auf den prophetischen Charakter der Fatima-Botschaften neu gestellt werden.

Er erinnert an ähnliche Bilder der Geheimen Offenbarung. Er stellt die Gerichtsdrohung dar, unter der die Welt steht. Dass sie in einem Flammenmeer verbrennen könnte, erscheint heute keineswegs mehr als blosse Fantasie: Der Mensch selbst hat das Flammenschwert mit seinen Erfindungen bereit gestellt.

Die Vision zeigt die Gegenkraft zur Macht der Zerstörung – zum einen den Glanz der Muttergottes, zum anderen, gleichsam aus ihm hervorkommend, den Ruf zur Busse.

Und jetzt folgt eine sehr wichtige, ja entscheidende Stelle:

„Damit wird das Moment der Freiheit des Menschen ins Spiel gebracht: Die Zukunft ist keineswegs unabänderlich determiniert (also vorausbestimmt), und das Bild, das die Kinder sahen, ist kein im voraus aufgenommener Film des Künftigen, an dem nichts mehr geändert werden könnte. Die ganze Vision nur einen Sinn, nämlich die gutverstandene Freiheit des Menschen auf den Plan zu rufen und sie (die Vision) ins Positive zu wenden. Der Sinn einer Vision ist es eben nicht, einen Film über die unabänderlich fixierte Zukunft zu zeigen. Ihr Sinn ist genau umgekehrt, die Kräfte der Veränderung zum Guten hin zu mobilisieren. Deswegen gehen fatalistische Deutungen des Geheimnisses völlig an der Sache vorbei, die zum Beispiel sagen, der Attentäter vom 13. Mai 1981 sei nun einmal ein von der Vorsehung gelenktes Werkzeug göttlichen Planens gewesen und habe daher gar nicht frei handeln können, oder was sonst an ähnlichen Ideen umläuft. Die Vision spricht vielmehr von Gefährdungen und vom Weg der Heilung“. Soweit Auszüge aus der Interpretation von Kardinal Ratzinger.

4.6. Aktualität und Chance

Wie wir sehen, ist mit der Veröffentlichung des 3. Geheimnisses die Botschaft von Fatima nicht weniger aktuell geworden, im Gegenteil: Alles deutet darauf hin, dass – wenn die Menschheit die Aufforderung zur Busse (und damit zur Umkehr) nicht ernst nimmt – die Konsequenzen sehr gravierend ausfallen können; dafür steht „der Engel mit dem Feuerschwert, als sollte er die Welt anzünden“.

Die Botschaft von Fatima ist eine grosse Chance und vielleicht die letzte Warnung des Himmels an die Menschheit, endlich umzukehren!

Diese Aufforderung an unsere so gottlos gewordene Zeit darf nicht ungehört verstreichen. Gott lässt sich erbarmen – ER ist äusserst langmütig. Wir müssen diese Warnung sehr ernst nehmen!

Im Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre heisst es im Zusammenhang mit der Definition und Einordnung von Privat-Offenbarungen: „Eine solche Botschaft kann eine wertvolle Hilfe sein, das Evangelium in der jeweils gegenwärtigen Stunde besser zu verstehen und zu leben; deswegen soll man sie nicht achtlos beiseite schieben. Sie ist eine Hilfe, die angeboten wird, aber von der man nicht Gebrauch machen muss.“ Und etwas später heisst es unter Bezug auf das Neue Testament: „Löscht den Geist nicht aus! Verachtet prophetisches Reden nicht! Prüft alles und behaltet das Gute!“ (1 Thes 5,19-21).

Kardinal Sodano erwähnte in seiner Rede am 13. Mai 2000 in Fatima, die Vision betreffe besonders den Kampf der atheistischen Systeme gegen die Kirche und die Christen. Und dann etwas später: „Die Ereignisse, die im Jahre 1989 folgten, führten sowohl in der Sowjetunion als auch in zahlreichen östlichen Ländern zum Fall des kommunistischen Regimes, das den Atheismus verfochten hatte.“ (Anmerkung: Die Sowjetunion wurde am 8. Dezember 1991, also am Festtag der Unbefleckten Empfängnis Mariens, offiziell „zu Grabe getragen“).

Kardinal Sodano weiter: „Dennoch haben in anderen Teilen der Welt die Angriffe gegen die Kirche und die Christen mit der Last des Leidens, die sie mit sich bringen, leider nicht aufgehört“. Es bleibt also der am Anfang des 20.Jahrhunderts ergangene Ruf der Gottesmutter zu Umkehr und Busse auch heute aktuell und von stimulierender Aktualität. „Die eindringliche Aufforderung Marias zur Busse ist nichts anderes als der Ausdruck ihrer mütterlichen Sorge um das Los der Menschenfamilie, die der Umkehr und Verzeihung bedarf“ (Johannes Paul II., Botschaft zum Welttag der Kranken 1997).

4.7. Die Botschaft von Fatima und die Barmherzigkeit Gottes

Die Ankündigung der Veröffentlichung des 3. Teils des Fatima-Geheimnisses erfolgte übrigens nur gerade 14 Tage nach der Heiligsprechung von Schwester Faustina (30.4.2000). Es lohnt sich, das Leben dieser Heiligen zu studieren und den möglichen Zusammenhang mit Fatima zu erkennen. Sie hatte von Jesus den Auftrag, die „Verehrung der göttlichen Barmherzigkeit“ als besonderen Gnadenerweis Gottes ins Leben gerufen.

Jesus hat der Hl. Sr. Faustyne (1905 bis 1938 – wie Jesus, mit 33 Jahren gestorben) u.a. gesagt:

„Ehe Ich als gerechter Richter erscheine, komme Ich noch zuvor als König der Barmherzigkeit. Ehe der Tag des Gerichtes anbricht, wird am Himmel und auf der Erde ein Zeichen sein. Dann wird vom Himmel her das Zeichen des Kreuzes erscheinen: aus jeder Wunde Meiner Hände und Füsse werden Lichtstrahlen hervorbrechen, die für kurze Zeit die Erde erhellen. Dies wird geschehen, kurze Zeit vor dem Jüngsten Tag.“

Ein Zusammenhang zwischen dieser Botschaft und jener von Fatima kann eindeutig erkannt werden: Den Menschen wird die grosse Barmherzigkeit Gottes kundgetan. Das kann ja auch den Botschaften von Fatima entnommen werden. Was anderes als Barmherzigkeit ist es, wenn die Menschheit eindringlich zur Busse gemahnt wird, mit dem alleinigen Ziel, uns vor dem Verderben und möglichem grossen Unheil zu bewahren. Wird man nicht unweigerlich an den Propheten Jonas erinnert, der der Stadt Ninive in vierzig Tagen den Untergang ankündigte, diese jedoch durch Busse und Umkehr abgewendet werden konnte? Ob dies unserer heutigen tauben Welt auch gelingt??

Ein Beispiel für Gottes Barmherzigkeit müssen wir unbedingt im Zusammenbruch des gewaltigen Sowjetreiches ab 1989 sehen, das ohne jedes Blutvergiessen erfolgte und bestimmt durch das fürbittende Eingreifen der Gottesmutter bewirkt worden ist.

Die Wichtigkeit und grosse Aktualität der „Botschaft von Fatima“ wird erneut dadurch unterstrichen, dass unser Papst die Statue der Fatima-Madonna auf den 8. Oktober 2000 von Fatima nach Rom bringen liess und dann – an diesem Oktober-Sonntag – die Welt der Muttergottes weihte.

Der Papst wird wissen, weshalb er diese erneute Weihe vornahm. Denken wir an die Früchte, die vom 25. März 1984 ausgingen, als der Papst auf dem Petersplatz in geistlicher Einheit mit den zuvor „zusammengerufenen“ Bischöfen der Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens die Menschen und Völker anvertraute. (Nur wenige Monate danach gelangte Gorbatschow an die Spitze der Sowjetunion). Hoffen wir, dass diese Weihe der ganzen Welt den in Fatima vorhergesagten Triumph des Unbefleckten Herzens Marias beschleunigen wird.

Man vergisst, dass die in der Bibel (sowohl im Alten wie im Neuen Testament) enthaltenen Zukunftsvisionen nach wie vor gültig sind und – im Gegensatz zu den Privatoffenbarungen – einen verbindlichen Charakter aufweisen.

Im weiteren gibt es ja unzählige andere – zwar von der Kirche teilweise noch nicht anerkannte – Erscheinungsorte, an denen der Welt eindringlichst verkündet wird, sie befinde sich am Abgrund und sei nur durch Umkehr und Busse zu retten. (Blutige Tränen vergiessende Statuen und andere übernatürliche Phänomene in verschiedensten Ländern!).

5. Schlusswort. Prophezeiungen erfüllen sich!

Jede Prophezeiung hat sich im Alten Testament erfüllt – so lesen wir in der Bibel. Daran heute zu zweifeln macht keinen Sinn. Gott will unser Seelenheil und all sein Wirken ist diesem Ziel unterworfen. Doch verantwortlich dafür ist jeder selbst. Da das Christentum die ausdrückliche Religion der Vergebung und Verzeihung ist, dürfen wir Vergebung nicht nur von Gott erhoffen, sondern sie jedem und allen Menschen ohne Zögern und aus ganzem Herzen auch anbieten.

Prophezeiungen erfüllen sich! Wohl kann das Ausmaß der Wirkungen und Folgen, die uns Gott androht für den Fall, dass wir seine Vergebung nicht mehr annehmen, durch Busse und Gebet vieler Gläubigen gemildert werden, aber wenn wir uns gegenseitig nicht mehr verzeihen wollen, wenn wir uns von Gott so weit entfernen, dass ER in unserem persönlichen wie im gesellschaftlichen Leben keinen Platz mehr hat, werden sie in aller Härte eintreffen und keiner sage: Gott bestraft uns! Wir selber sind es, die auf den Ruf zur Umkehr nicht gehört haben!

Doch ist es auch mit Fatima wie mit allen anderen Botschaften des Himmels: So viele Mahner werden in unserer Zeit von Gott gerufen, wie noch nie zuvor. Sie alle bemühen sich, für die Sache Gottes und das Seelenheil zu arbeiten. Aber werden sie angenommen? Man lästert sie und spottet ihrer Reden…

Sehen wir so auf die verschiedenen glaubwürdigen Botschaften des Himmels, ist es sinnlos, davor Angst zu haben – aber umso wichtiger scheint es, diese zu kennen! Angst ist kein Name für Gott bei jenen, die ihn lieben.

Schliesslich steht über allen Ereignissen der gegenwärtigen Menschheit, der über alles tröstende und in seiner Endgültigkeit mit nichts zu überbietende Satz der Gottesmutter in Fatima:

„Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren!“

Die „Woche“ von Fatima  / Sr. Lucia beantwortet Fragen

Sr. Lucia antwortet auf Fragen zweier Kardinäle zwei Jahre vor der Veröffentlichung des 3. Fatima-Geheimnisses und nach der Weltweihe durch den Papst.

Ist an ihrem Todestag der „Vierte Tag der Woche von Fatima“ angebrochen?

Sr. Lucia: Der dritte – atomare – Weltkrieg hätte 1985 stattfinden sollen!

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In der spanischen Ausgabe vom Mai-Juni 1998 der Zeitschrift „Sol de Fatima“ (Sonne von Fatima) erschien eine Zusammenfassung der Antworten, die mit Genehmigung der portugiesischen Zeitschrift „Christus“ abgedruckt wurde. Es handelt sich um wichtige Erklärungen von Sr. Lucia an zwei Kardinäle, Anthony Padiyara von Ernaculan (Indien) und Ricardo Vidal von Cebu, Philippinen, während der letzten drei Jahre bei ihren zahlreichen Besuchen im Karmel von Coimbra.

Wurde die Weihe Russlands wie von Unserer Lieben Frau (ULF) am 13.6.1929 gewünscht, von Papst Johannes Paul II. am 25.3.1984 vollzogen?

Ja. Die Weihe war teilweise bereits vollzogen worden. Papst Pius XII. vollzog sie am 31.10.1942, doch es fehlte noch die Vereinigung mit allen Bischöfen der Welt, was Papst Johannes Paul II. schliesslich 1984 erreichte. Papst Paul VI. fragte mich auch, ob die Weihe von 1942 dem Wunsch ULF entsprochen habe. Ich verneinte und erklärte ihm, dass jeder Bischof in seiner eigenen Diözese anwesend (und mit dem Papst verbunden) sein solle und nicht an einem einzigen Ort, denn die Weihe sei ein Ruf zur Vereinigung mit dem Volk Gottes gewesen. 1982 vollzog der gegenwärtige Papst (Johannes Paul II.) die Weihe in Fatima.

Und die Schwester war anwesend?

Ja, aber an dieser Weihe war die Vereinigung mit allen Bischöfen nicht vollständig. Später, 1984, lud Papst Johannes Paul II. sämtliche Bischöfe ein, sich mit ihm an der Weihe zu vereinigen, was sich am 25. März 1984 verwirklichte. Der Papst verfügte, dass sich alle Bischöfe während des Weiheaktes mit dem Hl. Vater vor dem Bild Unserer Frau von Fatima, das sich im Heiligtum von Fatima befindet, vereinigen sollten.

Was ist mit den Bischöfen, welche die Einladung zu spät erhielten, sie nicht beachteten und entschieden, am Akt nicht teilzunehmen?

Wir können nicht sagen, dass jene Bischöfe, die nicht teilnahmen, eine Sünde oder einen Fehler begangen haben. Die meisten Bischöfe waren mit dem Papst in diesem Weiheakt vereint. Die Ortschaften der ganzen Welt und jede Diözese waren mit den Bischöfen und die Bischöfe ihrerseits mit dem Papst vereint. Damals war diese Weihe die grosse Vereinigung des Volkes Gottes. All dies trug dazu bei, dass die Weihe durch Unsere Frau angenommen wurde.

Musste jedoch Russland nicht spezifisch erwähnt werden, und hatte dies ULF nicht gesagt?

Es war schon Russland gemeint, als der Papst im Text der Weihe von 1984 sagte: „Jene Völker*. Diejenigen, die vom Wunsch der Weihe Russlands Kenntnis hatten, wussten, worauf er sich bezog und der allwissende Gott wusste ebenfalls, dass die Absicht des Papstes Russland war und er sich bei der Weihe auf Russland bezog. Wichtig ist die Absicht.

Aber wollte ULF nicht, dass Russland explizit erwähnt werde?

Unsere Frau verlangte nie, dass Russland explizit beim Namen genannt werde. Zu jener Zeit wusste ich nicht einmal, was Russland sei. Wir dachten, es handle sich um eine böse Frau. Was zählt, ist die Absicht des Papstes, und die Bischöfe wussten, dass der Papst Russland weihen wollte. Russland muss nicht von neuem geweiht werden, aber jeder Bischof kann seine eigene Diözese dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen, sofern er dies wünscht.

Muss man die Bekehrung Russlands nicht als eine Bekehrung des Volkes zum Katholizismus verstehen?

Unsere Liebe Frau hat dies nie gesagt. Es gibt noch viele andere solcher Interpretationen. Tatsache ist, dass es in Russland der Kommunismus und der Atheismus dem Volk verunmöglichten, den Glauben auszuüben. Jetzt haben sie die Freiheit, persönlich zu wählen, ob sie sich bekehren oder so bleiben wollen, wie sie sind. Da sie jetzt frei sind zu wählen, gibt es viele Bekehrungen und jener Mann in Russland [Gorbatschow], wurde – ohne, dass er es wusste – zu einem Werkzeug Gottes für die Bekehrung.

Und der Weltfrieden? Bedeutet dies, dass es auf der Welt keine Kriege mehr geben wird?

ULF sprach nie davon, dass es keinen Bürger- oder politischen Krieg mehr geben würde, abgesehen von den beiden Weltkriegen, wobei der letzte der schlimmste Krieg in der Menschheitsgeschichte war, wenn man bedenkt, welche hoch entwickelten Waffen der Mensch bis dahin besass. Es handelte sich dabei um einen Krieg gegen Gott, einen Krieg des Teufels, des Atheismus, der Abtrünnigen und gegen die Juden, die auch jetzt noch das auserwählte Volk Gottes bleiben. Abgesehen von diesen beiden Kriegen sprach ULF in ihren Botschaften von Fatima nur von Kriegen der Irrlehren des Atheismus und des Abfalls vom Glauben. Man erinnere sich, dass Unser Herr in der Heiligen Schrift sagte, nur Gott kenne die Zukunft. Es gibt rund um Fatima noch viel mehr Auslegungen.

Möchte Gott und ULF, dass die Kirche das dritte Geheimnis von Fatima enthüllt?

Das dritte Geheimnis ist nicht dazu bestimmt, enthüllt zu werden. Es ist nur für den Papst und die unmittelbar folgende Hierarchie der Kirche. Und für jene, denen er es anzuvertrauen sich entscheidet.

Konnen Sie uns das drille Geheimnis verraten?

Ich denke nicht daran. Nur der Papst kann genehmigen, dass man darüber redet.

Hat das dritte Geheimnis mit dem II. Vatikanischen Konzil zu tun?

Ich kann nicht antworten.

Gibt es in der Heiligen Schrift Hinweise auf das dritte Geheimnis?

Unsere Frau hat keinen Text in der Hl. Schrift erwähnt.

Ist das dritte Geheimnis nicht in den Kapiteln 8 und 12 der Apokalypse erwähnt?

Unsere Frau sagte nicht, dass es in der Apokalypse enthalten sei.

Darf der Papst das Geheimnis enthüllen?

Der Papst kann es enthüllen, wenn er es will. Ich habe ihm aber davon abgeraten. Sollte er es trotzdem tun, rate ich ihm grosse Vorsicht.

Hat Schwester Lucia immer noch Erscheinungen Unserer Lieben Frau?

Wie neugierig… Ich kann es nicht sagen. Heutzutage sprechen die Leute nur vom Himmel oder der Hölle. Einige Priester predigen, die Hölle existiere nur in der Vorstellung und der Teufel sei eine durch die Erwachsenen erfundene Sache. Die Hölle ist eine Realität. Es handelt sich um ein übernatürliches, nicht physisches Feuer, das nicht mit einem brennenden Feuer von Holz oder Kohle verglichen werden kann. Es muss weiterhin über die Hölle gepredigt werden, denn auch Unser Herr hat selbst von der Hölle gesprochen und sie ist in der HI. Schrift erwähnt. Gott schenkte den Menschen die Freiheit zu wählen, und Gott respektiert diese menschliche Freiheit.

Es gibt viele Briefe, die im Umlauf sind. Maschinengeschriebene Briefe bezüglich…

Ja, Ich habe diese Briefe geschrieben. Niemand sonst als ich beantworte meine Korrespondenz. Die meisten Briefe beantworte ich nicht, da es viele sind und die Leute viele indiskrete Fragen stellen. Niemand anders als ich öffnet die Briefe. Ich erhalte meine Briefe stets verschlossen und niemand antwortet oder unterschreibt für mich. Wenn es Leute gibt, die das Gegenteil behaupten, so stimmt dies nicht.

Es gibt viele Bücher aber Fatima. Welche empfehlen Sie als das authentischste? Ihre eigenen Memoiren?

Ja, es gibt viele Bücher darüber. Ich besitze nicht alle. Meine Memoiren bleiben immer noch die korrektesten, auch wenn sie einige Fehler enthalten, denn ich wollte diese Memoiren nicht veröffentlichen. Es waren nur Notizen und sie enthielten Fehler in Bezug auf Daten und Orte. Trotzdem wurden sie ohne mein Einverständnis veröffentlicht. Andere Sachen wurden von anderen Personen hinzugefügt.

Welches ist Ihre Ausbildung?

Ich habe nur die Primarschule besucht, sonst keine höhere Schule.

Werden die marianischen Apostolate stark angegriffen?

Wenn wir für die Jungfrau arbeiten, schlafen wir nicht und merken, dass das Böse ständig wächst. Das ist normal. Gott hilft allen, die nicht mehr wachen (bzw. eingeschlafen sind). Gott und die Jungfrau werden uns behilflich sein. Für mich ist es eine sehr grosse Befriedigung, auf den Frieden zu warten. Die marianischen Apostolate sind gestärkt und für den Kampf bereit. Das Reich Gottes ist eine Armee, die kämpft und diejenigen) die kämpfen, sind jene, die gewinnen. Sogar Jesus kämpfte eine grosse Schlacht, und dies ist keine kleinere Schlacht.

Ist der Mensch ohne Gott arm?

Alles was ich sagen kann ist, dass Gott gross ist! Gott ist sehr gross! Und die Heiligste Jungfrau, seine Botschafterin, manifestiert Seine Macht in verschiedenen Formen. Wir sind sehr klein, doch Gott wird uns helfen. Hoffen wir, dass ULF uns weiterhin hilft und unsere Handlungen lenkt, denn ohne Sie sind wir sehr arm. Gott ist barmherzig. Wir erfüllen seinen Auftrag. Den Auftrag, den Er uns anvertraut hat.

Handelt es sich beim Frieden in der Botschaft von Fatima um einen Weltfrieden und tritt er plötzlich ein?

Der Bezug auf den Frieden muss als Frieden oder als Besserung der begangenen Fehler verstanden werden, einem Frieden, der in einem bestimmten Moment vom atheistischen Kommunismus behindert wurde. Es stand geschrieben, dass Russland seine Irrtümer auf der Welt verbreiten werde, Kriege und Kirchenverfolgungen verursachend… viele würden gemartert werden. Dann, endlich, nach all diesem, wird mir der HI. Vater Russland weihen, sagte die Jungfrau. Sie sagte aber nicht wie! In welcher Form. Der Frieden, von dem die Jungfrau in der Prophezeiung sprach, bezieht sich auf die Kriege und Verfolgungen, welche die Irrtümer des atheistischen Kommunismus in der ganzen Welt verursachten. Der Friede ist nicht ein wunderbarer Weltfriede, sondern ein Friede nur bezüglich des Krieges der Irrtümer, welche Russland in der ganzen Welt verbreitete. Der Atheismus ist immer noch das Instrument des Teufels in der heutigen Zeit. Es ist eine grosse Sünde gegen Gott, wer Seine Existenz leugnet und dadurch vielfältige, teuflische Werke, wie z.B. die Abtreibung, begünstigt. Der Atheismus ist am meisten zu verurteilen. Und die grösste Häresie die es gibt ist der atheistische Kommunismus

Warum gibt es in Russland trotz der Weihe keinen Frieden?

Weil die jetzigen Kriege praktisch nicht vom Atheismus stammen, sondern Bürgerkriege sind. Die Leute kämpfen um die Macht. Die heutigen Kriege sind keine Weltkriege, sondern Bürgerkriege. Obschon der Atheismus immer noch existiert, glaube ich nicht. dass es dieser ist, der die Hoffnung, die Kirche Gottes und alles was übernatürlich ist, zerstören möchte. Die Jungfrau sagt jedoch, Kriege könnten durch Gebet und Opfer verhindert werden. Aus diesem Grunde verlangte Unsere Liebe Frau die Sühne-Kommunion durch die Weihe an Sie.

„Der dritte Tag der Fatima-Woche vor dem Triumph des Unbefleckten Herzens“

Die Menschen erwarten, dass die Dinge in einer persönlichen und sofortigen Zeitepoche eintreten. Fatima befindet sich immer noch am dritten Tag. Der Triumph ist ein kontinuierlicher Prozess. Wir befinden uns in der Situation „nach der Weihe“.

Der erste Tag war die Zeit der Erscheinungen;

der zweite jener der „nachträglichen“ Erscheinungen – vor der Weihe.

Die Woche von Fatima ist noch nicht vorüber. Und ich werde nicht die ganze Woche sehen können!

Fatima hat erst angefangen, wie soll alles so schnell fertig sein!

Ist der Rosenkanz die mächtigste Waffe?

Ja, in diesen Tagen, wo der Teufel so aktiv ist, müssen wir den Rosenkranz beten.

Warum wurde nur Russland geweiht? China ist kommunistisch…

Die Jungfrau sprach nicht speziell über China. Aber China ist heute die grosse kommunistische, weltliche Macht. Sie (die Jungfrau) sprach von der ganzen Welt und China ist damit enthalten. China ist jetzt wichtig, vor allem nach den letzten Vorkommnissen. Wie auch immer, die Jungfrau hat China nicht spezifisch erwähnt. Haben wir durch die Weihe Russlands 1984 einen Atomkrieg verhindert? Wir standen unmittelbar davor, wenn man die Konfrontationen zwischen den USA und Russland betrachtete. Die ganze Welt hielt den Atem an. Doch als der Heilige Vater die Weihe Russlands vollzog, wurden von einem Moment auf den andern die kriegerischen Pläne zu Friedensplänen. Das ist nicht normal! Die Waffen, die produziert wurden, wurden eingestellt und Zerstörungspläne wandelten sich in Friedenspläne um.

Die Weihe von 1984 verhinderte einen Atomkrieg, der 1985 stattgefunden hätte. Aber es muss für Gott gearbeitet werden, weil sich jetzt – wo diese Gefahr nicht mehr existiert – der Teufel aufrichtet und von seinem Traum erwacht und gegen Gott und alle seine Werke arbeitet.

Fällt der Materialismus in die ganze Welt ein?

Seit den Anfängen dieser ehrgeizigen Welt existiert die Idee, dass der Wohlstand mehr und besser ist als alles andere. Jeder kämpft darum, besser als der andere zu sein. Bruder gegen Bruder. Deshalb ist dies seit den Anfangen der Welt ein Übel.

Da jetzt der Kommunismus nicht mehr da ist, folgt nun der Materialismus. Früher konnten die Leute nichts kaufen. Der Materialismus ist viel schlimmer. Die Menschen sollten zuerst mehr Dinge von Gott wollen, bevor sie nach materiellen Gütern streben. Dieser Kampf existiert seit eh und je. Es ging soweit, dass sich der Kommunismus vom Materialismus trennte und so die Menschheit mit Unterstützung der Wissenschaft hätte zerstören können. Mit der modernen Technik schlugen sie diesen Weg der Zerstörung ein, um die Menschheit bis in einen atomaren Krieg zu stürzen. Aus diesem Grund verlangte Gott vom Papst, dass er die Weihe vollziehe und genau deshalb haben sich die Worte der Jungfrau erfüllt.

Was denken Sie über die andern Erscheinungen in der Welt?

Wir sind durch das Gebet verbunden; dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist uns alle segne. Gott hat sich durch die Wunder geoffenbart. Doch wir müssen warten und sehen, was Gott uns enthüllt. Die Jungfrau sprach mit mir nicht über andere Erscheinungen, doch wir wissen, dass Gott andere unsichtbare Wesen, wie seine Engel, geschaffen hat. Wir übergehen diese Geheimnisse und strengen uns deshalb an, die Fähigkeit zu erlangen, um zu wissen, ob sie existieren.

Welches ist die Botschaft der Schwester für die heutige, verwirrte Gesellschaft?

Wer nicht mit dem Papst ist, ist nicht mit Gott. Und wer mit Gott sein möchte, muss auch mit dem Papst sein.

Welchen Ratschlag geben Sie uns?

Beten, beten, immerfort beten. Das ist mein Ratschlag für die ganze Welt.

——————————————————————Übersetzung aus dem Spanischen A Martin/G. Inglin

Fatima – Verwirrung und Antwort (Sept. 2005)

Der Direktor des Heiligtums gibt eine authentische Antwort auf Anschuldigungen über Gerüchte mit zweifelhaftem oder tendenziösem Ursprung

Stellungnahme von P. Luciano Guerra, Leiter des Fatima-Heiligtums

an H.H. Selegny, Sekretär der Priesterbruderschaft  Pius X.

vom 1. September 2005 zu den beanstandeten Vorkommnissen vom 22.8.2005 in der Erscheinungskapelle.

Lieber Pater Selegny

Im Geiste meines Briefes vom 7.1.2005, auf welchen Sie die Freundlichkeit zu antworten hatten, auf mein E-Mail vom 17.2.2005 und aufgrund der Ereignisse des 22.8.2005 und auch für den Fall, dass die Gesellschaft des Hl. Pius X. die Absicht haben sollte, nach Fatima zurückzukehren, bitte ich Sie erneut, mir ein wenig von Ihrer Zeit zu gewähren.

Um einen Text zu haben, mit dem ich in der Lage bin, ihn auch Ihren Freunde zuzustellen, die mir nach Ihrer Wallfahrt geschrieben haben, nehme ich mir die Zeit, einen etwas detaillierten Brief zu schreiben, den ich Sie bitte, geduldig zu lesen.

Nachdem ich Ihren Brief und das E-Mail erhielt, hatte ich ein brüderliches und freundschaftliches Meeting mit Ihrem P. Daniel von Lissabon, der am 13.7.2005 zu mir kam, um mit mir zu sprechen.

Ich sagte ihm einmal mehr, dass ich nichts gegen Ihre privaten Pilgergebete hätte, unabhängig davon, was deren Absichten waren, dass aber jeder öffentliche Akt der Wallfahrt die Zustimmung der Autoritäten des Platzes, an dem sie stattfinden, haben müssten, und dies übrigens in Übereinstimmung mit den Regeln sowohl der natürlichen wie auch der kirchlichen Gesetze. Da ich Ihre Absicht unmittelbar nach Mittag eine Prozession zur Erscheinungskapelle durchzuführen kannte, informierte ich ihn (eben Pater Daniel aus Lissabon) auch, dass die Messe von 12.30 Uhr an diesem Platz ungefähr um 13.30 Uhr ende und dass dort an jedem Tag um 14 Uhr eine Sühnestunde zum Unbefleckten Herzen Mariä stattfinde; dies seit mehr als 25 Jahren von den religiösen Kongregationen. Ich liess ihn deshalb wissen, dass, falls Sie darauf bestünden, um die Mittagszeit zu kommen, wir Ihnen nur eine knappe halbe Stunde einräumen könnten und dass, um eine andere Zeit zu planen, es nötig sei, mit unserem Pilgerdienst zu sprechen.

Am 5.8.2005 fand ich auf meinem Pult eine kurze „Antwort“ von P. Daniel, die besagte, dass Sie sich in der Gebetszone auf das Beten des „Rosenkranzes, begleitet von den üblichen Gesängen von Fatima und auf das Lesen eines Textes von Lucia“, beschränken würden. Aufgrund seiner Weglassung der Prozession und der geplanten Zeit, interpretierte ich diesen Brief als ein Aufzeigen Ihrer Entscheidung, dass Sie sich auf private Gebete beschränken würden. Dies ist der Grund, weshalb ich überrascht war, am Montag, 22. August 2005 beim Gang zum „Leseraum der Kaplane“ Ihre Prozession zu hören, die sich zur Erscheinungskapelle hinunter bewegte, begleitet von Lautsprechern. Noch immer wollte ich jedoch glauben, Sie würden die Sühnestunde respektieren.

Als ich jedoch nach 14 Uhr die Fortsetzung feststellte, war es mit grossem Bedauern – denn ich liebe keine Konflikte – dass ich den Schwestern trotzdem befahl, mit ihren Gebeten der Sühnestunde zu beginnen, auf das Risiko hin, Ihre Gebete zu unterbrechen.

Ein Priester Ihrer Gesellschaft, so wurde mir berichtet, erlaubte sich dann, die Mauer der Erscheinungskapelle zu überklettern, da das Tor verschlossen war. Beabsichtigte er, das Mikrophon mit Gewalt zu ergreifen? Es war auf jeden Fall ein gravierender Vorfall und Missbrauch. Sie und ich verstehen, dass unsere Sicherheitswächter, die sich ein solches Benehmen überhaupt nicht gewohnt sind, mit Macht reagieren mussten, um die Ordnung wieder herzustellen, und sie dachten, es sei nötig, die Polizei zu rufen.

Ferner: Als man feststellte, dass Ihre Sturheit eine Situation des Zusammenstosses zwischen den beiden Gruppen (während des Sühnegebetes!) verursachte, musste ich schnell handeln und die Massnahme ergreifen, die mir als die einzig mögliche erschien, das Problem zu lösen, und die am wenigsten aggressive sowohl für Sie wie auch für die andern Pilger und Bewohner von Fatima.

Wären Sie kurz vor 14 Uhr ruhig zurückgekehrt, wäre nichts Unschönes passiert. Und hätten Sie uns wenigstens an einem der drei vorangegangenen Tage kontaktiert, hätten wir Ihnen möglicherweise an diesem Tag unsere Sühnestunde zur Verfügung gestellt oder, warum nicht, Sie eingeladen, sich uns anzuschliessen, denn die Intention war dieselbe, wenn auch nicht derselbe Anlass. Ich bitte Sie zu glauben, dass es in mir keinen Wunsch nach Rache gibt, obschon ich das Ziel von Lügen, Schmähungen, Entstellungen und Böswilligkeit war und dies von Teilen wichtiger Mitglieder Ihrer Bruderschaft. Sie werden es legitim finden, dass ich diese Wallfahrt – ohne Ihre Aufrichtigkeit zu bestreiten – als einen feindlichen Akt gegenüber mir und dem Bischof von Fatima-Leiria interpretiere, mit welchem Ihre Bischöfe, die in Fatima waren, nicht einmal einen Dialog suchten. Da ich jedoch wusste, dass Ihre Haltung betreffend der pastoralen Gegebenheiten dieses Schreins in einem doktrinären System und in einem tieferen und weitgehenderen Aktionsprogramm gegen die Kirche des Vaticanums II wurzelt, hatte ich keine andere Wahl, als die Autorität dieses Platzes aufrecht zu erhalten.

Im Weiteren: Aufgrund Ihrer kanonischen Situation, hätte ich Sie Ihrerseits mit voller Objektivität des Sakrilegs oder der Blasphemie anklagen können. Ich tat dies jedoch niemals und beabsichtige es auch nicht in Zukunft, denn ich will annehmen, dass Sie in gutem Glauben handeln.

Da mir der Herr die Gnade gewährt hat, eine fast viszerale (in mir innewohnende) Aversion gegen jede Art von Kontroversen zu haben, beabsichtige ich mit keinem Projekt und keinem Rückgriff auf die enorme Menge von Literatur zu antworten, die betreffend mir und Fatima durch Ihre Bruderschaft herausgegeben wurde. Ich werde deshalb fortfahren, Sie auch in Zukunft als Brüder zu betrachten, sogar als Katholiken, obschon im Status des erklärten Schismas (Entschuldigung, wenn die Formulierung nicht korrekt ist). Ich halte deshalb die Hoffnung aufrecht, dass Sie umkehren und sich der legitimen Autorität der Kirche unterstellen; eine zwar ganz schwache Hoffnung, schaut man auf die Fakten und unzähligen Situationen gleicher Art, die während der vergangenen zwanzig Jahrhunderten keine Lösung gebracht haben. Meine Überzeugung ist, dass Sie, die Sie Ihren Anti-Ökumenismus auf Ihre Banner schreiben, riskieren, eine weitere Gruppe zu werden, welche die Kirche von Rom in der näheren Zukunft nur im Bereich des Ökumenismus zu kontaktieren in der Lage sein wird. Positionen wie die Ihre sind jene, die einen Bedarf für ökumenischen Dialog und Behandlung verursacht haben.

Ich ergreife im Zusammenhang mit dem hier erwähnten Ökumenismus die Gelegenheit, gewisse Details betreffend des Wegs, wie wir die Hindu-Gruppe empfingen, zu klären. Es sei erstens festgehalten, dass ihr Besuch am 19. April 2004 und nicht am 5. Mai 2004, wie es weit herum berichtet wurde, stattfand. Zweitens hatte der Besuch gar nichts zu tun mit dem Kongress von Oktober 2003. Der Hindu-Priester war nur wegen des Wohlwollens des diensthabenden Wächters, ausgehend von einem Missverständnis, in der Lage, zum Presbyterium zu schreiten. Er war nämlich angehalten und daran gewohnt, nur dem Klerus ähnlich gekleidete Mitglieder zuzulassen. Die zuständige Hindu-Person vertraute mir nachträglich an, dass der Hindu-Priester nicht die Absicht hatte zum Altar zu schreiten, und dies glaube ich ihm. Ich selber – im Wissen, dass es sich um einen privaten Besuch handelte, obschon es eine Gruppe war – war nicht daran interessiert, sie zu begleiten, und als ich im letzten Moment einen unserer Kapläne sandte, dann nur deshalb, weil eine Fernsehstation ihre Anwesenheit angekündigt hatte. Betreffend des Bandes, das in einem Raum des Rektorates auf die Schultern von mir und dem Bischof gelegt wurde, erachtete ich dies als eine Freundschaftsgeste, die nicht geplant war, wie alles andere und ohne weitere Absichten seitens der Hindus. War es nötig, daraus ein sakrilegisches Drama zu machen?

Ich anerkenne, dass die Umstände geändert haben; deshalb wird es in Zukunft nötig sein, solchen Dingen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Wir wissen des weiteren, wie schwierig es ist, Klugheit mit Einfachheit zu kombinieren, wie der Herr es uns rät. Es ist aber auch festzuhalten, dass entgegen dem, was mit Ihrer Gruppe passierte, die Hindugruppe mit uns vorgängig Kontakt aufnahm, wenn auch in einer vagen Art. Sie benahmen sich deshalb freundlich und kamen als Freunde, so erschien es wenigstens, und ich will glauben, dass sie aufrichtig waren. Wenn dies der Fall war, war dann ihr Gebet eine Frucht des Hasses gegen Gott? Entschuldigen Sie, wenn ich Sie mit dieser Frage reize, worauf ich keine Antwort verlange.

Abschliessend bin ich sicher, dass wir alle von dieser unerfreulichen Erfahrung am 22.8.2005 hätten verschont werden können, hätten Sie die Demut gehabt (gestatten Sie mir diesen Ausdruck), uns zu kontaktieren und zwar vorgängig der Entscheidung, Ihre Aktivität zu einer Stunde zu planen, die die Rechtmässigkeit unserer Autorität über diesen Platz in Frage stellte.

Ich möchte nicht einige Exzesse des Eifers einiger Ihrer Gläubigen erwähnen, insbesondere betreffend unserer Posters (Anschläge); einige – so scheint es – versuchten sogar, die Kommunion in der Basilika auszuteilen; was Sie betrifft, räume ich ein, dass Sie bereit wären, keine solchen Missbräuche zu dulden.

Ich versichere Ihnen, dass Sie auch in Zukunft in unserem Heiligtum für jede Aktivität, die wir im Voraus vereinbaren, willkommen sein werden.

Da Sie überzeugt sind – obschon aufgrund von Interpretationen, die nach meiner Meinung voreilig, oberflächlich und böswillig sind – dass die Autoritäten von Fatima bereit sind, diesen heiligen Platz für heidnische Kulte Zweck zu entfremden, kommen Sie nicht umhin, Ihre Gläubigen aufzurufen, Busse zu tun zur Sühne für unsere Sünden. Ich hoffe auf jeden Fall, dass sie es in erster Linie in der Stille ihrer Herzen oder ihrer Schlafzimmer tun werden (Mt 6).

Wenn Ihre Absicht jedoch darin besteht, jene hier mit der Autorität Bekleideten öffentlich des Sakrilegs und der Blasphemie anzuklagen – mit einer den alten Inquisitoren würdigen Animosität – müssen Sie verstehen, dass es freundlicher oder barmherziger wäre (gestatten Sie mir dieses kleine Stück Ironie), dies an einem andern Ort als in Fatima zu tun.

Indem ich Ihnen nochmals für Ihre Geduld danke, bitte ich Sie, meine besten Gefühle in Christus und Maria anzunehmen, denen wir uns alle mit einem reinen und deshalb brüderlichen Herzen weihen möchten.

Fatima-Heiligtum, am 1.9.2005

Der Rektor

P. Luciano Guerra

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